2 / 238-239

GOLD - TAUBNESSEL
Laminastrum galeobolon - Labiatae


VON TOOTENNESSELN

    Der Tauben oder Todtennesseln seyn dreyerley Geschlecht.
    l. Das erste beschreibet LOBELIUS, dass es den Nesseln durchauss gleich sey/ mit Blettern so rings umbher zerkerfft/ und Stengeln welche da vierecket seyn: Es seyn auch die Bletter etwas geringer dann der grossen Nesseln/ darzu auch etwas weisser/ unnd brennen nicht. Die Blumen seyn weiss/ anzusehen wie eine Münchskappe/ rings umb den Stengel zwischen den Blettern besetzt: Nach den Blumen bringt es viel schwartzes Sämleins.
    ll.lll. Das ander und dritte Geschlecht ist dem ersten gantz und gar gleich/ wie auch FUCHSIUS bezeuget/ allein dass das eine gelb/ das ander aber braune Blumen tregt.
    Von andern Geschlechten der LAMIORUM, kan man lesen C.CLUSIUS LIB.3. OBSERVATION.PANNON. CAP.46. (Der dann drey Geschlechter beschreibet: das erste haben wir oben under dem dritten Geschlecht der Melissen beschrieben: das ander ist under die Braunwurtzen an der dritten Stell beschrieben.)
    Sie wachsen umb die Zäune herumb/ unnd an den alten Hofstätten/ blüen fast den Sommer uber.

Von den Namen
    Das erste Geschlecht heisst weiss Taub- oder Todnessel/ wird von etlichen Wurmkraut oder Wurmnessel genannt/ dieweil es den Wurm am Finger vertreiben sol/ Lateinisch LAMINUM ALBUM, PARONCIIHIRA, oder PARANICUM, item ARCHANGELICA ALBA. Das ander Geschlecht wirdt genennet gelb Taubnessel oder Todnessel/ Lateinisch LAMIUM LUTEUM, ANONIUM LUTEUM, und ARCHANGELICA LUTEA. Das dritte heist braun Todnessel/ Lateinisch LAMIUM PURPUREUM. Jn gemein heissts Taub- oder Todtnessel/ LAMIUM, URTICA MORTUA, und URTICA INERS.

Von der Natur/ Krafft/ und Eygenschafft der Totennesseln
    FUCHSIUS schreibt/ die Todtennesseln seyn einer warmer und trucknen Natur/ welches auss dem Geschmack könne abgenommen werden.

Jnnerlicher Gebrauch der Taubnessel
    Es werden diese Kreuter gar selten von den MEDICIS jnnerlich im Leib gebraucht/ ohnallein die mit den braunen Blumen/ welche ein gross Lob uberkommen hat/ wider die rohte Ruhr/ wann man sie in Wasser seudet/ unnd darvon trincket.

Eusserlicher Gebrauch der Taubnessel
    DIOSCORIDES schreibet/ lib.4.cap.90. dass der Taubnesseln Bletter/ Stengel/ Samen unnd Safft eine Eygenschafft haben/ die Härtigkeit zu vertreiben/ dessgleichen den Krebs/ Geschwer hinter den Ohren/ die Geschwülst am Halss/ STRUMA genennet/ und die Blutgeschwer/ darzu muss man die Schäden dess Tags zweymal bähen: mit der Brüh da dieses Kraut gesotten hat/ darnach das gestossen Kraut mit Essig warm/ auch zweymal wie Pflaster uberlegen.
    Von den weissen stinckenden Taubnesseln sagt man/ dass wann man das Kraut zerstosse/ unnd mit dem Safft auff den Wurm am Finger lege/ müsse derselbige baldt sterben.
    PLINIUS schreibet/ wann man das Kraut mit ein wenig Saltz zerstosse unnd uberlege/ seye es gut wann sich einer gestossen habe/ dessgleichen auch wider die alte faule Wunden und Geschwer.
    (Taubnessel gedörret/ gepülvert/ ist gut den fratten Pferden. Diss Pulver mit Osterlucey gleich viel/ Spongrün den dritten Theil/ under einander vermischet mit Salmiacksafft und Baumöl zu einer Salben/ heylet die alten Schäden unnd faule Wunden.)

Von dem Safft der Taubnesseln

    Dieser Safft kann auch leichtlich auss dem Kraut bracht werden/ wie bey dem Wermuthsafft ist gelehret worden. TRAGUS schreibet/ wann man diesen Safft in die Nasen thu/ so macht er schweissen.
    (Taubnesselwasser im Brachmonat distillirt/ Morgens und Abendts jedesmal zwey oder drey Loth getruncken/ ist gut für den weissen Fluss der Weiber.)