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GLEISSE - HUNDSPETERSILIE
Aethusa cynapium - Umbelliferae


VON DEM GLEIß ODER HUNDSPETERLEIN

   

            Dieweil wir in dem vergangenen Capitel von dem wahren Garteneppich der Alten/ welches wir Peterlein nennen/ gehandelt/ haben wir in diesem Ort den falschen Peterlein den der gemeine Mann bey uns Gleiß und Hundtspeterlein nennet/ nicht underlassen können auch zu beschreiben/ sintemal er viel gleychheit mit dem Peterlein hat. Es hat der Gleiß ein Wurtzel die ist nit uber Spannen lang/ der Peterlinwurtzel nit fast ungleich/ allein daß dieselbig lenger ist als die Wurtzel deß Gleissen/ hat einen seltzamen unlieblichen Geruch/ so dargegen die Wurtzel deß Peterleins wol unnd lieblich reucht. Die Bletter deß Gleissens seind dem Peterlein der gestalt halben so ähnlich und gleich/ daß man sie kaum vor einander underscheiden kan/ unnd ist der größte underscheidt under jnen beyden dieser/ daß der Gleiß sattgrüne Bletter hat/ da dargegen deß Peterleinskrautbletter liechtgrüner unnd runden Stengel wie der Peterlein/ welcher gleich deß ersten Jahrs seine weisse Blümlein bringet auff Crönlein oder Dolden wie der Peterlein/ darauff folget ein langlechter Samen dem Kümmel ähnlich. So dargegen der Peterlein im zweyten Jahr aller erst zum Stengel scheußt/ unnd seine geele Blümlein bringet/ darinnen der underscheidt dieser beyder Kreuter ist/ darbey sie zu erkennen unnd zu underscheiden seind/ zu dem sonst der Gleiß auch nicht wohlriechend wie der Peterlein/ sondern hat ein unlieblichen stinckenden Geruch. Er wächßt gemeiniglich in den Gärten mit andern Mußkreutern/ unnd sonderlich mit dem Peterlein auff.  

Von dem Namen deß Gleissen.
           
Es haben etliche fälschlich unnd nicht ohn geringen schädlichen Jrrthumb den Gleissen oder Hundtspeterlein vor das SILON DIOSCORIDIS oder SINON HIPPOCRATIS gehalten/ under welchen ADAMUS LONICERUS einer ist/ welcher schädliche Jrrthumb billich zu verwerffen ist/ daß man einem heylsamen wolriechenden Kraut/ wie das wahre SILON ist/ ein so stinckenden/ unlieblichen/ gifftigen Kraut vergleichen/ unnd an seine statt setzen sol/ wie wir weiter an seinem Ort anzeigen wöllen. Nun ist aber der Gleiß ein Geschlecht deß Schirlings/ welches der stinckende unliebliche Geruch/ und seine Kräfften genugsam anzeigen. Von deßwegen wird es von den Kreutlern/ APIUM CANINUM, CYNAPIUM, CYNOSELINUM, PETROSELINUM VANINUM, und APIUM ADULTERINUM,  genannt. Teutsch heisset er Hundtspeterlein/ Gleiß und stinckender Peterlein.

Von der Natur/ Krafft/ Wirckung und Eygenschafft deß Gleissen.
            Der unliebliche stinckende Geruch gibt genugsame anzeigung/ daß der Gleiß eine gifftige/ schädliche Eygenschafft an jhm hat/ derowegen er nicht unbillich under die stinckenden/ gifftig/ wüteriche Kreuter gerechnet wird/ sintemal er gleich wie der Wüterich die Menschen voll machet/ so der auß unverstand von wegen der gleichheyt/ so er mit dem Peterlein hat/ vor Peterlein in der Speiß genützet wirdt. Sonst hat er keinen weiteren gebrauch.