1 / 614-616

GERSTENGRÜTZE

 


 

 

VON DER DICK GESOTTENEN GERSTENBRÜHE.
PTISANA und CREMOR PTISANAE genannt.

 

            Dieweil wir hiebevor viel von der Gersten unnd jhrem Gebrauch geschrieben/ unnd sonderlich von dem Gemüß unnd andern dergleichen Speisen die darauß gemacht werden/ haben wir es auch für ein Nothturfft geachtet/ hie an diesem Ort auch etwas von den dicken Gerstenbrühhelein oder den lautern Müßlein die man PTISANAS nennet oder PTISANAE CREMORES meldung zu thun/ sintemal der berühmeste Griechisch Artzet HIPPOCRATES ein eigen Buch darvon und seiner Nutzbarkeit geschrieben hat/ welches nicht allein LIB.DE VICTUS RATIONE IN MORBIS ACUTIS, sondern auch LIBER DE PTISANA genennet wirdt. Es wirdt aber sonst fürnemlich Lateinisch/ PTISANA, die gescheelte Gersten/ HORDEUM DECORTICATUM, oder MUNDATUM verstanden/ genennet/ wiewol sie aber auch von vielen PTISANA HORDEACEA genannt ist worden/ sintemal sie auch auß andern Früchten/ als auß der Speltz/ Weitzen/ Reiß und den Linsen ist bereytet worden/ hat man denselbigen nit schlecht PTISANAS genannt/ sondern die Nahmen der Früchte darvon sie gemacht worden seyn/ hinzu gesetzet/ als die von der Speltz haben die Griechen genannt , ZEACEAM PTISANAM/ die von dem Weytzen/ , PTISANAM TRITICEAM, die von dem Reiß/ , das ist/ ORYCEAM PTISANAM, unnd die von den Linsen/ , das ist/ PTISANAM EX LENTIBUS. Hernachmals aber ist auch das dick Brühlein von der gekochten Gersten/ beide von den Griechen unnd Lateinischen PTISANA genennet worden/ wie solches dann auch noch heutigs Tags von den gelehrten Aertzten genannt wird/ welches Wort die gemeinen unnd unerfahrnen Practicanten/ unnd sonderlich die Calenderschmid vor das gemein Gerstenwasser verstanden haben/ unnd es noch mit den Apoteckern/ die es von jhnen gelehrnet/ fälschlich PTISANAM nennen.
            Es lobet der alt HIPPOCRATES diese Gerstensüpplein oder Brühlein/ PTISANAS sehr höchlich an dem obgemelten Ort/ und gibt jhnen den Vorzug vor allen andern Speißlein die auß den Kornfrüchten gemacht werden/ sonderlich aber in den hitzigen Febern unnd derengleichen geschwinden Kranckheiten. Diese Brülein aber zu bereyten hat man vielerley weisen/ aber die gemeine weiß bei den Griechen beschreibt GALENUS LI.?.ALIM. Man nimbt gescheelter Gersten/ wäschet die sauber/ und klaubet alle Spreuwerlein von den Hülsen darvon/ deren nimbt man ein theil/ seudet die in zehen theil/ oder wie PAULUS AEGINEA wil in fünffzehen Theil frisch Brunnenwassers so lang biß die Gerst weych und groß auffgequollen ist/ als dann geusset man ein wenig Essig zu/ und ein wenig Oele (Butter) daß man gleichwol auch anfenglich darzu thun mag und mit sieden lassen. Wann es nun genug gesotten ist/ thut man ein wenig gerieben Saltz darein/ unnd ein klein wenig Dillkraut oder Leuchel klein geschnitten/ und dieses ist die beste weiß die Gerstenmüßlein zu bereyten/ die Febricanten in hitzigen schnellen Kranckheiten damit deß Tages zweymal zu speisen.
            Unsere erfahrn unnd gelehrte MEDICI PRACTICI, die pflegen die PTISANAM oder Gerstenmüßlein gleicher gestalt zu beryten/ lassen aber den Leuchel unnd Dillkraut haussen/ unnd wann es wol gesotten ist mit dem Butter/ lassen sie es darnach durch ein Seihpfann  lauffen/ dz gebrauchen sie darnach den Krancken/ und so es die Notthurfft erfordert/ thun sie ein wenig Essig darzu/ deßgleichen Dill und andere gute Kreuter klein geschnitten/ je nach Gelegenheit der Kranckheit. Wann sie auch wöllen daß sie mehr nehren und stärcken sollen/ sieden sie die geschelt Gersten mit xv. mal so viel Hüner/ Capaunen oder kräfftiger Ochsen oder Hammelfleischbrühen/ und speisen die Krancken Febricitanten darmit.

 

Von der Natur/ Krafft/ Wirckung und Eygenschafft der dicken Gerstenbrühen die allein mit Wasser bereytet werden.
            Das dick Gerstenbrühlein PTISANA SIMPLEX, das allein mit frischem Brunnenwasser/ ein wenig Butter unnd Saltz ohne allen andern Zusatz bereytet wird/ kület und befeuchtiget/ nehret zimlich/ und gebieret ein gut Geblüt/ wüscht ab/ und öffnet die Adern. Das aber mit Hüner/ Capaunen oder Fleischbrühen bereytet wird/ nehret mehr/ stärcket besser unnd gibt sehr gute Krafft.

 

Gebrauch der gemeinen dicken Gerstenbrühen PTISANAE.
            Die gemein dick Gerstenbrühe PTISANA so allein mit dem frischen Brunnenwasser bereytet wird/ ist heylsam in allen hitzigen Febern/ in dem hitzigen Hauptwehethumb/ und allen geschwinden/ hitzigen Schwachheiten/ unnd bekombt sonderlich denen wol die Hauptwehethumb haben vom trincken hitziger unnd geschweffelter Wein/ stillet die subtielen Catharren unnd Hauptflüß/ dienet wider den hitzigen trucknen Husten/ ist gut wider das Seitenstechen/ die jnnerliche Geschweren der Lebern/ Lungen unnd Brustgeschwer/ wider die hitzige Geelsucht unnd den Lendenschmertzen/ ist fast heylsam den Lungensüchtigen unnd denen so mit dem schwindsüchtigen Feber beladen seyn/ dienet inn den hitzigen Schwachheiten deß Magens/ der Leber und aller jnnerlichen Glieder deß Eingeweyds/ leschet den Durst/ bekompt sehr wol allen hitzigen Gebrechen der Augen/ der Ohren unnd in der wütenden Kranckheit deß Hirns PHRENESIS genannt/ ist gut denen so stätig Gallen brechen/ ändert unnd verbessert die hitzige entrichtung der Leber/ dienet wider die heisserkeit und lindert die Rauhe Brust von scharpffen Flüssen verursachet/ und ist eine heylsame Artzeney denjenigen so ein Ader in der Brust unnd Lungen zerbrochen haben/ dienet den Miltzsüchtigen unnd verbessert die gifftige Schädlichkeit der eingenommenen Goldkäfferlein/ sonst auch Hispanische Mucken genannt/ deßgleichen in der Wolffswurtzel/ Zeitlosenwurtz/ Arsenicks/ unnd aller anderer scharpffen Gifft. Es bekompt auch sehr wol im Halßgeschwer/ und denen so mit dem Tertian Feber/ unnd den jenigen/ so mit den Febern von Gallen unnd uberentzigem Geblüt beladen seynd/ deßgleichen den Weibern die von ubriger hitz und truckne jhrer gebürlichen Monatblumen verstopfft seynd/ unnd sonst allen andern Kranckheiten so von unnatürlicher Hitz mit herrschung deß bluts verursachet werden. Die jenigen/ so Gibs oder Kalck eingenommen haben/ die sollen stätig der gemelten Gerstenbrülein geniessen/ die verbessern auch die Schädlichkeit deß eingenommenen Rösselsamens.
            Dicke Gerstenbrühlein mit Essig bereytet seind dienlich in der Därmruhr/ in Krimmen von der hitzigen Gallen verursachet/ deßgleichen denen so mit hitziger entrichtung deß Miltzes beladen seind.
            Ein Gerstenbrühlein mit ein wenig Kleyen unnd Mandelölen gesotten/ darnach durchgesiegen unnd genutzet/ ist eine gute Speiß unnd köstliche Artzeney den jenigen/ so das Seitenstechen/ Brustgeschwer unnd jnnerliche Apostemen haben.
            Ein Breylein mit der durchgesiegenen brühen von der Gersten unnd reyn gepülvertem Amelmeel gemacht/ ist denen nutzlich und gut so da Blut speihen.
            Dicke Gerstenbrühlein mit roten und schwartzen Brustbeerlein und weissem Magsamen gesotten/ unnd darnach durchgesiegen/ ist dienlich wider die hitzigen Hauptflüß unnd den trucknen Husten.
            Die gemelten Breylein mit Honig gesotten und temperiert/ vertreiben die alten trucknen Husten
            Ein dickes Gerstenbreylein mit kleinen Roseinlein/ schwartzen Brustbeerlein unnd ein wenig Mandelmilch gesotten unnd durchgesiegen/ dienet wider die entzündung der Lungen.
            Durchgeschlagene Gerstenbrühlein mmit frischen Eyerdotter ein wenig erwallet/ ist ein köstlich unnd kräfftige Speiß den jenigen so lang kranck gewesen unnd sich am Leibe verzehret haben.
            Ein dickes/ durchgesiegenes Gerstenbrühlein/ mit rein gepülverten Amelmeel und Zuckerpenid zu einem dünnen Breylein gesotten/ ist ein köstliche Artzeney die heisserigkeit zu vertreiben/ neben dem daß es auch den Leib speiset und gute Nahrung gibt.
            Ein dickes Gerstenbrühlein mit Mandelmilch/ Zucker unnd frischen Buttern gesotten unnd bereytet/ ist denen dienstlich so da keichen und ein schweren Athem haben/ von Hitz verursachet.
            Wider die Schwindsucht: Nimb deß durchgeschlagenen Gerstenschleims vier Untzen/ rein gepülvert Amelmeel ii. Untzen/ Vermisch es mit guter Hüner und Capaunen Brühen so viel genug ist/ laß sittiglich mit einander sieden zu einem dünnen Breylein/ und gibs dem Krancken Morgens und Abends zu essen.
            Ein dünnes Gerstenbrühlein mit Honig temperiert/ unnd warm getruncken/ ist gut wider das Seitenstechen unnd erweychet denselben Krancken den Bauch/ unnd bringet Stulgäng.
            Dicke Gerstenbrülein mit Honig gesotten unnd temperiert sampt ein klein wenig gestossenem Pfeffer/ ist ein heylsame speiß und Artzeney vor die Miltzsüchtigen.
            Ein dickes Gerstenbrühlein mit Kalbsfüssen gesotten/ darnach durchgeschlagen/ und ein wenig Essig sawr gemacht/ ist ein sehr gute Speiß wider die rote Ruhr.
            Ein dünnes Gerstenbrühlein mit Honig unnd Baumölen vermischet/ und durch ein Clistirzeug gebraucht und zu sich genommen/ erweichet den verstopfften Bauch/ und machet sanffte Stulgäng.
            Ein Gerstenbrühlein mit ein wenig roter Rosen gesotten/ durchgeschlagen/ und darnach durch ein Clistierzeug warm zu sich genommen/ vertreibt den Zwang/ unnd die grosse schmertzliche Gelüst zum Stulgang TENESMUM.

 

Eusserlicher Gebrauch der Gerstenbrühlein.
            Ein durchgeschlagenes Gerstenbrühlein in dem Mund gehalten/ leschet die grosse Hitze der verbrennten Zungen in den hitzigen Febern/ vertreibt die Bräun und heylet die schrunden.
            Oder nimb der dicken gesottenen Gerstenbrüh vier loth/ die durch ein Seihe geschlagen ist/ Quittensamenschleim ii.loth/ Pappelensamenschleim/ Süholtzsafft/ jedes ein loth/ Penidzucker ii. Loth/ vermisch diese stück durcheinander zu einem dünnen Latwerglein/ nimb jederweilen ein wenig darvon in den Mundt/ halt es ein weil darinnen/ es vertreibet die verbrannte schärpff/ und heylet die Zungen/ schlucke auch jedertweilen ein wenig hinab die Hitz im Hal zu legen/ und die schrunden und verwundung von der hitz zu heylen. So offt du aber diese Artzeney gebrauchen wilt/ soltu den Mundt unnd Hal zuvor wol wäschen und gurgeln/ und die Zunge sauber fegen.
            Durchgeschlagene Gerstenbrühe offtermals ein gute weil im Mundt gehalten/ miltert das Zahnwehe das von hitze unnd trückne verursacht wird.
            Durchgeschlagene Gerstenbrühen in dem Mundt gehalten/ heylen die hitzigen Geschwerlein de Zahnfleisches/ und legen die Hitz und den Schmertzen.