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GERSTENBROT

 


 

VON DEM GERSTENBROD.

 

            Das Gerstenbrodt ist vor arme und arbeitende Leut ein gutes und gesundes Brodt/ es hältet wol wider/ gibt gute Nahrung unnd stärcket wol/ doch weniger als das Weitzen oder Rockenbrodt/ unnd will gute starcke Mägen haben. Etliche vermischen halb Weitzenmeel under das Gerstenmeel wann sie backen wöllen/ und wirdt dasselbige Brot besser und verdauwlicher/ die andern da es nicht Weitzen hat/ die thun Speltz oder Rockenkornmeel darunder/ das gibt auch sehr gut Speißbrodt/ die Armen aber weren mit Gerstenbrodt sehr wol zufrieden/ wann sie dessen nur genug haben köndten.

 

Von den Namen deß Gerstenbrodts.
            Das pur Gerstenbrodt das allein auß lauterem Gerstenmeel gebacken wirdt/ heisset Lateinisch/ PANIS HORDEACEUS.

 

Von der Natur/ Krafft/ Wirckung und Eigenschafft deß Gerstenbrodts.
            Das Gerstenbrodt ist ziemlich temperierter Natur/ an jhm selbst ziemlich trucken und külender Eigenschafft/ gibt gute starcke Nahrung/ man vermisch es gleich under ander Meel/ oder backe es vor sich selbst allein.

 

Jnnerlicher Gebrauch deß Gerstenbrodts.
            Es ist das Gerstenbrodt ein gutes Brodt/ vor Leuth die schwere Arbeit thun/ zu niessen. Es geben etliche für/ daß diejenigen/ so Gerstenbrodt stetig in jhrer Speiß gebrauchen daß sie aller Kranckheiten der Flüß sicher seyn sollen. Es schadet dieses Brodt denen/ so mit dem schweren Athem unnd keichen beladen seyndt/ und ist den Weibern so jhren Monatblumen uberflüssig haben nutz/ deßgleichen auch den Wassersüchtigen.
            Sonst kann man auch gute Brotbrey und Müser mit Milch oder Fleischbrühen auß der Brossam bereyten/ wie auß anderm Brodt/ die speisen das Gesind und Taglöhner wol/ unnd geben gute Nahrung.

 

Eusserlicher Gebrauch deß Gerstenbrodts.
            Gerstenbrodt zu Pulver gebrennet/ folgendts in einem Mörser klein gerieben/ und mit Bärenschmaltz und rein gepülvertem Saltz zu einer Salben temperiert/ machet Haar wachsen/ so man das Haupt darmit salbet. Etliche brennen das Saltz mit dem Brodt/ stossens darnach klein/ unnd machen darnach mit Bärenschmaltz unnd Böckinunschlit ein Salb darauß.
            Ein warmes Gerstenbrodt in der mitten entzwey geschnitten wie es auß dem Ofen kompt/ unnd gepülverten Wießkümmel darauff gestrewet/ erkläret unnd schärpffet das trübe unnd dunckel Gesicht vor die Augen also warm gehalten.
            Die schwartzen und geelen Zähn weiß zu machen: Nimb Gerstenbrodt acht Untzen/ die Schalen von 60 Eyern/ roter Corallen/ Weyrauchrinden/ jedes ii.loth/ Tag unnd Nachtkraut/ klein Miltzkraut/ in der Apotecken Ceterach genannt/ jedes ii. Handvoll. Mache diese Stück in einen Hafen/ thue ein Deckel darüber/ denselben verlutier wie auch den gantzen Hafen mit LUTO SAPIENTIAE, setze den darnach in ein Fewer/ laß jhn xxiiii.stunden in steter Hitz darinnen brennen/ darnach nimb die MATERIAM herauß/ stosse zu Pulver/ unnd thue ferner darzu Fischbein die die Goldtschmidt brauchen/ ein loth Nägelein/ breyten Coriander/ Zimmatrinden/ jedes ein halbes quintlein/ Veielwurtz ein quintlein/ alle zu reinem Pulver gestossen/ vermische die wol durch einander/ unnd behalte die in einem verschlossenen Büchßlein zu dem Gebrauch/ darvon nimb täglich ein wenig und reibe die zähne damit/ so werden sie schön/ sauber und weiß.
            So sich ein Wein verkehret hette/ so nimb ein heiß Gerstenbrodt wie es auß dem Ofen kompt/ schneids von einander/ und leg ein theil also heiß uber den Pundten/ laß ligen biß es kaldt wirdt/ und thue das etlich mal nach einander/ so zeucht es alles auß was dem Wein schädlich ist: ist auch sehr gut wann ein Wein verschweffelt ist unnd nach dem eynschlag stincket/ dann es zeucht den Schweffel unnd allen Gestanck auß dem Wein/ so auch ein Wein stinckend were/ unnd ein ubelen/ unlieblichen Geschmack bekommen hette.
            Wann sich ein Bier verkehret hat/ soltu in gleicher Gestalt wie mit dem Wein gemeldtet/ mit dem Gerstenbrodt zu hülffe kommen.
            Den bösen Schleim unnd Feuchtigkeit auß dem Wie zu ziehen/ thun etliche Gerstenbrod in ein Körblein/ unnd hencken es in den Wein/ wie APULEIUS bey dem Keyser CONSTANTINO LIB.7.AGRIC.C.26. bezeuget.
            Wiltu guten Essig machen/ so nimb ein guten alten Wein/ wenig oder viel/ nach dem du deß Essigs wenig oder viel machen wilt/ den lasse uber dem Fewer siedend heiß werdfen/ schütte jhnen in einen Hafen oder Krug/ stelle den hin/ unnd wann er kalt worden ist/ so nimb ein heiß Gerstenbrodt/ wie es auß dem Ofen kompt/ das sehr wol gebacken ist/ das schneide zu stücken/ unnd werffe das in den Wein/ laß darinnen ein Tag und Nacht ligen/ nimb es dann herauß/ laß wol ertreieffen/ und stelle den Hafen darnach verdeckt in die Sonn/ oder im Winter auff ein Ofen/ so hastu in kurtzer Zeit ein sehr guten Essig.