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GEMSWURZ
Doronicum - Compositae


VON GEMBSENWURTZ

    Es gedencket C. CLUSIUS etlicher Geschlecht der Gembsenwurtz/ derer nur zwey allhier abgerissen seyn.
    l. Das erste hat nach der Beschreibung MATTHIOLI einen runden/ holen/ gestirnten/ härigen Stengel/ fast eines Schuchs hoch/ bissweilen auch höher/ an welches Güpffel drey oder vier goldt gelbe Blumen mit kleinen glitzenden Bletlein rings umbher besetzt/ wie die Rheinblumen/ herfür kommen: Die Bletter seynd rundt/ unden am Stiel etwas aussgeschnitten/ forn glatt/ auff den Rücken etwas rauch und härig. Die Wurtzel ist weiss/ hat an etlichen Orten runde Knollen zu beyden Seiten/ mit dünnen Fäseln besetzet/ anzusehen wie ein Scorpion mit seinen Füssen.
    ll. Das ander Geschlecht ist dem ersten fast gleich/ allein dass seine Bletter länger und spitziger seyn/ daher es auch DORONICUM LONGIFOLIUM genennt wirdt. Die Blume ist auch etwas zarter und lustiger anzusehen.
    Ohn diese beyde Geschlecht werden noch von C. CLUSIO vier ander in seinen OBSERVATIONIBUS PANNON, LIB.3. CAP.27. beschrieben.
    (Das erste hat einen Stengel/ so härig/ lindt/ fast eines Schuchs hoch/ mit wenig Blettern/ welche länglecht/ dick/ härig unnd scharpff: Am Güpffel dess Stengels ist gemeiniglich nur ein rothgelbe Blumen/ mit kleinen glintzenden Bletlein umbher besetzet/ welchem ein kleiner schwartzer Samen folget/ so in den Locken un leichtlich verfleugt. Die Wurtzel ist schwartzlechtig/ gleichechtig/ mit etlich weisslechtigen Zasern/ unnd am Geschmack lieblich.
    Das ander unnd das dritte ist einander sehr gleich/ haben einen grünen runden/ holen Stengel/ so in der andere Elen hoch/ in der dritte aber etwas niederer/ unnd haben ein grössere unnd breytere goldtgelbe Blum/ so in der dritte viel grösser: Die unterste Bletter haben lange Stiel/ sindt breyt unnd zerkerfft/ die aber umb den Stengel/ den sie umbgeben sind länger/ scharpff unnd bitter. Die Wurtzel ist eines kleinen Fingers dick/ weisslechtig/ von deren etliche Zaseren herunter gehen.
    Das vierdte hat einen Stengel auff zwo Ehlen hoch/ und eines kleinen Fingers dick/ so harechtig/ unnd zu oberst an etlich Aestlein aussgetheilt: hat wenig Bletter/ welche harechtig/ etwas zerkerfft/ deren die unterste rundt/ die andere langlechtig/ unnd umbfangen den Stengel: Die Blumen sindt gelb/ und gross/ so mit 20. oder 30. kleine Bletlein besetzt sind/ unnd ohne Geruch. Die Wurtzel ist weisslechtig/ und hat runde Knollen.
    Diese vier Geschlecht wachsen auff dem Steyrmarckischen und Oestereichischen Gebürg/ unnd wirdt das ander unnd das dritte Geschlecht von den Jägern unnd Hirten Gembswurtz genannt.
    So wirdt auch von LOBELIO noch ein Geschlecht gesetzet/ welches beschreibet DORONICUM BRACHIATA RADICE CANCRI FORCIPICULARUM RITU, darvon in seinen OBSERVATIONIBUS FOL.370. und in ADVERSARIIS 290. zu lesen.
    (Dieses findet man in diesem Buch in der 2. Sect. am 8. Capit. under den Namen ACONITUM PARDALIANCHES 2. PLINII, beschrieben unnd gemahlet.)
    Es wachsen die Gembsenwurtz in Welschlandt auff den Gebürgen GARGANO unnd BALDO, auch an andern Orten mehr/ welcher C. CLUSIUS gedencket. (Wie dann auch in dem Schweytzer Gebürg.)

Von den Namen
    Gembsenwurtz wirdt in Latein genennt DORONICUM, welchen Namen es durchauss behält/ (unnd von den Jägern Schwindelkraut.)

Von der Natur/ Krafft/ unnd Eygenschafft der Gembsenwurtz
    DORONICUM ist in seiner Natur warm und trucken.

Jnnerlicher Gebrauch der Gembsenwurtz
    Die Wurtzel wirdt gebraucht zu den Winden unnd Auffblähungen dess Leibs/ und sonderlich der Mutter/ tödtet unnd treibet auss die Würm im Leib/ eröffnet die Verstopffung der Därmen/ fürdert den Harn/ stärckt das zitterende Hertz/ widersteht dem Gifft/ und wird auch zu dem edlen Theriac gebrauchet. Jn Welschlandt/ da man solcher Kreuter viel haben kan/ kan man allerley COMPOSITIONES von Syrupen/ Conserven/ Latwerglein und dergleichen dispensiren und zubereyten.
    (Jn den hohen Schweytzer Gebürgen pflegen die so nach den Gembsen steigen/ diese Wurtzel wider den Schwindel zu essen/ wie dann auch in Steyrmarck:
    Die Wurtzel gepülvert/ mit Feygen gestossen/ unnd ubergelegt/ heylet der gifftigen Thier Biss und Stich.)
    Ob dieses DORONICUM das ACONITUM PARDALIANCHES MINUS sey/ und ein Gifft bey sich hab/ also dz seine Wurtzel Hund/ Füchs unnd Wölffe tödten könne/ darvon kan man lesen MATTHIAM LOBELIUM in seinen ADVERSARIIS FOL.209.