1 / 305-307

GELBER WAU

Reseda lutea - Resedaceae

 

 

VON DEM KRAUT RESEDA

 

 

 

             Wir haben der Kreuter die man RESEDAS nennet bey uns in unserem Teutschlandt zwey underschiedtliche Geschlechter/ die hin und wieder wachsen/ seindt doch weniger bekannt.
            l. Das erstr Geschlecht hat ein dünne/ lange/ unnd weisse Wurtzel/ die ist der Wurtzel deß Streichkrauts ähnlich/ am Geschmack schärpfflechtig mit einer subtilen astriction oder zusammenziehung/ allerdings wie der geschmack deß Streichkrauts. Die Bletter seindt schmal und lang/ vielfaltig zerspalten/ von Farben grauw oder weißlechtig/ die Stengel werden Elenlang und auch bißweilen lenger/ die seynd schmal und dünn die haben jhre Nebenzweyglein/ auff welchen wie auch auff den Hauptstengelein/ lange und schöne kleine Blümlein wachsen geringsherumb umb die Stengel die vergleichen sich den blümlein deß Oelbaums/ seyndt dick ubereinander gedrungen/ also daß sie anzusehen seyndt wie ein schönes Aehr/ von Farben bleychgeel wie die Blümlein deß Streichkrauts: Wann diese abfallen und vergehen/ so wachsen im Augstmonat hernach viel kleiner Heußlein oder Böllelein/ die seynd oben auffen anzusehen wie kleine kreußlein/ darinnen ist ein schwartzbrauner kleiner Samen verschlossen/ dem Bilsensamen ähnlich/ wirdt im Herbstmonat zeitig. Dieses Kraut wächst viel umb die Churfürstliche Statt Heydelberg/ hin unnd wider an den Staden deß Neckers/ deßgleichen im Wormbser und Altzer Gaw an den Rechen der Aecker/ und neben den Wegstrassen. Ich hab dessen auch viel gesehen in Hochburgund umb Grey unnd die Statt Bisantz.
            ll. Das ander Geschlecht hat ein sehr dünne unnd lange weisse Wurtzel/ die Bletter seynd auch grawfarb und weiß/ seynd aber viel breyter als die Bletter deß jetztgemelten/ die seynd fast den Blettern deß jetztgemelten/ die seynd fast den Blettern deß wilden Rauckens ähnlich/ die Stengel und Blumen/ wie auch der räse und zusammenziehend Geschmack/ deßgleichen auch der schwartzbraun/ seynd allerdings dem ersten durchauß gleich. Dieses wächst in dem Wormbser Gaw in den Fruchtfeldern/ und wird auch bißweilen an den Rechen der Aecker und neben den Srassen gefunden/ aber doch nicht so uberflüssig als das erst Geschlecht.

 

lll Groß Reseda.
RESEDA MAIOR III.

 

            lll. Das dritte Gechlecht hat ein lange und grosse wurtzel dem ersten gleich/ das wirdt etwann drey oder vier Elen lang/ auch bißweilen lenger/ die Bletter seyndt schmal/ lang/ in viel theil tieff zerschnitten/ gleich wie das erst geschlecht/ seynd aber viel grösser/ wie auch die Blumen. Die lange Häuptlein oder Heußlein die nach den Blumen folgen/ die hangen undersich/ darinnen es auch wie mit der grösse von dem ersten Geschlecht underscheiden wirdt/ sonst was den Geschmack belangen thut/ ist es den andern beyden auch gleich. Dieses Gewächs wird bey uns in den Gärten gezielet: Zu Brüssel in Braband hab ich dieses Kraut auff anderthalb Manns lang in deß Cardinals Granuels Garten gesehen/ und ist in der warheit ein schön lustig Gewächs anzusehen. Der Samen sol erstmals auß Hispanien ijn diese Landt kommen seyn.

 

Von dem Namen dieser Kreuter.
            Es haben die Gemelten zwey ersten Kreuter/ wie auch das dritt noch keinen Teutschen Namen bey dem gemeinen Mann/ so ist das Gewächs an jhm selbst den mehrentheil unsern Aertzten unbekannt. Es scheinen aber diese Gewächs viel gemeinschafft mit dem Streichkraut zu haben/ wie es bey dem DIOSCORIDI, THEOPHRASTO oder den andern Griechischen Aertzten sey genennet worden/ weiß ich nicht/ und hat es auch sonst noch keiner angezeigt. Aber ich halte es mit etlichen Kreutlern vor das RESEDAM PLINII, LIB. 27. C.12. Sonst wird es weiter von den Kreutlern und Simplicisten genennet ERUCA CANTABRICA unnd ERUCA HISPANICA, dardurch sie das grösser unnd zam Geschlecht verstehen. Teutsch/ Spanischer Raucken/ das ist ERUCA HISPANICA.

 

Von der Natur/ Krafft/ Wirckung und Eygenschafft deß Krauts RESEDAE.
            Der räse und subtiel zusammenziehend Geschmack der gemelten dreyer Kreuter/ geben genugsame anzeigungen/ daß sie ein wärmende und stärckende Krafft und Wirckung haben/ mit einer geringen astriction. PLINIUS der schreibt daß man zu seiner bzeit die Geschwer und entzündungen mit diesem Kraut zertheilt habe/ doch meldet er dabey daß man diese Wort darzu hab müssen zum drittenmal sprechen/ RESEDA MORBOS RESEDA, SCISNE, SCISNE, QUIS HIC PULLOS EGERIT,NEC PEDES, NEC CAPUT HABEANT? Dieweil aber auß dem Geschmack dieses Krauts wie oben gemeldtet/ leichtlich abzunemmen ist/ daß dieses ohne die gemeldte Zauberische Wort/ darab billich die Christen ein abschewen haben sollen/ die Geschwer und Entzündung wol zertheilen unnd vertreiben kan/ so ist unvonnöten Christliche Gewissen mit den obgemeldten Zauberworten zu beflecken. Weitere Kräfft und Tugenden dieses Krauts seyndt uns unwissendt.