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GELBDOLDE (STENGELUMFAßENDE)
Smyrnium perfoliatum


VON DEM SMYRNENKRAUT

    Das Smyrnenkraut oder SMYRNIUM DIOSCORIDIS ist viel Jahr her unbekannt gewesen/ sintemal unsere Vorfahren/ wie auch noch heutiges Tags unsere Kalendermacher sich der erkanntnuß der Kreuter sehr wenig angenommen/ dardurch viel Kreuter in vergeß kommen/ und hernachmals zu unser zeit/ da man sich wider auff diese Kunst gelegt/ viel und mancherley meynungen von den Kreutern gewesen/ biß man einen jeden widerumb sein Platz unnd statt eyngeraumet. Also ist es auch dem SMYRNIO oder Smyrnenkraut gangen/ dan einer hat gewölt unser Meisterwurtz seye das wahre SMYRNIUM, andere haben den gemeinen Liebstöckel darvor gehalten/ die dritten ANGELICAM, unnd die vierdten den Alexandrinischen Peterlein/ under welchen der hohe unnd weitberühmbde PHILOSOPHUS IOANNES MANARDUS FERRARIENSIS der erste gewesen/ der hefftig gestritten/ daß gemeldter Peterlein das wahre und rechte SMYRNIUM der Alten seye/ welcher es auch under den andern allen am besten getroffen/ und wiewol es doch nicht das SMYRNIUM DIOSCORIDIS ist/ so ist es aber doch ein SMYRNIUM, nemlich das SMYRNIUM GALENI, wie wir weiter hernach inn folgendem Capitel anzeigen wöllen. Das SMYRNIUM aber so DIOSCORIDES beschrieben/ ist ein ander Gewächß/ welches Figur wir hiebey abreissen lassen. Dieses Smyrnenkraut hat ein zimbliche dicke Wurtzel/ die ist ausswendig schwartz/ und innwendig bleychweiß/ kleiner und kürtzer dann die wurtzel deß Alexandrinischen Peterleins/ eines starcken Geruchs wie der Geruch deß Myrrhen/ am Geschmack räß unnd zanger mit einer bitterkeit vermischt. Der Stengel ist dem Eppichkraut gleich/ gleichechtig mit vielen angewachsenen Nebenästlein/ die understen Bletter seind kleiner dann deß Alexandrinischen Peterleins/ den Blettern deß Macedonischen Peterlen ähnlich. Die andern Bletter aber die oben bey den Gewerben stehen/ seynd rundt/ steiff/ unnd am Umbkreiß zerkerfft/ und gehen die Stengel aller Nebenzweiglein wie auch der Hauptstengel/ durch die bletter/ als weren sie dardurch gezogen/ dem Durchwachs gleich. Auff dem obertheil der Zweiglein wachsen Crönlein oder Schatthüttlein/ wie auff dem Dill oder Durchwachs/ die blühen grüngeel und bleych/ wann die abfallen und vergehen/ folget ein runder/ Braunschwartzer Samen/ dem Köhlsamen ähnlich/ derselbige ist szanger/ am Geschmack der Myrrhen gleich. Dieses Krauts wächßt viel in der Landtschafft CICILIA auff dem Berg AMANO, als DIOSCORIDES davon schreibet/ unnd an steinechtigen Bergen/ unnd im feuchtem ungebauwenem Erdtreich. Heutiges Tages wirdt es bey uns in den Lustgärten gezielet und gepflantzet/ dann es von sich selbst in Teutschlandt nicht wächset. Es wirdt aber zu uns gebracht auß CANDIA, da es inn grosser Meng und uberflüssig wächset.

Von dem Namen deß Smyrnenkrauts
    Das Smyrnenkraut heisset Lateinisch SMYRNIUM, SMIRNIUM PETROSELINUM CICILIUM, und bey dem PLINIO LIB.19.IN FINE, MURRHA. Von den Kreutlern unnd Simplicisten wird es genannt SMYRNIUM DIOC.SMYRNIUM CRETICUM CANDIACUM, zum underscheidt deß SMYRNII GALENI, unnd der andern falschen Smyrnenkreuter/ denen der Nam SMYRNIUM unbillich aufgedrungen worden ist. Teutsch/ Smyrnen oder Myrrhenkraut/ von wegen deß Myrrhen Geruch.

Von der Natur/ Krafft/ Wirckung und Eygenschafft deß Smyrnenkrauts.
    Es ist das Smyrnenkraut sampt Wurtzeln unnd Samen/ warmer und truckner Natur biß in den dritten Grad unnd mögen derwegen nützlich innerlich unnd eusserlich zu mancherley gebrechen deß Leibes gebraucht werden/ ohnangesehen/ daß dieses Gewächs biß daher auß Fahrlässigkeit und unwissenheit/ auß seinem gebrauch kommen ist.

Jnnerlicher gebrauch deß Smyrnenkrauts.
    Die Bletter deß Smyrnenkrauts seynd wie DIOSCORIDES bezeuget/ LIB.3.CAP.61. bey den Alten/ zu behalten/ eyngemacht und gesaltzen worden/ die man zu der Speiß gebraucht hat/ die stopffen den Stulgang.
  
Smyrnenwurtzel getruncken/ ist gut wider den Schlangenbissz/ wider den Husten/ kurtzen/ unnd schweren Athem/ unnd sonderlich denen/ so nicht dann auffgericht äthmen können.
  
Smyrnensamen ist gut wider die Gebrechen deß Miltzes/ Nieren und Blasen. Er treibet die Weibliche Monatblumen/ und die Nachgeburt. Er ist auch denen dienlich/ so die Hüfftwehe haben/ in Wein getruncken. Er zertheilet die windige Bläst deß Magens/ treibet den Schweiß/ bringet das röpsen/ und ist sonderlich gut den Wassersüchtigen/ und wider das ankommen der underlassenen Febern.

Eusserlicher Gebrauch deß Smyrnenkrauts.
    Smyrnenkrautwurtzel zerstossen/ und wie ein pflaster ubergelegt/ vertreibt die hitzigen und frischen Geschwülsten und alle härtigkeit/ bringet die Wunden zu der heylung. Weytere Kräfft unnd Tugendt dieses Krauts und Wurtzel/ wirdt durch die tägliche erfahrung erlernet werden.