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GEISSFUSS, GIERSCH
Aegopodium podagraria - Umbelliferae


VON DEM GEYßFUSS ODER HINFUß.

    Das Kraut so man Geyßfuß oder Geyßfüssel nennet/ DAS HAT MEHR Gemeinschafft mit der Meisterwurtz/ dann der schwartz Sanickel oder Astrentz. Wiewol sich die Bletter der Angelick mehr vergleichen/ es hat ein kleine weisse Wurtzel mit wenig Zaseln/ die kreucht in dem Erdreich hin und her/ unnd nimpt in kurtzer Zeit ein gantzen Garten eyn/ dann wo sie einmal eynwurtzelt/ ist sie nicht leichtlich mehr außzurotten. Die Stengel seynd rund mit Holkelen/ unnd gleychechtig/ die werden Elen lang/ von den Gleychen wachsen Nebenästlein herauß/ auß holen Säcklein wie auß der Angelick/ darauff wachsen wie auch an dem hauptstengel schöne Dolden oder Kronen mit weissen Blumen den Kronen der Meisterwurtzel gleich. Es wächst in den Graßgärten/ hinder den Zäunen/ und feuchten feysten Orten. Das Kraut hat ein ziemlich starcken Geruch/ doch viel schwacher als die Angelick und Meisterwurtzel/ am Geschmack räß unnd scharpffelecht.

Von den Namen deß Geyßfuß.
    Das Geyßfüssel wirdt von etlichen vor ein VITIUM ANGELICAE gehalten/ dieweil die Bletter derselben gleich seynd. Es wirdt von den Kreutlern und Simplicisten/ AEGOPODIUM, PES CAPRAE, PODAGRARIA und HERBA GERHARDI genannt. Hochteutsch/ Geyßfuß oder Geyßfüssel/ Zipperleinskraut/ Podagramskraut/ Hinfuß/ Hinlauff und Witscherlenwetsch/ dieweil es also in der Erden hin und her fladert wie die Quecken. [Baumtropff.]

Jnnerlicher Gebrauch deß Geyßfuß.
    Wiewol der Geyßfuß ein veracht unnd unachtsam Kraut ist/ so hat es doch auch seinen gebrauch in der Artzeney uberkommen/ und wird insonderheit höchlich gelobt zu dem Zipperlein/ Gliedsucht und Hüfftwehe. Deßgleichen zu den faulen Fiebern in Wein gesotten/ unnd morgens und abendts darvon getruncken/ oder sonst zun Geträncken gebraucht.
  
Wider die faulen Fiebern sol man die Wurtzel zu Pulver stossen/ und darvon i.quintlein mit Wein darinn Geyßfüsselkraut gesotten worden/ etliche tag nacheinander warm trincken und darauff schwitzen.

Eusserlicher Gebrauch deß Geyßfüssels.
    Das Geyßfüssel/ eusserlich Pflastersweiß ubergelegt/ oder damit gebähet/ ist ein gute Artzeney wider das Zipperlein/ Gliedtsucht und die schmertzen der Hüfft.
  
Schweißbäder darvon gemacht/ unnd deß Pulvers ein quintlein mit Wein getruncken/ wann man in ein Schweiß wil gehen/ und wolgeschwitzt/ verhütet den Menschen vor dem Zipperlein und Gliedsucht/ vertreibt das kalt und lauffende Gegicht in den Gliedern.
  
Es ist auch der Geyßfüssel den Wundärtzten bekannt worden/ dann sie es zu heylung der Wunden und allen Schäden gebrauchen/ wie es dann in der Warheit ein fürtreffentlich Wundkraut ist.