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GALBANUM
Stammpflanze:
Steckenkraut – Ferula gummosa


VON DEM SAFFT ODER GUMMI AMMONIACO.

(keine Bilder)

    Armoniac oder Gummi Armoniac/ ist/ wie DIOSCORIDES LIB.3.CAP.86. bezeuget/ ein Safft eines Krauts/ welches ein Geschlecht deß Ferulkrauts ist/ in der Landschafft Lybia bey Cyrenen/ unnd bey dem Tempel deß Heydtnischen Abgotts Jupiters AMMONIS, Daher es auch seinen Namen empfangen hat.
  
l. Der beste Armoniac ist der/ welcher wolgeferbet ist/ unnd kein Holtz noch steinlin hat mit kleinen Körnlein dem Weyrauch ähnlich/ fest/ lauter/ und der keine unreynigkeit in jm hat/ mit seinem Geruch dem Bibergeyl gleich/ und am Geschmack bitter. Das Kraut aber darauß gemeldter Safft gesammlet wird/ ist zu unsern Zeiten wie auch zur Zeit DIOSCORIDIS unbekannt: Deß Saffts aber werden heutiges Tages zwey Geschlecht zu uns gebracht/ nemlich das erste wie es hie oben beschrieben ist/ welches doch nicht fast gemein unnd schwerlich zu bekommen.
  
ll. Das ander Geschlecht ist mit Steinlein/ Sandt unnd anderm Unrath vermischet/ das wirdt in grosser Menge zu uns gebracht/ und ist in allen Apotecken gemeiner/ dann das erste unnd beste/ den pfleget man aber auff folgende weiß zu säubern. Nimb deß Gummi Armoniacs so viel du wilt/ zerstoß den ein wenig/ thue den in ein steininen Hafen oder Topf/ geuß frisch Brunnenwasser darüber/ laß darüber also vier und zwantzig Stunden verdeckt stehen/ deß Morgens laß es sittiglich uber einem Kolfewerlein zergehen/ darnach seihe es durch ein starck Tuch/ und druck es hart auß so bleiben die steinlein/ Sandt unnd aller Unrath in dem Tuch/ laß folgendts widerumb sittiglich sieden mit stätigem rühren biß es dick wirdt/ dann geuß es auff ein Stein der ein wenig mit Oele gesalbet seye/ und formier als dann Stücklein darauss nach deinem gefallen/ und behalte sie zum gebrauch. Auff solche weise mag man alle Gummi oder der gleichen Säfft/ so sich nicht stossen lassen/ und unsauber seindt/ säubern.

Von den Namen deß Gummi Armoniacs/ und seines Krauts.
    Das unbekannt Ferulkraut/ darvon das Gummi oder der Safft Armoniac gesammlet wirdt/ heisset Lateinisch/ AGASYLLIS, CRIOTHEUM, HELIUSTRUM unnd ELIUSTRUM. VON DEM serapione de simp.c.258. WIRDT ES Arabisch Asios, von AUICENNA LIB.2TRAC.2. Altarbus, Von dem alten GLOSSOGRAPHO AUICENNAE, Alsoreus und Turfis genannt: Sonst wirdt auch bey den Arabischen Authoren Altharibus gelesen/ wie auch bey dem ANDREAE BELLUNENSI.
  
l. Das erste Geschlecht deß Armoniacs/ das schön/ sauber/ reyn ist/ dem Weyrauch gleich: heisset Lateinisch/ THRAUSTUM und THRAUSMA.
  
ll. Das ander gemein unnd unsauber Geschlecht/ heisset Lateinisch/ PHYRAMA: Von SERAPIONE Arabisch Chironia.
  
Jn gemein aber wirdt der Gummi Armoniac Lateinisch/ HAMMONIACUM, HAMMONIACUM THYMIAMA, AMMONIACUM unnd AMMONIACUM THYMIAMA, sintemal jhnen die Alten zu den räuchern gebraucht haben. Sonst wirdt er auch genannt GUTTA unnd GUTTA AMMONIACA, PLINIUS nennet den auch CUM SIMPLICIM, AMONIACUM und AMONIACUM THYMIACUM, hin und wider. Die gemeinen Aertzet und Apotecker nennens ARMONIACUM mit einem zerstörten Namen. Bey andern Arabischen Aertzten THURSIA und VASAC. Heutiges Tages wird er von dem gemeinen Arabischen Volck/ wie ANDREAS BELLUNENSIS bezeuget/ USACH geheissen. Von den italiänern wird er ARMANIACO und AMMONIACO. Hispanisch/ AGUAXAQUE und ARMONIAQUE. Französisch/ ARMONIAC. Teutsch/ Armoniac/ und Gummi Armoniac genannt. Die Kraeutler nennen das Ferulkraut das diesen Gummi Armoniac von sich gibt/ FERULAM AMMONIACIFERAM. Zum Unterscheid der andern Geschlechten/ der Ferul-Kräuter.

Von der Natur/ Krafft/ Wirckung und Eygenschafft deß Gummi Ammoniacs.
    Es hat das Gummi Armoniac ein Krafft zu wärmen/ zu weichen/ zu zertheilen/ zu dissolvieren/ zu kochen/ zu zeitigen und gewaltig an sich zu ziehen/ also daß es auch Spreissen/ Dorn und andere Ding so im Fleisch stecken/ außzeucht. Es ist warm in dem Ende deß zweyten/ und trucken im ersten Grad.

Jnnerlicher Gebrauch deß Gummi Armoniacs.
    Gummi Armoniac getruncken/ treibet den Stulgang/ zeucht die Frucht auß Mutterleib/ derowegen sollen sich die schwangern Frawen darvor hüten. Eins quintleins schwer mit Essig getruncken/ mildert das Miltz.
  
Jnnerlich gebraucht/ miltert das Hüfftwehe/ Zipperlein und die Gliedtsucht. Er ist gut mit Honig zertrieben wider den alten husten/ wider das keichen und kurtzen Athem/ und denen die nicht athmen mögen/ sie seyen dann auffgericht/ dann er löset ab/ reynigt die Brust und Lungen/ von dem zähen/ groben Koder. Oder ein drittheil eins quintleins (weniger oder mehr/ je nach gelegenheit der Person oder deß Alters) mit dem sauren Honig Syrup OXIMELITE zertrieben und eyngenommen. Etliche thun ein Löffel voll Ysopwasser oder ein ander Brustwasser darzu/ daß sie es dester besser eynnemmen mögen: Andere nemens mit Wasser darinn Alantwurtzel gesotten ist. Oder vermisch mit Brustlatwergen und Säfften/ dann er macht weydlich außwerffen.
  
Gummi Armoniac mit Honig vermischt und eyngeschluckt/ oder mit gescheelter Gerstenbrüh (PTISANAE SUCCO) ist er denen gut/ welche viel Feuchtigkeit in der Brust haben. Er erwärmet die erkalte Leber ind Miltz/ unnd treibet blutigen Harn. Ein quintleins schwer mit Honig zertrieben unnd eyngenommen/ dient wider die grosse Kranckheit oder fallende Sucht.
  
Ein drittheil eins quintleins gesäuberten Armoniac mit einem weych gesotten Eye verschluckt oder eyngetruncken/ ist ein Experiment wider das Keichen unnd kurtzen Athem/ dann es hilfft baldt von stund an. Etliche machen auß diesem Gummi iii. oder iiii. Pillulen/ unnd verschlucken sie mit OXYMELLE, oder sonst einem Brustsyrup.
  
Vor den schweren Athem/ Keichen/ sonderlich da man den Athem nit holen kan/ man stehe dann oder sitz auffrichtig/ seind nachfolgende PILULAE erfahren: Nimb deß gesäuberten Gummi Armoniac/ wildt Rauthensamen/ Stabwurtz/ Osterluceywurtz/ deß bereyten Schweffels/ (FLORUM SULPHURIS.) jedes ein Loth/ Cardomömlein anderthalb quintlein/ Casientrinden/ Angelica/ Florentinisch Veielwurtz/ jedes ii. scrupel oder ii. drittheil eines quintleins/ unnd drey grän. Stoß alle diese stück zu einem subtilen Pulver/ unnd mach mit dem sauren Honig Syrup OXYMELLE ein Teyglein darauß. Nimb auff einmal darvon einer Bonen groß/ mach Pillulen darauß nach deinem gefallen/ und verschluck allen tag so viel/ biß du gute besserung entpfindest.
  
Gereynigten Armoniac ein drittheil eines quintleins/ mit gutem weissem Wein zertrieben/ ist eine heylsame Artzeney wider das böse Wetter/ gehört vor die Bergleuth.
  
Vor die erhaltung der Leber unnd deß Miltzes: Nimb ein drittheil eines quintleins deß gereynigten Armoniacs/ mach drey Pillulen darauß/ unnd verschluck allen Morgen so viel/ biß du wider gute besserung befindest.
  
Gereynigten Armoniaci eines quintleins schwer mit Essig getruncken/ dienet wider die Geschwulst deß Miltzes.
  
Wider die verstopffung unnd den schmertzen deß Miltzes ein bewerte Artzeney: Nimb gesäuberten Gummi Armoniac ein halb loth/ Schaaffmültensamen/ Tamariscken/ Hirtzzungen jedes ein scrupel/ mach mit dem sauren Essig Syrup/ SYRUPO ACETOSO DE RADICIBUS, ein Teyglein darauß/ darvon mach achzehen Pillulen. Von diesen sol der Kranck allen Morgen nüchtern zwo Stunden vor dem Morgenimbiß/ jedes mal zwey verschlucken unnd sol allwegen folgenden Tranck warm darauff trincken/ unnd solches acht Tag lang beharren. Den Tranck mach also: Nimb Tamarisckenwasser/ Hirtzzungenkrautwasser/ Wegwartenwasser/ jedes ii.loth/ Meerzwibelessig ein Löffel voll/ Zucker ein loth/ vermischs und trincks wie gemeldet/ warm.
  
Wider den schmertzen des Miltzes von Blästen: Nimb ein halb quintlein gesäuberten Gummi Armoniac/ thu darzu ii.Tröpflein Aniß oder Dillsamenöle/ das gedistilliert ist/ mach Pillulen darauß und verschluck sie nüchtern.
  
Gesäuberten Gummi Armoniac ii.scrupel zu Pillulen gemacht/ unnd allen Morgen so viel nüchtern eyngeschluckt mit Hirtzungen Syrup/ ist ein edele Artzeney zu der verstopffung und schmertzen deß Miltzes/ ein Tag oder acht also nach einander beharret. Gemeldte Pillulen seindt auch dienlich wider die verstopffung der Leber/ man muß sie aber mit dem sauren Essigsyrup/ SYRUPO ACETATO DE RADICIBUS, eynnemmen.
Wann einer Müllsüchtig ist/ so gib jhm sechs Tage nach einander/ allen Tag ein quintlein deß gesäuberten Gummi Armoniacs/ mit Essig zertrieben zu trincken.
  
Wider die erhartung und Schmertzen deß Miltzes: Nimb deß gereynigten GUMMI ARMONIACI drithalb loth/ Cappernkrautbletter/ die öbertsen Gipffel von dem Tamariscken/ jedes ein halb loth/ Riter oder Bergsaltz ein quintlein: Stoss alles/ außgenommen den Armoniac/ zu einem reynen Pulver/ vermisch es darnach mit dem Armoniac/ unnd mach mit dem sauren Honig Syrup ein Teyglein darauß. Darvon brauch allen Morgen ein quintlein in Pillulen formiret mit dem obgemeldten Syrup/ unnd verschlucks gantz. Das beharr so lang biß du besserung befindest.
  
Wider die erhartung der Nieren: Nimb bereyten Armoniac/ deß GUMMI BDELLIJ, jedes ein halbes quintlein/ zertreib es mit einem Trüncklein Wassers/ darinn Chamillenblumen oder Steinklee gesotten worden ist: das Träncklein beharz ein Tag etlich nach einander/ biß du entpfindest daß dir besser worden seye.
  
Gereynigten Armoniac eines quintleins schwer/ oder aber ein halb loth/ (zu starcken Leuthen) in weissem Wein zertrieben und getruncken/ bringet wider den verstandenen Harn/ und vertreibet das tröpflingen harnen. Ein quintlein deß obgemeldten Gummi mit Wein warm getruncken/ fürdert der Weiber Monatblumen.

Eusserlicher Gebrauch deß Gummi Armoniacs.
    Der Armoniacsafft wie ein Pflaster gebraucht unnd ubergelegt/ erweychet die harten Beulen/ Brodtgeschwer PANOS) und alle hartigkeit/ als Drüsen unnd die auffgeworffenen Knollen der Gleych/ vom Zipperlein oder Podagra/ oder aber sonsten auß anderen ursachen herkommende. Er hilfft dem geschwollenen Miltz/ unnd zertheilet die Kröpff. Miltert auch den schmertzen der Gliedtsucht/ und sänfftiget das Hüfftwehe.
  
Armoniac vertreibet die Flecken der Augen/ unnd macht die rauhen scharpffen Augbrawen glat.
  
Armoniac Gummi mit Honig oder Bech vermischt/ vertreibt die harten Beulen und Knollen der Gleych/ wie ein Pflaster ubergelegt. Es ist auch angestrichen wider die Müdigkeit/ unnd wider das Hüfftwehe/ mit Essig/ Riter oder Bergsaltz/ unnd Hartrigelöle/ vermischt.
  
Den verstopfften Catharr und Schnuppen im Haupt machen fliessen: Nimb Gummi Armoniaci i.loth/ gepülverten Bertram ein halb loth/ stoß wol durcheinander in einem Mörser/ unnd mache mit Himmelschwertelwurtzelsafft ein Teyglein darauß/ nimb darvon ein wenig auff ein Messer/ streiche es warm in die Nasen/ so wirdt als baldt Wasser herauß fliessen.
  
Bereyten Gummi Armoniac mit Frawen Milch zu einem Augenwässerlein zertrieben/ vertreibt die Narben unnd Flecken der Augen/ jederweilen ein Tröpfflein oder drey darinn gethan: die es stärcker wöllen haben/ mögens mit Wein und Honig zertreiben/ und gebrauchen.
  
Gesäuberten Gummi Armoniac mit weissem Wein zertrieben/ unnd zu einem Augenwässerlein temperirt/ vertreibet die Dunckelheyt der Augen/ und macht ein klar hell Gesicht/ jedertweilen ein par Tröpflein dareyn gethan.
  
Gummi Armoniac mit gleichem Theil Galbensafft/ mit Essig zu einem Pflaster temperiert/ auff ein Tüchlein gestrichen und ubergelegt/ heylet die Augenwörner.
  
Gereynigten Gummi Armoniac mit Wasser zertrieben/ unnd zu einem dünnen Sälblein temperiert/ vertreibt die Flecken unnd Riesemen im Angesicht/ dasselbige damit offtermals angestrichen.
  
Vor die Blattern und roten Buckeln deß Angesichts: Nimm bereyten Gummi Armoniac/ Bergslatz/ weissen Weyrauch/ Mastix/ jedes drey loth/ Französisch Seyffeeeeen vi.Untz. das Gummi Armoniac seud in einem Aechtmaß oder Schoppen frisches Brunnenwassers/ biß es gar zergangen ist/ und wiederumb gesotten biß zu der dicke eines Honigs: Darnach thue den Bergsaltz/ Weyrauch und Mastix/ alle zu einem subtielen Pulver gestossen/ und durch ein reyxnes härin Sieblein geschlagen/ darzu/ vermischs wol/ thue es folgends in ein Mörser/ und die Seyffe darzu/ stoß wol durcheinander/ darnach behalts in einem steininen Geschirr oder in einer Porcellan Büchsen. Wann es nun die Notturfft erfordert/ so streich das blaterechtig oder buckelechtige Angesicht mit der gemeldten Salben an/ darnach wäsche es mit warmen Wasser uber eine kleine weil widerumb ab/ doch daß du das Angesicht zuvor ein wenig linde kratzest. Thue das offt/ und beharze es ein zeitlang/ es hilfft fein/ und macht ein schön sauber Angesicht.
  
Gummi Armoniac mit Honig wie ein dünnes Sälblein temperirt/ vertreibt das Halßgeschwer ANGINAM ein Feder darinn getunckt/ und den Halß offtermals innerlich darmit angestrichen. Wie ein Pflaster außwendig uber den Halß gelegt/ vertreibt den schmertzen deß Halß und der Kelen.
  
Daß die bösen Zähn ohne Schmertzen außfallen: Nimm Gummi Armoniac/ zerlaß den in Essig/ und rühr gestossenen Bilsamen dareyn/ daß er werde wie ein Sälblein/ darmit salbe den bösen Zahn unnd seine Wurtzel/ so fellet er auß von sich selbst.
  
So das aber zu schwach seyn wolte/ so nimb Gummi Armoniac/ Operment/ Rhebarbara/ jedes gleich viel/ stosse die zu einem reinen Pulver/ unnd mach mit starckem Weinessig ein Teyglein darauß/ darvon lege deß Abendts ein wenig mit einem Tüchlein auff den Zahn/ unnd lasse es uber Nacht darauff ligen/ so zeuchstu darnach den Zahn ohne Schmertzen herauß.
  
Gummi Armoniac mit Wein oder Essig zerlassen/ darnach wie ein Pflaster uber die Brüst der weiber gelegt/ vertreibt jhnen die Milch/ so sie deren uberflüssig haben. Mit Wein oder Wasser zertrieben wie ein Sälblein/ unnd die Brüst damit angestrichen/ thut gleiche Wirckung. Gummi Armoniac mit frischem Wasser zerlassen/ unnd der Weiber Brüst damit gesalbet/ darnach mit grünen Lattich Blettern bedeckt/ ist ein gewisse Artzeney die Milch zu vertreiben.
  
Vor die Milch die in der Weiber Brüsten gerunnen/ unnd zu Knollen worden ist: Nimb Gummi Armoniac/ Teuffelsdreck/ Wachs/ jedes ii.loth/ Baumöle iiii.loth/ den Armoniac unnd Teuffelsdreck zerlaß mit Wein/ daß er sey wie ein weich Pflaster/ darnach zerlaß das Wachs unnd Baumöl/ und vermischs wol durcheinander daß es ein Pflaster werde/ streichs dann auff ein Tuch/ und legs uber die Brüst.
  
Wider die geschwer deß Magens/ deß Eyngeweids/ unnd wider die erhartung deß Miltzes: Nimb Gummi Armoniac v.loth/ deß Gummi Bdelliums drithalb loth/ zerlaß diese Stück mit gutem Weinessig/ und seud sie wider zu der dicke eines Cerats oder Pflasters: thu darnach darzu Sesamöl iii.quintlein/ gepülverten Weyrauch/ Saffran/ Bibergeyl unnd Mastix/ alle zu einem reinen Pulver gestossen/ vermischs wol durcheinander/ thu so viel Wachs darzu als es von nöten ist/ daß es ein Pflaster werden möge/ das streich auff ein Tuch und leg es eusserlich uber.
Gummi Armoniac in Wasser darinn Senff gesotten worden ist/ widerumb gesotten/ unnd darmit die örter da vergiffte Thier wohnung haben besprenget/ vertreibt dieselben.
  
Gummi Armoniac i. theil in iiii. oder v. theil Baumölen zerlassen/ darnach ein ungewäschen Wollen darinn getuncket/ und warm ubergelegt/ erweychet alle Geschwer. Jn weissem Wein zerlassen/ darnach wie ein Pflaster auff ein Tuch gestrichen/ zertheilet die Knollen unnd Drüsen ubergelegt. So du aber diese Artzeney kräfftiger haben wilt/ so thu ferner darzu runde Osterlucey gepülvert/ unnd ein wenig gestossenen Saffran/ und vermischs wol/ dann brauchs wie gemeldt.
  
Gummi Armoniac mit Essig zerlassen/ wie ein Pflaster temperiert und auff ein Tuch gestrichen/ dient wider die erhartung der Leber. Oder nimb Gummi Armoniac und Galbensafft/ jedes gleich viel/ zerlasse die Holderblühtessig unnd temperiers zu einem Pflaster/ streichs auff ein Tuch/ legs uber: dieses ist kräfftiger.
Wider den schmertzen unnd erhartung der Leber: Nimb Gummi Armoniac/ Rosenöl/ Wachs/ jedes vi.untz/ zerlasse die Stück durcheinander/ außgenommen den Armoniac/ den muss man mit einem guten Weinessig zertreiben: Wann das Oele unnd Wachs kalt werden wil/ so vermisch wol durcheinander/ unnd thu ferner darzu ein halb loth reyn gepülverten Saffran.
  
Ein ander Pflaster wider die Geschwulst der Leber/ den Miltzsüchtigen fast dienlich: Nimb Gummi Armoniac/ Rosenöl/ Wachs/ jedes sechs Untz/ der Kügelen CROCOMAGMATIS ein loth/ zerlaß das Wachs unnd Rosenöl uber einer Glut/ und das Gummi Armoniac zertreib mit Essig/ daß es werde wie ein dick Honig/ darnach thue es zu dem Rosenöle unnd Wachs/ zedel auch das CROCOMAGMA zum aller reynsten gepülvert dareyn/ unnd vermischs wol durcheinander/ so hastu ein heylsames Pflaster/ welches dient auch wider das Hauptwehethumb auff ein Tuch gestrichen und uber die Stirn gelegt.
  
Wider die erhartung der Leber unnd deß Magens: Nimb ii. oder iii. untz deß Gummi Armoniacs/ thu es in ein sauber Pfännlein/ unnd schütt ein guten Weinessig darüber/ und laß so lang sieden biß es so dick wirdt wie ein Honig/ darmit schmier die erhartung gar wol/ leg darnach ein Papier darauff/ unnd verbind es.
  
Wider die hartung deß Miltzes: Nimb Gummi Armoniac/ und deß Gummi OPOPANACI, jedes i.loth/ der Salben DIALTHEAE, der Salben AGRIPPAE, jedes i.loth/ vermisch diese Stück durcheinander so wirdt ein Pflaster darauß/ das leg auff ein Tuch oder Leder gestrichen uber.
  
Ein anders das stärcker ist:Nimb Gummi Armoniac iiii.loth in starckem Weinessig zertrieben/ S. Johannsblumen/ Eselskürbsenöle (OLEI SYCIONII) süß Mandelöle/ Rosenöle/ jedes ein loth/ Wachs ii.loth/ zerlaß und vermisch diese Stück durcheinander/ streichs darnach auff ein Leder oder Barchet/ und legs uber.
  
Oder wiltu es noch stärcker haben/ so nimb deß Gummi Armoniacs iii.loth/ deß Gummi OPOPANACI i.loth/ zerlaß mit Essig/ seuds widerumb zu bequemer dicke/ und mach mit Springkürbsenöle/ so viel du bedarffst unnd genug ist/ ein Pflaster darauß/ unnd brauchs wie das vorige auff ein Barchet oder Tuch gestrichen.
  
Oder nimb deß Gummi Armoniacs vier loth in Weinessig zerlassen unnd wider zu bequemer dicke gesotten/ Cappernöle iii.loth/ weiß Lilienöle ein loth/ Wachs anderhalb loth/ vermische diese Stück und zerlaß sie ordenlich wie sichs gebürt/ so wirdt ein Pflaster darauß/ das gebrauch obgemeldter massen. Wann aber die erhartung noch nicht lang gewehret hat/ so ist nachfolgends Pflaster anfenglich am aller besten: Nimb deß Gummi Armoniacs in Essig obgemeldtermassen zerlassen zwey loth/ Rosenöle/ Wachs/ jedes ein loth/ zerlaß das Wachs unnd Oele uber einer Glut/ darnach vermisch den Armoniac wol darmit.
  
Wieder die erhartung deß Miltzes: Nimb Gummi Armoniac/ grün Rauthenbletter/ gepülverten weissen Weyrauch/ jedes gleich viel/ stoß diese Stück wol durcheinander/ unnd temperiers mit genugsamem Weinessig/ daß es dünn werde wie ein Sälblein/ darmit streich das Miltz außwendig ziemlich dick an/ unnd laß es trucken und hart werden/ darnach so wäsch es ab mit Wasser und Essig/ darinn Chamillen und Steinklee gesotten worden seind. Wann das geschehen/ so streichs wiederumb wie zuvor an/ und wann es trucken worden ist/ so wäschs wie zuvor mit obgemeldter Kochung ab: das thu ein Tag einmal oder drey und beharz es ein zeitlang biß du geniesest. Diese Artzeney miltert auch den schmertzen deß Miltzes.
  
Oder nimb Gummi Armoniac/ gestossene Pfefferkörner/ gestossenen Weyrauch/ jedes gleich viel/ temperiers mit Weinessig wol durcheinander zu einem Sälblein/ unnd brauchs wie das vorige.
  
Den Miltzsüchtigen kompt nachfolgendes Pflaster wunderbarlich zu hülff: Nimb Gummi Armoniac/ deß frembden Gummi BDELLII, Korbfeigen/ jedes zwey loth/ Sauwerteyg ein loth/ Weinrauthenbletter/ die Frucht von Tamariscken/ Bergsaltz/ jedes ein quintlein. Den Gummi Armoniac unnd Sauwerteyg zerlass mit Essig/ und stoß alle obgemeldte stück darmit wol durcheinander daß es ein Pflaster werde/ das streich dann auff ein Tuch oder Barchet/ und legs uber.
  
Vor den Schmertzen und erhartung deß Miltzs/ ist schier folgender Artzeney keine zu vergleichen: Nimb deß Gummi Armoniacs/ Wachs/ jedes neun untz/ Cyprischen Terpentin/ deß Gummi BDELLII,Galbensafft jedes zwo untz/ Hartriegelblumenöle fünffthalb untz. Den Armoniac/ Galbensafft und BDELLIUM zerlaß mit dem besten Weinessig/ zerlasse auch das Wachs mit dem Terpentin unnd Oele besonder/ vermisch sie wol mit einander biß sie sich vereinbaren/ darnach thu den Myrrhen und Weyrauch reyn gepülvert dareyn/ unnd böre es wol/ streich es dann auff ein Barchet oder Leder/ unnd legs uber das bresthafftig Miltz.
  
Oder nimb Gummi Armoniac/ deß Gummi BDELLII, Gummi Serapin/ weychen Storax/ Mastix/ Griechischbech/ Honig/ Aloepatick/ Galgan/ jedes ii.loth/ Terpentin vier loth/ Erdtscheibensafft/ Wermuthsafft/ jedes zwölff untz/ Chamillenöle sechs untz/ geel Wachs drey untz. Die Gummi zertreib alle in einem guten Weinessig/ unnd seude die zu bequemer dicke eines Pflasters. Das Chamillenöle seude auch besonder mit dem Erdscheiben unnd Wermuthsafft/ so lang biß sich die Säfft verzähren/ darnach seihe die durch ein Tuch/ thue dartzu den weychen Storax/ Griechischbech/ Honig/ Terpentin unnd Wachs/ laß sittiglich uber einem linden Feuwerlein zergehen/ darnach vermisch die obgemeldten gesottenen Gummi wol darmit/ thu folgends alle obgemeldte ubrige stück zu einem reynen Pulver gestossen dareyn/ böre die wol durcheinander/ unnd brauchs wie gemeldet. Dieses Pflaster vertreibt auch die windige auffblehungen deß Miltzs,
  
wider die schlauch Wassersucht (ASCITEN) ist fast dienlich nachfolgendts Pflaster: Nimb Gummi Armoniac vi.untz/ Kupfferstein oder Kupfferkiß/ gepülverten Römischenkümmel/ Riter oder Bergsaltz/ jedes anderthalb loth/ Wachs/ Terpentin/ jedes zwey oder drey loth/ zerlaß das Wachs unnd Terpentin uber einem linden Kolfewerlein/ den Armoniac aber zertreib mit Essig/ und laß jhnen wiederumb zu bequemer dicke sieden/ vermischs darnach wol durcheinander/ thu ferner die andern stück zu einem reynen Pulver gestossen dareyn/ böre es wol und streichs auff ein Tuch oder Barchen/ und legs uber den gantzen Bauch.
  
Gereynigten Gummi Armoniac mit Loröle/ Zeckenkörneröle/ oder aber mit Weinrauthenöle zertrieben unnd zu einem Sälblein temperiert/ ist ein nützlich Artzeney wider den schmertzen deß Rückgrads/ so man denselben täglich zweymal wol damit salbet. Oder das Gummi mit zwey theil Dillenöle und einem theil Fuchßschmaltz zertrieben und zu einem Sälblein temperiert/ thut nicht weniger/ gleicher gestalt gebraucht.
  
Die verstandene Monatblumen der Weiber gewiß wider zu bringen: Nimb Gummi Armoniac ii.theil/ Galbensafft/ Teuffelskaat/ jedes i.theil/ vermischs unnd stoß es durcheinander/ wirff davon auff glüende Kolen/ und laß die kranck Weibsperson den Dampff darvon durch ein Trechter in die Mutter entpfahen: Oder Gummi Armoniac mit Galbensafft/ Serapingummi unnd gutem Theriac wol vermischt/ unnd ein Mutterzäpflein daraus gemacht/ ist auch ein gewisse Artzeney darzu.
  
Wider die schwer Geburt: Nimb Gummi Armoniac/ deß Gummi OPOPANACI, Christwurtz/ Steinbuch/ lang unnd rund Osterlucey/ deß Marcks von Coloquintenäpfflein/ jedes gleich viel/ stoß wol durcheinander/ unnd mach mit Springkürpsensafft/ Kühgallen unnd Weinrauthensafft ein Teyg darauß. Darvon bereyt Mutterzäpfflein/ unnd so ein Weib in schwerer Kindtsarbeit ligt/ so lasse sie ein Zäpfflein zu jhr thun/ so wird es jhr die Geburt fürdern.
  
Gummi Armoniac und Sauwerteyg/ jedes gleich viel/ mit Rindsgallen vermischt zu einem Teyg/ unnd Mutterzäpfflein darvon gemacht/ treiben fort das Bürdlein/ so man die zu sich thut. Oder Gummi Armoniac unnd Panaxwurtzelsafft oder Gummi/ jedes gleichviel vermischet mit Pappelwurtzelsafft/ und zu einem Teyg temperirt/ Mutterzäpfflein darvon gemacht unnd zu sich gethan/ treiben fort die ander Geburt/ unnd todte Frucht.
  
Gummi Armoniac und das Gummi LAUDANI, jedes gleichviel vermischt/ ein wenig gestossen/ unnd auff glüende Kolen gelegt/ vertreibt das auffsteigen der Mutter/ so man den Dampff darvon empfahet. Oder nimb Gummi Armoniac/ Mastix/ jedes ein loth/ Peruanischen Balsam/ Veielwurtzöle/ jedes so viel genug ist ein Teyglein darauß zu machen/ darvon bereyt Mutterzäpfflein.
  
Gummi Armoniac/ dürr oder Weychbech/ Wachs unnd Griechischbech/ jedes gleich viel/ durcheinander vermischt vertreibet die rauhen ungleichen Nägel/ wie ein Pflaster ubergelegt.
  
Auss dem Armoniac macht man auch ein gut Etzpflaster: Nimb Gummi Armoniac/ Vorstoß/ Alaun/ jedes ein halb loth/ weissen Weyrauch anderthalb quintlein/ Galbensafft/ Operment/ jedes ein quintlein/ incorporiers durcheinander das Armoniac zuvor mit Essig zerlassen/ daß ein Pflaster werde. So du darvon uber ein Geschwer legst/ macht es dasselbig bald auffbrechen.
  
Gummi Armoniac mit gutem Weinessig zerlassen und wie Pflaster temperiert/ auff ein Tuch gestrichen und ubergeleget/ vertreibt die harte schwellung der Füß in vier tagen. Mit Bech unnd Wachs/ jedes gleichviel zu einem Pflaster vermischet/ zertheilt die Knollen der Gleych/ und vertreibt sie auff ein Tuch gestrichen unnd uber gelegt. Mit Wein zerlassen zu einem Pflaster temperiert thut gleich viel.
  
Wider das schmertzlich Hüfftwehe: Nimb Gummi Armoniac iii.loth/ Gummi Serapin/ deß Gummi OPOPANACUM genannt/ jedes drey quintlein/ deß Gummi BDELLIUMS iii.quintlein/ gepülvert Erdscheibenwurtzel/ gepülvert Zeitlosen/ jedes iii.loth/ Vitriol iii.quintlein. Eselskürbsenöle und Wachs so viel genug ist/ daß es ein Pflaster werden möge/ das leg uber den Schmertzen auff ein Barchen gestrichen.
  
Gummi Armoniac mit Honig temperiert zu einem Pflaster/ und ubergelegt/ vertreibt die Wartzen unnd Krähenaugen an Händen und Füssen.
  
Gummi Armoniac vor sich selbst wie ein Pflaster ubergelegt/ oder mit andern Pflastern vermischt/ zeucht auß Spreissen/ Dörn und andere Ding so im Fleisch stecken. Oder nimb Gummi Armoniac iii.loth/ Rhorwurtzeln iiii.loth/ Narcissenwurtzeln ii.loth/ stoß die wol und incorporiers mit Honig so viel genug ist zu einem Pflaster/ streichs auff ein Tuch unnd legs uber/ es zeucht gewaltiglich auß.
  
Gummi Armoniac mit gutem Weinessig zu einem Pflaster temperiert/ öffnet die Zinnblatern oder Carbunckeln/ unnd zeucht sie mit der Wurtzeln herauß/ so man die auff ein Tuch gestrichen darübergelegt.
  
Wieder den schmertzen der Nerven und Sennadern: Nimb Gummi Armoniac iii.untz/ deß Pflaster DIAQUILON, geel Wachs/ jedes vi.untz/ gepülverten weissen Weyrauch unnd Mastix/ jedes i.loth/ Diese Stück incorporier zu einem Pflaster/ streichs auff ein Barchen/ unnd legs uber das schmertzhafft Orth.
  
Armoniac mit Essig zerlassen unnd gleicher gestalt wie ein Pflaster ubergelegt/ vertreibt die Geschwulst der Hoden.
  
Gummi Armoniac auff glüende Kolen gelegt/ vertreibt den Krampff denen so verwundet seindt/ so man den Rauch in die Wunden entpfahet.
  
Die Pestilentzbeulen oder Drüsen bald zu zeitigen: Nimb Gummi Armoniac iii.loth/ Serapin Gummi/ deß Gummi Bdelliums/ jedes anderthalb loth/ guten Sauwerteyg ii.loth/ Korbfeigen xii. an der Zahl/ Senffsamen/ gepülvert Bertramwurtzel/ jedes ein halb loth/ gepülvert EUPHORBIUM ii.scrupel. zerlaß die Gummi und den Sauwerteyg mit genugsamem Essig/ und temperiers alles ordentlich durcheinander zu einem Pflaster/ das brauch auff ein Tuch gestrichen.
  
Gummi Armoniac mit Wein zerlassen/ unnd mit gestossenem Pfefferkümmel zu einem Pflaster temperiert/ und ubergelegt/ treibt wieder hineyn den gebrochenen Nabel. Doch soll man den Nabel zuvor hineyn thun/ darnach das Pflaster darüber legen und sat binden/ auch ein zeitlang ligen lassen/ so bleibet der Nabel drinnen und verheylet.
  
Ein sehr starck unnd gewaltig Zugpflaster: Nimb Gummi Armoniac iii.loth/ wol gewegen/ Galbensafft/ iii.quintlein deß Samens von dem Kraut LIBANOTIS genannt anderhalb loth/ geel Wachs dreyzehendhalb loth/ Baumöle xii.untz. laß daß Wachs mit dem öle zergehen/ vermisch darnach den Armoniac unnd Galbensafft in Wein zerlassen unnd wieder zu bequemer dicke gesotten wol darmit/ dann zedel die andern Stück reyn gepülvert dareyn/ unnd malaxiers wol durcheinander/ mach Zapffen darauß.
  
Es soll billich der Gummi Armoniac in alle Schadenpflaster gebraucht werden/ dann er verzehret das Faulfleisch darinn/ unnd machet wiederumb gutes an seine statt wachsen. Derwegen wirdt es nützlich mit den Pflastern vermischt/ die man zu den bösen/ alten/ gifftigen/ umbsichfressenden unnd der heylung wiederspennigen/ Schäden gebraucht.
  
Ein köstlich gut Beerpflaster zu allen alten Schäden heylsam: Nimb deß Gummi Armoniacs iii.loth/ deß Gummi Bdelliums anderhalb loth/ Galbensafft oder Gummi/ deß Gummi von der Panaxwurtzel/ jedes iii.quintlein. zerlaß diese Gummi alle mit gutem alten Wein/ und seude sie widerumb zu bequemer dicke. Darnach nimb weiter geel wachs zwölff loth/ Baumöle xvi.loth/ Hirschen Unschlit/ Griechisch Bech/ jedes zwey loth/ Beerenschmaltz i.loth/ die zerlaß besonder und vermisch sie wol mit den obgemeldten Gummi/ und strewe folgende Stück reyn gepülvert dareyn/ weissen Weyrauch/ Mastix/ jedes ii.loth/ Kalmey ein loth/ Weyrauchrinden/ Silbergledt/ Myrrhen/ jedes ein halb loth/ Kupfferschlag/ Holwurtzel/ jedes ein quintlein böre das alles wol durcheinander/ so hastu ein edel Schadenpflaster.

Gummi Armoniacöle.
AMMONIACI OLEUM.

    Auss dem Gummi Armoniac bereytet man auch ein köstlich öle durch die Kunst der Destillation/ wie wir solches weytleuffig in unserm Distillierbuch/ angezeigt haben/ das wirdt zu vielen innerlichen unnd eusserlichen Leibsgebrechen nützlich gebraucht/ derowegen es auch in den wolgerüsten Apotecken bereytet funden wirdt/ da es ein jeder umb billich Geldt bekommen mag.

Jnnerlicher gebrauch deß Oels von dem Gummi Armoniac.
    Man soll sich fleissig hüten daß man dieses unnd anderer Gummi gedistillierte öle/ wie auch alle andere öle so von Kreutern/ Wurtzeln/ Samen unnd Gewürtz durch die Destillation bereytet werden/ nicht freuenlich ohn ein zusatz weder innerlich noch eusserlich gebraucht/ dann dieweil sie auff das aller höchst außgezogen/ unnd gar von seinem Corpore gescheyden seind/ unnd kein temperament mehr haben/ so seind sie nicht allein eusserlich/ von wegen jhrer brennenden krafft schädlich/ sondern seind auch innerlich in Leib gebraucht kein heylsame Artzeney/ sondern ein schädlich brennend gifft. So sie aber mit andern bequemen Artzeneyen vermischt werden/ also daß sie wiederumb ein temperament bekommen/ so seind sie ein heylsame gesunde Artzeney die jhre wirckung bald vollbringen/ sintemal sie durch jhre subtile/ lüfftige geschwindigkeit bald durchdringen/ unnd jhre temperierte vermischung geschwind zu dem schwachen Glied führen/ also werden sie gesund und heylsam. So man sie aber allein gebraucht/ thun sie dem Menschen grossen schaden/ dann die Lung und Magen mercklich darvon geletzt werden/ als wann sie verbrandt worden weren/ daß man sie mit Fingern zertreiben kanwie ein ander verbrandt ding/ welches ich an etlichen Personen gesehen hab/ die darvon sterben müssen/ denen durch freuele Buben solche gedistillierte öle eyngeben worden seind/ ohn einig zusatz. Wil derwegen meniglich gewarnet haben/ daß ein jeder sich vor solchen Buben und Mördern hüte/ unnd sich jhr unnütz Zahnbrecher Geschwetz/ und den Tittel daß sie auch DOCTORES seind/ nicht betriegen lasse. Dass wir aber den gebrauch dieses öls anzeigen/ so ist es zu folgenden Kranckheyten dienlich.
  
Armoniacöle zwey oder drey Tröpfflein mit einem Trüncklein Weins/ oder brühen vermischt unnd getruncken/ erweychet den Bauch und machet Stulgäng. Drey oder iiii.Tropffen mit Lilienwasser getruncken/ treibt auß die Muttergewächß/ die Monkinder und die todte Frucht.
  
Mit Ysop/ Alantwurtzwasser/ oder mit einem Brustsafft obgemeldter massen getruncken/ vertreibt das keichen unnd schwerlich aethmen. Gemeldte Artzeney verzehrt auch die kalten Schleim und Flüss so sich in der Brust und Lungen gesamblet haben. Sie treibet den Harn kräfftig mit Peterlinkraut oder Steinbrechwasser getruncken.
  
Dieses öle hat auch ein sondere krafft wieder die Fallend Sucht/ zwey oder iii. Tröpfflein mit Meyenblümlein oder Schlüsselblumen wasser getruncken.
  
Sonsten dienet es auch wieder alle Gebrechen dr Mutter und wieder alle innerliche Kranckheiten/ darzu der Armoniac vor sich selbst gut ist/ wie hiebevor in dem innerlichen gebrauch erzehlet seind/ so man das mit Wein oder bequemen Wassern unnd Säfften gebraucht. Es wirdt auch heylsamlich mit andern Artzeneyen/ als Pillulen/ Latwergen/ Conserven/ unnd dergleichen vermischet/ welches wir den MEDICIS PRACTICIS, befehlen wöllen.

Eusserlicher gebrauch deß Armoniacöls.
    Es hat dz Armoniacöl ein erwärmende krafft/ so es mit andern Oelen unnd Salben vermischt wirdt/ (dann vor sich selbst hat es ein brennende Krafft.) Es trucknet/ erweychet/ zertheylet/ und zeucht gewaltiglich an sich. Es erweychet aber insonderheit die harten Knollen der Gleych/ unnd die erhartung deß Miltzes/ deßgleichen auch die harten geschwer und Drüsen/ an allen Orten deß Leibs/ so es mit andern bequemen Oelen/ Salben unnd Pflastern vermischt wirdt.
  
Armoniacöle ein Tröpfflein mit Frauwenmilch unnd Fenchelwasser wol zertrieben/ und zu einem Augenwässerlein temperiert/ heylet die Flecken darinn/ deß Tags einmal oder drey/ jedesmal ein Tröpffleinin die Augen getraufft.
  
Armoniacöle zwey Tröpfflein mit einem loth der Citrinat Salben UNGUENTO CITRINO genannt/ oder aber mit einer andern bequemen Salben vermischt/ heylet die schebigen Augbrauwen.
  
Armoniacöle zwey Tröpfflein mit einem loth Chamillen oder Dillenöle vermischt/ und in die Ohren ein wenig darvon geträufft/ benimpt gewaltig den schmertzen derselben/ so von kält verursacht ist.
  
Armoniacöle ii. oder iii. Tröpfflein mit i. loth Wermuthöle wol vermischt/ und den jungen Kindern in die Näbel gerieben/ tödtet die Würm und treibet sie gewaltig auß.
  
Dieses öle wirdt auch fast heylsamlich gebrauchet/ in die Salben unnd Pflaster/ die man zu den alten/ gifftigen/ faulen Schäden und Frantzosenlöcher gebraucht/ dann es verzehret darinn das erfault böß Fleisch/ unnd machet widerumb frisches an die statt wachsen/ unnd verbessert die Gifftigkeit der Frantzosen Schäden.