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GÄNSEBLÜMCHEN
Bellis perennis - Compositae


 VON MASSLIEBEN

 

     Auss den Masslieben seyn die V. erste Geschlecht einander an Blettern/ Wurtzeln/ Stengeln und Blumen fast gleich/ allein dass etliche grösser und höher wachsen/ dann die andere. Im Anfang gewinnen sie kleine schmale Bletter/ (so etwas haarechtig/ doch lind und weich unnd Schweitzergrün/) welche hernach dicker werden/ breyt unnd etwas rundt/ umbher ein wenig zerkerffet/ breyten sich allenthalben auff der Erden umb die Wurtzel herumb erstlich Sternsweiss/ darnach steigt es höher. Vin der Wurtzel kommen viel dünne runde Stenglein/ (Spannen hoch/ so ubersich steigen/) unnd etwas rauch sind/ an welcher spitze grüne Knöpfflein ankommen/ darauss die Blümlein herfür schleichen/ mit einem gelben Auge oder goldtgelben Apffel/ wie die Chamillen/ wiewol etwas grösser/ das Rädlein ist ringsherumb mit kleinen Blettlein besetzet/ welche an etlichen weiss seyn/ an etlichen rot/ an etlichen Leibfarb/ oder auch mit rot unnd weiss vermenget/ gefüllt und ungefüllt/ gleich wie der Hanenfuss/ (etliche inwendig weiss ausswendig rot gefüllet/ anzusehen wie ein roter Widerschein. Man bringet ein Art auss dem Niderlandt/ so gefüllet Leibfarb/ die/ wo jhren wolgewartet/ offtermalen bey zweyhundert unnd mehr Bletter hat.) Die Wurtzel ist weiss/ hat viel dünne Zaseln/ wie der Reinfarn/ (auss dem Apffel so er zeitig/ fällt das gäl darinn (welches der Samen ist) herauss und pflantzet sich selbst/ wie die Ackerchamillen.
    Die drey letzte Geschlecht aber/ nemlich dz Vl. Vll. und Vlll. seyn einander auch gantz gleich/ haben jren Underscheyd an den Blettern/ so an einem grösser seyn/ dann an dem andern: Kommen auch mit dem vorigen fast uberein/ allein dass an diesen die Stielen von unden an biss oben auff mit Blettern (so da schwärtzer dann der vorigen) besetzt seyn/ und ein blauwe rundlechte Blumen uberkommen/ an jenen aber seyn die Stiel oben auss bloss unnd nackend/ die Wurtzel ist holtzechtig und Zaserig: und ist das gantz Kraut bitter.) Sie wachsen in feuchten Grassgärten/ und auff den Wiesen: die gefüllte aber werden gemeinlich in den Gärten gezielet: Empfangen auch jren Underscheid der Farben mehr von fleissigen Pflantzen/ dann von sich selber. Wo sie aber fast feucht/ und lang an einem Ort stehen bleiben/ so verendern sich die Blumen unnd werden widerumb einfach/ (werden auch gantz grün/ Herwiderumb so sie nicht baldt abgebrochen werden/ stossen die roten so wol als die weissen andere neben Blümlein auss auss den Köpfflein der ersten/ also dass etwann vier oder v. Blümlein von einer Blumen herausser wachsen. Zu zeiten stehen die Nebenblümlein auff lange schmale Stengel/ wie die Figur anzeigt.
    Noch ist ein ander Geschlecht/ welches Bletter unnd Stengel mehr dann die ander härechtig/ die Stengel mit etlich wenig Bletter umbgeben/ auff welche die Blumen stehend auss deren Kopff zu rings herumb viel kleiner neben Blumen herfür springen.) Sie bringen jhre Blumen fast durchs gantze Jahr/ am meisten aber gegen dem Frühling.

 Von den Namen
    Masslieben wirdt Lateinisch genannt BELLIS/ wegen seiner schönen Gestalt/ BELLUM unnd FLOS BELLIUS/ von etlichen PASCHANTHEMUM unnd HERBA ARTHRITICA/ dieweil es ein gut Experiment seyn soll/ wieder das Gichtwehe/ wie BOCKIUS meldet/ Item COMSOLIDA MINOR oder SOLIDAGO MINIMA.) Etliche nennens PRIMULA VERIS/ das ist ein erstlinge Blum dess Lentzen.) Deutsch Zeitlosen/ Osterblumen/ Madlieben. (Massüsselen/ Massblümlein.

Von der Natur/ Krafft/ Wirckung und Eygenschafft der (weissen/ roten und gesprengten) Masslieben
    Die Masslieben seyn mittelmessig warm und trucken und ein wenig zusammenziehender Natur/ daher LOBELIUS schleust/ dass sie mehr truckner denn feuchter Complexion seyn: Aber der säurige Geschmack/ in der kleinen Ahrt/ zeiget an/ dass sie etwas kalter Natur seye/ (mögen in Leib und ausserhalb genützt werden.)

Jnnerlicher Gebrauch der Masslieben
    Es bezeugen alle Scribenten/ fürnemlich aber die RECENTIORES MEDICI dass diese Kräuter sonderlich zu den Wunden fast dienstlich seyen. Es schreibet LOBELIUS in seinen OBSERVATIONIBUS von diesen Kräutern/ dass ein DECOCTUM oder tranck darvon gemacht/ gantz heylsam und glücklich gebraucht werde zu den Wunden/ und Brüchen der jnnerlichen Gliedern. Darzu man wol nemen kan die Meussörlein unnd Braunellen/ solches miteinander sieden und darvon trincken.
    Wenn jemandts ein ader in der Lungen entzwey were/ dass er Blut ausswürfe/ der soll diese Masslieben unnd ein wenig Schwartzwurtz in Wasser sieden/ wann ein Fieber zu gleich vorhanden were/ und darvon stetigs einen guten starcken Trunck thun: Hierzu kan man auch etwas von BOLO ARMENO oder TERRA SIGILLATA thun/ wirdt der Tranck desto kräfftiger.
    Es schreibet TRAGUS dass die kleine Masslieben/ wenn sie noch Jung seyn/ mit Saltz/ Essig unnd Baumöll gessen/ wie ein Salat/ den Stulgang fertig machen/ welches aber LOBELIUS nicht approbieret.
    MATTHIOLUS ist der Meynung mit dem TRAGO/ unnd schreibet/ dass die Fleischbrühe darinn der kleinen Bletter gekocht unnd getruncken/ den harten Bauch erweiche.
    Das Kraut von den wildten Masslieben gedörret/ gepülvert/ und auff die Müsslein der jungen Kinder gestrewet/ dienet wieder das Rüchlen und kurtzen Athem.
    Etliche halten für das abnemmen sehr viel auff diese Blumen/ so man sie nüchtern isset/ unnd wann man schlaffen wil gehen.
    Es sol auch augenscheinlich das gerunnen Blut/ so sich von fallen/ stossen/ schlagen/ beyde innen unnd ausser dem Leib versamblet/ zertheilen und aussführen/ auff allerhand weiss genossen.
    Das Kraut in siedendem Wasser gebrühet/ klein zerhacket/ mit frischen süssen Baumöl zu bereitet/ also gessen/ miltert den harten Bauch/ heylet die hitzige Versehrung der Därm/ sonderlich in der scharpffen Ruhr.
    In guten Wein gesotten/ unnd wann man schlaffen gehet/ getruncken/ vertreibet den Krampff.)

Eusserlicher Gebrauch
    Die grüne Bletter der Masslieben haben ein heylsame Art zu allen hitzigen Wunden/ (darauff gelegt)/ fürnemlich aber dess Haupts/ wie FUCHSIUS meldtet. Es vermeldtet auch LOBELIUS in seinen OBSERV. FOL. 253. auss dem RONDELERIO. dass diese Kräuter auff alle weiss und weg zu den Salben unnd Pflastern können gebrauchet werden/ Wunden zu heylen. Sie lindern auch die grosse Schmertzen der Glieder/ (welche von warmen und trucknen Ursachen her kommen) wenn man zerstossene Papplen unnd ungesaltzene Butter darzu thut. Wie sie auch in den hitzigen Därmen nützlich zu den Clistiren können gebraucht werden.
    (Das Kraut zerknütscht/ und auff die Geschwulst der Macht geleget/ wehret der Hitz/ mit sänfftigkeit unnd niderlegung dess Schmertzens. Jn Regenwasser gesotten/ unnd darmit sich gewaschen/ vertreibet die Flecken der Haut.)

Vom aussgetruckten Safft der Masslieben

    Wie man den Safft auss diesen Kräutern bringen könne/ hat man sich bey dem Wermuthsafft zu ersehen/ dann er auff gleiche weiss auss dem frischen Kraut soll aussgepresset werden. Dieser Safft vor sich selbst oder mit Wegrichwasser unnd Praunellenwasser eingenommen/ ist zu allen oberzelten Gebresten gut/ heilet die Wunden/ unnd bringt sie widerumb zusammen. Dessgleichen thut er auch eusserlich in die Wunden gethan: (ist zu den Hauptwunden sehr heylsam befunden worden) wenn man jhn auff die hitzige Glieder streicht/ kühlet und lindert er dieselbigen.

Von dem gedistillierten Wasser der Masslieben

    Jm Meyen nimpt man das Kraut mit aller seiner Substantz/ zerhacket es klein/ und brennt Wasser darauss/ oder aber nimbt die Masslieben wann sie in bester volkommener blüet sind/ sampt dem Kraut und Wurtzel wol gesäubert/ und zerhacke es klein/ erbeitze in gutem firnem wolriechendem starcken Wein/ vermachs beheb/ und alsdann destillirs) solchs Wasser getruncken/ heylet alle innerliche Wunden/ wo die seyn mögen/ an Lunge oder an der Leber für sich selbst/ oder auch mit Wegrichwasser eyngenommen.
    Diss Wasser für sich selbst getruncken/ löschet die innerliche Hitz dess Magens und der Därmen (Stercket und bekräfftiget den unlustigen Magen/ machet jhn der Speiss begierig: heylet auch die versehrung dess Eyngeweidts/ bekräfftiget die erlambten Glieder damit bestrichen/ oder Schweissbäder darvon gemacht/ mit Attich oder Odermenig.
    Auff sechs Loth getruncken/ weichet den Bauch. Heylet die Breun und Bletterlein im Mund unnd auff der Zungen/ so von Hitz entstanden.)
    Mit dem gebrennten Wasser die Wunden eusserlich fleissig aussgewaschen/ machet sie baldt heylen/ verwahret sie auch für grosser Entzündung.