1 / 512

SCHWADEN (FLUTENDER)

Glyceria flutans - Gramineae

 


 

VON DEM FLUTGRAß.

 

 

            Deß Flutgraß seyndt zwey GESCHLECHT/ DAS ERSTE HAT EIN KRIECHENDE Wurtzel/ die hencket sich mit jhren Zaseln hin und her im Grundt an/ die Bletter seynd dem gemeinen Graß gleich/ allein dass sie nicht so sehr außgespitzt seyndt/ der Halm oder Stengel ist krumb und lang/ der hat seine Nebenästlein alle mit Blettern besetzt/ die schwimmen unnd ligen auff dem Wasser/ Es gewinnt Aeher die dem gemeinen Graß gleich seynd/ die stehen aber weiter von einander den Stengel hinauff biß zum End/ Gleychsweit von einander/ es wechst hin und wider in den fliessenden Bächlein.
            ll. Das zweyte Geschlecht ist dem jetztgemeldten mit den Wurtzeln gleich/ die Bletter aber seyndt lenger und spitzer und weisser/ der Halm oder Stengel ist mit Gleychen underscheiden/ hin und her gekrümmet/ das gewinnet nur ein langes Aeher auff jedem Halm/ es wächset wie das vorig in fliessenden Wassern und Bächen.

 

Von dem Namen deß Flutgraß.
            Das Flurgraß ist von den Alten wie ander mehr Graßgeschlecht nicht beschrieben worden/ wirdt von den Gelehrten Lateinisch GRAMEN FLUVIATILE genannt. Hochteutsch/ Flutgraß.
            ll. Das zweyte Geschlecht wirdt von den Kreutlern GRAMEN FLUVIATILE ALBUM genannt. Hochteutsch/ weiß Flußgraß/ oder weiß Flutgraß.

 

Von der Natur/ Krafft/ Wirckung und Eygenschafft deß Flutgraß unnd seinem gebrauch.
            Das Flutgraß ist külender Natur und Eigenschafft/ wird gar nicht in der Artzeney gebraucht/ hat sonst ein süssen/ lieblichen Geschmack/ derwegen es die Weydtpferdt und das Rindvieh gern essen/ und bekommen die Kühe viel Milch darvon.