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FLUGBRAND (WEIZEN- )

Ustilago tritici

 


 

VON DEM BRANDT.

 

 

            Der Brandt ist ein Plag und Verderbung alles Getreyds/ die kompt gemeiniglich im Sommer/ wann die unzeitige geährte Frücht anfahen in die Aehren zu wachsen/ ehe daß sie auß den Graßscheyden herfür schlieffen/ ist allbereydt solche Plage fürhanden/ und geschiehet am allermeisten/ wann die Sonn im Aprillen heiß scheinet/ und auff solche Hitz der Sonnen unversehene geschwinde Regen fallen/ unnd widerumb gähe Sonnenhitz darauff folget/ auß solcher schnellen Verenderung weren die verborgene zarte Aehern der Frucht erhitziget/ und fahen an in den graßechtigen Scheyden/ sintemal sie auch noch tieff ligen/ zu brennen und schwartz zu werden. So baldt nun die Aeher sich herfür thun/ seindt sie gar schwartz/ also daß auch der Staub darvon fleuhet/ unnd mögen nimmermehr zur gesunden guten Frucht gerahten. Jch halte darvor/ es habe PLINIUS LIB.18.CAP.17. diesen Schaden unnd Mangel angedeutet/ da er schreibet/ Habern leidet Schaden/ ehe daß die Aehern halb zeitig werden und verschwinden ohne Frucht/ solcher aber geschicht nicht allein dem Habern/ sondern es widerfehret fast allen geährten Früchten/ und geschicht solches im allermeisten in denen Jahren in welchen viel Milthauw fallen. THEOPHRASTUS schreibet 8.HIST.10. daß RUBIGO, die Taubfrucht/ welches etliche den Brandt nennen/ den geäherten Früchten zu vollem Monschein getrang thue. Wer weiter darvon zu wissen begeret/ der lese PLINIUM und theophrastum AN DEN OBGEMELDTEN Orten.

 

Von den Namen deß Brandts.
            Der Brandt heisset Lateinisch/ RUBIGO, ROBIGO NEBULA unnd USTILAGO. Und Hochteutsch Rocken oder Kornbrandt. Der Haberbrandt heisset Lateinisch/ USTILAGO AUENACEA. Der Gerstenbrandt heisset Lateinisch/ USTILAGO HORDEACEA.

 

Von der Natur/ Krafft/ Wirckung und Eygenschafft deß Brandts.
            Der Brandt wirdt weder von Menschen zur Artzeney/ noch dem Vieh zum Futter gebraucht/ ist niergendts zu gut dann dem Vieh under zu streuwen. Den Staub von dem Brandt brauchen die Maler/ und gibt ein schöne Rauchfarbe. HORATIUS gedencket dieses Gewächs deß Brandts und nennet es RUBIGINEM, LIB.1.CARM. da er also spricht:

 

 

            Deßgleichen auch VIRGILIUS MARO I.GEORG.