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FERKELKRAUT
Hypochaeris - Compositae

siehe auch Ferkelkraut ll


VON DEM FERCKLEINKRAUT.

 

    Das Ferckleinkraut hat kleine/ lange/ dünne Würtzlein/ mit wenig Zaseln/ die sind außwendig graulechtig und inwendig weiß/ eines bitterlechtigen doch nicht unlieblichen Geschmacks. Die Blätter sind etlicher massen der wilden Wegwarten/ doch nicht so tieff zerspalten oder zerschnitten/ anzusehen/ wie die Blätter der Constantinopolitanischen Wegwart/ außgenommen/ daß sie viel kleiner sind/ und ligen auf der Erden Circkelsweiß außgespreitet. Von der Wurzel wachsen herfür drey oder vier runder/ blosser/ dünner Stengelein/ die sind nicht einer Spannen lang/ die theilen sich obenher in etliche Nebenstielgen aus/ ohne Blättlein wie die Stengelein/ darauf wachsen kleine/ langlechtige/ mit Holkelen gestreiffelte Köpfflein/ wie kleine Kölblein anzusehen/ wann sich dieselbigen aufthun/ werden schöne/ gefüllte/ geele Blumen daraus/ den Blumen des Röhrleinkrauts ähnlich/ sind aber doch kleiner. Es wächset in liechten Wälden/ da die Sonnewol hin scheinen mag/ in sandechtigen graßechtigem Erdreich/ sonderlich aber in dem liechten Wald zwischen dem Stättlein Ogersheim/ und der Reechhütten/ wie man von Ogersheim auf Apeyer zu reiset/ dund dergleichen Orten.

Von den Namen des Ferckleinkrauts.
    Das Ferckleinkraut halten wir vor das rechte und wahrhafftige HYPOCHOERIM, welches THEOPHRASTUS LIB. 7. C. 7. gedencket/ und mit den Endivien/ Röhrleinkraut/ Condrillenkräutern unter die Mußkräuter zehlet/ wie auch PLINIUS LIB. 21. CAP. 15. Dann es mit allen Noten und Kennzeichen/ die THEOPHRASTUS dem HYPOCHOERIDI zuschreibet/ durchaus übereinstimmet/ welche in keinem Endivien oder dergleichen Geschlechter und Kräuter/ die THEOPHRASTUS INTYBACEA oder CICHOREACEA nennet/ gefunden wird/ sonst ist es auch in der Speiß genossen anmüthiger und wenig bitterer als die Wegwart/ derowegen er das HYPOCHOERIS bleiben soll. Lateinisch heisset es/ HYPOCHOERIS, oder HIPPOCHOERIS, wie HERMOLAUS BARBARUS, beyde LECTIONES in seinn CASTIGATIONIBUS in den PLINIUM zulässet/ es möge HYPOCHOERIS oder HYPPOCHOERIS gelesen werden. THEODORUS GAZA hat es PORCELLIAM verdolmetschet/ und dieweil es bey und Teutschen keinen Namen hat/ haben wir es Ferckleinkraut zu Teutsch genennet/ damit es auch einen Teutschen Namen bekommen.

Von der Natur/ Krafft/ Würckung und Eigenschafft des Ferckleinkrauts.
    Es zeiget der bitterectige Geschmack dieses Kräutleins an/ daß es hat ein Krafft zu kühlen/ zu trucknen und zu eröffnen/ ist doch von wegen seiner milten Bitterkeit gegen der Wegwarten zu rechnen/ zu trucknen und zu eröffnen so viel unkräfftiger/ und die Wegwart kräfftiger und stärcker/ so viel sie dieses Gewächs mit ihrer Bitterkeit übertrifft.

Innerlicher Gebrauch des Ferckleinkrauts.
    Es ist heutiges Teges das Ferckleinkraut in keinem Gebrauch/ sintemal es noch ein unbekandtes Kraut ist/ aber bey den Alten wie THEOPHRASTUS an oben angezogenen Orten bnezeuget/ ist es wie andere Koch- und Mußkräuter in gemeinem Gebrauch gewesen/ sonderlich aber bey den Egyptiern/ wie PLINIUS LIB. 21. C. 15. solches in den Schrifften hinderlassen. Wir haben die jungen Blätter darvon etlichmal im Salat gebrauchet/ die sind anmüthiger zu essen dann die wilde Wegwart. Sonst mag dieses Kräutlein innerlich zu der Artzney wie die Wegwart und Endivien nützlich gebrauchet werden.