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VON DEM FALSCHEN CAMELENHEUW.

 

 

            Es wirdt heutiges Tags ein ander Geschlecht deß Camelenheuws von Venedig und Mompelier zu uns gebracht/ welches wir vor ein falsches SCHOENANTHUM halten/ sintemal under dem wahren SCHOENANTHO unnd diesem ein grosser underscheidt ist. Es hat ein dünnes uberzwerches/ hartes Würtzlein mit vielen anhangenden kleinen Zaseln/ das kreucht hin und her im Grundt/ die Bletter seyndt graßechtig/ die Stengel dünn/ mit Gleychlein oder Gewerblein underscheiden/ eines Fuß oder anderhalbenn Spannen hoch/ darauff wachsen schöne/ lange/ geährte Blumen/ die seynd gestalt halben dem Fuchsschwantz ähnlich/ außgenommen daß sie lenger seyndt. Dieses Gewächs wirdt in Büschelein zu uns gebracht und seyen die Hälmer oder Stopffeln dem wahren Camelenheuw so ähnlich/ daß die Augen leichtlich möchten betrogen werden/ das es vor SCHOENANTHUM möchte angenommen werden/ so der lieblich Würtzgeruch der diesem Gewächs mangelt solchen Betrug nicht entdecket/ unnd die langen Fuchsschwantzblumen/ die den Blumen deß wahren Camelenheuws gar und gantz ungleich seynd/ das Widerspiel anzeigten. Es hat gleichwol dieses Gewächs auch ein ziemlichen guten Geruch/ so es mit den Händen gerieben wirdt/ doch mag er bey weitem dem Geruch deß wahren SCHOENANTHI nicht verglichen werden. Es wächst in der Landtschafft Mompelier an sandechtigen Orten nahe bey dem Meer gelegen/ von dannen wir dann dieses Gewächs mit der Wurtzel bekommen.

 

Von den Namen deß falschen Camelenheuws.
            Das falsch Camelenheuw oder Bastardcamelenheuw/ haben wir also mit den gemeldten Namen getauffet/ dieweil es mit dem wahren Camelenheuw nit mag verglichen werden/ unnd die Kräfft und Tugenden so dem wahren und rechten Camelenheuw zugeschrieben werden an diesem Gewächs nicht gespüret werden. Die Kreutler nennen es SCHOENANTHUM unnd SQUINANTHUM EUROPAEUM, wir habens SCHOENANTHUM ADULTERINUM genennet.

 

Von der Natur/ Krafft/ Wirckung und Eygenschafft deß falschen Camelenheuws und seines gebrauchs.
            Es wirdt heutiges Tages dieses Gewächs in der Artzney gar nicht gebraucht/ dieweil seine Kräfft unnd Tugend als eines neuwen Gewächs noch nicht bekannt/ wir halten es doch daß es ein temperierte wärme hat/ und seynd hie die Apotecker wol zu warnen/ dieweil dieses Gewächs zu dieser zeit mit dem wahren Camelenheuw vermischt wirdt/ daß sie dasselbe nicht vor das wahre SCHOENANTHUM oder Camelenheuw in die Artzeneyen vermischen/ und die Oberkeit billich darinn ein eynsehens haben/ daß durch erfahrne Aertzt unnd Simplicisten etliche Apotecken besser versehen/ unnd von aller Verfälschung einmal möchten außgefeget und gereiniget werden.