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ERDKASTANIE
Bunium - Umbelliferae


VON DEN ERDCASTANIEN.

    Die Erdcastanien hat eine grosse/ runde Wurtzel/ gleich wie die Wurtzel der Erdscheiben/ außgenommen/ daß sie uneben und eckechtiger ist/ von Farben außwendig grauschwartz/ und wann sie welck und dürr wird sie runtzelechtig/ innwendig ist sie voller Marcks/ eines guten/ süssen und lieblichen Geschmacks/ gleich wie die Castanien und Pastenach durch einander vermischt/ die Blätter seynd schmal und tieff zerschnitten/ untenher etlicher massen dem Coriander gleich/ und oben auß kleiner/ die Stengel werden anderhalb Spannen lang/ die Blumen sind klein und weiß/ die blühen im Augstmonat/ auff Cronen oder Schatthütlein/ wie die Cronen des Dillkrauts/ wann die vergehen so folget der Saamen/ welcher kleiner ist dann der Aniß/ von Farben schwartzgrau und wolriechend. Dieses Gewächs findet man hin wieder an vielen Orten Teutschlandes in den Aeckern/ Feldern und Weingärten/ sonderlich aber in der Churfürstl. Pflatz/ in dem Altzeyeramt/ bey der Stadt Odernheim auff Sanct Peters Berg/ und den umliegenden Aeckern und Weingärten/ es liebet einen festen steinechtigen feisten Grund. Die zweyte Figur hie oben gesetzt/ hat mir der weitberühmte und fürtreffliche PHILOSOPHUS GUILIELMUS TURNERUS ANGLUS, unter dem Nahmen APIOS erstlich mitgetheilt/ die er aus einem alten Buch abmahlen lassen/ aber hernachmals da er seine Meynung geändert/ hat er es BULBOCASTANUM genennet/ mit dem es sich dann durchaus vergleichet/ ohne allein daß die Blätter zu groß gerissen sind/ die Wurtzel aber schicket sich fein/ und vergleichet sich wol mit unser Conterfait des BULBOCASTANI.

Von den Namen der Erdcastanien.
    Unsere Erdcastanien werden Lateinisch/ BULBCASTANUM, BULBOCASTANUM, BALANOCASTANUM und AGRIOCASTANUM genannt: Von den Kräutlern wird es/ CASTANEA TERRAE, und CASTANEA PORCINA genannt. Hochteutsch/ Erdkastanien und Säucastanien.

Von der Natur/ Krafft/ Würckung und Eigenschafft der Erdcastanien.
    Die Wurtzel dieses Gewächs ist mittelmäßiger Wärme und truckne/ mit einer kleinen astringierenden Eigenschafft. Der Saamen aber ist hitziger und truckner/ und erreichet fast den dritten Grad/ er öffnet und treibet den Harn.

Innerlicher Gebrauch der Erdcastanien.
    Die Erdcastanien werden von dem Bauersvolck rohe geessen/ sie sind aber anmühtiger/ so man sie in der Aeschen bratet und mit Saltz isset/ oder aber sonst kochet. So man die Wurtzeln scheelet/ darnach in einer Fleischbrühe seudet mit ein wenig gestossenem Pfeffer/ zu einem kurtzen Brühlein/ ist es eine anmühtige und liebliche gesunde Speiß/ dann sie nehret den Leib wol/ und bringet Lust zu ehelichen Wercken. Diese Wurtzel in der Speiß gebrauchet oder in der Artzney/ dienet sie denen so Blut speyen/ und Blut harnen.
    Sie ist auch denjenigen nutz und heilsam die Eiter außwerffen/ wie ALEXANDER TRALLIANUS solches LIB. 7. bezeuget.
Die Schweine essen diese Wurtzel sehr gern/ und werden feißt davon/ derwegen sie auch Säucastanien bey uns genennet werden.