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ENDIVIE
Wegwarte
Cichorium - Compositae


VON DER ENDIVIEN UND JHREN GESCHLECHTEN.

    Der rechten und wahren zahmen Endivien oder Wegwarten/ haben die ealten Lehrer zwey Geschlecht beschrieben/ wir aber haben heutiges Tages vier Geschlecht.
    I. Das erste groß Endivien genannt/ hat eine weisse zaselechtige Wurtzel eines bitteren Geschmacks/ die Blätter sind breit/ den Blättern des Lattichkrauts ähnlich/ der Stengel ist dick und rund anderthalb Ellen hoch. Sonst ist es mit den Zincken oder Nebenzweiglein und Blumen/ der wilden Wegwarten etwas gleich/ allein daß sie durch die Pflantzung geschlachter/ milter und zärter wird/ und zu der Speiß gebräuchlicher.
    II. Das zweyte groß Geschlecht/ ist der jetztgemeldten allerdings mit Wurtzeln und Blumen gleich/ außgenommen/ daß die Blätter krauß und gerollt sind/ dem krausen Lattich ähnlich/ der Stengel ist dick und vieleckechtig und nicht so schlecht/ sondern etwas krumm und gebogen.
    III. Das dritte Geschlecht ist mit Wurtzeln/ Stengel und Blumen dem ersten durchauß gleich/ allein daß die Blätter/ länger/ schmäler/ und am Geschmack bitter sind. Der Saamen ist klein/ rund und lang/K wie des gemeinen Endiviensaamen.
    IV. Das vierdte Geschlecht/ ist durchaus in allen Stücken dem jetztgemeldten gleich/ außgenommen/ daß die Blumen an diesem schneeweiß/ wie sie an dem andern Himmelblau sind.

Von den Namen der Endivienkräuter.
    Es hat der wilde Lattich mit einem andern Namen/ die Gänßdistel oder Gänßzung genannt/ bey den gemeinen unerfahrnen Aertzten und Apotheckern/ sonderlich aber bey den Calendermachern und vermeinten Himmelskünstlern/ die statt der wahren und rechten Endivien viel Jahr her fälschlich vertretten müssen/ welcher in allweg verdammliche und verwerffliche Irrthum noch heutiges Tages bey vielen so tieff eingewurtzelt ist/ daß sie davon nicht zu bringen sind/ wollen viel lieber in ihrem verstockten/ halßstarrigen Irrthum und falschen gefaßten Wahn freventlich verharren/ dann daß sie bekennen solten/ daß sie geirret hätten. Daß wir aber nun wiederum zu unserm Fürnehmen kommen/ und anzeigen/ wie unser Endivien bey den Alten genennet worden seye/ befinden wir/ daß sie von PLINIO und andern Lateinischen Authoren/ INTYBUM, INTUBUM, INTYBUS oder INTUBUS, INTYBUM SATIVUM oder DOMESTICUM, SERIS SATIVA, ud CICHORIUM DOMESTICUM geheissen wirdt. Von den Kräutlern/ INTYBUM LATIFOLIUM, INTYBUM MAJUS, INTYBUS SATIVA LATIFOLIA, ENDIVIA, ENDIVIA MAJOR, ENDIVIA SATIVA, zum Unterscheid der gemeinen wilden Wegwarten/ ENDIVIA DOMESTICA, und zum Unterscheid der obgemeldten falschen Endivien oder der Gänßzung/ ENDIVIA ROMANA, und ist also aus dem Wort INTYBUS oder INTYBA, das zerstörte Wort ENDIVIA herkommen/ welcher Namen bey allen MEDICIS und Apotheckern in gantzem Europa noch bleibet und eingewurtzelt ist. Hochteutsch/ Antivien und weiß Endivien.
    II.Das zweyte Geschlecht wird von den Kräutlern INTYBUM CRISPUM, und ENDIVIA CRISPA genannt. Hochteutsch/ krauß Endivien.
    III. Das dritte Geschlecht/ hat die Griechischen Namen mit der obgemeldten grossen Endivien gemein. Lateinisch/ SERIUM und SERIOLA: Von den Kräutlern/ CICHORIUM SATIVUM MINUS, INTYBUM MINUS, SERIS MINOR, ENDIVIA MINOR; INTYBUM ANGUSTIFOLIUM, ENDIVIOLA, und von den gemeinen Practicanten/ SCARIOLA, welche gemeiniglich auch die Gänßdistel mit diesem Namen tauffen/ und dieselbige fälschlich vor die SCARIOLAM gebrauchen. Hochteutsch/ klein Endivien/ Scariol und Gartenscariol.
    IV. Das vierdte Geschlecht wird zum Unterscheid des vorgemeldten INTYBUM MINUS ALBUM, SERIOLA ALBA, und SCARIOLA ALBA genannt. Zu Teutsch/ weisser Gartenscariol.

Von der Natur/ Krafft/ Würckung und Eigenschafft der Endivien.
    Beyde Geschlechte der Endivienkräuter und der Gartenscariol/ sind kalter und truckener Complexion/ mit einer Zusammenziehung gleich den Wegwarten/ kühlen doch etwas mehr als dieselbige/ öffnen auch mittelmässig und reinigen/ und was von der Endivien hernach gesagt wird/ das soll auch von der krausen Endivien und beyden Geschlechten des Scariols verstanden werden.

Innerlicher Gebrauch der Endivien und Gartenscariols.
    Es wird heutiges Tags die Endivien und Scariol/ nicht allein in Welschen/ sondern auch in unserem Teutschland/ sehr in den Küchen den gantzen Sommer hinaus zur Speiß gebrauchet/ und wird gar grosser Fleiß auf diese Gewächs geleget/ solche über Winter frisch zum Salat zu behalten/ und sit fürwahr solcher Salat nicht allein lieblich und anmühtig zu essen/ sondern auch über die Maß lustig anzuschauen/ dann diese Kräuter dermassen gepflantzet werden/ daß ihnen alle Bitterkeit benommen wird/ Es werden auch die Blätter schön krauß und schneeweiß/ hart über einander gedrungen/ gleich den jungen stöcklein/ welche die Kälte wol dulden mögen/ und über Winter bleiben/ die versetzet man offt in ein gut gedünget oder feist Erdreich/ und sonderlich gegen dem Herbst werden sie fürnemlich ausgesetzet/ auf Spannen weit oder etwas näher von einander in ein Gartenbettlein/ da fasset man die Blättlein zusammen/ stürtzet kleine irdine Pottlein oder Hafelein darüber/ also/ daß man die Blättlein darinn dringet/ das lasset man darinn wachsen/ damit sie vom Regen und Sonnenschein verwahret seyn/ darvon sie dann obgemeldte krause Häubtlein bekommen/ zum Salat über die maß lustig und anmühtig.
    Etliche pflantzens mit geringer mühe/ sie bedecken die jungen stock mit Erden/ die sind erstlich mit Stroh dermassen versehen/ daß es doch ungehindert der Winterkält wachsen mag/ und wächset sonderlich bald in feuchtem lucken Grund: Damit es aber gantz mild und geschlacht werde/ soll es offt versetzt werden in ein gut und gedünget Erdreich/ und solches anfänglich so bald es nur vier Blättlein bekommt.
    Etliche binden im October die Blätter der Endivien in Büschlein zusammen mit ihren Wurtzeln/ und versetzen die in einen Keller in ein Sand/ stürtzen darnach Häfen darüber/ so werden sie auch nicht allein schön weiß/ sondern verlieren alle Bitterkeit/ also wo man sie nicht wol verwahre/ daß sie auch von Mäusen und Ratten gefressen werden. Auf solche Weiß kann man auch die wilde und gemeine Wegwarten/ über Winter zu den Saläten gebrauchen/ bereiten.
    Die junge frische und grüne Endivien/ brauchet man nicht allein den gantzen Sommer hinaus zu den Saläten/ sondern auch zu Müßlein allein und mit andern Gemüßkräutern vermischet. So pflegt man sie auch beym Fleisch/ und jungen oder alten Hünern und Capaunen zu sieden/ oder sonst in andere weg zu den Suppen und Speisen zu gebrauchen/ und wiewol sie gleichwol den Leib nicht viel nehren/ sind sie doch gesund/ und stärcken den erhitzigten Magen/ daß er die andere Speisen desto besser abdäuen mag/ sollen derowegen alle gemeldte Endivienkräuter in nachfolgenden Schwachheiten/ so viel möglich in den Speisen gebraucht werden: Als nemlich in allen hitzigen kranckheiten des Haubts/ der Augen/ Brust/ Lungen/ des Hertzens/ des Magens/ der Leber/ und allen andern innerlichen Glieder: deßgleichen in der Hirnwütigkeit/ in dem hefftigen Nasenbluten/ Verstopfung der Leber und des Miltzes/ in unersättlicher Begierd zur Unkeuschheit/ in unleidlichem grossen Durst/ Geelsucht/ Erhartung der Leber und des Miltzes/ in unnatürlicher Hitz/ dem grünen Siechtag und hitzigen Wassersucht/ in Tertian- und Quartan-Fiebern/ hitzigen/ brennenden Fiebern/ und sonderlich in Zeit regierender Pestilentz/ dann sie löschen und miltern das hitzige entzündete Geblüt/ und alle andere scharffe Feuchten/ bringen den geschwächten Magen von Hitze wieder zurecht/ und bringen wieder den zerstöreten Appetit/ vertreiben die Widerwillen zur Speiß/ stärcken den erlöcherten Magen/ sind dienlich im Blutspeyen/ und allen Durchläuffen oder Bauchflüssen/ deßgleichen in dem hitzigen Zipperlein/ Gliedsucht/ in der Frantzosenkranckheit.
    Endivien oder Scariolsafft/ ist eine heilsame Artzney denjenigen so Blut auswerffen/ je über den andern Tag 3. Untzen/ des Morgens oder Abends getruncken.
    Endivienkraut rohe oder gekocht mit Essig oder Agrest gessen/ vertreibet die Maßleid/ und bringet wieder zurecht den verlohrnen Appetit/ sonderlich aber ist dieses eine heilsame Speiß und Artzney den maßleidigen schwangern Weibern/ die seltzame Gelüst zu unnatürlichen Speisen haben.
    Endiviensafft etliche Tage nach einander/ jedesmal des Morgens oder Abends 3. Untzen getruncken/ ist eine edle Artzney/ wider das Nagen und Reissen der scharffen verbrannten Gallen in dem Magenmunde. Gemeldte Artzney vertreibet auch den Sod/ und das Brennen des Magens.
    Geläuterten Endiviensafft 2. Untzen/ mit 2. Loth gutem Weinessig getruncken/ vertreibet und tödtet die Würm im Leib/ und sonderlich in den Fiebern.
    Endiviensafft auf die 3. Untzen getruncken/ vertreibet das hefftig Brennen im Leibe/ vom Pfeffer/ EUPHORBIO, Hanenfuß/ und andern dergleichen Stücken/ oder aber von hitziger Artzney verursacht. Die gemeldte Artzney ist auch fast heilsam und gut den Lebersüchtigen/ und denen Blut mit zum Stulgang hinweg gehet.
    Endivienkraut gesotten/ und mit Essig geessen/ stopfft den flüssigen Bauch.
    Geläuterten Endiviensafft auf die 2. Untzen/ mit gleich so viel Weins getruncken/ eröffnet die Verstopffungen der Leber/ und kommt allen derselbigen Gebrechen zu hülff/ so man diesen Tranck etliche Tage nach einander beharret.
    Wider die Verstopffung der Leber/ und alle andere Gebrechen derselbigen/ von Hitz verursachet: Nimm Endivienkraut/ 2. Handvoll/ Erdbeerkraut/ Steinleberkraut/ Wegwarten/ jedes 1. Handvoll/ Pfaffenblattwurtzel/ 2. Loth/ geelen Sandel/ geschaben Helffenbein/ Indianisch Narden/ jedes ein halb Loth. Alle gemeldte Stück schneide klein/ und vermische es durch einander/ thue darzu 4. Untzen fein Zucker/ und thu alle Stück in eine bequeme Kante/ schütte darüber 1. Maß frisch Brunnenwassers/ verlutier den Ranfft der Kanten mit einem Rockenteig/ setze sie darnach in einen Kessen mit siedendem Wasser/ und lasse die vier Stunden darinn sieden/ darnach laß kalt werden/ und seihe es durch ein Tuch/ gib dem Krancken Morgens und Abends/ jedesmal 4. Untzen davon zu trincken.
    Geläuterten Endiviensafft 3. Untzen/ mit einer Untz des sauren Honigsyrups/ OXYMELLIS SIMPLICIS vermischt und warm getruncken/ eröffnet die Verstopffung der Leber/ von dickem verbrannten Geblüt verursachet.
    Wider den Schmertzen der Leber: Nimm geläuterten Endiviensafft/ 10. Untzen/ Endivienwasser/ 9. Loth/ Endiviensyrup/ 6. Loth. Vermische es durch einander/ theile es ab in drey gleiche Theil/ und laß es den Krancken drey Morgen nach einander warm trincken.
    Endiviensafft der geläutert ist auf die 4. Loth/ mit 2. Loth gutem Wein und einem Loth weissen Zucker vermischt und getruncken/ kommt der schwachen und blöden Leber zu hülff/ ein Tag etliche nach einander beharret.
    Geläutert Endiviensafft 4. Loth/ mit 3. Loth Wassers und einem Loth Zucker vermischet/ und warm getruncken/ ist eine heilsame Artzney wider die grosse hitzige Brunst der Leber.
    Geläuterten Endiviensafft 3. Loth/ mit Endivienwasser und Endiviensyrup/ jedes 3. Loth/ zu einem Tranck vermischet/ und etliche Tag nach einander des Morgens und Abends/ jedesmal so viel getruncken/ ist denjenigen eine gute und gesunde Hülff/ die sich mit unmässiger Unkeuschheit verderbet/ und ihnen davon die Leber vertrucknet ist.
    Oder/ nimm Endivienkraut 2. Handvoll/ Wegwartenwurtzel/ anderthalb Handvoll/ spitze Salbeyen mit der Blüht/ Leberkraut das in den Brunnen wächset/ gülden Leberkraut/ jedes 1. Handvoll/ grosse Centaurwurtzel/ 1. Loth/ Rhebarbaren/ Muschatenblüht/ jedes ein halb Loth/ Indianisch Narden 1. Quintlein. Zerschneide alle diese Stück klein/ thue sie in eine bequeme Kante/ thue darzu 6. Untzen guten feinen Zucker/ und schütte darüber 1. Maß Endivienwasser/ verlutier die Kante wol/ und lasse sie vier Stunden in stäter Hitz in einem Kessel mit Wasser sieden/ wann es darnach kalt worden ist/ so seihe den Tranck ab durch ein Tuch/ und gib dem Krancken darvon alle Morgen und Abend 3. Untzen zu trincken/ so lang der Tranck währet. Dieser Tranck erfrischet die verdörrte Leber/ so von unmässiger Unkeuschheit verdorben ist/ daraus dann auch abnehmen des Leibs kommt.
    Endivienkraut und Wurtzel 4. Handvoll/ obgemeldter massen mit einer Maß frisch Brunnenwassers und 4. Untzen Zuckers/ in einer Kanten die verlutiert ist/ in einem Kessel mit Wasser vier Stunden lang gesotten/ darnach abgesigen/ und alle Morgen und Abend jedesmal 4. Untzen davon warm getruncken/ ist eine bewährte Artzney wider die hitzige Geelsucht und Brunst der Leber.
    Endivienkraut und Wurtzel in genugsamem Wasser den dritten Theil eingesotten/ durchgesigen/ und stätig vor einen gemeinen Tranck getruncken/ ist ein heilsamer Speißtranck in der hitzigen Wassersucht. Darzu ist auch vast dienlich Endivien und Scariol gesotten und aus Essig geessen.
    Endiviensafft etliche Tage nach einander/ 2. oder 3. Untzen des Morgens oder Abends getruncken/ stillet den Saamenfluß.
    Geläutert Endiviensafft 3. Untzen/ mit einer Untzen frischer außgezogener Cassien/ und einem halben Loth frisch Violenöl durch einander temperiert/ und getruncken/ heilet die innerlichen Geschwär der Nieren.
    Geläutert Endiviensafft/ mit geläutertem Fenschelsafft/ jedes 3. Loth/ MANNAE oder Honigthau/ Violen- oder Rosensyrup/ jedes 2. Loth/ durch einander zu einem Trüncklein temmperirt/ und des Morges nüchtern vier Stunden vor dem Essen warm getruncken/ ist eine heilsame Artzney wider das doppel Tertianfieber.
    In Summa/ es mag auch ferner die Endivien und Scariol/ zu allen innerlichen Kranckheiten wie die Wegwart nützlich gebrauchet werden. Und haben wir also hie an diesem Ort/ was wir von der Endivien in unser Practick besonders erfahren/ wollen anzeigen.

Eusserlicher Gebrauch der Endivien oder Scariols.
    Endiviensafft mit Essig und Rosenöl wol durch einander geklopfft/ mildert das hitzige Haubtwehethum in den Fieber/ leinine Tücher darinn genetzt/ und über die Stirn und beyde Schläff geleget/ und offtermals erfrischet.
    Frisch Endivienkraut gestossen/ und wie ein Pflaster über die Entzündung und Geschwulst der Augen geleget/ miltert und zertheilet dieselbige/ und löschet die Hitz. Das thut auch der ausgepreßte Safft/ Tüchlein darinn genetzet und über die Augen gelegt.
    Das Kraut gestossen und mit Gerstenmeel temperiert/ und über die zugethane Augen gelegt wie ein Pflaster/ stillet die Flüß so in die Augen fallen.
    Endivienkraut frisch mit Violenöle gestossen/ und wie ein Pflaster übergelegt/ vertreibet das beissen und jucken der Augen.
    Endiviensafft in dem Mund ein gute weil gehalten/ stillet das schmertzliche Zahnwehe/ von Hitz verursacht.
    Endivienkraut frisch mit Gerstenmeel gestossen/ und wie ein Pflaster temperiert/ löschet und miltert die Entzündung oder Brunst der Brust und Lungen.
    Endivienkraut mit einer Brosamen Rockenbrots gestossen/ darnach wie ein Pflaster über den Magen gelegt/ vertreibet und löschet die Entzündung desselbigen.
    Endivienkraut gestossen/ und mit rothem herbem Wein gesotten/ vertreibet und stillet allerhand Durchläuff und Bauchflüß/ warm wie ein Pflaster über den Bauch geleget.
    Endivienkraut frisch gestossen/ miltert und zertheilet alle hitzige Geschwulsten und Apostemen/ wie ein Pflaster darüber gelegt. Deßgleichen miltert und löschet solche Artzney auch die Hitz und Brunst der Leber/ mit ein wenig Essig gestossen und übergeleget.
    Oder/ nimm Endiviensafft/ vermische den mit ein wenig Weinessigs/ mache es warm/ netze ein zweyfach leinen Tuch darinn/ und legs auswendig laulechtig über die Leber/ und so offt es trucken wird/ so erfrische e wieder/ es kühlet und leget die Hitz gewaltig.
    Oder/ nimm Endiviensafft 4. Untzen/ Brunnenleberkrautsafft/ Röhrleinkrautsafft/ jedes 2. Untzen/ vermischs mit genugsamem Gerstenmeel zu einem Pflaster/ streich es auf ein Tuch und legs warmlecht über.
    Endivienkraut mit Gerstenmeel gestossen/ miltert die hitzige Entzündung des Zipperleins und der Gliedsucht/ wie ein Pflaster darüber gelegt: Löschet auch die Rose oder das Rothlauffen.
    Endiviensafft mit Rosen oder Quittenöle durcheinander temperiert/ also daß des Oels so viel seye als des Saffts/ und leinine Tüchlein darinn genetzet/ und über die Rose oder das Rothlauffen geleget/ löschet gewaltig und hilfft bald.
    Frisch Endivienkraut mit den Wurtzeln gestossen/ heilet die Stich der Scorpionen/ Hummeln/ Hornüssen und Bienen/ wie ein Pflaster darüber gelegt.
    Endiviensafft heilet die Geschwär der Mutter/ denselben durch ein bequem Instrument in die Mutter gethan/ doch soll man in dem Beschluß der Cur allwegen den vierdten Theil rauhen Weins zu dem Safft thun/ damit vermischen und gebrauchen.

Endivienwasser.
ENDIVIAE AQUA STILLATITIA.

    Das Endivien- oder Scariol-Wasser soll gedistillirt werden/ von der gantzen Substantz des Endivienkrauts oder Scariols in dem Heumontat/ durch die VESICAM, wie wir solches oben von der Wegwarten gelehrt haben.

Innerlicher Gebrauch des Endivien-Wassers.
    Endivienwasser dienet in allen hitzigen Haubtkranckheiten/ in hitzigen Gebrechen der Brust/ Lungen und des Magens/ kühlet/ erfrischet und stärcket die Leber und das Miltz/ und löset auf die Verstopffung derselbigen/ vertreibet die Geelsucht/ und dienet wider alle hitzige Entrichtung der Nieren/ Mutter/ Blasen/ und aller innerlichen Glieder des Eingeweids/ zertheilet auch und treibet aus dem Leibe das gerunnen Geblüt/ alle Morgen und Abend/ jedesmal 4. oder 5. Loth davon getruncken/ und bißweilen auch den Wein darmit vermischen.
    So einer zu viel Unkeuschheit geübet/ und sich mit Weibern überlebet hätte/ darvon die Leber verzehret/ verdorret und verdorben wäre/ der trincke ein Zeitlang alle Morgen und Abend/ jedesmal zum wenigsten 3. Untzen Endivienwasser/ und vermische seinen Wein darmit/ er wird wieder zurecht gebracht/ dann die Leber wird dardurch erfrischet und gestärcket/ und bekommt wieder natürliche Feuchtigkeit.
    Es dienet auch dieses Wasser treffenlich wol den Fiebern/ so von der Gallen verursachet worden sind/ sonderlich aber den hitzigen Fiebern/ obgemeldter massen gebrauchet/ oder gute Julep darvon gemachet.
    Sonst mag es auch nützlich zu allen innerlichen Gebrechen gebraucht werden/ wie das Wegwartenwasser.
    Wider das hitzige Hauptwehethum/ von der Gallen verursachet/ dasselbe nider zu trucken und zu dämpffen: Nimm Endivienwasser/ Pfaffenröhrleinwasser/ Granatsyrup/ jedes 2. Loth/ des sauren Essigsyrups/ ein Loth. Vermische es durch einander/ und gib dem Krancken alle Morgen und Abend/ jedesmal so viel zu trincken.
    Wider das Gicht oder Fränsel der jungen Kinder/ so gemeiniglich febrische Hitz mit unterlauffet: Nimm Endivienwasser/ 3. Loth/ Benedicten-Rosenwasser/ Violensyrup/ jedes 2. Loth. Vermische die durch einander/ und gib dem Kinde jederweilen ein Löffel voll darvon zu trincken.
    Wider die hitzige Entzündung des Hertzens: Nimm Endivienwasser 4. Loth/ Rosenwasser/ des sauren Essigsyrups von den Judenäpffeln/ jedes 2. Loth/ Seeblumensyrup/ ein Loth. Vermischs und gibs dem Krancken Morgens und Abends/ jedesmal so viel zu trincken.
    Wider den Schmertzen des Magens/ von der Gallen oder sonst hitziger Ursach: Nimm Endivienwasser/ 4. Loth/ Pfaffenröhrleinwasser/ des sauren Essigsyrups SYRUPI ACETATI SIMPLICIS, jedes 2. Loth/ Quittensyrup/ 1. Loth. Vermische es/ und gibs des Tages zweymal obgemeldter massen zu trincken.
    Oder/ nimm Endivienwasser/ 5. Loth/ Wermuthwasser/ 1. Loth/ des sauren Syrups OXYSACCHARI, 2. Loth/ Quittensyrup/ 1. Loth. Vermisch es/ und brauchs des Tages zweymal/ wie gemeldet.
    Wider die Entzündung des Magens: Nimm Endivienwasser/ 4. Loth/ Wegwartenwasser/ Agrest oder unzeitiger Traubensyrup/ jedes 2. Loth/ Myrhtensyrup/ 1. Loth. Vermischs und gebrauchs obgemeldter massen.
    Den grossen unmässigen Durst zu löschen/ von Trückne: Nimm Endivienwasser/ 5. Loth/ Saurampfferwasser/ 3. Loth/ Endiviensyrup/ Violensyrup/ jedes zwey Loth. Vermische es/ und gibs des Tags drey oder viermal zu trincken.
    Wider den grossen Durst in der Pestilentz und andern Pestilentzischen Fiebern: Nimm Endivienwasser/ 12. Untzen/ Saurampferwasser/ Rosenwasser/ jedes acht Untzen/ Seeblumenwasser/ Scabiosenwasser/ jedes 6. Untzen/ Granatenäpffelwein/ 6. Untzen/ Nägeleinblumenessig/ 4. Untzen/ Lemonensafft/ 3. Untzen/ guten feinen Zucker/ 6. Untzen. Alle gemeldte Wasser und Säfft samt dem Zucker thue in ein irdin Geschirr/ laß sittiglich über dem Feuer zergehen/ und auch ein Wall oder sechs auffsieden/ darnach seihe es durch ein Tuch/ laß es kühl werden/ und gib dem Krancken alle zwo Stunden ein guten Bechervoll auf einmal zu trincken/ und wird nicht allein den Durst löschen/ sondern auch das Hertz stärcken/ und das Gifft darvon treiben.
    Wider die hitzige Verstopfung der Leber: Nimm Endivienwasser/ 2. Untzen/ Brunnleberkrautwasser/ Saurampfersyrup/ jedes 2. Loth/ Endiviensyrup/ ein Loth. Vermische diese Stück/ und gib dem Krancken Morgens und Abends/ jedesmal so viel zu trincken.
    Wider die hitzige Entrichtung und Entzündung der Leber: Nimm Endivienwasser/ 4. Loth/ Saurampfferwasser/ Rosenwasser/ Rosensyrup/ jedes zwey Loth/ Granatensyrup/ 1. Loth. Vermische es/ und gibs dem Krancken obgemeldter massen zu trincken.
    Oder/ nimm Endivienwasser/ 4. Loth/ Pfaffenblatwasser/ Endiviensyrup/ jedes 2. Loth/ Violensyrup/ 1. Loth. Vermische es/ und laß den Krancken Morgens und Abends trincken.
    Oder/ nimm Endivienwasser/ 4. Loth/ Judenkirschenwasser/ Leberkrautsyrup/ jedes 2. Loth/ Seeblumensyrup/ 1. Loth. Vermischs und trincks wie gemeldet.
    Wider die hitzige Geelsucht: Nimm Endivienwasser/ 4. Loth/ Sonnenwirbelwasser/ Endiviensyrup/ jedes 2. Loth/ des sauren Syrups OXYSACCARI, 1. Loth. Vermischs und gibs dem Krancken obgemeldter massen zu trincken.
    Oder/ nimm Endivienwasser/ 4. Loth/ Nachtschattenwasser/ Wegwartensyrup/ jedes 2. Loth/ Leberkrautsyrup/ 1. Loth. Vermischs und brauchs wie gemeldt.
    Oder/ nimm Endivienwasser/ 4. Loth/ Hopffenwasser/ Endiviensyrup/ jedes 2. Loth/ Hopffensyrup/ 1. Loth. Vermisch es und gebrauchs.
Wider die hitzige Entrichtung und Brunst der Leber: Nimm Endivienwasser/ 4. Loth/ Lattichwasser/ Rosensyrup/ jedes 2. Loth/ Wegwartensyrup/ ein Loth. Vermischs und gibs zu trincken.
    Die Hitz in den hitzigen und brennenden Fiebern löschen: Nimm Endivienwasser/ 4. Loth/ Hindbeernlaubwasser/ Saurampfersyrup/ jedes 2. Loth/ des sauren Cytronensyrups/ 1. Loth. Vermische es/ und gib dem Krancken alle vier Stunden so viel zu trincken.
    Oder/ nimm Endivienwasser/ 3. Loth/ Rosenwasser/ Saurampferwasser/ jedes anderthalb Loth/ Endiviensyrup/ 2. Loth/ des sauren Granaten-Syrup/ 1. Loth. Vermische es und gibs zu trincken.
    Wider die gemeinen Fieber: Nimm Endivienwasser/ Wegwartenwasser/ Pfaffenblatwasser/ jedes zwey Loth/ Endivien- oder Wegwartensyrup/ 3. Loth/ oder jedes anderthalb Loth. Vermische es/ und gibs dem Febricitanten nach dem neundten Tag zu trincken/ alle Morgen nüchtern/ so lang biß das Fieber nachlässet.
    Wider die Vertrucknung und Verdörrung der Leber/ von übermässiger Unkeuschheit: Nimm Endivienwasser/ 3. Untzen/ Endiviensyrup/ 3. Loth. Vermische es und gibs dem Krancken Morgens und Abends jedesmal so viel zu trincken/ etliche Tage nach einander biß er Besserung befindet.
    Oder/ nimm frisch Endivienkraut mit den Wurtzeln/ 4. Pfund/ Wegwartenkraut und Wurtzel/ 3. Pfund/ Gartenscariolkraut und Wurtzel/ 2. Pfund/ gülden Leberkraut/ spitze Salbeyen-Blätter und Blumen/ jedes anderthalb Pfund/ grosse Centaurwurtzel/ 8. Untzen/ guter frischer Rhebarbaren/ Muschatenblüht/ jedes anderthalb Loth. Alle obgemeldte Kräuter sollen frisch und grün seyn/ die soll man klein hacken/ die Rhapontick/ Rhebarbaren und Muschatenblüt klein schneiden oder groblechtig zerstossen/ folgends alles durch einander vermischen/ in ein VESICAM thun/ darüber schütten sechs oder siben Maß frisch Brunnen-Wasser/ darnach mit sanfftem Feuer zwey Maß davon distilleren/ solches darnach zu obgemeldtem Gebrauch wol vermacht behalten. Davon gibt man auf einmal täglich 3. Untzen/ mit 3. Loth Endivien-Syrup zu trincken/ beyde des Morgens und Abends/ biß man gute Besserung vermercket/ und ist dieses Wasser in diesem Fall offtmals nützlich befunden worden.

Eusserlicher Gebrauch des Endivien-Wassers.
    Das Endivienwasser ist fast heilsam und dienstlich/ das schmertzliche Hauptwehe zu stillen/ mit Rosenöle/ Rosenessigs und ein wenig Campffers durch einander temperiert/ und mit leinenen Tüchlein über die Stirn und das Haubt gelegt/ und so offt solche trucken werden/ wieder erfrischet.
    Endivienwasser warm gegurgelt/ dienet wider alle hitzige Entzündung des Halß und der Mandeln.
    Wider die Entzündung der Leber: Nimm Endivienwasser/ 12. Untzen/ Rosenwasser/ 3. Untzen/ Violenwasser 3. Loth/ guten Weinessig/ Malvasier/ oder an dessen statt des besten firnen Weins/ jedes anderthalb Loth/ gepülverten rothen/ weissen und geelen Sandel/ jedes ein halb Loth/ rothe gepülverte Rosen/ Corallen/ gebrannt Helffenbein/ jedes ein halb Quintlein/ Campffer/ 12. Grän. Vermische solche Stück alle wol durch einander/ und netz ein doppelten Zendel oder zweyfach leinen Tuch darinn/ und legs äusserlich laulechtig über die Leber/ und so offt es trucken wird so erfrische es wiederum/ es zeucht eine gewaltige grosse Hitz heraus/ und stärcket die Leber kräfftiglich.
    Oder/ nimm Endivienwasser/ 6. Untzen/ Rosenwasser/ Nachtschattenwasser/ jedes 3. Untzen/ Wermuthwasser/ 2. Untzen/ geel Lilienwurtzelsafft/ Lattichsafft/ jedes 3. Loth/ gepülverten rothen und weissen Sandel/ jedes 1. Quintlein/ Campffer/ 1. Scrupel/ alles soll man ordentlich vermischen und über die Leber schlagen.
    Wider das stechen und schmertzen der Leber/ von Hitz: Nimm Endivienwasser/ 8. Untzen/ Rosenwasser/ 6. Untzen/ weissen und rothen Sandel rein gepülvert/ jedes 1. Quintlein/ Campffer/ 1. Scrupel. Dieses misch alles durch einander/ netze Zendel oder ein Tuch darinn und legs laulechtig über die Leber.

Endivienwein.
SERITES, oder VINUM INTYBACEUM.

    Der Endivienwein von dem Kraut und Wurtzel ohne einen Zusatz ist nicht im Gebrauch/ sintemal der Wein von der Wegwarten kräfftiger und besser ist/ doch ist er nicht zu verwerffen/ und so einem derselbige anmüthiger seyn wolte/ mag der wie der Wegwartenwein bereitet/ und in gleichen Fällen gebraucht werden.
    Wider das Tertianfieber und auch andere gemeine Fieber haben wir nachfolgenden Endivienwein mit einem Zusatz im Gebrauch: Nimm gedörrt Endivienkraut/ 8. Untzen/ Ochsenzung/ 4. Untzen/ Peterleinwurtzel/ Fenchelwurzel/ Bibernellenwurtzel/ Spargen und Rusckenwurtzel/ Engelsüß/ jedes 2. Loth/ Agrimonienkraut/ Hirtzzungen/ jedes ein Loth/ Senatblätter/ dritthalb Loth/ Rhebarbaren/ anderthalb Loth/ der vier kalten Saamen ein wenig zerstossen/ rothen weissen und geelen Sandel/ Mertzviolen/ Roßmarin/ Borragenblumen/ Ammeysaamen/ Fenchelsaamen/ Aenißsaamen/ jedes ein halb Loth/ Venushaar/ 1. Loth. Alle gemeldte Stück soll man klein zerschneiden/ und mit Häselen Spähnen in ein zwölffmässiges Fäßlein einschlagen/ darnach dasselbige mit einem guten Most zuschlagen/ darnach dasselbige mit einem guten Most zufüllen/ un darüber verjähren lassen/ folgends über Jahr in gemeldten Fiebern für einen Speißtranck trincken.

Endiviensafft Syrup.
SYRUPUS DE SUCCO ENDIVIAE, oder SYRUPUS ENDIVIE SIMPLEX.

    Es wird ein guter Syrup von dem Endiviensafft bereitet/ der wird SYRUPUS DE SUCCO ENDIVIAE, oder SYRUPUS INTYBACEUS SIMPLEX genandt/ den bereit man also: Man nimmt des frischen ausgeläuterten Endiviensaffts/ 3. Pfund/ weissen fein Zucker/ 2. Pfund/ solches thut man in ein bequemes Kesselein/ setzet es über Kohlen/ lasset es sittiglich zu einem Syrup sieden/ im sieden verschäumet man es mit einem Eyerweiß/ wann es in bequemer Dicke gesotten ist/ so seihet man den durch ein wullin Tuch/ und behaltet den in einer Porcellanbüchsen oder steinern Krug/ zum Gebrauch.
    Der Endiviensyrup von dem Safft obgemeldter massen bereitet/ stärcket/ kühlet/ erfrischet den erhitzigten Magen/ die Leber/ Milz/ Nieren/ und alle innerliche Glieder/ eröffnet die Verstopffung derselbigen/ kochet die heissen Feuchten derselbigen/ treibet aus die Geelsucht/ dienet wol in allen Cholerischen und auch hitzigen Fiebern/ vor sich selbst allein gebrauchet/ oder mit andern bequemen gedistillierten Wassern.
    Es wird noch ein anderer Syrup von Endivien/ mit einem Zusatz in allen wolgerüsten Apothecken bereitet/ der wird SYRUPUS INTYBACEUS, oder SYRUPUS DE ENDIVIA COMPOSITUS genannt/ der dienet wider alle obgemeldte Gebrechen/ ist aber in seiner Würckung kräfftiger und stärcker dann der jetztgemeldte.