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EMMERKERN

 


 

VON DEM AMELKERN.

 

            Der Amelkern/ TRAGUS genannt/ ist dem Kern/ welchen man ALICAM nennet/ ähnlich/ unnd ist ein Kern der durch die Kunst bereitet wirdt: Jrren derowegen nicht wenig/ die es vor ein besonder Korngewächs halten/ unnd wird aber solches wie GALENUS LIB.DE ALIMENT. Bezeuget/ auß dem besten Amelkorn bereytet: Aber in dSen COMMENTARIIS LIB.1.DE RATIONE VICTUS IN ACUTIS schreibet er/ daß solcher Kern auß Speltzen gemacht werde. CASSIUS DIONYSIUS bereitet diesen Kern auß dem Alexandrinischen Weytzen. PLINUS sagt LIB.18. daß er auß Weytzen allein IN CAMPANIA und Egypten gemacht werde. Er werde aber nun auß Amelkorn/ Weytzen oder Speltz gemacht/ so ist kein anderer underscheidt under dem andern Kern unnd dem Amelkern/ dann allein in der Bereytung/ daß nemblich der Kern CHONDIUS und HALICA mit Gibs/ Sandt und Kreyten bereytet werden/ und der Amelkern allein in Wasser gebeytzet/ unnd folgendts gescheelet wirdt/ wie dann CASSIUS DIONYSIUS LIB.3.AGRIC. solchen zu scheelen lehret/ nemlich/ man nimbt Alexandrinischen Weytzen/ der wird in Wasser geweychet unnd gescheelet/ in der heissen Sonnen gedörrt/ darnach wird er wider in Wasser geweychet/ unnd das so offt unnd viel/ biß alle Häutlein unnd Zäselein darvon fallen/ darnach wirdt er zum gebrauch behalten. Auff diese weiß sol der Kern auch auß dem Amelkorn bereytet werden/ welcher eygentlich TRAGUS genennet wirdt.

 

Von den Namen deß Amelkerns TRAGI.
            Der Amelkern heisset Lateinisch/ TRAGUS, TRAGUS CEREALIS unnd TRAGUS FRUMENTARIUS, unnd von HIPPOCRATE TRYGIS. Teutsch/ Amelkern/ das ist/ HALICA OLYRINA.

 

Von der Natur/ Krafft/ Wirckung und Eygenschafft deß Amelkerns.
            Amelkern nehret viel weniger dann die Speltz/ spricht DIOSCORIDES, von wegen der Spreyer deren es viel hat/ derhalben wird es auch schwerlich im Magen verdäwet/ unnd hat aber eine Wirckung damit es den Bauch erweychet. So aber dieser Kern wol von den Hülsen/ Spreyen und Häutlein gereiniget wirdt/ gibt er ziemliche Nahrung/ unnd wirdt auch desto leichter verdäuwet.

 

Jnnerlicher Gebrauch deß Amelkerns.
            Der Amelkern obgemelter massen bereitet/ wird mit Milch oder guter Fleischbrühen bereitet/ darauß macht man gute Gemüß und Brey/ die fütern besser und geben sehr gute Nahrung also zugericht: Wann man sie aber allein mit Wasser kochet/ nehren sie viel weniger.
            Zu den Zeiten GALENI wie er selbst LIB. DE ALIMENT. Bezeuget/ hat man den Amelkern erstlich in Wasser gesotten/ darnach im sieden gesottenen Most oder süssen Wein/ oder Weinmeth zugegossen/ und Zürbelnüßlein zuvor in Wasser geweycht biß sie auffgequollen/ darüber gestrewet.