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  EMMER

 Triticum dicoccon


 

VON DEM AMELKORN.

 

 

            Das Amelkorn ist ein Geschlecht der Speltz/ wiewol es so viel Halmen/ Bletter unnd das gantze Gewächs anlanget sampt der Frucht oder Kernen/ so ist es dem Weytzen ähnlich/ außgenommen daß seine Aeher rauhe Haar haben/ unnd etlicher massen der Gersten ähnlich unnd gleich seyndt/ die seyndt in zwo Zeilen mit den Granen getheilet wie die Speltz oder Sommergerst/ die Granen aber seyn in jhren Hülßlein verschlossen/ unnd müssen auch also wie die Speltz auff der Mülen gescheelet werden. Dieses Korn wirdt im Frühling gesäet/ unnd kompt in dreyen Monaten zu seiner Zeitigung wie andere Sommerfrücht.

 

Von den Namen deß Amelkorns.
            Es wöllen etliche ein Sommerweytzen auß dem Amelkorn machen/ aber sintemal es seine Frucht oder Granen in Hülsen verschlossen hat wie die Speltz/ unnd mehr Gemeinschafft hat mit der Speltz dann mit dem Weytzen/ sol es billicher der Speltz zugeeignet werden. Es scheinet dieses Gewächs das FAR HALICASTRUM COLUMELLA zu seyn/ welches im Früling gesäet wirdt/ unnd derwegen auch TRIMESTRE genennet wirdt. Von PLINIO wirdt es Lateinisch genannt/ OLYRA und ARINCA, von den Kreutlern/ FRUMENTUM AMYLEUM, TRITICUM AMYLEUM, ZEA und SPELTA AMYLEA, und von HIERONYMO TRAGO, FAR CANDIDAM. Hochteutsch/ Amelkorn.

 

Von der Natur/ Krafft/ Wirckung und Eygenschafft deß Amelkorns.
            Amelkorn gibt geringer Nahrung dann die Speltz/ welchs auch von dem Brodt zu verstehen ist/ wiewol ein schön und hüpsch Weißbrodt darauß gebacken wirdt. Man macht auch schön Grießmeel darauß/ deßgleichen auch Amelmeel oder Steiffmeel/ daher es auch den Namen Amelkorn von den Teutschen bekommen hat.

 

Jnnerlicher Gebrauch deß Amelkorns.
            Auß dem Amelkorn/ seinem Meel unnd Brodt/ mag man wie auß dem Weytzen gute Brey unnd Gemüß bereyten/ wie dann solches im Westerreich gemein ist.