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EBERRAUTE
Artemisia abrotanum -Compositae


VON DEM GERTENKRAUT ODER STABWURTZ UND SEINEN GESCHLECHTEN

    Der Stabwurtz oder Gertwurtz haben wir zu unserer Zeit fünff Geschlecht/ unangesehen dass DIOSCORIDES nur zweyer meldung thut.
    l. Das erste Geschlecht ist das Männlein/ das bringt lange dünne Ruten oder Gerten/ mit schönen Sattgrünen/ dünnen unnd tieffzerschnittenen Blätlein gezieret/ der Chamillen oder Fenchelblätlein gleich/ doch etwas breyter. An den gemelten langen Gertlein oder Zweiglein/ wachsen von unden an biss oben auss gegen dem Augstmonat/ viel kleiner goldgeeler Blümlein wie runde Knöpfflein/ an kleinen besonderen Stilgen/ den Wermuthblümlein ähnlich/ aber doch kleiner: die seynd wie auch die Bletter eines sehr starcken guten Geruchs und bitteren Geschmacks. Diss Gewächs erstarcket mit der Zeit/ unnd werden die stengel gar holtzechtig/ wie auch die Wurtzel/ dass es mehr einem stasuden gleicher sihet/ dann einem Kraut/ wird fast eines Mannes/ oder biss in die vierdhalben Ehlen lang. Der Stengel schlegt Jährlich gegen den Frühling wider auss/ doch fast langsam/ und bringt wider newe Zweyglein/ davon andere Gerten oder Ruten werden. Die fürtreffliche Erkünder der natürlichen Ding und der Erdgewächs/ der Griechisch THEOPHRASTUS, und der Lateinisch PLINIUS, stimmen nicht mit einander in der Pflantzung der stabwurtz/ dann einer will es wachsen solche Gewächs am besten/ von den abgerissenen Schösslein/ so ist der ander darwider/ und willdass solchs vom Samen auffgezielet und gepflantzet werden soll. Diesen streit aber nimpt hinweg die tägliche erfahrung/ dass sie viel leichter von den abgerissenen Zweyglein/ dann von dem Samen gezielet werden. Dann so man junge Stöcklein darvon will auffziehen/ soll man die jungen zarten Reisslein darvon abbrechen/ und im Frühling oder gegen dem Herbst/ sie setzen wie die jungen Rossmarein oder Lavander Stöcklein: Aber man muss sie anfenglich biss dass sie erstarcken/ wol vor unmässiger Kält und der Sonnen hitz verwahren/ so gerahten sie wol/ und werden schöne Stöck darauss/ welche nachmals auch den Winder dulden mögen/ so sie recht gehalten werden/ wiewol der obgemelte THEOPHRASTUS LIB.6.C.7. und andere schreiben/ dass sie den Frost nicht leiden mögen.
    2. Dieser jetztgemelten Stabwurtz ist noch ein ander Geschlecht/ welches in unsern Lustgärten auch/ wie das vorgemelte gemein ist/ ist doch etwas kleiner/ der gemeinen stabwurtz mit den Holtzechtigen stengeln/ Gertlein und Blettern durchauss gleich/ allein dass die Bletter grawer und Eschenfarber seynd/ wie die Bletter am Wellkraut/ unnd das Gewächs kleiner.
    Diese beyde stabwurtz werden zum nützlichen Gebrauch der Artzeney/ sampt jhren Blümlein unnd Knöpfflein mit den zarten Gertlein im Augstmonat gesamlet unnd auffgedrucknet.
    ll. Das ander Geschlecht der Stabwurtz/ welches von DIOSCORIDE das weiblein genant wird/ unnd von uns Teutschen Cypresskraut oder Garten Cypress/ ist wie die ersten jetzt gemelten Geschlecht/ unseren Lustgärten auch gemein/ und menniglichen bekannt. Und ist aber dieses Gewächs mehr ein holtzechtiges Steudlein dann ein Kraut/ einem kleinen trauschlechtigen Bäumlein ähnlich/ vergleicht sich mit den eschenfarben/ grauwen/ krausen/ zerschnittenen und klein zerkerfften Blätlein/ den jungen Heyden Blätlein/ oder dem rechten Meerwermuth DIOSCORIDIS hiebevor am ersten Capitel beschrieben. Die stengel werden selten uber anderthalb Ehlen lang/ sechs oder sieben/ auch weniger und mehr von einer holtzechtigen Wurtzel herkommende/ mit vielen Nebengerten oder Aestlein/ am Gipffel eines jeden Stengleins oder Gertleins/ kommen herfür die schönen bleichgeele/ runde/ knöpffechtige Blumen/ in der grösse und gestalt der Reynfahrn oder Meerwermuth/ ein jede Blum auff einem Stenglein wie ein Kässlein gesetzt/ die seynd eines lieblichen Geruchs und bitteren Geschmacks. Dieses Gewächs kann den Winterfrost in unseren Landen nicht leiden/ muss derowegen vorm Winter aussgesetzet und in warmen Kellern erhalten werden. Dessgleichen kann er die grosse hitz der sonnen auch nicht wol erdulden/ dann so die jhnen fast rühret/ muss er verwelcken/ sintemal er nicht so kräfftig/ dass er gnugsame Feuchtigkeit auss der erden an sich ziehen mag: und mag wol seyn/ dass der obgemelt THEOPHRASTUS, dieses Geschlecht der stabwurtz gemeynt/ da er am oben angezogenen Ort schreibet/ dass die stabwurtz den winterfrost nicht leiden mag: und stimmet dieses Gewächs durchauss zu mit der Beschreibung der stabwurtz dess weibleins/ wie die Alten dieselbig beschrieben haben. Weiter dess pflanzens halben vergleicht sich auch dieses Gewächs durchauss mit der stabwurtz/ dann er gleichfals von seinen zarten Zweyglein auffgezielet wird/ unnd habe ich denselben/ wie auch die stabwurtz/ nie vom Samen sehen auffgehen/ wiewol mein treuwer PRAECEPTOR seliger HIERONYMUS TRAGUS, wie auch ich solches zum offtermal versucht. In Languedock und sonderlich umb Mompelier/ wächst der Cypress vor sich selbst in den Feldern.
    lll. Das dritt Geschlecht der stabwurtz hat viel gleichnuss und gemeinschafft mit der stabwurtz Mänlein/ in der ersten Stell beschrieben/ spreytet sich auff der Erden auss/ wächst gar nicht ubersich/ legt sich mit seinen braunroten runden Gertlein oder Rütlein auff die erden/ die seynd auff die anderthalbe Ehlen lang/ mit wenigen rein zerspaltenen Blätlein bekleydet/ oben an den stenglein hat es viel kleiner knöpffechter Eschenfarber Blümlein wie am Beyfuss/ eines zimlichen lieblichen Geruchs/ am Geschmack. Wächst gern an der sandechtigen Bühlen/ an den Holen und wegstrassen/ dessgleichen an den Enden der Felder und Aecker/ da die sonn hinkommen kann.
    lV. Das vierde Geschlecht der Stabwurtz/ hat eine harte grauwe Wurtzel/ mit vielen Nebenwurtzeln/ darauss wachsen drey oder vier Stengel/ die werden nicht viel uber Ehlen hoch/ die Bletter seynd breiter dann der Stabwurtz/ unnd viel kleiner dann dess Beyfuss/ die Blumen unnd Samen vergleichen sich dem kleinen Beyfuss/ haben keinen Geruch wie auch das Kraut. Dieses Kraut wächst nicht vor sich selbst in Hochteutschland/ so viel mir bewust ist. Jn Flandern wechst es auff den kleinen Bergen umb Udenahr hin unnd wider: Wird sonsten in Braband in den Gärten gezielet.
    V. Das fünffte Geschlecht der Stabwurtz hat ein lange krumme/ und holtzechtige Wurtzel/ mit wenig Zaseln oder Nebenwurtzeln/ darauss wachsen herfür acht oder neun holtzechtige Stengel oder Gerten/ ohngefehrlich biss in die anderthalben Ehlen lang/ unnd hat ein jeder stengel drey oder vier Nebenästlein/ welche mit vielen kleinen tieff zerschnittenen Blätlein bekleydet seynd/ die vergleichen sich fast der gemeinen Stabwurtz/ wie auch seine grüngeele wolriechende knopffechtige Blümlein/ die oben an den stengeln unnd Nebenästlein im Augstmonat heuffig sich erzeigen. Es wird bey uns wie ein ander frembd Gewächs in den Gärten gezielet/ und das fürnemlich in den Niderlanden/ da ichs auch zum ersten bey dem Herren IOHANNI BOYSOTO in seinem herrlichen Lustgarten gesehen habe.

Von dem Namen der Stabwurtzgeschlecht
    Es hat die gemein und gebräuchlich Stabwurtz jhren alten und rechten Namen bey allen Aertzten biss auff diesen Tag behalten. Sie wird Lateinisch genannt ABROTONUM, oder wie etliche subtilere GRAMMATICI wöllen HABROTONUM, CHOLOPOEON, PROCAMPYLON, CYNANCHITES, und AURONUM. Hochteutsch/ Stabwurtz/ Gertwurtz/ Garthagen/ Affrusch/ Ebrich/ Garthan/ Gertel/ Gertelkraut/ Gertelwurtz/ Küttelkraut/ Ganserkraut/ Ganfferkraut/ von wegen seines starcken geruchs/ der sich dem Campffer Gampffer vergleichet/ Abrauten/ Gertwurtz und Schlosswurtz/ darumb dass es Pfeil/ Spreissen und Dörn/ wie HIERONIMUS BRUNIVICENSIS schreibt/ ausszeucht/ so es Pflastersweiss ubergeschlagen wird/ und seynd aber das die Namen der Stabwurtz in gemein.
    l. Das Männlein von der Stabwurtz welches unser gemein Stabwurtz ist/ wird von den Lateinischen ABROTONUM MASCULUM, von PLINIO ABROTONUM MONTANUM, von DIOSCORIDE ABROTONUM CAPPADOCIAM, ABROTONUM GALATICUM, unnd ABROTONUM ASIATICUM, darumb dass dieser Stabwurtz viel wächst in CAPPADOCIA, in ASIA, und GALATIA. Zu Teutsch/ Stabwurtz oder Stabwurtz Mänlein/ dardurch dann die beyde gemeine Stabwurtz/ die in unseren Lustgärten gemein/ verstanden werden/ als die gross unnd die klein/ welche beyde ein Geschlecht seynd/ mögen allein der grösse unnd kleine halben/ nur folgenden Namen underscheiden werden/ als dass man das grösser ABROTONUM MASCULUM MAIUS, und das kleiner ABROTONUM MASCULUM MINUS, nenne/ den Jrrthumb zu verhüten/ darein diejenigen gerathen/ die das klein vor das ABROTONUM FOEMINAM gehalten haben.
    ll. Das recht Weiblein der Stabwurtz/ ist unser GartenCypress/ welches erstlich der berühmbde Naturkündiger IOANNES RUELLIUS, an Tag gebracht/ und den Nachkommenen zu erkennen geben/ die dann auch wie zuvor gemeldet/ mit der Beschreibung der Alten/ sein ubereinkommen/ zu dem dass jhre Krafft und Wirckung auch bezeugen/ dass es ABROTONUM FOEMINA seyeDieses Gewächs wirdt genant Lateinisch/ ABROTONUM FOEMINA unnd ABROTONUM SICULUM oder SICILIANUM, THELYPHRORIUM und THELITHAMUM SICULUM, von DIOSCORIDE/ von PLINIO aber ABROTONUM CAMPESTRE, vielleicht darumb dass dieses Gewächs in der Provintz unnd Languedock/ und andern warmen Ländern vor sich selbst in freyen Feldern wächst. VALERIUS CORDUS nennts SANTONICUM MINIMUS. Von den Kräutlern wirdt es genant CYPARISSUS HORTULANA, CUPRESSUS HORTULANA, ABROTONUM MINUS unnd SANTOLINA. Hiochteutsch/ Cypress/ Cypresskraut/ Garten Cypress und Stabwurtz Weiblein. Etliche Kräutler nenens auch zum underscheid der Stabwurtz/ Cypressen Stabwurtz/ das ist/ ABROTONUM CUPRESSINUM oder CYPARISSINUM.
    lll. Das dritt Geschlecht wird von den Kräutlern Feld Stabwurtz/ Wild Stabwurtz unnd Besemkraut genant/ von wegen seiner vielen Reusslein und Gertlein/ darauss man dann Besem macht. Lateinisch/ ABROTONUM CAMPESTRE. Etliche nennen auch dieses Gewächs HERBAM CAMPHORATAM.
    lV. Das vierd Geschlecht der Stabwurtz mit den breyten Beyfussblettern/ wird von den Kräutlern ABROTONUM FATUUM, ABROTONUM LATIFOLIUM und ABROTONUM INODORUM genant. Hochteutsch/ breitStabwurtz.
    V. Das fünfft Geschlecht wird von den Kräutlern ABROTONUM HUMILE, und ABROTONUM ODORATUM genant. Hochteutsch/ klein Stabwurtz unnd Welsch Stabwurtz.

Von der Krafft/ Wirckung und eygenschafft der Stabwurtzkreuter
    Der starck Geruch/ dessgleichen der bitter unnd herb Geschmack der Stabwurtzkräuter/ geben gnugsam anzeigungen/ dass sie warmer und truckner Complexion seyn: PAULUS AEGINETA setzt die Stabwurtz warm und trucken im dritten Grad/ mit welchem wir es auch halten. Haben derwegen diese Kräuter ein Krafft zu erwärmen/ zu erweichen/ unnd zu eröffnen/ mit einer geringen zusammenziehung.
    Die Stabwurtz das weiblein oder Garten Cypress/ welches etliche fälschlich vor das CHAMECYPARISSIUM biss daher gehalten/ hat ein guten starcken Geruch und bittern Geschmack/ welches auch gewisse anzeigungen seynd/ dass solches Gewächs mit der Stabwurtz warmer und truckner Complexion seyen/ und auch gleiche wirckung mit derselben habe/ wie dann auch in diesem fall DIOSCORIDES kein Underscheid under diesen beyden machet/ und jhnen gleiche Kräfften und Wirckungen zuschreibet.

Jnnerlicher Gebrauch der Stabwurtz
    Die öbersten Schösslein sampt jhren runden Geelfarben Knöpflein und Blumen in Wasser oder wein/ oder aber in gutem Bier gesotten/ und die durchgesiegene Brühe mit Honig oder Zucker süss gemacht/ unnd solchen Tranck Morgens unnd Abends/ jedes mal drey oder vier Untz warm getruncken/ ist ein nützliche artzeney/ denen so schwerlich Athmen/ das Keichen und Hertzgesperr haben. Solcher Tranck dienet auch vor alle jnnerliche versehrung/ heylet was jnnerhalb dess Leibs gebrochen ist/ fürdert den Harn/ eröffnet die Verstopffung der Harngänge/ fördert den weibern die Monatblumen/ unnd erwärmet die erkalte Mutter und Geburtglieder.
    Stabwurtzkraut gepülvert/ und dess Pulvers ein quintlein mit warmen wein getruncken/ ist ein kräfftig widerstehende Artzeney allem tödlichen Gifft/ und sonderlich der schlangen/ der Scorpionen unnd gifftigen Erdspinnenstich/ die man PHALANGIA nennet.
    Stabwurtz in Wein gesotten/ und die durchgesigene Brühe Morgens und Abends getruncken/ heilet die gifftigen Biss der Zissmeuss. Solcher Tranck auch nach dem Bad getruncken/ treibet fort die verstandene Monatblumen der Weiber/ unnd reinigt die Mutter von allem Unrath.
    Stabwurtzbletter gestossen/ und den Safft darvon aussgetruckt/ darvon ii. oder drey Loth getruncken/ verhütet den Menschen vor dem Schlag oder Poppelsfeucht.
    Stabwurtz gepülvert und mit Milch oder Honig eingenommen/ tödtet unnd treibet auss die Würm/ von alten Menschen und jungen Kindern. Dessgleichen ist auch sehr dienlich/ wann man Stabwurtz wol lesset sieden in Wasser/ so man der Brühen auff ein viertel einer Mass mit Honig vermischt/ durch ein Clistierzeug warm zu sich thut/ so führet es die breiten Bauchwürm gewaltiglich auss.
    Der aussgeprest frisch Stabwurtzsafft getruncken/ führet auss das gerunnen Blut in der Blasen.
    Die Knöpfflein mit dem Samen und Blumen der Stabwurtz zu Pulver gestossen/ unnd ein quintlein mit Wasser vermischt getruncken/ dienet wider das auffstossen und erstickung der Mutter.
    Stabwurtz mit Peterleinwurtz und Zucker in Wein/ Bier oder Wasser gesotten/ und der durchgesigenen Brühen Morgens und Abends/ jedesmal iii. oder iiii.Untz warm getruncken/ bricht den stein in den Nieren/ und führet den auss/ vertreibt auch den Harnwind.
    Stabwurtz in Meth oder Honigwasser gesotten/ darnach durchgesiegen/ und die Brühe Morgens und Abends warm getruncken/ jedes mal auff die vier Untz/ vertreibt den schmertzen der Lenden und dess Rückgrads/ der von Kälte seinen Ursprung hat.
    Die Wurtzel von Stabwurtz gepülvert/ unnd offtermals davon mit Wein getruncken/ tödtet allerley Bauchwürm. Solches thut auch der aussgeprest Safft von dem Kraut/ mit ein wenig Milch vermischt und getruncken.
    Gepülvert Stabwurtz eines Gülden schwer mit Wein/ und zwey Loth dess sawren Essigsyrups mit Honig bereit (OXIMELIS SIMPLICIS) unnd getruncken/ ist ein gewisse Artzeney vor den Schwindel/ der von Kält seinen Ursprung hat.
    Stabwurtz gepülvert und ein quintlein mit einem drittetheil eines quintleins gepülverten Myrrhen/ mit wein warm getruncken/ ist ein edele Artzeney die verstandene Blumen der weiber fort zu treiben.
    Stabwurtz in Wasser unnd Wein gesotten/ und von der durchgesigenen Brühen/ Morgens und Abends jedesmal vier Untzen warm getruncken/ unnd diesen Tranck ein zeitlang beharzet/ vertreibt er das schmertzlich Hüfftwehe SCIATICAM. Man muss aber das gesotten Kraut/ auch eusserlich so warm es zu leiden ist/ uber die schmertzhafftig Hüfft legen.
    Stabwurtz stätig genützet/ verzehret die ubermässige Feucht in dem Leib/ darvon das Krimmen und Leibwehe zu kommen pfleget.
    Stabwurtzsamen gepülvert/ und ein quintlein schwer darvon mit Wein getruncken/ ist ein gewisse Hülff und Artzeney den verstandenen Harn vort zu treiben.
    Vor die erkalte Brust unnd kalte Gebresten der Lungen: Nimb Stabwurtz/ Ysopkraut/ jedes ein Handvoll/ Süssholtz zwey oder drey Loth/ weissen Zucker vi.Loth/ oder an statt dess Zuckers zehen Loth gutes Honigs/ fürnen Wein und frisch Brunnenwasser jedes ein halb Mass. Lass mit einander sieden biss der drizze theil verzehret ist: Darnach seihe es durch/ unnd trinck alle Morgen und Abend/ jedes mal drey oder vier Untz darvon warm.
    Ein guter Tranck von Stabwurtz den blöden erkalten Magen zu erwärmen unnd zu stercken: Nimb Stabwurtz/ Kraussmüntz/ Rauten/ Poleyenkraut/ jede ein Handvoll/ guten Jungfrauwenhonig acht Untz/ weissen guten fürnen Weins zwo Mass: Lass gemelte Stück mit einander uber einem linden Fewrlein den vierden theil sittiglich einsieden: darnach trucke die Kreuter hart auss/ und seihe es durch ein sauber Tuch: darnach nimb ferner ein Loth guter Näglein/ ausserlesenen Zimmat auch ein Loth/ stoss diese groblecht/ thu sie in ein Kanten oder Distillirkolben/ schütte die durchgesigene Brühe darüber/ verlutir die Kannt oder den Kolben wol mit einem Teyglein von Weitzenmeel unnd Eyerweiss gemacht/ also dass man ein zwyfach Tüchlein darinn netzen oder bestreichen möge/ dasselbig darnach umb die Fugen der Kanten oder Cucurbit winden/ und allenthalben verlutiren. Darnach setz die Kannt oder Cucurbit in ein Kessel mit heissem Wasser/ oder in BALNEUM MARIAE, unnd lass ein paar Stunden sieden/ so wird das Päpplein mit dem Tüchlein hart wie ein Stein/ unnd kann kein Dunst herausser riechen: Wann zwo Stunden herumb/ so thu die Kannt oder Kolben auss dem Wasser/ lass erkalten/ darnach mach die Kannt oder Kolben auff/ und seihe es durch ein Tuch. Von diesem Tranck trinck alle Morgen nüchtern vier Untz warm biss der gar getruncken ist. Es stercket und erwärmet den Magen uber die massen wol/ und vertreibt die windige Bläst im Leib/ und miltert den Schmertzen und Reissen der Därm.
    Stabwurtz gesotten und durchgesigen/ der Brühen genommen ein quart/ darinn zertrieben drey Untz Honig/ und anderthalb Loth Ritersaltz/ darnach wie ein Clistier zu sich genommen/ tödtet und führet allerhand Geschlecht der Bauchwürm auss.
    Stabwurtz gepülvert unnd ein quintlein dess Pulvers mit halb so viel Saltz mit dem sauren Essigsyrup mit Honig genig gemacht (OXYMELITE SIMPLICI) eingenommen/ wann einen das Feber anstösst/ hilfft dass ers nicht hart bekompt und bald ledig wird. Das Pulver mit Wasser temperirt und getruncken/ hilfft wunderbarlich vor die täglichen Feber.
    So einer Wolffswurtz gessen hette/ solt du jhm nach dem er sich genugsam erbrochen hat/ Stabwurtz Pulver mit Wein zu trincken geben/ das nimpt dem Gifft sein Krafft.
    Vor die verstandene Monatblumen der Weiber/ mach diesen Tranck: Nimb der öbersten Gipffel von der Stabwurtz mit seinen Blettern/ Poleyenkraut/ jedes zwo Handvoll/ Muschatenblüt/ Orthsaffran/ jedes ein Loth/ guten fürnen Wein/ drey quarten: Vermisch solch Stück in einer Kanten/ verlutir sie mit einem Teyglein von Weitzenmeel und Eyerweis bereit/ wie oben gelehrt ist/ und setz die Kannt in ein Hafen oder Kessel mit siedendem Wasser/ lass auff die anderthalbe Stund mit stätem Fewer darinn sieden/ darnach thue sie herauss/ lass an einem warmen Ort uber Nacht stehen: dess Morgens mach die Kant auff/ und seihe es durch/ darvon gib drey Tag nacheinander dess Morgens nüchtern/ und dess Abends wann sie zu Beth gehen will/ jedesmal vier Untz warm zu trincken/ und lass sie darauff schwitzen.
    Die Wurtzel von Stabwurtz zu Pulver gestossen/ und darvon i.quintlein mit wein getruncken/ thut dessgleichen.
    Stabwurtzblümlein Samen und die Bletter einer Cronen oder eines Goldgülten schwer genommen/ und darzu gethan die Kernen von einer Welschen Nuss/ sampt einem quintlein dess guten Armenischen Bolus/ oder so viel TERRAE SIGILLATAE, solche Stück alle wol mit einem Trüncklein fürnen Weins wol durch einander gestossen/ und folgends durch ein Tüchlein gesigen und getruncken/ ist ein treffentliche Artzeney wider die Pestillentz/ und alle böse tödliche Gifft.
    Stabwurtz zwey theil mit einem theil Ysop zu Pulver gestossen/ unnd solch Pulver den Schaaffen und dem Rindvieh mit Saltz zu lecken geben/ vertreibt jhnen den Husten und das Keichen.
    Wann die Hunde Würm haben/ so nimb Stabwurtz/ gefeylet Hirtzhorn/ und Alaun/ siede solches in wasser/ und schütt dem Hunde die durchgesigene Brühe eyn/ es treibt die Würm auss.
    So ein Pferd das Bauchkrimmen hat/ so geuss jhm gepülvert Stabwurtz ein mit warmen Wein.
    GALENUS schreibt/ wie dass die Stabwurtz jnnerlich gebraucht dem Magen schaden thue. Sollen sich derowegen diejenigen hüten/ die ein blöden Magen haben/ dass sie dieselbig nimmer allein/ ohn anderer Stück vermischung gebrauchen.

 Eusserlicher Gebrauch der Stabwurtz
    Es wird die Stabwurtz von den alten Weibern auch zu den Würtzwischen gesamlet/ darmit sie dann mancherley Aberglaubische Fantaseyen treiben/ welches wir als ein unnütz Fabelwerck fahren lassen.
    Stabwurtz in Oel gesotten/ und das Haupt darmit gesalbet/ macht das aussgefallen Haar auch wider wachsen. Stabwurtz mit Kraut/ Wurtzel/ und aller seiner Substantz zu Aschen gebrant/ oder aber Stabwurtzsafft mit Eyerölen/ Dillen/ Zeckenkörner/ oder Rettichölen zu einem Sälblein temperirt/ und damit die kalen Oerter da das Haar aussgefallen zum offtermal bestrichen/ macht das Haar/ auch aussgefallenen Bart widerumb wachsen.
    Dass der Bart bald unnd dick wachse: Nimb Stabwurtz/ Camelenhew/ jedes ein Händleinvoll/ giess Dillenöl darüber/ dass die Kreuter damit bedeckt seyen/ lass in einem doppelen Geschirr in einem Kessel mit Wasser sieden ohngefehrlich ein par Stund/ darnach seihe es durch/ vermisch darunder ein Loth rein gepülvert Stabwurtz/ unnd salb dich offtermals darmit.
    Oder nimb ein Handvoll Stabwurtz/ giess darüber vier Untz Dillenöle/ Meerzwibeln anderthalb quintlein/ fürnen Wein auff die fünff Untz/ Lass diese Stück sittiglich mit einander sieden/ biss der Wein sich verzehret/ seihe es dann durch ein Tuch/ unnd trucke es dann hart auss/ darmit schmiere dich zum offtermal.
    Wilt dir schöne und hübsche Haar am Bart machen wachsen/ so nimm zwo Handvoll grüner und frischer Stabwurtz/ frisch unnd gut Jungfrauwen Honig ein Pfundt/ vermische es durch einander/ unnd distillier es in einem Brennkolben mit sanfftem Fewer. Mit solchemWasser bestreiche den Bart offtermals/ unnd reybe es auch wol eyn/ du gewinnest schöne Haar.
    Stabwurtz mit Baumölen gesotten/ benimpt unnd endeert die kalte Entrichtung dess Haupts/ darmit warm gesalbet.
    Stabwurtz in die Nasen gestopffet/ machet dieselbige bluten. Der Geruch der Stabwurtz ist dem Haupt schädlich/ macht den Schnupffen/ beschweret es und macht Hauptwehthumb.
    Stabwurtz zu Pulver gestossen und mit Honig vermischet/ die Zung und Biller damit gerieben/ vertreibet die ubrige feuchtigkeit dess Munds/ dann es macht den schleim unnd Gleyffer hefftig fliessen.
    Stabwurtz in Wasser gesotten/ oder aber uber Nacht in heisser Laugen geweycht/ unnd das Haupt darmit gewäschen/ trucknet auss die Flüss.
    Stabwurtz in Honigwasser oder Meth gesotten/ dient wider das Halssgeschwer ANGINAM, unnd den zerschwollenen Halss darmit zum offtermal warm gegurgelt.
    Stabwurtz die grün unnd frisch ist/ mit Honig vermischet unnd wol gestossen/ darnach durch ein Tüchlein getruckt/ vertreibet die Geschwulst dess Zanfleisches unnd der Biller/ so man die Biller mit dem Honig salbet/ unnd eusserlich/ was im durchseihen uberblieben ist/ wie ein Pflaster auffleget.
    Stabwurtz unnd Rosen jedes gleich viel gestossen unnd mit Essig temperiert/ legt das Hauptwehthumb/ pflastersweiss ubergeschlagen.
    So einem die Nasen verstopfft were/ also dass er nichts riechen köndte/ der siede Stabwurtz in Wasser/ und zeuch mit den Nasslöchern die durchgesigene Brühe zu sich. Das dürr Kraut auf Kolen gelegt/ unnd den Rauch zu sich in die Nasen empfangen/ thut dessgleichen. Erweckt auch die so mit der Schlaffsucht beladen sind. Der aussgetruckt Safft von Stabwurtz in die Nasen gezogen/ hat gleiche Wirckung.
    Stabwurtz gesotten und durchgesigen/ damit dz Zanfleisch unnd die Biller zum offtermal gewäschen/ heylet die blutigen Geschwer derselben.
    So einem kalte Flüss zu der Brust gefallen weren/ der nemme frische unnd grüne Stabwurtzbletter oder Kraut eine gute Handtvoll/ unnd eine halbe Handtvoll Brossam von einem Brodt$stosse das wol durcheinander/ mit genugsamen Schweinen schmaltz/ streich es darnach auff ein Tuch wie ein Pflaster unnd schlags warm uber die Brust/ es erwärmet die kalte Brust/ verzehret den Fluss darinnen unnd machet wol athmen.
    Stabwurtz die frisch und grün ist mit Rindtgallen zerstossen/ unnd pflastersweiss uber den Nabel geleget/ treibt auss die Spülwürm. Die gesotten Brühe auch wie ein Clistier zu sich genommen/ thut dessgleichen.
    Ein Büschlein Stabwurtz under das Hauptküssen oder Pfülven geleget/ sol den Menschen zu fleischlicher begierde der Unkeuschheit reitzen/ unnd eine gewisse Hülffe seyn/ wider alle Gespenst unnd Zauberey das solch Werck verhindern soll.
    Stabwurtz in die Truhen zwischen die Kleider geleget/ verhütet sie vor den Motten und Schaben/ dass sie nicht geschädiget werden.
    Stabwurtz in ein leinin säcklein gethan unnd gerigen/ dass das Kraut nicht zusammen laufft/ folgends in wein gesotten/ darnach mit zweyen Bretlein aussgetruckt/ und also warm uber den Bauch gelegt/ vertreibet das Bauchwehthumb unnd Krimmen im Leib.
    Stabwurtz mit Quitten oder Brodt in Wasser gesotten/ und wie ein Pflaster ubergelegt/ vertreibet die hitzige Geschwulst der Augen.
    Stabwurtz mit Gerstenmeel/ Baumöle unnd Wasser zu einem Brey gesotten/ unnd denselben auff ein Tuch gestrichen/ warm wie ein Pflaster uber gelegt/ vertreibt die Geschwulst und harte Geschwer die man PANOS nennt.
    Ein Pflaster von Stabwurtz mit Vogel Leym/ weychem Bech und gestosenem lebendigen Schwebel gemacht/ und ein wenig Schweinenschmaltz darzu gethan und ubergelegt/ vertreibt die harte Geschwulst die nach den hitzigen entzündungen und Geschweren verbleiben.
    Stabwurtz under die Küssen unnd Underbeth gelegt/ vertreibet die Flöh unnd Wandtleuss. Stabwurtz auch in Meerzwibel-Essig gesotten/ unnd die Gemach darmit bestrichen/ thut dergleichen.
    Stabwurtz mit Schweinen schmaltz gestossen/ und wie ein Pflaster temperirt/ zeucht auss Pfeyl/ Dorn/ Spreyssen unnd anders so im Fleisch stecken bleibet/ so mans auff ein Tuch gestrichen wie ein Pflaster uberlegt. Solch Kraut pflegen auch die rechten erfahrnen CHIRURGI in jhre Pflaster zu obgemelten Fällen zu vermischen.
    Stabwurtz zu Pulver und Eschen gebrant/ heylet die alten feuchten und flüssige Schäden/ darein gezedelt/ Und ist zu den Geschweren dess Männlichen Glieds die etwann von unreynigkeit/ fornen am kopff desselben entspringen/ kein bessere Artzeney als diese gebrannte Esch/ so man die dess Tags zweymal darein zedelt/ und allwegen mit Kochung von Stabwurtz widerumb ausswäschet. Sonst seynd diese Gescher schwerlich zu heylen:Dann wann sie anfahen umb sich zu fressen/ darff ein solcher Schaden darauss entstehen/ dass wo man nicht mit guten Mitteln fürkompt/ dass man das Glied sauber hinweg schneiden muss.
    Die öbersten gipffeln von Stabwurtz gestossen und mit Honig wie ein Pflaster temperirt/ vertreibet die Geschwulst der Gülden Adern oder Feygblattern/ auff ein Tüchlein gestrichen und ubergelegt.
    Stabwurtz gestossen mit Buttern unnd ein wenig in einer Pfannen geröscht/ darnach zwischen zweyen Tüchern uber die Schloss oder Scham geschlagen/ so warm es zu leiden ist/ fürdert den Harn und vertreibt die Harnwinde.
    Vor die Geschwer unnd Geschwülsten der Weiber Brüst/ die von Kälte jhren Ursprung haben: Nimb Stabwurtz ein handvoll/ Feygbonen Meel ii.Loth/ gestossen Myrrhen ein halb loth/ unnd i.quintlein gepülverten Saffran/ Siede diese stück mit Wein/ thue ein wenig Schweinen schmaltz darzu dass es ein Pflaster werde/ und legs uber.
    Stabwurtz die grün ist mit Baumölen gesotten/ sterckt und erwärmt den erkalten blöden Magen/ denselben dess tags zweymal warm darmit gesalbet/ unnd ein zwyfach warm Tuch darauff gelegt.
    Stabwurtz mit Saltz und Baumölen gestossern/ unnd uber die Pulss an Henden und Füssen gelegt/ hilfft wider das schaudern in Fiebern. Dergleichen thut auch das Kraut in Baumölen gesotten und den Rückgrad damit gesalbet/ ehe das Fieber den Menschen anstösset.
    Vor das viertägig Fieber mach diese Salb: Nimb Stabwurtzsafft ii.Loth/ Rautensafft/ Beyfussaftjedes ein Loth/ Lohrölen ii.Loth/ Baumöle ein Loth. Lasse diese Stück mit einander in einem Pfännlein sieden/ biss sich die Säfft gar verzehren/ darnach seihe sie durch ein Tüchlein/ und zerlass darin anderthalb Quintlein Wachs/ lass erkalten/ unnd behalt es zum gebrauch. Wann du nun vermerckest dass dich das Fieber anstossen will/ so lass dir den gantzen Rückgrad mit dieser Salb wol bey einer Glut schmieren/ darnach bedeck den wol mit warmen leininen Tüchern/ und decke die warm zu. Thue das etlich mal/ es benimpt dem Fieber seine Krafft/ dass es desto eher nachlassen muss/ unnd kompt dich auch leichter an/ wäret auch nicht so lang.
    Die Schlangen werden vertrieben mit der Stabwurtz/ dann wo sie hin gepflantzet wirdt/ kommen keine Schlangen hin: Wo sie auch vorhanden sindt/ werden sie vertrieben wann man gedörrt Stabwurtz auff glüende Kohlen legt/ und darmit räuchert. So auch einer Stabwurtz in Baumölen siedet/ und sich darmit salbet/ kann jhm kein Schlange oder ander gifftig Thier schaden.
    Stabwurtzumb und auff die Frucht auff den Speichern gelegt/ verwahret sie vor den Wibeln und allem Ungeziefer.
    Ein Lendenbad von Stabwurtz gemacht/ also dz man zween leinin Säck mit dem Kraut fülle/ einen langen der umb die Lenden herumb gehe/ und ein kleinen fornen her uber das Gemächte oder Brück zu legen. Diese sol man in gnugsamen Bachwasser sieden/ darvon ein Lendenbad machen/ und darin baden. Dieses Bad dienet wider den Stein/ treibet fort die verstandene Mutter der Weiber/ reiniget die Mutter/ und heylet die Geschwer derselben. Es dienet auch trefflich wol den Weibern so sie nicht gnugsam nach der Geburt gereiniget werden/ so sie biss an den Nabel darin sitzen/ und dess morgens und abends jedesmal ein stund oder anderthalb darinn baden. Dieweil auch der Dampff dieses Bads das Haupt beschweret/ doll macht/ und auch bissweilen schmertzen darin erweckt/ sol man dasselbig wol mit Tüchern bedecken und verwahren/ dass der Dampff die Nasen nicht berühren möge.
    Vor die gerunnene Milch in den Brüsten/ siede Stabwurtz in Wasser/ unnd lege das Kraut also warme uber die Brüst.
    Stabwurtz in einem säcklein in ein Fass mit Wein gehenckt macht denselben wolriechend unnd wolgeschmackt/ doch muss dess Krauts nicht zu viel seyn.
    Dass die Schaaff von den Schlangen und andern gifftigen Thieren nicht geschädiget werden/ sol man Stabwurtz mit der Strewe understrewen/ dann dieselben den Geruch dieses Krauts fliehen.

Stabwurtz Wasser
AQUA STILLATITIA ABROTANI

    Die beste Zeit die Stabwurtz zu distilliren/ ist im Brachmonat/ die Bletter von den Stengeln abgestreifft mit den öbersten Juncken derselben/ darnach IN BALNEO MARIAE gedistillirt mit sanfftem Fewr/ und folgends eine zeitlang an die Sonn gesetzt/ und wirdt solch Wasser zu mancherley Gebresten heylsamlich gebraucht.

Jnnerlicher Gebrauch dess Stabwurtzwassers
    Stabwurtz Wasser dess Tags zweymal darvon v. oder vi.Loth getruncken/ sonderlich wann man in einer halben Mass oder zwoen Quarten viii.Loth ZuckerCandel zergehen lesset/ ist ein edele Artzeney vor das keichen/ dann es reiniget die Brust/ zertheilet allen zehen Schleim der Lungen/ vertreibet den Husten und das Hertzgesperz.
    Stabwurtzwasser iiii. oder v.Loth dess morgens und abends jedesmal so viel getruncken/ reiniget die Nieren unnd die Mutter/ legt und stillet allen Wehethumb im Leib/ vertreibt die Harnwinde/ und die schmertzen der Lenden.

Eusserlicher Gebrauch dess Stabwurtz Wassers
    Stabwurtzwasser vertreibet und löset auff die verstopffung der Nasen/ in die Nasen eingezogen/ unnd bringet wider den verlorenen Geruch.
    Dieses Wasser heylet auch die Spinnenstich/ und die Versehrung der heimlichen Ort der Weiber/ darmit zum offtermahl gewäschen/ und Tücher darinnen genetzet/ unnd darauff geleget.

Stabwurtz Wein
ABROTONITES

    Stabwurtz oder Schosswurtz Wein/ Lateinisch ABROTONITES, oder VINUM ABROTONITES, wird von dem Griechischen Artzet auff diese weiss gemacht: Man nimbt gestossen Thymiankraut durch ein Sieblein geräden zwey hundert Loth/ bindet das in ein Tüchlein/ und henget das in vier und zwantzig Mass frisches Mostes. Solcher wein ist den Magensüchtigen gut/ welche keine Lust zur Speiss haben/ auch dient er wider die Geelsucht/ dann er treibt den Harn. Heutiges Tags ist der Stabwurtz Wein bey uns sehr wenig im brauch/ unnd wirdt selten bereit funden. Etliche EXEMPLARIA DIOSCORIDIS haben nicht zwey hundert loth von der Stabwurtz sondern nur hundert quintlein/ dem ist auch IANUS CORNARIUS in seiner verdolmetschung DIOSCORIDIS auss dem Griechischen nachgefolget. Es haben die Alten wie auch zuvor die weiss die Kreuterwein zu bereiten nicht gewust$wie man die bey uns in Teutschlandt zu machen pfleget$sonst hetten sie jhnen dieselbig sonder zweiffel vor der jhren gefallen lassen.

Conservenzucker von Stabwurtz
ABROTONI CONSERVA

    Auss den Knöpfflein und Blümlein der Stabwurtz macht man auch einen guten Conservenzucker/ allerdings wie man den Wermuth unnd Beyfuss Conservenzucker zu machen pfleget: Den braucht man vor die Spülwürm dieselbigen mit ausszutreiben: Darvon giebet man von einem halben Loth biss auff anderthalb Loth/ je nach Gelegenheit dess Alters dess Menschen. Diese Artzeney ist den Kindern anmühtiger zu gebrauchen als der Wurmsamen/ oder die bitteren Wurmkreuter.
    Der Conservenzuvker von der Stabwurtz ist auch denen sehr dienstlich/ die stetig mit Bauchwehe unnd Därmgrimmen behafft seyn/ Morgens nüchtern einer Castanien gross darvon gebraucht. Jn gleichem fall genützt/ dienet es auch den Weibern die mit dem Mutterwehe geplagt werden.

Stabwurtz oder Schosswurtzöle
OLEUM ABROTONI

    Auss der Stabwurtz machet man auch ein heylsam Oele: Darvon streiffet man ab die Knöpfflein unnd Blümlein sampt den Blätlein/ setzet das eyn mit Baumölen/ und bereyt das aller massen wie das Beyfussöle/ und hebts zum gebrauch auff.
    Dieses Oele erwärmet die erkalte Mutter/ vertreibt das Mutterwehe/ dessgleichen auch die Bauchwehe unnd schmertzen in den Därmen damit warm gesalbet.
    Den Rückgrad mit diesem Oele warm gesalbet/ ehe einen Menschen das Fieber anstösset/ vertreibt es das hefftige schaudern/ schütteln und kälte der Fiebern.
    Mit diesem Oele den understen Bauch biss zu der Scham wol und warm darmit gesalbet/ treibet es fort den verstandenen Harn.
    Die erlahmeten Paralytischen unnd Contracten erkalten Glider mit diesem Oele/ dess morgens unnd abends gesalbet/ unnd darnach warm Tücher darin gewunden/ bringet dieselbigen wider zu recht.

Gedistillirt Stabwurtzöle
ABROTONI OLEUM STILLATITIUM

    Auss der dörren Stabwurtz kann man gleichfalls wie auss dem Wermuth ein künstlich unnd heylsam Oele durch die Destillation aussziehen/ das jetztgemeldte Stabwurtzöle/ wie auch andere wärmende Oelen damit zu stärcken. Darneben kann es auch nützlich zu den obgemeldten Kranckheiten wie von dem Stabwurtzkraut erzehlet/ innerlich in Leib gebraucht/ und mit andern Artzeneyen vermischt werden.

Stabwurtzsalb
ABROTONIUM UNGUENTUM

    Die Stabwurtzsalbe wirdt Lateinisch ABROTONIUM UNGUENTUM genant/ die beschreibet DIOSCORIDES LIB.1.CAP.51. auff folgende weiss: Nim Baumölen zu der Hartrigel Salben/ dick und wolriechend gemacht/ neun Pfundt unnd fünff Untz/ Stabwurtzbletter viii.Pfundt/ mische dieselbige under das Baumöle/ unnd lass es Tag unnd Nacht beytzen/ darnach press sie auss. So du das Oele Langwirig wilt behalten/ solt du nach dem die aussgepresste Bletter hinweg gethan seyndt/ frische an die statt in dem vorigen Oele weichen/ und wie vor ausspressen und behalten. Diss Oel hat die Krafft zu erwärmen/ ist kräfftig wider die verstopffung der Mutter/ und treibt die Monatblum der Weiber/ unnd die Nachgeburt.

Jnnerlicher Gebrauch der Cypressen Stabwurtz/ oder Gartencypress
    Die Stabwurtz weiblein/ das wir heutiges Tages Gartencypress nennen/ in Wein oder Bier gesotten/ je nach gelegenheit der Personen/ die solche Artzney gebrauchen wil/ und die durchgesiegene Brüh etliche Tag nach einander/ Morgens und Abends warm getruncken/ eröffnet die verstopffung der Leber/ der Nieren und Harngäng/ treibt auss die Geelsucht/ stillet allen Schmertzen der Lenden/ Nieren/ Blasen und der Hüfft/ und treibt gewaltiglich auss alles Gifft.
    Der Samen ein quintlein schwer mit Wein getruncken/ treibt auss die Spülwürm.
    Fernere und andere Krafft und Wirckung hat es mit der Stabwurtz gemein/ ist derwegen unvonnöthen zu widerholen.

Eusserlicher Gebrauch der Cypressen Stabwurtz
    Eusserlich wird die Cypressen Stabwurtz in den Mutterkranckheiten/ und den obgemelten Gebrechen heylsamlich gebrauchet/ so man Schweissbäder/ oder aber Lendenbäder darauss bereitet: Und ist in summa auch zu allen andern eusserlichen Gebresten dienlich/ zu denen die Stabwurtz gebraucht wird/ mag derwegen in mangel dess einen/ je eins vor das ander gebraucht werden.

Cypressen Stabwurtzwasser
ABROTONI CUPRESSINI AQUA STILLATITIA

    Die beste Zeit die Cypressen Stabwurtz zu distilliren/ ist in dem Brachmonat die Bletter und Blumen abgestreifft/ gehackt/ und in BALNEO MARIAE gedistillirt mit sanfftem Fewer/ folgends seine gebürliche Zeit in der Sonnen rectificirt.
    Dieses Wasser etlich Tag nach einander Morgens und Abends jedesmal iiii. oder v.Loth getruncken/ dienet vor alle erzehlte Gebresten/ treibet auch auss die Würm/ und legt die Mutterkrimmen/ fürdeert die Monatliche Reinigung der Weiber/ und treibt auss die ander Geburt.

Cypressen Stabwurtzwein

    Etliche machen ein lieblichen Cypressenwein im Herbst auss diesem Kraut/ wie von dem Beyfuss/ lassen den Most darüber verjehren/ zu den obgemelten Kranckheiten/ unnd ist zwar dieser Wein anmütiger zu trincken/ als der Stabwurtzwein/ ist auch dem Haupt nicht so beschwerlich.
    Sonst mag man auch auss dem Cypress Conservenzucker/ aussgezogene Syrupen/ gedistillirt Oele/ Extract/ Saltz und gemein Cypressen Oele/ wie auss andern Kräutern zu oben angezeigten Kranckheiten nützlich zu gebrauchen/ bereiten.