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DOTTERBLUME
Caltha palustris - Ranunculaceae


VON DOTTERBLUMEN

    Der Dotterblumen werden drey Geschlecht erfunden:
    l. Das erste wirdt genennet gross Dotterblum/ hat ein weisse Wurtzel/ welche vielfaltig zertheilet ist: Auss der Wurtzel kompt der weiche [hole] Stengel/ welcher Elen hoch ist/ mit vielen Nebenzweiglein/ an welchen goldtgelbe Blumen oder Rösslein herfür kommen wie an dem Hanenfuss/ aussgenommen dass sie grösser seyn: Wann die Blumen verfallen/ so bleibt ein Köpfflein wie am Ageleykraut/ darinnen geeler Same wie der Hirsen verschlossen ist. Das Kraut ist schön grün unnd rundt anzusehen wie die Bleeter der Haselwurtz/ ligt auff der Erden aussgebreytet/ ist glatt und rings umbher ein wenig zerkerffet.
    ll. Diesem ist das andere Geschlecht gantz und gar gleich/ aussgenommen dass es in allen stücken kleiner und geringer ist/ daher es auch klein Dotterblum genennet wirdt/ seine Blume vergleichet sich fast mit dem Hanenfuss.
    lll. Das dritte Geschlecht kompt auch mit seinen Wurtzeln/ Stengeln und Blettern mit den andern gantz und gar uberein/ hat seinen Unterscheidt allein an den Blumen/ welche mit vielen gelben Blettlein aussgefüllt seyn/ daher es auch gefüllt Dotterblum genennt wirdt.
    Sie wachsen auff den feuchten Wiesen/ bey den Wassern unnd Brunnen/ [die gefüllte aber alleyn in Gärten:] Blüen im Maio und Junio.

Von den Namen
    Dotterblum wirdt auch genennet Moosblum/ [geel Wiessblum/ unnd Mattenblum: Lateinisch POPULAGO/ CALTHA PALUSTRIS. Etliche halten sie für ein SPECIEM TUSSILAGINIS/ aber DODONAEUS ist gar darwider. Die mit gefüllten Blumen wirdt in Beyern genannt Ruckertzu.]

Von dem Gebrauch der Dotterblumen
    DODONAEUS schreibet/ es werde die Blume nicht gebraucht in der Artzney/ dann jhre Tugenden seyen noch unbekandt: BOCKIUS sagt/ die Kinder treiben jre Kurtzweil darmit.
    [Es schreibet CAMERARIUS/ dass zu Nürnberg das gemein Volck die gedörrten unnd gepulverten Dotterblumen in einer Brühe/ oder Löffel voll Wein/ zu frühe im Bett brauchen/ unnd schwitze darauff/ die böse Farb von der Gelbsucht darmit zu vertreiben/ welche dann durch den Schweiss ausszudringen pflege.]