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DINKEL

Triticum spelta - Gramineae

 


 

VON DER SPELTZ ODER DÜNCKEL.

 

 

            Der Speltz haben wir zwey Geschlecht/ das erste Geschlecht das eygentlich von uns Teutschen Speltz genannt wirdt/ ist mit seinen Graßblettern/ Halmen/ Knöpffen und Aehern dem Weytzen gleich/ allein daß er sich mit Flegeln wie der Weytzen außtreschen lässet/ sondern muß auff der Mühlen wie die Gersten gerollet unnd gescheelet werden. Ein jedes Hülßlein hat gemeiniglich zween Kernen/ als zween Zwilling neben einander eyngeschlossen/ zeitiget mit dem Weytzen/ unnd muß ein gutes wolgebauwenes Erdtreich haben.
            ll. Das zweyte Geschlecht der Speltz sonst Einkorn genannt/ ist mit dem Halmen kürtzer/ kleiner und schmäler dann die Speltz/ siehet doch der Speltz nicht ungleich/ außgenommen daß diese Frucht mit Halmen/ Hülsen unnd Granen/ braunrötlecht ist/ die Aeher haben zween Verß oder zwo Zeilen/ und lange rauhe Stacheln wie die Gerst/ wirdt under den Speltz unnd Weytzenfrüchten am allerlangsambsten zeitig/ wiewol sie im Herbstmonat mit der Speltz gesäet wirdt/ muß auch gleich wie die Speltz auff der Mülen entblößet und gescheelet werden. Diese Frucht wächst gern in rauhen Feldern und darff keins sonderlichen getüngten Ackers/ derwegen sie die Bawleuth auff die rauhen Felder/ die lange zeit ungebauwen/ und gepflüget gelegen/ zu säen pflegen.

 

Von den Namen der Speltz.
            Die Speltz ist am Rheinstrom viel gemeiner als der Weytzen/ unnd ist ein wahres Geschlecht desselben. Lateinisch ZEA, SPELTA, SEMEN und FAR, wie DIONYSIUS HALICARNASSAEUS und ASCLEPIADES bey dem GALENO 9.SECUNDUM LOCA. Bezeugen/ sonst wirt es auch genannt/ ADOR, ADOREUM, SEMEN ADOREUM und FAR ADOREUM. Hochteutsch/ Speltz/ Dinckel/ Tinckel/ Dinckelkorn unnd Zweykorn.
            l. Das erste Geschlecht aber wird von dem andern Geschlecht auch/ wiewol jhme alle obgemeldte Nahmen eygentlich gebüren/ mit besonderen Namen ujnderscheiden/ unnd wird Lateinisch genannt/ ZEA DICOCANS, sonst gebüren jhm aller obgemelter Sprachen Namen.
ll. Das ander Geschlecht aber heisset Lateinisch/ ZEA MONOCOCCUS, ZEA SIMPLEX und FRUMENTUM MONOCOCCUS. Teutsch/ Einkorn/ Rimkorn/ S. Peterskorn/ dz ist/ FRUMENTUM DIVI PETRI, unnd Blicken.

 

Von der Natur/ Krafft/ Wirckung und Eygenschafft der Speltz.
            Speltz oder Dünckel hat ein mittel Art unnd Natur zwischen dem Weytzen unnd der Gerst/ trucknet sänfftiglich/ gibt besser Nahrung dann die Gerst/ und fütert geringer dann der Weytzen.

 

Jnnerlicher Gebrauch der Speltz und Speltzenmeels.
            Auß dem Speltzenmeel machet man herrliche gute Breylein nicht allein vor die Gesunden/ sondern auch vor die Krancken/ die bereytet man mit Mandelmilch/ mit Kühe oder anderer Milch/ Fleisch/ Hüner unnd Capaunenbrühen/ wie es jede zeit die gelegenheit geben wil. Solche Breylein aber müssen sehr wol gekocht seyn/ die sind nutzlich in den Kranckheiten der Brust und Lungen/ dienen wider den Husten unnd die Lungensucht oder Schwindsucht/ seynd auch fast heylsam in allen Bauchflüssen.
            Jn der Lungensucht soll man solche Breylein mit Geyßmilch zurichten/ unnd damit sie in dieser Schwachheti desto dienlicher seyn mögen/ soll man die Geyß mit lauter Speltz fütern und erhalten/ unnd sie sonst nichts anders essen lassen. Speltzenmeel mit Butern unnd Wasser zu einem Breylein wol gesotten/ ist denen fast dienlich die Blut außspeyen/ täglich genützet.
            Speltzenmeel mit Mandelmilch zu einem Breylein gesotten ist eine heylsame Speiß/ denen so mit dem drittägigen Feber beladen seynd.
            Speltz in Wasser gesotten und die Brühe getruncken/ oder mit Geyssen unschlit zerlassen/ darnach wie ein Clistier zu sich genommen/ ist dienlich wider die Bauchflüß/ heylet die versehrung der Därm/ oder verhütet daß sie nicht von der scharpffen Feuchten versehret werden.

 

Eusserlicher Gebrauch der Speltz und Speltzenmeels.
            Speltzenkleyen mit Essig gesotten/ vertreibet die Wernher der Augen/ wie ein Pflaster ubergelegt.
            Speltzenmeel mit seinen Kleyen oder ugebeutelt mit Mertzveielöle und frischem Buttern der nicht gesaltzen ist/ temperirt wie ein Pflaster/ ist eine gute Artzeney wieder die Geschwulst der Leber von Hitz/ auff ein Tuch gestrichen unnd ubergelegt.
            Wider die Schlauchwassersucht: Nimb dreyssig Untzen Speltzenmeels/ der Blumen von dem Asierstein fünffzehen Untz/ Mumig zwölff Untz/ alles zu reinem Pulver gestossen/ temperiert diese Stück mit Schweinenschmaltz das ein Nacht im Wein gelegen seye/ zu einem Pflaster/ streich es auff ein bequem leinin Tuch oder auff einen Barchen/ unnd legs uber den gantzen Bauch/ solches erfrische widerumb je uber den dritten Tag.
            Wiltu Eyer uber den Winter frisch behalten/ so vergrab sie wol in Speltzen daß sie warm ligen/