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CHRISTROSE
Helleborus niger - Ranunculaceae


VON DEM HELLEBORINKRAUT.

    Des Hellenborinenkrauts beschreibet DIOSCORIDES LIB.4.CAP.39. nur ein Geschlecht/ dessen gedenckt auch THEOPHRASTUS 9.HIST. welches gleichwol ein anders ist/ dann das so DIOSCORIDES gedenckt: Dem seye aber nun wie im wölle/ so gedencken beyde gemelte Authores nur dieses Krauts mit den blossen Namen/ unnd beschreiben den Gebrauch/ die Tugend unnd Wirckung desselbigen/ die Form aber unnd gestalt beschreiben sie gar nicht/ also daß schwerlich auß jhren Schriften das wahre HELLEBORINE zu erkennen ist. Die Gelehrten zeigen heutiges Tages zwey Kreuter die sie HELLEBORINAS nennen/ von deßwegen daß dieselbigen der schwartzen und weissen Nießwurtz/ das ist den beyden HELLEBORIS etlicher massen an der Gestalt ähnlich seynd. Dieser Form gedencken die vorgenandten Authores gar nicht/ derwegen daran zu zweyffeln ist/ ob dieses Kraut so wir hiebey abgemahlet haben/ der Alten ELLEBORINE sey oder nicht: dann wann es der Form halben so es mit der Christwurtz (HELLEBORO NIGRO) gemein hat/ verstanden werden solt/ möchte es mit dem HELLEBORINE DIOSCORIDIS passieren/ wo aber nicht/ so ist es höchlich in zweyffel zu setzen/ dann die gar kurtze Beschreibung DIOSCORIDIS stösset uns vor den Kopff/ daß wir nicht wol glauben können/ daß es HELLEBORINE DIOSCORIDIS seye/ dann das ist wie er schreibt/ ein kleines Kreutlein/ mit schmalen kleinen Blätlein/ die Bletter aber dieses abconterfeyten HELLEBORINAE HERBARIORUM, seynd nicht klein und schmal/ zu dem so ist das Kraut nicht klein/ wird dannoch auff die anderthalben Spannenlang/ also daß es HELLEBORINE DIOSCORIDES nicht seyn kan/ aber wir wöllens doch ein Helleborinen von wegen der Gestalt/ daß es dem HELLEBORO NIGRO ähnlich ist/ bleiben lassen/ doch nicht DIOSCORIDIS, sondern unsere Kreutler und Simplicisten. Dieses kraut aber hat ein schwartze Wurtzel/ mit vielen Zäseln oder kleinen würtzlein gleich wie die Christwurtz/ die Bletter seynd den Blettern deß Sanickels oder deß Hanenfuss ähnlich mit vielen Rippen oder Aederlein die von der Wurtzel herfür wachsen/ auff kleinen Stielen/ auff einem jeden Stiel ein besonder Blat wie am Sanickel/ und auch also in fünff theil zertheilet/ und gerings herumb wie eine Säge mit kleinen Schnittlein zerkerfft. Die Blumen wachsen auff besondern/ langen/ blossen unnd glatten Stielen/ die seindt den Blumen der Christwurtz gleich/ unnd hat auch ein jeder Stengel seyn eygene und einzige Blum von sechs Blettern/ Sternweiß getheilet. Die Wurtzel hat ein hitzigen und räsen Geschmack. Dieses Kraut wächst in dem hohen Gebirg und in den Alpen.
  
Das ander geschlecht deß Helleborinkrauts/ haben wir unden an seinem ort nach der weissen Nießwurtz beschrieben.

Von den Namen deß Helleborinkrauts.
    Das Helleborinkraut DIOSCORIDIS wirdt Lateinisch EPIPACTIS, BORIUM, HELLEBORINE, unnd BELLEBORINE genannt. Der Kreutler Helleborinkraut/ wirdt HELLEBORINE NIGRA HERBATORIUM, und zu Teutsch Helleborinkraut unnd schwartz Helleborinkraut/ zum underscheidt deß andern so der weissen Nießwurtz ähnlich ist/ genannt. Es wöllen auch etliche ein Alpsanickel auß diesem Kraut machen/ aber sie irren/ dann nit alle Kreuter Sanickel sind/ die Bletter haben wie derselbe.

Von der Natur/ Krafft/ Wirckung/ und Eygenschafft deß Helleborinkrauts.
    DIOSCORIDES lobet sein Helleborinkraut/ wider das Gifft und gebrechen der Leber/ getruncken. Das gemeine Helleborinkraut/ das wir jetzt beschrieben haben/ ist warmer und truckner Eygenschafft/ weiter erkantnuß seiner krafft und tugendt/ seind uns nit bekannt/ die Zeit aber wird dieselbig offenbaren.