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BUCHWEIZEN

 Fagopyrum - Polygonaceae


 

VON DEM HEYDENKORN.

 

            Das Heydenkorn oder Buchweytzen ist zu unser Zeit sehr gemein worden in unserm Teutschland/ und wird solches gegen dem Meyen in das Erdreich geworffen/ kommet bald herfür mit seinen Keimen/ stosset erstmals zwey breyter Blätlein wie der Köl/ hat eine einzige Wurtzel mit vielen Zaseln/ die ist hart unnd holtzechtig/ Die stengel werden Elen hoch/ seynd zart/ dünn/ glatt/ Purpurrot und innwendig hol/ mit vielen Gleychen oder Gewerblein underscheiden/ gewinnet viel Nebenästlein/ die seynd allenthalben mit breyten unnd fornen außgespitzten Blettern bekleydet/ den Bletern deß Epheuwenkrauts ähnlich/ außgenommen/ daß sie linder/ weycher unnd außgespitzter seynd/ darzu lenger und schmäler. Jm Brachmonat bringt dieses Gewächs viel kleiner/ weisser Blümlein/ die seynd in einander gedrungen wie die Holderblümlin/ die werden letztlich zu dreyeckechtigen schwartzen Körnlein gleich den Buchwinden/ welche so sie gemalen werden/ gibt es schön weiß Meel/ unnd vergleichet sich dem Weytzenmeel/ sonderlich so es durch ein reinen Beutel gelauffen ist. Dieses Korn oder Getreyd wird viel umb die Reichsstatt Hagenauw in sandechtige Felder gesäet/ darinnen es dann sehr gern wächset/ deßgleichen in den rauhen/ sandechtigen Gebirgen/ als im Ostwald/ Waßgauw/ Spessart unnd dergleichen rauhen Orten/ und wird solche Frucht den mehrentheil ,dem Rind und anderm Vieh zum Futter gesäet/ dann das Vieh sehr feyst unnd starck darvon wird/ wiewol die Jnnwohner deß Waßgauws/ Ostwalds unnd der jetztgemelten Oerther auch Brod darauß machen/ unnd wird sonderlich gut Breymeel daraus bereytet.

 

Von den Namen deß Buchweytzens oder Heydenkorns.
            Es jrren sich die jenigen nicht wenig/ die das Heydenkorn vor das OCYMUM DIOSCORIDIS halten/ dann derselbige Name gehöret keinem andern Kraut dann unserm Basilgenkraut wie wir darvon an seinem Ort weiteren Bericht gethan: So ist es auch nicht das OCYMUM CATONIS oder COLUMELLAE, dann dasselbe OCYMUM ist kein besonder Geschlecht eines Krauts/ sondern ein Name eines Futers welches von Getreyd und Hülsenfrucht vor das Vieh gesäet wird/ wie solches VARRO LIB.2.C.31. als er vor dem OCYMO SCHREIBET/ BEZEUGET/ UNND HAT DEN Nahmen OCYMUM daher bekommen/ dieweil es schnell auffgehet und bald wächset/ unnd ist solches Futer noch heutiges Tages im Elsaß unnd andern mehr Orten/ in denen es nicht Wiesen hat/ gemein/ da man solch Futer jährlich pfleget zu säen unnd es wachsen läst biß es schier anfahen will Aeher oder Schoten zu bekommen/ als dann mehet man es ab wie das Graß/ machets dürr unnd behalts uber Jahr dem Vieh/ und gibt’s jhme an statt deß Heuwes zu essen/ Und ist ungewiß wie das Heydenkorn bey den Alten genennet worden/ oder ob es jhnen auch bekannt gewesen sey/ dann wo es nicht das ERYSIUM THEOPHRASTI ist/ wissen wir jhme auch keinen Nahmen bey den Alten eynzuraumen. Es wird dieses Gewächs heutigs Tages von unseren Kreutlern Lateinisch TRAGOPYRUM, PHEGOPYRUM oder FEGOPYRUM, FAGOPYRUM, FAGOTRITICUM, TRITICUM HIRCINUM, und FRUMENTUM FAGINUM genannt/ dieweil diese Frucht dreyeckechtig wird wie die kleinen Buchecker anzusehen: Andere nennen es FRUMENTUM SARACENICUM, unnd OCYMUM CEREALE. Hochteutsch/ Heydenkorn/ Bockweitzen/ Buchweitzen und Grütz.

 

Von der Natur/ Krafft/ Wirckung und Eygenschafft deß Heidenkorns.
            Das Heidenkorn oder Buchweitzen/ gibt weniger Nahrung dann das Rockenkorn oder die Gersten/ führet aber mehr dann der Hirschen und der Pfennich. Die Müßlein und die Kuchen/ so von dem Meel deß Heidenkorns gemacht werden/ werden leichtlich verdawet/ setzen sich baldt/ unnd gebären ein ziemlich gut Geblüt.

 

Jnnerlicher Gebrauch deß Heidenkorns.
            Wiewol das Heidenkorn erstlich allein in unserem Landt vor das Vieh ist gesäet und gezielet worden/ so ist es doch auch mit der zeit in die Küchen kommen und so gemein worden daß nicht allein von dem gemeinen Mann zur Nohtturfft gebraucht wird/ sondern muß auch nunmehr der grossen Herren Taffeln helffen zieren/ sintemal so es gemalen/ und nicht so viel gebeutelt wirdt/ gibt es ein schönes unnd herrliches Meel zu den Breyen oder Müßlein/ die es den Weitzenbreyen weit für thun und wol geschmacket sind.
            Etliche sieden unnd kochen diese Brey mit Milch wie den Hirschen/ unnd ist ein gute Speiß die wol sättiget und nehret/ den Kindern und dem jungen Volck fast anmütig und lieblich zu essen.
            Etliche andere sieden das Heidenkorn oder das gemahlen Meel davon mit einer feysten Ochsen- oder Hammelfleischbrühen zu einem Brey/ und wird ein sehr wolgeschmacktes Essen/ das wol stärcket und gute Nahrung gibt.
            Andere sieden das Heidenkornmeel mit lauter Wasser und ein wenig Butter unnd Saltz so viel genug ist/ gibt gute unnd gesundte Brey das Haußgesindt unnd die Taglöhner darmit zu speisen.
            Etliche andere bereyten diese Brey mit Mandelmilch/ Hüner oder Capaunenbrühen/ die nehren unnd stärcken auch sehr wol.
            Was sonst andere von dem Heidenkorn geschrieben haben/ die es vor das OCYMUM DIOSCORIDIS gehalten/ welcher Namen unserm Basilgenkraut eigentlich gebührt/ die haben auch die Krafft und Tugendt der Basilgen diesem Kraut auß Unverstandt zugeschrieben/ derowegen man sich darvor hüten und wol fürsehen sol/ daß niemandt auß Unverstandt jhme selbst schaden zufüge.
            Sonst ist das Heidenkorn ein edele und gute Mastung vor das Rindtviehe/ unnd vor die Schwein dieselbigen darmit feyst zu machen.
            Die Hüner werden uber die Maß feyst von dieser Frucht/ unnd das in kurtzer Zeit/ so man jhnen dieselbige allein zu essen gibt.
            Weitern Gebrauch diese Frucht oder Kraut eusserlich zu nutzen/ ist uns zu dieser zeit nicht bewust.

 

Heidenkornbrodt.

 

            Jm Ostwaldt/ Waßgauw/ auff dem Spessart und anderen rauhen Orten da man dieser Frucht viel zielet/ pfleget das gemeine Landtvolck auch Brodt auß dem Meel deß Heidenkorns zu backen/ das ist so viel den Geschmack belangt lieblich zu essen/ wirdt aber schwartz/ sättiget doch wol/ blähet den Bauch auff/ doch nicht so hefftig/ setzet sich baldt undersich/ gibt ziemliche Nahrung/ ist ein gute Speiß vor die arbeitende Leut/ dann es haltet ziemlich wider/ ist doch undauwlicher dann das Haberbrot.