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VON BRUNNEN UND WEYERPETERLEIN

    Deß Wasserpeterleins oder wie es etliche nennen Wassermorellen/ haben wir vier underschiedlicher Geschlecht/ ohnangesehen daß DIOSCORIDES, GALENUS und andere der alten nur eines Geschlechts gedencken.
  
l. Das erst und kleines under den vieren hat an statt der Wurtzel viel dünner und kleiner Zaseln/ die bletter seyndt breyt/ den Blettern der Hirtzmorellen/ oder wie DIOSCORIDES hat/ dem Alexandrinischen Peterlein oder Roßeppich gleich/ doch kleiner/ feyßter/ und wolriechender. Die Stengel werden fast einer Elen lang/ sind rund und inwendig hole/ mit Nebenzweiglein/ die bringen am öbern theil in dem Brachmonat schöne gekronte weisse Blümlein wie der Eppich. Wann diese abfallen/ so folget der Samen/ welcher so er zeitig wirdt/ vergleichet er sich etlicher massen dem Anißsamen/ ist doch runder unnd scheubelechtiger/ eins lieblichen Geruchs wie der Coriander/ am Geschmack hannig unnd räß. Dieses Gewächß findet man bey uns uberflüssig in Teutschlandt in den Brunnenflüssen/ unnd frischen fliessenden Bächlein/ under und mit den Bachbungen wachsend.
  
ll. Das zweyt Geschlecht/ ist mit Stengel unnd Blettern viel grösser/ doch an der Gestalt nicht ungleich/ der Stengel ist eckechtig/ dicker/ feyßter und dicker/ mit Gleychen underscheiden/ auß welchen die Nebenästlein unnd Bletter herauß wachsen. Die Blumen und samen seind dem jetztgemeldten auch gleich/ aber grösser. Der Geruch ist starck doch nicht so lieblich wie deß ersten/ dem Geruch deß Steinöls oder Erdtbechs sich etlicher massen vergleichend. Dieses wächset auch viel in Teutschland/ Franckreich/ Braband/ und in Gellerland an den stillstehenden Wassern und Fischweihern.
  
lll. Das dritte Geschlecht ist diesem nechstgemeldten durchauß mit wurtzeln/ Bletter/ Stengeln/ Blumen und Samen gleich/ allein daß es doppel grösser ist/ und der Bituminosisch oder Erdbechisch Geruch stärcker ist. Diesen Wasserpeterlein findet man in unnd an den Gestaden deß außgelauffenen Reins/ zwischen Speyer/ Worms unnd Oppenheym/ den man den alt Rhein nennet. Und findet man auch an denselben Orten gemeinlich die Bituminosische oder Erdbechische Wasen/ die man Torff nennet/ so man darnach nur ein wenig gräbet/ also daß leichtlich darauß abzunemmen/ daß derselbig Torffisch und Erdbechisch Grund diesem Gewächß den Geruch mittheilet.
  
lV. Das vierdt Geschlecht ist auch ein grosses Gewächß doch nicht so groß als das jetztgemeldt. Die Wurtzel und Stengel seind dem vorigen gleich/ die Bletter aber seind schmäler und viel kleiner/ sehr tieff mit schnitten zertheilet/ auch tieffer gekerfft. Es hat viel Nebenzweig darauff/ wie auch auff dem Hauptstengel Cronen oder Schatthütlein wachsen/ mit grüngeelen Blumen. Dieses hat auch ein starcken Geruch/ ist aber am Geschmack nicht so scharff als die obgemeldten. (So man die Wurtzeln zerhawt/ so fleußt herauß ein Gesafft so gelb ist eines scharpffen Geruchs/ so das Haupt beschweret.) es wächst auch dieses in stillstehenden Gräben unnd Wassern in Hochteutschland im alten Rhein/ unnd in Flandern/ in den außgelauffenen Wassern von der Scheldt/ bey Dendermont.

Von den Namen der Wasserpeterlein.
    l. Der Wasserpeterlein sonderlich das erst unnd kleinest Geschlecht/ dessen DIOSCORIDES, GALENUS und andere von den Alten beschrieben/ gedencken/ wirdt Lateinisch SIUM, und von PLINIO LAUER genannt. DIOSCORIDES nennet es auch ANAGILLIDEM AQUATICAM unnd DARENIUM. Von den Kreutlern wirdt es genannt/ SIUM ODORATUM, zum underscheidt der Brunnkressen das SIUM ALTERUM auch von DIOSCORIDE genannt wirdt/ oder darum daß etliche die Bachbungen auch fälschlich SIUM nennen. Weiter heist es bey den Simplicisten auch APIUM AQUATICUM, APIUM FONTANUM, und APIUM FONTANUM oder AQUATICUM MINUS, PASTINACA AQUATICA, dieweil die Bletter der Hirtzmorellen ähnlich seynd. Andere nennens BERULAM, und mit einem Italianischen Namen RANELLAM und LAUERULA. Hochteutsch Brunnenpeterlein/ Wassermorellen/ Wassereppich und Wassermerck.
  
ll. Das zweyte Geschlecht wirdt von den Kreutlern SIUM MEDIUM, PASTINACA AQUATICA MEDIA, unnd PASTINACA PALUSTRIS genannt. Zu Teutsch/ Weiherpeterlein/ dieweil es an den Gräben und Fischweihern wächset.
  
lll. Das dritte welches das aller gröste ist/ wirdt von den Kreutlern SIUM MAIUS LATIFOLIUM zum underscheidt deß nachfolgenden/ SIUM BITUMINOSUM, APIUM PALUSTRE, oder AQUATICUM BITUMINOSUM, unnd PASTINACA AQUATICA MAIOR LATIFOLIA genannt. Teutsch/ grosser Wasserpastenach/ von wegen deß Erdbechischen Geruchs. Es möchte derwegen wol Torffpeterlein genannt werden/ dieweil es an denen Orten da man die Torff gräbet/ wächset.
  
lV. Das vierdte Geschlecht wirdt von den Kreutlern/ SIUM MAIUS ANGUSTIFOLIUM, unnd APIUM AQUATICUM ANGUSTIFOLIUM MAIUS genannt. Bey uns Teutschen hat es noch keinen gewissen Namen/ wir aber haben es geelen Wassermerck/ von wegen der grüngeelen Blumen genannt.

Von der Natur/ Krafft/ Wirckung und Eygenschafft der Brunnenpeterlein.
    Der Brunnenpeterlein hasben ein Krafft zu wärmen unnd zu trucknen/ wie GALENUS unnd AETIUS das bezeugen/ müssen derowegen wir dem kleinen Wasserpeterlein den vorzug geben. Nach diesem dem Weiherpeterlein. Was dann den grossen Hartzpeterlein anlangen thut/ wiewol er auch gleiche kräfft und wirckungen mit den obgemeldten hat/ seind dieselbigen doch geringer/ unnd ist viel rathsamer daß man dieselbigen in der Artzeney zu brauchen underlass/ sintemal deß Brunnen und Weiherpeterleins man den uberfluss unnd menge haben kann: dann zu beförchten daß der gross Hartzpeterlein blöden schwachen Leuthen/ die ein blödes Hirn haben/ leichtlich von wegen deß starcken Bituminosischen Geruchs die fallende Sucht erwecken möchte/ dieweil sein Geruch das Haupt unnd Hirn mercklich verletzet/ wöllen derowegen meniglich darvor gewarnet haben.

Jnnerlicher Gebrauch dess Brunnen Peterleins.
    Den Brunnenpeterlein/ deßgleichen auch den Weiherpeterlein brauchen unsere Weiber unnd Köch im Früling und Anfang deß Sommers/ wann er noch jung ist in der Küchen/ machen Salat darauß/ deßgleichen grüne Meyenmüsser mit andern Kreutern/ unnd gute Kreutersuppen/ welche Speisen den Wassersüchtigen/ und denen so mit dem Stein beladen/ auch den Weibern die nicht genugsam gereyniget werden von jhren Monatblumenfast gesund sind. Dann DIOSCORIDES bezeuget LIB.2.CAP.113. daß der Brunnenpeterlein rohe oder gesotten gessen/ breche den Stein/ führe den auß/ treibe den Harn/ und fürdere die Monatblumen der Weiber/ unnd diene wider die Rote Rhur. Darvor aber solle sich hüten die schwangere Weiber/ dann sie treiben die Frucht von jhnen.
  
Der Samen dess Brunnenpeterleins zu Pulver gestossen/ und ein halb Loth desselben mit einem Trüncklein guten weissen Weins zertrieben/ bricht den Lenden oder Nierenstein/ unnd treibet den gewaltig auß/ treibt fort den verstandenen Harn/ reiniget die Nieren/ Harngäng und Blasen vom Schleim und aller Unreinigkeit.
  
Der Samen dess Brunnenpeterleins in Wein gesotten/ darnach durch ein Tuch gesigen/ unnd darvon deß Tags zweymal/ jedesmal ein guten Trunck warm getruncken/ wircket deßgleichen.

Eusserlicher Gebrauch dess Brunnenpeterleins.
    Der Brunnenpeterlein wird eusserlich zu den Mutterbädern unnd Lendenbädern/ vor den Stein fast nützlich gebraucht.
  
Ein Lendenbad von diesem Kraut gesotten und darinn gebadet/ oder den Dampff von dem gesottenen Kraut durch ein Trechter in die Mutter empfangen/ fürdert die verhaltene Monatblumen der Weiber.
  
Den Nierenstein außzutreiben/ mach nachvolgendes Lendenbad: Nimb Brunnenpeterleinkraut vier Handvoll/ Pappellen der wilden drey Handvoll/ Tag und Nachtkraut/ Ybischkraut/ Chamillenblumen/ jedes ii.Handvoll/ wild Pastenachen/ Gundelreb/ Steinklee/ Griechischhewkraut/ Leinsamen ein wenig gequetscht/ jung Rübenkraut/ jedes ein handvoll. Diese Kreuter schneide klein/ reyhe dieselbigen in ein langen Sack/ der umb die Lenden und Bauch gehe/ seude den in gnugsamem Bachwasser/ mach darauß ein Lendenbad/ und bade deß Tags zweymal/ jedesmal ein paar Stunden darin/ wann der Magen nüchtern/ und die Speiß wol abgedäwet ist/ unnd so offt du in das Bad eynsitzen wilt/ so trinck vier Loth Brunnenpeterleinwasser/ mit ii.Loth Pappelnwasser vermischt/ und winde den Sack mit den Kreutern umb die Lenden und Bauch biß zum Gemächt zu/ so wirstu wunderbarliche Hülff vom Stein in kurtzer Zeit empfinden.

Brunnenpeterleinwasser.
SII ODORATI AQUA STILLATITIA.

    Das Brunnenpeterleinwasser/ so man das recht distilliren wil/ soll man das Kraut unnd Blumen mit den Stengeln im Brachmonat samlen/ darnach klein hacken/ und mit grossem fleiss IN BALNEO MARIAE mit sanfftem Fewer abziehen/ darnach in der Sonnen rectificiren/ und zum Gebrauch behalten. So du aber das Wasser kräfftiger haben wilt/ so nimb vier Untz dess Brunnenpeterleinsamens/ den stoß groblecht/ thue den in ein gläsine Cucurbit/ schütte darüber deß Brunnenpeterleinwassers ein Maß/ lasse den vier und zwantzig Stunden also in einem warmen BALNEO MARIAE beytzen/ darnach distillirs zum zweytenmal.
  
Brunnenpeterleinwasser Morgens und Abends jedesmal vier oder fünff Loth getruncken/ treibet den Harn/ führet auß den Stein/ treibet die Monatblumen/ eröffnet die Leber/ unnd dienet wider die Wassersucht.