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BLUTWURZ

Potentilla erecta - Rosaceae

 


 

VON DEM TORMENTILL.

 

 

            Tormentillkraut hat eine langlechtige Wurtzel/ mit vielen Knorren/ rund/ unnd von Farben braunschwartz/ mit vielen Zaseln/ innwendig aber ist sie schön roth unnd Leibfarb/ am Geschmack zusammenziehend/ trucknend unnd rauch wie die Eycheln. Von dieser Wurtzel kommen jährlich im Aprillen herfür dünne/ runde/ und zarte stengel wie die Bintzenhelmer/ die werden nicht viel uber spannen lang/ etwann vier oder fünff/ unnd bißweilen mehr. Dieselbigen seyndt von unden an biß oben auß/ etwann Gleychs lang von einander mit tieff zerspaltenen Blätlein bekleydet/ ein jedes Blat in sieben und auch etwann in fünff/ doch den mehren theil in sieben underschiedlichen Blätlein zertheilet/ und geringsherumb mit kleinen Schnittlein zerkerfft. Jm Meyen so erscheinen bleychgeele Blümlein/ die seyndt den Blümlein deß Fünfffingerkrauts ähnlich/ außgenommen daß sie nur vier Blätlein haben. Wann die Blätlein abfallen und vergehen so folgen hernach kleine Köpfflein/ die sind anzusehen wie die anfahende Erdtbeerknöpfflein. Dieses Kraut wächst viel in dem Gebirg im Waßgaw/ im Ostwaldt/ Spessart und Schwartzwaldt hin und wider/ sonderlich aber unnd gemeiniglich/ da es viel Birckenbäum hat/ in steinechtigen und feuchten Sandtgründen/ in etlichen orten auff dem Schwartzwald und andern obgemelten orten/ sonderlich da es kül und dunckel ist/ wird dieses Krauts Wurtzel drey oder vier mahl größer/ als sie in den gemeinen Birckwälden wächset.

 

Von den Namen deßTormentillkrauts.
            Es haben sich die Gelehrten sehr mit diesem gemeinen und Gebreuchlichen Gewächs deß Tormentills bearbeitet wie sie jhm auch einen Nahmen bey den Alten Aertzten finden möchten/ aber jhre arbeit unnd mühe ist vergeblich gewesen/ biß sie entlich an die Fünfffingerkreuter kommen/ und haben das recht PENTAPHYLLON oder QUINQUEFOLIUM DIOSCORIDIS darauß machen wöllen. Dieweil wir aber das recht PENTAPHYLLON DIOSCORIDIS genugsam haben/ ja deren Geschlechter noch viel unnd uberflüssig/ unnd es DIOSCORIDES unnd die andern alten Artzet PENTAPHYLLUM oder QUINQUEFOLIUM von wegen der Bletter/ da ein jedes in fünff theil zertheilt/ genannt haben/ wie wir es auch mit andern Nationen umb gleicher Ursach willen Fünffblat oder Fünfffingerkraut nennen/ und auch nicht allein alle Kräfften unnd Wirckungen wie die Alten dieselbigen jhrem Fünfffingerkraut gegeben/ sondern noch viel mehr auß langwiriger erfahrung wahrhafftig befunden worden seyndt/ auch die Beschreibung derselben mit allen Kennzeichen mit unserm gemeinen Fünfffingerkraut/ sonderlich aber der Fünff Bletter halben zuschlegt/ ist es unvonnöthen ein Siebenfingerkraut/ oder ein ander Kraut mit sieben Blettern (wie unser Tormentill ist) mit den Haaren herbey zu ziehen/ und gesetzt/ daß es mit dem Tormentill der Krafft unnd Wirckung halben viel gleichförmiger Wirckung haben soll/ wie wir es dann auch bekennen daß es solche hat/ so ist es doch nicht genugsam das recht QUINQUEFOLIUM zu verstossen/ unnd ein anders und falsches an seine statt zu setzen/ dann wann das gelten solt/ wurden wir inn ein solchen Jrrgarten geraten/ unnd die Kreuter also durch ein ander verwirren/ daß letzlich auch die Nesseln jhre rechte Nahmen verlieren müsten. Es haben alle Geschlecht deß Fünfffingerkrauts wie wir die beschrieben haben/ den meisten theil fünff Bletter/ unnd darneben fünffblättrige Blumen/ so das Tormentillkraut gemeiniglich sieben unnd auch bißweilen neun Bletter hat/ auch zu zeiten weniger/ dieweil es aber gemeiniglich sieben Bletter hat/ wird es auch von uns Teutschen under andern Namen Siebenfingerkraut genannt. Das wir nun aber auch unsere meynung von diesem Kraut darthun/ wie es bey den Alten genennet mag worden seyn/ so halten wir solches vor das CHRYSOGONUM DIOSCORID. Welches er von der geelen Blumen wegen ohn allen zweifel also genannt hat/ so hat es jnwendig ein rote Wurtzel die außwendig braunschwartz ist/ zu dem so ist diese unsere Tormentillwurtzel dienlich wider die Bissz der Schlangen und anderer gifftiger Thier/ darauff hitzige Geschwulst erfolgen/ derowegen sie auch DIOSCORIDES LIB.4.CAP.56. wider die Bissz der gifftigen Zißmeuß nicht unbillich zu gebrauchen befehlet. Auß gemelten Ursachen wöllen wir unsere Tormentill vor das CHRYSOGONUM DIOSCORIDIS halten/ unnd wissen daß wir darinn nicht schwerlich jren können biß wir eines besseren bericht werden. GALENUS und die andern Griechischen Artzet die nach jhme kommen seyndt/ gedencken deß CHRYSOGONI gar nit. Lateinisch CHRYSOGONUM, CHRYSOSPERMUM, DALPIS, ARCOPHTALMUS, unnd ANLARIA. Von unsern Kreutlern/ HEPRAPHYLLUM, SEPTIFOLIUM, SEPTEMFOLIUM, TORMENTILLA, CONSOLIDA RUBRA, BETULARIA, unnd von dem AUTHORE PANDECTARAM, HERBA TREMOLA. Hochteutsch/ Tormentill/ Hertzwurtz/ Feigwurtz/ Blutwurtz/ rot Guntzel/ Rotwurtz/ Rotheylwurtz/ Rhurwurtz und Birckwurtz/ dieweil dieses Gewächs gemeiniglich in denen orten wächset da es viel Birckenbäum hat. Jn Sachsen wird die Tormentill Heydeckern genannt.

 

Von der Natur/ Krafft/ Wirckung und Eygenschafft deß Tormentills.
            Tormentill hat ein trucknende Eygenschafft/ ohne eine merckliche hitz/ derowegen dient sie auch zu allerley flüssen und kalte Gifft. Sie zeucht auch zusammen/ heylet/ und ist trucken im dritten Grad/ welches alles von der Wurtzel soll verstanden werden.

 

Jnnerlicher Gebrauch der Tormentill.
            Es ist die Tormentillwurtzel ein herrliche/ heylsame und gebenedeyte Artzeney wider die Flüß deß Haupts/ dieselben auß zu trucknen/ unnd zu verzehren/ und die Kranckheyten so von Flüssen kommen zu verhüten/ sie verbessert auch die böse Contagion der Franzosen Kranckheit/ unnd heylet die vom Grundt herauß neben gebürlicher reynigung deß Leibes gebraucht/ wie die Wurtzel SCHILLA oder SALIA PARILLA Tränck darvon zu schwitzen und den Durst zu leschen gesotten/ und dieselbigen gebraucht wie wir genugsam bericht von der Wurtzel SCHINA gethan haben/ und ist in diesem fall die Schinawurtzel unserer Tormentill keines wegs fürzuziehen/ dann die jhre Operation so vollkommenlich vollbringet/ als die Schinawurtzel immer thun mag.
            Gleicher Gestalt mag diese Wurtzel in der fallenden Sucht/ Schwindel/ Hauptwehe von kalten Flüssen/ deßgleichen im Zipperlein/ Gliedsucht und Hüfftwehe sehr nutzlich und heylsamlich gebraucht werden.
            Wider das Wehe oder Gegicht der jungen Kinder ist diese Wurtzel fürtreffenlich dienlich/ ein Pulver darvon gemacht wie folget: Nimb geseuberter und auffgetruckneter Tormentillwurtzel/ gebrannt Hirtzhorn/ Zitwanwurtz/ jedes ein halb Loth/ der Beinlein auß dem Hertzen der Hirtzen/ geriebener Perlin/ jedes ein quintlein/ der bereyten Hirnschalen von einem gesunden Menschen ein halbes quintlein/ weissen Zuckercandit drey Loth/ alle obgemelte Stück soll man zu einem subtilen Pulver machen/ unnd mit dem gestossenen Zuckercandit vermischen/ auch ferner darzu thun fünff Blätlein geschlagenes Feingolds: Wann nun alle diese Stück wol vermischet sind/ soll man das Pulver in einem geheben Büchslein verwaren. So es nun die notturfft erfordert daß ein junges Kindt das Gegicht anstiesse/ soll man jm deß Pulvers so viel man auff einer Messerspitzen heben mag/ mit Benedictenrosenwasser eyngeben/ unnd das soll man je uber zwo Stunden einmal thun/ biß daß man gute besserung spüret.
            Wider das gegicht oder grosse Kranckheit der Alten/ mach nachfolgend Pulver: Nimb Tormentillwurtzel/ Scharlachsamen/ Benedictenrosenkörner von jhren Schalen gereynigt/ gebrannt und bereyt Hirnschal von einem gesunden Menschen jedes ein halb loth. Stose gemeldte stück zu einem subtilen Pulver/ und schlags durch ein härin Sieblein/ unnd behalts in einem lidernen Säcklein zum gebrauch/ darvon gib auff einmal ein quintlein eyn/ mit Schlüsselblumenwasser.
            Tormentillwurtzel geseubert/ darnach klein geschnitten/ und ein Handtvoll in einer Maß guten fürnen weissen Weins den drittentheil eyngesotten/ darnach ein vierling oder acht loth guten Rosenzucker der zweyer oder dreyer Jahr alt ist/ darinn zertrieben/ folgends durch ein Tuch gesiegen/ und Morgens und Abendts/ jedesmal iii.untzen warm trincken/ der heylet die verwundte Brust/ unnd Geschwer der Lungen/ unnd kompt zu hülff der Schwindtsucht und Lungensucht.
            Oder nimb Tormentillkraut das noch frisch unnd grün ist mit seiner Wurtzel ein gut theil/ wäsch das sauber von der Erden und allem Unrath/ darnach zerschneids klein/ stosse es in einem steininen Mörser/ gieß guten nfürnen Wein mit zu/ den vierdten theil so viel als deß Krauts unnd Wurtzel ist/ drucks darnach hart durch ein Tuch auß deß außgedruckten Saffts nimb zwölff untz/ unnd zertreib darinn vier loth alten Rossenzucker/ und seihe es darnach wider durch ein Tuch/ unnd gib dem Krancken Morgens und Abendts/ jedesmal iii. Stunden vor dem Essen vier loth zu trincken/ und beharr dz biß er geneuset.
            Tormentillwurtzel zerschnitten grün oder dürr in Wein gelegt/ und davon getruncken/ stärcket das Hertz unnd alle innerliche Glieder.
            Die Krafft und Wirckung der Tormentillwurtzel/ ist nicht außzugründen oder zu beschreiben/ dann es seind noch viel verborgener heimligkeiten in dieser Wurtzeln/ wie auch in andern Kreutern unnd Wurtzeln. Dann das Kraut mit der Wurtzel frisch gestossen/ und den Safft darvon außgetruckt/ und dessen auff einmal drey untzen getruncken/ treibt auß alles Gifft/ man habs gleich gessen oder getruncken/ unnd wircket solches durch den Schweiß/ deßgleichen treibet es auch auß alle Pestillentzische vergifftung. So man aber die Tormentill grün nicht haben kan/ soll man sie dürr nemmen/ und dieselbig zu einem subtilen Pulver stossen/ darvon eins quintleins schwer mit warmem Wein zertrieben zu trincken geben/ oder aber man soll ein Handtvoll kraut unnd Wurtzel mit einander in einer ächtmaß Weins oder Weinessigs halber eynsieden/ denselben durchseihen/ dann davon nemmen drey untzen/ und darin zertrieben ein quintl. Guten Theriack/ solches warm trincken/ sich darauff niderlegen und zum wenigsten drey Stunden schwitzen/ so treibet diese Artzeney alles Gifft/ deßgleichen auch die Pestilentz durch den Schweiß auß/ welches offtermals probirt worden.
            Es ist diese Wurtzel durch langwirigen Gebrauch dermaßen wider die Pestilentz bewert worden/ daß man heutiges Tages schier kein Recept find/ die pestilentzische vergifftung zu verhüten/ oder den Menschen zu bewahren/ oder aber das Pestilentzische Gifft außzutreiben/ es muß die Wurtzel deß Tormentills darbey seyn/ sintemal sie nicht allein alles Gifft außtreibet/ sondern hat auch ein verborgene heymliche Krafft und Eygenschafft das Hertz zu stärcken/ den guten seuchten vor feulnuß zu verhüten/ unnd die bösen zu verzehren/ derowegen der Hochgelehrt GUILIELMUS TURNERUS sie nicht unbillich vor die rot Behenwurtzel die gemeiniglich falsch unnd nicht viel nutz ist wie sie uns gebracht wirdt/ in die Hertzstärckende Artzeney gebrauchet hat.
            Wann jemandts jrgends ein schauder oder frost anstiesse/ unnd wüste nicht was daraußwerden wolte/ es were gleich in Sterbensleuffen oder zu andern zeiten/ der nemme als bald ein quintlein gepülvert Tormentillwurtzel/ und auch ein quintlein guten Theriack/ Tormentillwasser vier loth/ guten starcken Weinessig zwey loth/ vermische solche Stück durcheinander/ trincke es auff einmal eyn/ und schwitz drey Stunden darauff/ so geneuset er es sey gleich was es wölle/ unnd gehet die Kranckheit durch den Schweißhinweg. Diese Artzeney mag man sicher unnd künlich obgemeldter massen auch gebrauchen/ so einen die Pestilentz anstiesse/ dann sie offtermals probiert worden/ unnd ist ein sonderlich Experiment. Mit dieser Artzeney wird auch der Englisch Schweiß vertrieben.
            Tormentillwurtzel gepülvert/ unnd deß Morgens nüchtern eine Haselnuß groß eyngenommen mit einem Trüncklein Weins im Winter/ im Sommer aber mit Essig oder Ampfferwasser/ verhütet den Menschen denselben Tag/ daß jhme kein Pestilentzische vergifftung schaden mag.
            Wider die pestilentz ein gut Pulver: Nimb Tormentill zwey loth/ der innern Kernen von den Citrinat oder Judenäpffeln/ Cardenbenedictensamen/ jedes i.loth. stosse diese Stück zu einem subtielen pulver und behalts in einem Büchßlein/ davon nimb allen Morgen nüchtern einer Haselnuß groß mit Wein oder Essig/ so bistu denselben Tag sicher. So aber jemands mit der Pestilentz angegriffen were/ so nimb deß Pulövers ein quintlein/ und auch ein quintlein guten Theriack/ und zertreib die mit vier loth Tormentillwasser/ und zwey loth Nägleinblumenessig/ oder sonst starcken Weinessig/ trincks darnach warm/ und schwitz drey Stunden darauff/ du geneusest/ und ist ein gewiß Experiment.
            Oder nimb geseuberter Tormentillwurtzel/ weiß Diptam/ guter Orientischer Perlin jedes ein loth. Stosse diese Stück zu einem subtielen Pulver/ thue solches in ein Porcellan geschirrlein/ schütte darüber drey Untzen Scabiosensafft/ vermischs wol durcheinander/ lasse es darnach in der Sonnen trucken werden/ stoß darnach wider zu Pulver wie vorhin/ thue zum andernmal drey untzen Scabiosensafft darüber/ vermischs und laß es wider trucken werden/ das thu darnach auch zum drittenmal/ als dann stoß es reyn und subtil/ unnd schlkags durch ein härin Sieblein/ behalts darnach wol verwahrt zum gebrauch. Wann dann einen die Pestilentz anstiesse/ so nimb deß Pulvers ein quintlein schwer/ Tormentillwasser drey loth/ Cardenbenedictenwasser/ guten starcken Weinessig jedes anderhalb loth/ guten Theriack ein quintlein/ vermischs unnd mach ein Träncklein darauß das trinck auff einmal/ schwitze drey stunden darauff/ und trucke darnach den Schweiß mit warmen Tüchern abe/ du geniesest.
            Oder nimb Tormentillwurtzel subtiel gepülvert ein quintlein/ weiß Diptamwurtzel ein halbs quintlein auch reyn gepülvert/ guten Theriack i.quintlein/ Tormentillwasser/ Melissenwasser/ guten scharpfen Weinessig/ jedes ii.loth/ vermischs unnd trincks obgemeldter massen/ unnd schwitz darauff du geneusest/ dann es ist ein gewisse erfahrne Artzeney.
            Wider die Pestilentz ein gut Pulver mach also: Nimb Tormentill zwey loth/ auffgetrucknete Sauwerampfferbletter anderthalb loth/ Weinrauthen/ Baldrianwurtzel/ Beerwurtzel/ jedes drey quintlein/ Eschwurtzel oder weissen Diptam/ weiß Bibernellwurtzel/ jedes anderhalb quintlein. Diese stück stoß zu einem reynen Pulver/ schlag es durch ein härin Sieblein/ unnd behalts in einem lederen Säcklin. Darvon mag man deß Morgens nüchtern zu einem Praeservatif einer Haselnuß groß mit Wein oder Essig gebrauchen. Wann mans aber brauchen will den Schweiß zu fürdern/ soll man mit Theriack und den obgemeldten Wassern/ ein Träncklein darauß machen und auch also gebrauchen.
            Ein ander: Nimb gereynigter Tormentillwurtzel zwey loth/ weiß Bibernellenwurtzel ein loth/ Benedicktenkrautwurtzel/ Armenischen oder Orientalischen BOLUS, Eschwurtzel/ jedes ein halb loth/ TERRAE SIGILLATAE anderhalb quintlin/ Perlenmutter ein quintlin/ Schmaragden so bereyt und abgerieben seind/ zwey drittheil eines quintleins/ Hirtzkreutz/ Paradeißholtz/ jedes zehen Gerstenkörnlein schwer. Alle gemeldte stück soll man zu einem subtielen Pulver machen/ und durch ein härin Sieblein schlagen/ darnach in einem lidernen Säcklein zum Gebrauch bewahren. Dieses Pulver sol man zur bewahrung gebrauchen/ wie das nechstgemeldtet unnd zum Curatif gleicher gestalt Schweißträncklein darvon machen.
            Ferner findet man under allen Wurtzeln kaum eine die da nützlicher unnd besser ist wider alle Bauchflüß/ rot unnd weiß/ als eben die Tormentillwurtzel. Dann ein quintlein derselben zu einem reynen Pulver gesstossen/ unnd mit einem Trüncklein roten Wein zertrieben unnd eyngetruncken/ ist ein gewiß Experiment vor die rot Ruhr/ und andere Bauchflüß wie die Namen haben möchten. Etliche nemmen allein die rot Tormentillwurtzel zu der roten Ruhr/ unnd die bleich und weißfarb ist/ zu der weissen Ruhr/ und andern gemeinen Bauchflüssen. Man mag auch auß der Wurtzel Confect/ Latwergen/ Pulver/ Träncke/ und dergleichen vor die gemeldten Gebrechen bereyten lassen/ wie die einem jeden angenem seyn wöllen.
            Tormentillwurtzel und Kraut iii. Handtvoll klein geschnitten unnd ein Untz oder vier alten Rosenzucker darzu gethan/ mit einer massen roten Weins in einer verlutierten Kannten vier stunden in einem Kessel mit warmem Wasser in stäter hitz gesotten/ darnach durchgesiegen/ und allen Tag dreymal/ jedesmal vier untz warm darvon getruncken/ ist gut wider ein jede Ruhr/ und heylet damit die geschädigten/ verwundten Därm. Man soll aber mercken/ so ein hitziges Feber mit dem Durchlauff underlieffe/ soll man an statt deß Weins so viel Regenwasser oder aber wol gestählet wasser nemmen/ und den Tranck wie gemeldtet sieden.
            Ein ander gut Experiment wider die Ruhr: Nimb i.quintlein gepülverten Tormentillwurtzel/ unnd ein gantze Muschatnuß darzu klein gerieben/ auch ein wenig Habermeel/ mische es mit einem frischen Eyerdotter/ unnd backs in einem Eysenen Löffel/ oder auff einem heissen Stein zu einem Küchlein/ wende es offt umb/ und wann es wol unnd braun gebacken ist/ so gib es dem Krancken nüchtern zu essen/ und thue das fünff Tag nacheinander/ so geneuset der Krancke/ dann es ist ein fürtreffenliche Artzeney wider alle Bauchflüß.
            Ein ander Experiment die rote Ruhr zu stillen: Nimb ein Turteltaub mit Federn unnd allem/ thu die in ein neuwen Hafen/ setze ein Deckel darüber/ den verlutier wol mit einem Leymen mit Scherflocken/ unnd Saltz bereytet/ darnach setze den Hafen in ein heissen Ofen/ und lasse jhnen so lang darin stehen/ biß die Tauben zu Pulver verbrennt ist/ als dann lasse den Hafen kalt werden/ thue die Taub herauß unnd stosse die zu einem subtielen Pulver/ wige darnach das Pulver und vermisch darmit so schwer gepülverten Tormentill/ als deß pulvers von der Tauben ist/ und bewahr es geheb in einem hültzenen Büchslein. Wann du nun einem darmit helffen wilt/ so nimb ein quintlein dieses Pulvers mit einer gebäheten schnitten Brodts in Tormentillwasser geweychet/ das gib dem Krancken zu essen/ unnd laß jhnen ein loth oder vier Tormentillwasser darauff trincken/ diese Artzeney gib jhm deß Tages zweymal deß Morgens und Abendts/ jedesmal vor den Jmbsen/ und lasse jhnen baldt darauff essen.
            Tormentillkraut unnd Wurtzel sechs Handtvollzerschniten/ unnd in anderhalb maß roten Weins (oder so ein Feber vorhanden ist/ in so viel Regenwasser oder aber gestäheltem Wasser) den dritten theil eyngesotten/ unnd mit Zucker temperiert daß es süß wirdt/ folgendts durchgesiegen/ unnd allen Morgen unnd Abendt ein Becher voll darvon warm getruncken/ ist ein heylsame Artzeney wider die Rot Ruhr unnd andere Bauchflüß.
            Wann die Rot Ruhr regiert/ so sieden etliche die Tormentillwurtzel in Wasser/ vermischen darnach jhren Wein darmit/ sich vor dieser Seucht zu bewahren unnd dieselbige zu verhüten. Andere die legen die Wurtzeln zerschnitten in jhren Wein und trincken darüber/ und thun in wahrheit sehr wol daran/ und wehre gut das solches jederman thäte/ sintemal diese Kranckheit selten regiert ohne eine vergiffte Contagion deß Luffts. Den jungen Kindern mag man in solcher Zeit nachfolgendts Wasser sieden/ unnd jhnen zu trincken geben/ sie vor dieser Schwachheit zu verhüten: Nimb Tormentillwurtzel anderhalb loth/ Zimmatrinden/ Muschatenblüth/ jedes anderhalb quintlein/ gebackener sauwrer Amarellenkirschen sauber gewäschen an der Zahl zwantzig/ Mastixkörnlein an der Zahl zwölff/ geschaben Hirtzhorn/ der gerechten TERRAE SIGILLATAE, Armenischen BOLUS jedes i.quintlein/ Sumachkörner ein halb Loth. Die Tormentillwurtzel sol man klein zerschneiden/ deßgleichen auch den Zimmat darnach mit den andern Stücken vermischenunnd darzu thun ii. Loth Feinzucker/ unnd in ein grosse Kannten thun/ darüber schütten zwo Maß frisch Brunnenwasser/ die Kannt dann am Ranfft wol verlutiren/ in ein Kessel mit siedendem Wasser setzen/ unnd zum wenigsten vier Stunden darinnen sieden lassen. Die Armen sollen die Tormentillwurtzel zerschnitten in Wasser sieden/ unnd dasselbig jhren Kindern zu trincken geben.
            Ein köstlich gut Pulver wider die Rote Rhur: Nimb Tormentillwurtzel zwey Loth/ Armenischen BOLUS anderthalb loth/ Walwurtzel ein loth/ Muschatennüß ein halb loth/ mach ein reyn Pulver darauß/ und gib dem Krancken allen Morgen und Abendt vor dem Essen eins quintleins schwer mit einem Trüncklein Wassers/ darinn Tormentillwurtzel gesotten worden ist.
            Tormentillkraut und Wurtzel in Wein oder Wasser gesotten/ und von der durchgesigenen Brühen allen Morgen unnd Abendt/ jedesmal ein Becher voll getruncken/ dienet wider die Geelsucht so durch Gifft jhren Ursprung hat: Treibet auch alles Gifft auß.
            Tormentillwurtzel gepülvert/ unnd eines quintleins schwer mit Wein oder Tormentillwasser getruncken/ treibt die Spülwürm auß dem Leib/ das thut auch so man die Wurtzel in Wein oder Wasser den halben theil eynseudet/ unnd von der durchgesiegenen Brühen Morgens und Abends/ jedesmal ein Becher voll trincket.
            Wieder den unwillen unnd das kotzen so von der CHOLERA kompt ein fein Experiment vor den gemeinen unnd armen Mann: Nimb Tormentill zu Pulver gestossen nach deinem gefallen/ rhüre das mit Eyerweiß zu einem Teyglein/ und back darnach ein Küchlein darauß auff einem heissen Ziegelstein/ das behalt. Wann es nun die Notturfft erfordert/ so nimb darvon eines gülden schwer/ pulverisirs und zertreibs mit Kraußmüntz oder Quittenwasser/ und trincks warm eyn/ so legts das brechen.
            Den unmässigen Blutgang der Weiber zu stillen/ ist keine bessere Artzeney dann die Tormentillwurtzel/ dieselbig zu Pulver gestossen/ und eins quintleins schwer mit Wein zertrieben/ und Morgens und Abends jedesmal so viel warm getruncken. Oder das Kraut und Wurtzel in Wein oder Wasser gesotten/ und die durchgesigene Brühe gleichfalls morgens und abends getruncken: ist auch nützlich unnd heylsam den ubermässigen Blutfluß der gülden Adern zu stillen. Gleichfalls das Kraut und Wurtzel in Wein gelegt und darvon getruncken.
            Tormentillwurtzel klein geschnitten/ in Wein gelegt/ ist eine heylsame Artzeney den schwangern Weibern/ so sie stätig darvon trincken/ dann sie stärcket die Frucht in Mutterleibe/ unnd verhütet die Mißgeburt. Solches thut auch das Pulver von der Wurtzel/ jederweilen ein halbs quintlein mit einem weychgesottenen Eye eyngesupt.
            Wider den weissen Mutterfluß der Weiber: Nimb Tormentillwurtzel/ Muschatennüß/ jedes ein loth/ Wegwartensamen ein halb loth. Stoße diese Stück zu einem subtilen Pulver/ davon gib auff einmal ein halb quintlein mit rotem Wein/ oder altem Bier zu trincken/ unnd thue das deß Tags zweymal/ biß daß du besserung vermerckest. Darzu dient auch die Tormentillwurtzel so sie ein Monat lang gebraucht wirdt/ in Träncken wie wir von der Schinawurtzel underweisung geben haben/ wann schon dieser Fluss veraltet ist.
            Tormentillwurtzel in Wein gesotten/ verzehret die ubrige Feuchtigkeit unnd alle Uberflüssigkeit der Mutter/ so die Weiber jhrer gehabten Monatblumen Abends und Morgens jedesmal auff die vier Untzen der durchgesiegenen Brühen warm trincken/ so machet sie solcher Tranck geschickt zu der empfängnuß/ daß die schlüpfferige Mutter den Samen behalten kann.
            Tormentillwurtzel gestossen unnd ein quintlein mit Wegerichsafft Morgens unnd Abendts getruncken/ treibet fort den verstandenen Harn.
            Wer das drittägig Feber hat/ der soll Tormentillkraut und Wurtzel zerschnitten/ in seinen Wein oder Tranck legen/ unnd stätig darvon trincken/ so weret das Feber nicht lang.
            Tormentillwurtzel zerschnitten unnd also frisch zerstossen/ heylet die Bißt der Schlangen unnd Natern/ wie ein Pflaster darüber gebunden.
            Tormentillwurtzel frisch mit Essig zerstossen/ unnd wie ein Pflaster ubergeleget/ heylet die Bissz der Zißmäuß/ welche Wirckung auch DIOSCORIDES seinem CHRYSOGONO zuschreibet.
            Tormentillwurtzel ist auch ein edel unnd heylsam Wundtkraut/ dann beyde Kraut unnd Wurtzel in Wasser den halben theil eyngesotten/ darnach durchgesiegen/ unnd Morgens und Abends/ jedesmal drey Untzen getruncken/ fürdert nicht allein die Wunden zu jhrer Heylung/ sondern stillet auch die Flüß unnd das Gliedtwasser/ welches offtermals ist probieret worden.
            Auß dem gemelten Kraut unnd Wurtzel machet man auch heylsame Wundtränck/ under welchen der nachfolgende beyde zu gehauwenen unnd gestochenen Wunden bewehret ist/ dann er nicht allein die Wunden unnd Stich von Grundt herauß heylet/ sondern er stillet auch das Gliuedwasser: Nimm Tormentillkraut mit den Wurtzeln zwo Handvoll/ klein Fünfffingerkraut mit den Wurtzeln/ Sinnauw/ jedes anderthalb Handtvoll/ Sonnenguntzel/ Wasserguntzel/ Schwalbenwurtzel/ jedes eine Handvoll/ Eisenkraut/ Schlüsselblumenkraut/ Modelgeer mit der Wurtzeln/ jedes ein halb Handtvoll. Alle gemeldte Stück soll man klein schneiden/ in eine Kannten thun/ unnd darüber schütten anderthalb Maß weissen Weins oder alt Bier/ die Kannte wol verlutieren/ darnach in ein Kessel mit siedendem Wasser setzen/ und zum wenigsten fünff stunden in einem stäten Sud darinn sieden lassen/ darnach wann es kalt worden ist durchseihen/ unnd von diesem Tranck dem Verwunden allen Morgen unnd Abend/ jedes mahl vier oder fünff loth warm zu trincken geben.
            Wider den Schelmen deß Rindtviechs/ wann das Rindviech unnd die Schaaff sehr geyffern mit Hitzen unnd dahin sterben/ soll man jhnen Tormentillwurtzel under jhr Essen vermischen/ das behütet vor solchem/ unnd wann sie aber damit behafftet seyn/ soll man jhnen auff die vier Loth gepülvert Tormentillwasser mit Wasser vertrieben/ eynschütten/ einem Schaaff aber anderthalb loth.
            Wann die Pferdt oder das Rindtviech sehr keichen unnd Lungensüchtig sind/ soll man jnen Tormentillkraut und Wurtzel in jhrem Futer unnd Trincken zu essen unnd zu trincken geben/ unnd auch bißweilen das Pulver darvon mit warmem Wasser eynschütten.

 

Eusserlicher Gebrauch deß Tormentills.
            So einer an seinem Gesicht mangel hette/ der siede Tormentill in Wein/ unnd lege die wie ein Pflaster uber die Augen/ unnd so offt es trucken wird soll ers wider frisch aufflegen/ und das neun Tag nacheinander/ so wird sein Gesicht wider gesund/ unnd ist sonderlich den jenigen dienstlich die helle und klare Augen haben und nicht gesehend.
            Tormentillwurtzel in dem Mundt gehalten und das Kraut unnd Wurtzel gestossen/ folgends uber die Stirn gelegt wie ein Pflaster stillet das Nasenbluten.
            Tormentillwurtzel in Wasser gesotten/ unnd die durchgesiegene Brühe warm im Mund gehalten/ den Mund auch offtermals damit gewäschen unnd außgespület/ festet die wacklenden Zähn/ und vertreibt den ubeln Gestanck derselben.
            Wider die Mundfäul unnd faule Geschwer deß Zahnfleisches unnd der Zungen: Nimb Tormentill/ Schlehenwurtzel die eussersten Rinden darvon/ Sanct Johannskraut/ spitz Salbeyen/ jedes ein Händlein voll. Zerschneid solche Stück und seuds in anderthalb ächtmaß Weins den dritten theil eyn/ seihe es dann durch ein Tuch/ darmit wasch den Mundt/ offt warm auß/ unnd halt es auch darneben lang im Mund/ so heylen sie bald.
            Wider die Fäul deß Zahnfleisches/ seud Tormentillwurtzel in Wasser/ seihe sie durch/ unnd nimb zu einer ächtmaß der durchgesiegenen Brühen/ vier oder fünff loth Rosenhonig/ vermischs durcheinander/ und wäsch das faul Zahnfleisch offtermals damit.
            Den unfruchtbaren Weibern die Empfängnus zu fürdern: Seud Tormentillkraut unnd Wurtzel in Regenwasser/ unnd empfahe den Dampff darvon in die Mutter durch ein Trechter/ unnd stoß die Wurtzel zu Pulver/ vermisch die mit Honig wie ein Pflaster/ streichs auff ein Tuch unnd legs der Frauwen warm uber den Bauch nach jhrer Monatlichen reynigung/ und eher sie beyschläfft.
            Wider das erbrechen/ unnd so man die Speiß nicht behalten kann: Tormentillwurtzel unnd Kraut zwoo Handtvoll Nespelbaumbletter/ Lorbeerbletter/ Wohlgemuth/ jedes eine Handvoll/ weissen Weyrauch zwey loth. Zerschneid und stoß diese Stück klein/ thue sie in ein bequemes Säcklein/ reihe dasselbige mit einem Faden rautenweiß/ daß die Kreuter unnd Weyrauch nicht zusammen lauffen/ seuds darnach in rotem Wein/ unnd preß mit zweyen Tellern auß daß es nicht trieffe/ und legs also warm uber den Magen.
            Wider das Feber: Nimb Tormentillkraut unnd legs dem Krancken under daß er darauff schlaffe/ unnd legs jhme auch in die Schuch daß er darauff gehe.
            Tormentillsafft mit Chamillenölen vermischt unnd ein ungewäschen Woll darinn genetzt und warm ubergelegt/ vertreibet den Schmertzen deß Zipperleins und der Gliedsucht.
            Tormentillkraut unnd Wurtzel zwey theil/ unnd ein theil Quittenbletter in Wasser gesotten/ unnd ein Fußbad darauß gemacht/ stillet den unmässigen Blutfluß der Weiber/ unnd den Fluß der gülden Adern.
            Es ist auch die Tormentill ein uberauß unnd fürtreffenlich Wundkraut/ soll billich nicht allein zu allen Wundträncken sondern auch zu den Pflastern unnd Wundsalben genommen werden/ dann sie säubert unnmd heylet alle Wunden unnd alte flüssige Schäden/ in Wein oder Wasser gesotten/ dieselbigen darmit gewäschen unnd das Pulver dareyn gesäet/ unsere Bartscherer/ Bader/ unnd dergleichen vermeinte Wundtärtzet/ sollten dieses unnd dergleichen Kreuter gebrauchen/ jhre Wundsalben unnd Pflaster darvon machen/ aber sie thun wie die unverständigen groben Eselsköpff/ unnd wöllen jhrer geelen/ grünen unnd roten Wagenschmier bleiben/ und ob man schon diesen Messerschleiffern/ Schatthütmachern unnd Baderknechten von diesen und andern heylsamen Kreutern und Wurtzeln etwas in der Wundartzney vorschlegt/ zu einer Unerrichtung/ darmit sie ein kurtzen schleinigen Weg haben können/ jhre Verwundten ohne die gemelten Karchschmierpflaster/ langes schmieren/ corrodieren unnd ätzen/ zu der heylung helffen/ unnd auch vielen und grossen Unkosten zu ersparen/ werden solche stoltze/ unerfahrne unnd unwissende Eselsköpff/ die sich darfür halten als wann sie alle Künst gefressen hetten/ entrüstet/ sintemal sie solches in der Scher oder Badstuben nicht gesehen haben/ bleiben also Bartscherer/ Baderhütmacher/ Leuth verderber/ unnd grobe unverständige Tölpel und Eselsköpff.
            Tormentillwurtzel zu Pulver gestossen und in die Wunden gestreuwet/ darnach das Kraut unnd Wurtzel gestossen unnd wie ein Pflaster ubergebunden/ stillet das Gliedwasser unnd ist ein Experiment. Andere nemmen Tormentill/ Gallöpffel jedes ein Loth/ stossens zu einem subtielen Pulver/ thuns darnach in ein Gläßlein/ schütten ein gebrannten Wein darüber/ netzen darnach leinine Tüchlein darinn unnd legens in die Wunden.
            Tormentillkraut unnd Wurtzel/ frisch oder grün mit einander zerstossen/ zertheilen unnd vertreiben die Kröpff/ Knollen/ Hartigkeiten/ Geschwulst unnd das under gerunnen Blut/ wie ein Pflaster ubergelegt.
            Tormentillwurtzel ein loth/ Wallwurtzel/ Rhapontick/ SARCOCOLLA, jedes ein halb Loth zu einem subtielen Pulver gestossen/ gibt ein edel Hefftpulver das eine Wunden zu sammen zeucht/ unnd sie besser hefftet und auch ohne wenigern Schmertzen unnd ohne Narben schneller heylet/ als wann sie gleich ein Balbierer oder Baderknecht mit Schusterdräthen zusammen gehefftet hette/ welches ein grössern schmertzen macht/ und lenger zu heylen ist/ als die Wunde selber/ oder grossen unwissenheit und thorheit dieser unverstendigen Leuth.

 

Tormentillwasser.
TORMENTILLAE AQUA STILLATITIA.

 

            Die beste zeit Tormentillwasser zu distillieren ist im Meyen/ Kraut/ Wurtzel unnd Blumen mit einander genommen unnd klein gehackt/ darnach sänfftiglich IN BALNEO MARIAE abgezogen. Ferner nimbt man zu einer jeden maß deß gemeldten Wassers/ vier ubtzen gedörrts Tormentills mit aller Substantz zu einem groblechtigen Pulver gestossen/ vermischts in einer Cucurbit durcheinander/ verlutiert die Cucurbit unnd lässets 24. Stunden in einem warmen BALNEO MARIAE beytzen/ darnach zeucht mans zum andern mal ab/ und rectificirts in der Sonnen/ wie nun offtermals angezeigt worden ist.

 

Jnnerlicher Gebrauch deß Tormentillwassers.
            Tormentillwasser wirdt höchlich gelobt von allen Artzten vor alles Gifft/ dann es treibt nicht allein alles Gifft auß dem Leib/ sondern auch alle böse gifftige Feuchtigkeit und Fäulnuß/ darvon leichtlich die Pestilentz eynnisten mag/ stärcket das Hertz/ stillet die Flüß deß Haupts/ trücknet sie auß/ stärcket die Brust und Lungen/ heylet alle innerliche versehrung unnd verletzung/ verhütet vor der Lungensucht/ stillet die Bauchflüß/ allen Morgen unnd Abendt jedesmal vier oder fünff loth getruncken und den Wein darmit vermischt.
            Tormentillwasser neun Tag nacheinander nach notturfft den Durst darmit zu leschen unnd sonst keinen andern Tranck/ sol von der Wassersucht erledigen/ sintemal dieses Wasser den Harn gewaltig treibt unnd darneben auch ein trucknende Eygenschafft hat.
            Dieses Wasser dienet auch den schwangern Weibern/ dann es stärckt die Frucht in Mutterleibe/ und verhütet vor der Mißgeburt/ bißweilen ein Trüncklein darvon gethan und den Wein darmit gemischt.
            So einer mit der Pestilentz inficiert were/ der mach auff stund nachfolgendes Schweißträncklin: Nimb Tormentillwasser v.loth/ guten Weinessig anderhalb loth/ guten alten Andromachischen Theriack i.quintlein/ der Latwergen vom Eye/ das gülden Eye genannt/ ein halbes quintlein. Zertreibe diese Stück durcheinander unnd mach ein Träncklein darauß gibs dem inficierten Menschen zu trincken/ und lasse jhnen drey oder vier stunden darauff schwitzen.
            Tormentillwasser drey untz genommen unnd i.quintlein der gepülverten Tormentillwurtzel darmit vermischt unnd getruncken/ ist ein Experiment wieder die rote Ruhr unnd die Därmruhr.

 

Eusserlicher Gebrauch deß Tormentillwassers.
            Tormentillwasser ist ein treffenlich gut Augenwasser/ die Flüß unnd nassen trieffenden Augen darmit zu trucknen/ jederweilen ein Tröpfflein oder drey in die Augen gethan/ und leinine Tüchlein darinn genetzt unnd uber die Augen gelegt. Etliche thun ein wenig bereyten unnd wol abgeriebenen TURIAM darzu/ vermischens durcheinander/ unnd thun jederweilen ein par Tröpfflein in die Augen.
            Tormentillwasser ist sehr dienlich den jungen Kindern/ die das Essen im Mundt haben/ dann es heylet die Bläterlein/ so sie offt darmit gewäschen werden.
            Dienet auch zu den Geschweren unnd versehrungen der heimlichen Glieder an Mannen unnd Weibern/ darmit gewäschen und leinine Tüchlein darinn genetzt und ubergelegt.

 

Tormentillwein.
HEPTAPHYLLITES oder VINUM TORMENTILLAE.

 

            Auß dem Tormentill kan amn wie auß dem fünffingerkraut ein nützlichen Wein machen. Der dienet wieder die Hauptflüß die die außzutrucknen und zu verzehren: Deßgleichen vor der Lungensucht zu verhüten/ den weibern die Frucht im Leib zu stärcken/ der Mißgeburt zu wehren/ unnd die Menschen vor der vergifftung deß Pestillentzischen Luffts zu bewahren. Jn summa dieser Wein mag heylsamlich wieder alle obgemeldte Kranckheiten/ iwe die von dem jnnerlichen Gebrauch der Tormentill erzehlt worden sindt/ gebraucht werden.

 

Tormentillwurtzel Conservenzucker.
TORMENTILLAE RADICUM CONSERVA.

 

            Der Conservenzucker von der Tormentillwurtzel wirdt auf folgende weiß gemacht. Nimb frische oder grüne Tormentillwurtzel/ reynige unnd wäsche sie sauber/ schneidt die kleine Würtzlein hinweg/ unnd das oberste schwartz Häutlein. Zerschneid sie darnach scheubelechtig/ schütte frisch Brunnenwasser darüber/ laß sieden so lang biß das Wasser schier eyngeseudet/ darnach stoß sie zu muß unnd streichs durch ein sauber Tuch durch/ darnach thu zweymal so viel Feinzucker darzu/ laß es sittiglich mit einander sieden/ biß zu der dicke einer Latwergen/ darnach hebs auff in einem Zuckerglaß oder Porcellan Geschirr zu dem gebrauch.
            Dieser Conservenzucker ist ein treffenlich Praeservatiff wider die Contagion deß vergifften Pestilentzischen Luffts/ deß Morgens nüchtern einer halben Castanien groß darvon eyngenommen/ unnd einem Kindt einer Haselnuß groß. Es dient auch treffentlich wol vor die Flüß/ dieselbe zu stillen und außzutrucknen/ deß Abendts wann man zu Beth gehen will einer halben Castanien groß darvon gessen. Sonst mag es auch heylsamlich zu allen oben erzehlten Gebrechen gebraucht werden.