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BLASENSTRAUCH
Colutea arborescens- Leguminosae


VON LINSENBAUM

    Der Linsenbaum wächst höher dann ein Mann/ hat einen höltzechten Stamm/ doch nicht so gar dick/ mit viel dünnen Aesten besetzt: Seine Blätter seyn langlecht/ welcher viel an einem Stielein wachsen/ wie an den Wicken/ oder Senetblättern gleich allein dass sie etwas zärter seyn gewinnet gelbe Blumen wie an dem Ginster/ oder Senetbaum/ nach welchen auffgeblasene Schöttlein erfolgen/ welche erstlich grün seyn/ darnach ein wenig purpurbraun werden/ in welchen man kleinen/ harten und runden Samen findet/ wie die Linsen formirt/ eines bittern Geschmacks: Wann man die Schöttlein mit den Händen zerknitschet/ geben sie ein hellen Knall.
    Etliche Simplicisten wollen die SENAM für COLUTEAM halten/ aber sie vergreifen sich zu weit/ dann es ist ein grosser Unterscheid/ sintemal die COLUTEA etliche Jahr bestehet/ aber die SENA wehret kaum etliche Monat.
    Es beschreibet auch THEOPHRASTUS LIB.3. ein COLUTEAM, welche gantz ungleich ist von dieser COLUTEA, dann jhne wächst hoch auff/ unnd gibt einen guten Geruch von sich/ jhr Blätter vergleichen sich den breiten Lorbeerblätternäallein dass sie runder und grösser seyn/ auff einer Seiten grün/ auff der andern weisslicht: Die Rinde ist nicht glatt/ sondern rauch/ so das Holtz dran gar hart und fest/ und uber das/ wird solche COLUTEA langsam funden. Es wächst die COLUTEA viel in Franckreich/ wird auch fast allenthalben in Gärten gezielet/ bringet im dritten Jahr Frucht und Blumen. Blüet vom Majo an biss in Sommer hinein.

Von den Namen
    Linsenbaum wirdt auch genennt Welsch Linsen/ (Schafflinsen.) Lateinisch COLUTEA.

Von der Natur/ Krafft und Eygenschafft der Welschen Linsen
    Es wöllen etliche MEDICI, dass die Welsche Linsen einerley Krafft und Tugendt haben mit den Senetblättern: Aber MATTHIOLUS ist gar nicht der Meynung: Jedoch vermeldet er/ dass sie wol ein Krafft haben zu purgiren/ dieweil sie sich dem Senet und dem Ginster vergleichen/ aber mehr oben auff dann untersich.
    Etliche als BRASSAUOLUS sagen/ man muss sie in grösserer DOSI geben/ dann die Senet/ so purgiere sie auch.
    DODONAEUS meldet auss dem THEOPHRASTO, dass die Alten die Schaff mit dem Samen gemästet haben/ daher es auch Schafflinsen genannt wird/ wie die nachfolgende Geschlecht.


VON SCHAFFLINSEN

    Zu den vorigen Welschen Linsen/ werden auch von MATTHIOLO, CAROLO CLUSIO und andern mehr/ diese Schafflinsen gerechnet/ welcher der Author vier Geschlecht erzehlet.
    l. Das erste wird genennt Schafflinsen mit Scorpionskrautschöttlein/ ist ein Bäumlein zwey oder drey Ehlenbogen hoch/ mit schwancken starcken Aesten/ welche sich in viel andere Zweyglein abtheilen: An dem Nebenästlein hat es sieben oder neun Blättlein stehen/ je zwey gegen einander gesetzt ohn das öberste/ so allein stehet/ den Blättern der Welschen Linsen beynahe gleich/ allein dass sie grüner seyn/ eines bittern und unfreundlichen Geschmacks/ an den Aesten kommen herfür dünne und zarte Stielen/ an welchen gemeyniglich zwo Blumen hangen/ an Farben und Gestalt den Welschen Linsenblumen gleich/ aussgenommen dass sie kleiner seyn/ unnd ein wenig lieblich riechen. Nach den Blümlein erfolgen langlechte/ runde Schöttlein/ gleich als mit etlichen Gleychen abgetheilet/ in welchen langlechter/ glatter unnd brauner Same liegt/ eines unfreundlichen Geschmacks/ in einem jeden Gleych nur ein Sämlein. Die Wurtzel ist holtzecht/ und spreytzt sich weit und breyt auss.
    ll. Das ander Geschlecht bleibet viel kleiner und nidriger dann das vorige/ ist aber dem selbigen fast gleich/ gewinnet auch an einem Stielein fünff oder sieben Blättlein/ wie das vorige/ träget auch dergleichen Blumen/ je zwo an einem Stiel: Seine Aest oder Gerten sey einer Spannen hoch/ welche dess Winters mehrer theils vergehen/ kommen aber im Früling widerumb herfür: Die Schotten unnd der Samen darin/ seyn gantz unnd gar gleych/ wie im vorigen Geschlecht so ist auch die Wurtzel hart und holtzecht/ und breytet sich weit auss.
    lll. Das dritte Geschlecht hat eine dicke holtzechte Wurtzel/ mit einer gelblechten zähen Rinden umbgeben unnd gantz faselecht. Auss derselbigen wachsen alle Jahr viel Gerten oder Ruhten/ eines Schuchs hoch/ bissweilen auch eines Ehlenbogen hoch/ glatt/ grün/ und zähe/ lassen sich leichtlich biegen/ an welchen andere zarte Aestlein herfür wachsen mit 5. 7. oder 9. Blättlein besetzet/ welche ein wenig grösser seyn dann an der POLYGALA HISPANICA, oder auch den vorigen etwa gleich/ erstlich eines trucknen/ darnach bittern geschmacks. Oben an den Aestlein uberkompt es viel gelbe Blumen/ gleich wie ein Kron beysammen gesetzet/ an Gestalt den vorigen gantz verwandt/ keines lieblichen Geruchs/ nach welchen die Schöttlein erfolgen/ in welchen der Same liget/ wie in der POLYGALA HISPANICA.
    lV. Das vierdte Geschlecht/ ist den vorigen gantz und gar in allen Stücken gleich/ aussgenommen/ dass es kleiner ist. Die zwey erste Geschlecht wachsen in Ungern und umb Wien herumb/ (auch umb Basel) blühen im Majo/ wie auch das dritte Geschlecht.

Von den Namen
    Diss Gewächs wird Teutsch genennt Schafflinsen mit Scorpionskrautschöttlein/ dieweil sich die Blätter den welcken Linsen/ die Schöttlein aber/ den Schötlein dess Scorpionenkrauts vergleichen. Lateinisch COLUTEA SCORPIOIDES.
    Wozu aber diese Gewächs in der Artzney zu gebrauchen seyn/ ist noch ungewiss/ ist auch nichts darvon vermeldet. Die Alten haben sie gebraucht jhre Schaff darmit zu mästen.