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BASTARD-MOHN
Papaver hybrdum - Papaveraceae


VON DEN FELDRÖSSLEIN

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    Dieweil wir in dem vorgehenden Capitel der Argemone Rösslein gedacht/ haben wir in diesem Capitel die Feldrösslein zu beschreiben nicht wöllen underlassen/ sintemal sie ein grosse Gleichheit mit den Argemonerösslein haben/ seynd aber derselben zwey Geschlecht.
    l. Das erst Geschlecht hat ein kleines/ dünnes/ holtzechtiges Würtzlein/ darauss wächst ein einziges Stenglein einer Spannen lang/ die Bletter daran vergleichen sich dem Nardenkraut oder schwartzen Coiander. Jm Anfang dess Brachmonats kommen am obertheil der Stengel und Nebenästlein herfür/ die schöne/ kleine/ rote Menigfarbe Rösslein/ deren jedes vier Blätlein hat/ die vergleichen sich fast den kleinen Klapper Rösslein. Nach der Blüth folgen kleine/ stachlechte Kölblein oder Köpfflein/ das ist der Samen/ je ein Sämlein am andern gedrungen/ die seynd stachlecht wie die Binetschsamen.
    ll. Das ander Geschlecht ist dem jetztgemelten mit Wurtzeln/ Stengel/ Bletter/ Blumen und Samen durchauss gleich/ die Blumen aber seynd schön weiss/ wie die anderen Menigrot seynd. Beyde Geschlecht wachsen gern in den Speltz und Weitzenfeldern/ doch wird das Meinigrot geschlecht mehr und uberflüssiger gefunden/ als das weiss/ welches seltzamer ist/ und weniger gesehen wird.

Von dem Namen der Feldrösslein
    Etliche in der Erkantnus der Kräuter unerfahrne/ die confundieren die rote Chamillen mit den Feldtrösslein/ als wann diese beyde einerley Gewächss weren. Und obwol die Feldrösslein/ so vieldie Bletter und die Farb der Blumen/ wie auch das gantz Gewächss/ mit der roten Chamillen etlicher massen ein Gleichheit haben/ so ist doch dieses ein mercklicher grosser unterscheid/ dardurch diese beyde Kreuter von einander können underscheiden werden/ dass die rothe Chamillen an jeder Blumen sieben Blätlein hat/ und an den Feldrösslein nimmer mehr dann vier gesehen werden.
    Wie aber diese Kreutlein bey uns Feldrösslein genant/ bey den Alten sey geheissen worden/ ist uns noch unbewust/ sintemal es auch sonst keiner nicht angezeiget/ oder besonders darvon geschrieben hett. Sonst wird es von wegen der stachlechten köpfflein oder kölblein von unsern Kreutlern ACULEATA genant/ dannenher auch der berühmpte Kreutler HIERONYMUS TRAGUS es darfür gehalten/ dass es seye das ANEMONE ACULEATA PLINII, welches er LIB.21.CAP.16. gedencket/ Dieweil es aber mit den Anemone Rösslein/ durchauss kein Gemeinschafft oder Gleichheit hat/ wöllen wirs auch ACULEATAM mit andern Kreutlern nennen.

Von der Krafft/ Wirckung unnd Eigenschafft der Feldtrösslein
    Es seyndt die FeldtRösslein temperirter wärmbde/ haben aber noch zu unser Zeit keinen Gebrauch in der Artzeney/ derowegen wir auch weiter davon auff dissmal nichts schreiben können.