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BALDRIAN
Valeriana off. - Valerianaceae


VON DEM THERIACKKRAUT UND BALDRIAN

 

    Es haben DIOSCORIDES unnd andere alte Lehrer nicht mehr als ein Geschlecht dess Baldrians beschrieben/ Wir haben zu unser jetziger Zeit fünff underschiedliche Geschlecht/ die doch so viel deren Kräfft unnd Wirckungen belangen thut/ keinen underscheid haben.
    l. Das erste und wahre Geschlecht der Alten/ hat ein hin und widerfladernde Wurtzel/ schüppechtig unnd gleychechtig wie die Kalmuswurtzel/ eines kleinen Fingersdick/ mit vielen kleinen angehenckten/ geelfarben Würtzlein in einander geflochten wie die Christwurtz. Die jungen Blätlein so erstlich im Früling herfür kriechen/ vergleichen sich dem Wintergrün/ seyndt doch nicht zerkerfft/ von Farben geel oder Schweitzergrün/ die aber an Stengeln wachsen/ die werden zerschnitten oder zerspalten/ gleich schier wie die Bletter der gemeinen Scabiosen. Die stengel deren es zween oder drey hat/ seynd zart/ glatt/ mit Gleichen underscheiden/ und jnwendig hole/ einer Elen lang und auch lenger/ auff Purpurfarb geneiget/ die spreyten sich oben auss in viel kleiner Gabelzincken/ darauff weisse Blümlein wachsen/ den Blumen dess Attichs änlich/ welche zu letzt mit den Samen/ so er zeitig ist von dem Wind hin unnd wider getrieben werden/ wie der Lattich oder Endiviensamen. Es hat die Wurtzel dieses Gewächs ein lieblichen starcken Geruch/ auff die Art der Marien Magdalenen Blumen oder wie der jndianisch NARDUS. Es wird den mehren Theil bey uns in den Gärten gepflantzt/ wiewol es auch in den Wälden unnd etlichen hohen Bergen in Teutschland gefunden wirdt/ doch gleichwol selten/ aber in dem Bitscherwald/ zwischen Materhausen unnd dem Stättlein Reichshofen/ wächst es in zimlicher Menge/ da ich und der wit berühmbte PHILOSOPHUS GUILIELMUS TURNERUS erstlich gefunden und gesamblet haben/ sonst hab ichs von sich selbst wachsen nirgends gefunden. Wann man es in die Gärten pflantzet/ darff es keiner sonderlichen Wartung/ dann es hat die Art/ dz es sich selbst mehrt/ unnd täglichen junge Augen auss der kriechenden Wurtzel stosset/ darmit es baldt ein grossen Platz einnimbt unnd mit jungen stöcklein uberspreitet/ welche so man sie abreiset und versetzet/ wachsen sie schön.
    ll. Das ander Geschlecht und unser gemeiner Baldrian/ ist mit Bletter/ stengel und Blumen nit kleiner dann der erst/ wiewol er auch bissweilen zwoer Elen hoch gefunden wird. Die Bletter seynd zerspalten wie das Genserichkraut von Farben schwartzgrün. Die Wurtzel ist kleiner und abgebissen wie die Abbisswurtzel/ mit vielen Zaseln oder Nebenwürtzlein/ eines guten Geruchs/ gleich der vorigen/ doch etwas geringer. Am obern theil der Stengel bringt es auff den Nebenzincken/ schöne/ weisse/ gedrungene Blümlein/ wie die Crönlein oder Schatthütlein. Es wechst hin unnd wider an feuchten Awen/ an den Bächen/ Matten und Gräben. Dieser Baldrian erjünget und meret sich auch jährlich von der fladernten und kriechenden Wurtzel/ wie oben von dem andern angezeigt worden.
    lll. Berg Baldrian / VALERIANA MONTANA
    Das dritt Geschlecht ist kleiner dann das jetztgemeldt mit Wurtzel/ Stengel/ Bletter unnd Blumen/ unnd seynd die Bletter weisslechtig oder Eschenfarb wie die Bletter dess Genserichs/ die Blumen seynd Leibfarb/ eines guten Geruchs wie auch die Wurtzel. Dieses Geschlecht wechst in Wälden und auff den Bergen/ dessgleichen in abgehauwenen Wälden oder Rödern/ und ist das mittel Geschlecht.
    Das vierte Geschlecht hat ein dünne/ lange/ fladernde Wurtzel/ mit vielen kleinen Würtzlein oder Zaseln behenckt/ die ist eines lieblichen Geruchs/ wie die Wurtzel dess ersten und grösseren Baldrians/ Die understen Bletter die von der Wurtzel herauss wachsen/ seyndt dem Wintergrün ähnlich/ die andern aber die vom Stengel herauss wachsen/ seynd zerspalten/ klein und spitzig/ schier wie der Gartenkress. Der Stengel ist rundt/ und nicht eines Strohalms dick/ eines Schuchs lang. Die Blümlein seyndt den Blumen der gemeinen Baldrians ähnlich. Es wächst häuffig in feuchten Grassgründen/ in Büschen/ dessgleichen in sumpffechtigen Auwen und Wiesen. Es ist under allen Geschlechten dess Baldrians keines/ das sich mehr mit dem rechten und erst beschriebenen PHU der Alten vergleichet/ als eben dieses.
    V. Das fünffte Geschlecht ist dem jetztgemelten nahe verwandt/ sonderlich so viel die Wurtzel anlangt/ aber die Bletter sind schmäler und lenger/ die Wurtzel ist sehr starck und wolriechender als keins under allen Geschlechten der Baldrianen/ es ist mir zugebracht worden auss Apulien von dem Berg Gargano/ oder dess Heiligen Engels Berg genannt/ unnd hat noch keine Blumen gehabt/ aller Form und Gestalt wie ichs hiebevor hab abreissen lassen.
    Vl. Das sechste Geschlecht ist das aller kleinest/ hat kleine/ schmale/ gespaltene Blätlein/ viel kleiner als dess kleinen jetztgemeldten Baldrians/ die stengel werden nicht uber Spannen hoch/ die Blümlein bringt es auff kleinen Crönlein/ die seyndt schön Leibfarb/ Das Würtzlein ist weisslechtig/ sehr klein/ mit ein wenig Zäselein behenckt/ unnd eines lieblichen Nardengeruchs/ wie die Apulisch Baldrian. Dieses Geschlecht wechst an Sonnreichen Orten/ unnd zwischen den Felsen herauss. Dieses haben wir erstmals/ funden im Jahr sechzig fünff in Hoch Burgundien in dem Gebirg bey Bisantz/ und in den Berghäusern Argue und Mufacon.

Von den Namen der Baldriankreuter
   Der Recht unnd warhafftig Baldrian der Alten ist unsern Apoteckern unnd den gemeinen Artzten/ sonderlich aber den Kalendermachern/ nu lange Jahr herunbekannt gewesen/ aber nun mehr durch Hülffe der erfahrnen/ gelehrten Artzten und Simplicisten/ in den Gärten/ und folgendt auch in die Apothecken zum Gebrauch dess Theriacks und andern Compositionen/ widr kommen/ unnd wirdt Lateinisch PHU, und von Plinio NARDUS CRETICUS genannt. Von den Kreutlern wirdt er zum Underscheidt der andern Geschlechter/ PHU PONTICUM, und VALERIANA PONTICA genannt/ dieweil das rechte PHU der Alten ist/ wie es in PONTO wechst. Dessgleichen/ HERBA THERIACA, HERBA DIVI GEORGII, THERIACARIA, HERBA DIVAE MARIAE MAGDALENAE, GEORGIANA, von dem Aussleger SERAPIONIS, SISTRA SPICA SYLVESTRIS, und von THEOPHRASTO PARACELSO, TERDINA. Die Apotecker nennens FU, wie auch die gemeinen PRACTICI. Hochteutsch Welscher Baldrian/ wilder Kalmus weiln die Wurtzel dem Kalmus ähnlich sihet/ Gartenseliung/ Teriniskraut/ Theriackskraut od Tyriackskraut/ Speerkraut und S. Georgenkraut.
    ll. Das zweyte Geschlecht wirdt von den Kreutlern VALERIANA MAJOR und VALERIANA ohn einigen Zusatz genandt. Dessgleichen VALERIANA SYLVESTRIS, GENICULARIS, DANIA MAIOR, BALLARINA, ANTILLA, HERBA VALENTIA, MACORELLA, MATURESIA, NANCILLA, HERBA BENEDICTA, VALENTIANA, BALDRIANA, MARINELLA und MARCINELLA. Hochteutsch/ Baldrian/ Balerian/ Katzenwurtzel/ grosser Dennmarck/ Augenwurtzel/ Wendwurtzel unnd grosser Baldrian.
    lll. Das dritte Geschlecht dess Baldrians welches in Wälden unnd auff den Bergen wechst/ wirdt von den Kreutlern VALERIANA MEDIA und VALERIANA MONTANA genennet/ zu Teutsch/ Bergbaldrian.
    lV. Das vierdte Geschlecht wirdt von den Kreutlern genannt/ PHU MINUS, DANIA MINOR und VALERIANA MINOR. Hochteutsch/ kleiner Baldrian.
    V. Das fünffte Geschlecht haben wir PHU PETRAEUM, VALERIANAM SAXATILEM, und zu Teutsch Steinbaldrian genannt.

Von der Natur/ Krafft/ Wirckung und Eigenschafft der Baldrian
    Alle Geschlechter der Baldrian haben eine Krafft unnd Natur zu erwärmen/ zu trucknen/ unnd auff zu lösen/ seynd warm unnd trucken im anderen Gradt/ unnd seyndt die wurtzeln deren Kreuter am kräfftigsten/ darunder hat das erst Geschlecht den Vorzug/ darnach der Bergbaldrian/ folgends der klein Baldrian/ darnach der grösseste unnd gemeine. Der Apulische Bergbaldrian mag dem ersten Geschlecht gleich gerechnet werden von wegen seines fürtrefflichen Geruchs. Der Steinbaldrian aber dem dritten Geschlecht/ Bergbaldrian genannt.

Jnnerlicher Gebrauch dess Baldrians
    Es werden alle Geschlechter dess Baldrians höchlich gepriesen/ das dunckel unnd halb verloren Gesicht wider zu bringen/ dieselbigen jnnerlich auff alle Weiss gebrauchet/ seye in Speiss oder Tranck/ oder aber in der Artzeney. Es schreibet der weitberühmbte HIERONYMUS BRUNSUICENSIS, wie dass ein Goldschmitt vor zeiten zu Würtzburg gewohnet/ der hat mit der gemeinen Baldrianwurtzel sein Gesicht dermassen geschärpffet/ dass er auff ein zweygebrochene Nadel einen Löwen mit allen kenntlichen Gliedtmassen/ hat stechen können/ der hab täglichen dess Pulvers dieser Wurtzeln ein wenig nüchtern genützet/ und darvon so ein scharpffes Gesicht bekommen/ welches mir Ursach geben solches nicht zu verachten/ hab auch nachmals diese Wurtzel in Augenkranckheiten allein und auch mit andern Artzeneyen gebrauchet/ darmit ich grosse Curen vollbracht/ und solche ding aussgerichtet/ darüber sich männigliche verwundern müssen/ wil allein ein Exempel hie anzeigen. Es war ein Nassawischer Keller zu Kirchheym Polandt/ mit Namen Henrich Krämer/ der hat sein Gesicht verlohren/ dem hatten zween Landtfahrer wöllen helffen und Rath thun/ darvor sie 30. Thaler zur belohnung entpfangen/ aber diese Gesellen hatten dem guten Mann nicht allein nit geholffen/ sondern auch dermassen verderbt dass er neben dem er gar blindt ware/ auch einen solchen unleidlichen schmertzren gemacht/ also dass er weder Tag oder Nacht Ruhe hatte mögen haben/ darneben auch gar kein Glast von dem Tag oder Liecht nit leiden können/ dass man jn derwegen in einem gar finsteren Gemach hat halten müssen/ und wann ein Glast oder Tagschein jhnen under Augen nur ein wenig berührte/ würde sein schmertzen dermassen geschärpfft dz man vermeinte er würde von Sinnen kommen. Als ich nun der zeit zu weylandt dem wolgebornen Graffen unnd Herren/ Herrer Adolphen Graffen zu Nassaw und Sarbrücken/ Herren zu Lhar/ (zc?) meinem gn Herrn/ deren bestellter MEDICUS ich von Hauss auss gewesen/ gen Kirchheym beruffen wurde/ jren Gn. in deren zu gestandenen Leibschwachheit zu rathen und zu dienen/ wurde ich daneben auch zu gemelten jrer Gn. Keller erfordert/ den ich nach allem gnugsamem Bericht seines Gebrechens/ auch in mei CURAM name/ und jhm sein Gesicht sampt Milterung dess grossen unleidlichen schmertzens/ durch Gottes dess Allmächtigen gnädige Hülff jnnerhalb xxx. Tagen widerumb restituirt/ dz er wiewol er ein 66. jähriger Mann/ widerumb biss in seinen natürlichen Tod hat lesen/ rechnen und schreiben können/ welche Cur ich dann allein den mehrentheil durch die Wurtzel dess gemeinen Baldrians und anderer Artzeneyen so ich darauss bereytet/ zu wegen bracht habe/ was ich sonst mehr zu manigmalen fruchtbarliches darmit aussgericht habe/ wil ich hie an zu deuten auff dissmal eynstellen/ habe allein andern zu gutem bericht/ dz gemeldte einige Exempel wöllen anzeigen. Die Wurtzel dess gemeinen Baldrians zu einem reinen Pulver gestossen/und je uber den andern Tag ein halbes quintlein mit einem Trüncklein Weins zertrieben und eyngenommen/ vertreibt alle Mängel die dz Gesicht hindern/ macht ein scharpffes Gesicht unnd erhaltet dasselbig biss zum Ende dieses zeitlichen Lebens. Gemeldte Pulver mag man auch mit Saltz/ oder sonst in der Kost heylsamlich zu Erhaltung dess Gesichts gebrauchen.
    Baldrianwurtzel mit Fenchelsamen/ Aniss/ Süssholtz und kleinen Roseinlein/ in Wasser oder Wein/ nach eines jeden Gelegenheit gesotten/ darnach durchgesiegen/ den Tranck mit gescheumptem Honig oder Zucker süss gemacht/ und allen Morgen und Abendt/ jedesmal ein kleines Tischbecherlein voll darvon warm getruncken/ vertreibet den Husten/ das Keichen und Engbrüstigkeit/ und machet ausswerffen.
    Wider das Keichen unnd schwerlich athmen/ mach folgenden bewehrten Tranck: Nimb Baldrianwurtzel iii.loth/ Süssholtz geschaben unnd klein geschnitten/ Alandtwurtzel/ jedes anderhalb loth/ Nesselwurtzel/ Florentinisch Veielwurtzel/ jedes i.loth/ frischer/ feister gewäschener Korbfeygen/ an der Zahl xiv./ Feigenträublein von den Kernen gereynigt iiii.loth/ Fenchelsamen/ Anissamen/ Rosshuffwurtzel/ jedes ein.loth/ Apostemenkraut/ dürren Ysop/ Andorn/ Frawenhaar/ Ehrenpreiss/ jedes ein halbe Handvoll/ Alle gemeldte Stück soll man klein schneiden/ darnach in ein bequeme Kannten thun/ unnd noch ferner darzu Penidzucker/ Canditzucker/ jedes iii.untzen/ dann darüber schütten guten fürnen Wein/ frisch Brunnenwasser/ jedes (xlviii.) Untzen/ Den Ranfft der Kannten sollman wol verkleiben/ die Kannten darnach in ein Kessel mit Wasser setzen/ und fünff oder sechs Stunden mit stätem Fewer lassen sieden/ und wann die Materi darinnen von sich selbst ist kalt worden/ soll man sie darnach durch ein Tuch seyhen zum Gebrauch. Von diesem Tranck gib dem Krancken Morgens und Abends jedes mal vier Untzen zu trincken.
    Wider dz Seitengeschwär PLEURIRIM, Nimb der Wurtzeln dess zamen Baldrians ein Handtvoll/ säuber unnd reinige sie wol/ zerschneide sie klein/ thue sie in ein bequemes Geschirr/ schütte darüber (1c?) untzen frisch Brunnenwasser/ lass sittiglich uber einem linden Fewerlein ohne Rauch den dritten Theil eynsieden/ darnach seyhe es durch ein Tuch/ thu darzu guten Jungfrawen Honig acht untzen/ lass es widerumb sieden unnd verscheum es wol/ darnach seyhe es noch einmal ab/ unnd gieb dem Krancken dess Morgens unnd Abendts/ dieses Trancks/ jedes mal vier Untzen warm zu trincken/ es ist eine gewisse Artzeney.
    Baldrianwurtzel in Wein gesotten unnd Morgens unnd Abendts dess durchgesiegenen Weins/ jedesmal auff vier oder fünff Untzen warm getruncken/ vertreibet das Seitenweh/ zertheilet die Winde im Leib/ treibet den Harn/ dienet wider den Kaltseych oder Harnwinde/ und fürdert die verstandene Blumen der Weiber. Solches thut auch so man die Wurtzel zu einem subtielen Pulver stösset/ und auff einmal eines Quintleins schwer mit weissem Wein zertrieben warm trincket.
    Baldrian obgemeldter massen in weissen Wein gesotten und darvon Morgens und Abends/ jedes mal vier untzen warm getruncken/ eröffnet die Verstopffung der Lebern und dess Miltzes/ vertreibet die Geelsucht/ reyniget die Harngäng/ Nieren und Blasen/ führet auss das Griess und den Stein/ das thut auch die Wurtzel zu Pulver gestossen/ und ein quintlein auff einmal mit warmem Wein getruncken/ dienet auch wider die Wassersucht/ gleicher gestallt gebraucht.
    Baldrianwurtzel zu einem subtielen Pulver gestossen/ unnd ein zeitlang nacheinander allen Tag ein halbes oder gantzes Quintlein/ je nach Gelegenheit unnd Alter der Personen die es gebrauchet/ mit Milch unnd einem frischen Eyerdotter eyngenommen/ ist ein bewehrte Artzeney wider allerhand Brüch/ beyde an jungen unnd alten Leuten. Den jungen Kindern ist genug so man jhnen ein dritttheil eines quintleins auff einmal eyngibt.
    Gepülvert Baldrianwurtzel eines Quintleins schwer mit einem Träncklein Weins zertrieben und warm getruncken/ dienet wieder die auffblehung dess Miltzes unnd verhaltenen Harn.
    Theriackwurtzel klein geschnitten und gedörrt in Wein gesotten unnd getruncken/ hilfft wider den verhaltenen Harn und das tröpfflingen harnen.
    Wider den Stein/ schmertzen unnd Gebrechen der Nieren: Nimb der Wurtzeln der zamen Baldrian/ Beerwurtzeln/ Haselwurtzel/ Marien Magdalenenblumen/ jedes ein Theil. Stosse diese stück zu einem subtielen Pulver/ schlags durch ein reynes härins Sieblein/ unnd gib darvon wann die Notthurfft erfordert eines Quintleins schwer/ mit Meth oser Honigwasser zertrieben.
    Theriackskrautwurtzel gepülvert unnd gleicher Gestalt mit Wein warm getruncken/ dienet wider die Bissz unnd Stich aller unreinen vergifften Thier. Etliche bereyten nachvolgendes Pulver wider alles Gifft. Sie nemmen die Wurtzel dess zamen Baldrians/ Beronienkraut mit den Blumen/ wild Rautensamen/ jedes gleichviel/ stossen das zu einem subtilen Pulver/ unnd geben darvon ein Quintlein oder anderhalbes mit Wein zu trincken.
    Wider die Pestillentz ein köstlich Pulver: Nimb die Wurtzel dess Theriackskrauts/ ausserlesenen Mastix/ jedes ii.loth/ Armenischen BOLUS, versiegelt Erden/ Muschatenblüth/ weiss Bibernellenwurtzel/ Weisswurtzel/ Tormentillwurtzel/ der Welschen Pimpernellenwurtzel/ Alantwurtzel/ Teuffelsbisswurtzel/ Drachenwurtzel/ Meisterwurtzel/ weiss Diptamwurtzel/ jedes i.loth. Alle gemelte Wurtzeln soll man klein schneiden/ mit den andern stücken vermischen/ folgends zu einem reynen Pulver stossen/ surch ein härins Sieblein schlahen/ und darnach in einem lidernen Säcklein zum Gebrauch verwahren. Wann nun einen die Pestilentz angestossen hette/ der nemme von diesem Pulver eins quintleins schwer/ und so viel guten Theriack oder Methridat dazu/ gedistilliert Baldrianwasser v.loth/ Grassneglenessig i.loth. Solche Stück vermische durcheinander zu einem Schweisstrüncklein/ unnd schwitze darauff zum wenigsten iii.Stunden/ das treibet alles schädliches Gifft beydes durch den Schweiss und Harn gewaltiglich auss.
    Es mag einer auch zu einem PRAESERVATIVO auss dem Pulver jhme gute Küchlein mit Baldrian oder einem andern bequemen gedistillierten Wasser bereyten lassen/ unnd dess Morgens ein par darvon nüchtern essen.
    Ein ander köstlich Pulver wider alles Gifft unnd die Pestillentz/ das macht man also: Nimm der Wurtzeln dess zamen Baldrians iii.loth/ Aronwurtzel anderhalb loth/ Wasserbathengel i.loth/ Armenischen BOLUS, der gerechten versiegelten Erden/ jedes iii.quintlein/ Bibernellenwurtzel/ Candischen Diptam/ jedes dritthalb quint. der öbersten Knöpfflein von Harthewkraut i.quint. Alle gemelte stück soll man vermischen und zu einem subtielen Pulver stossen/ darnach durch ein reynes härins Sieblein schlahen/ und zu dem Gebrauch wie dz vorgemelte Pulver bewahren/ unnd gebrauchen/ es seye zu Schweissträncklein/ Küchlein oder derengleichen Confecten/ nach einer jeden Gelegenheit.
    Theriackkrautwurtzel/ oder die Wurtzeln der andern grossen und kleinen Baldrianen/ welche man jederzeit haben kan zu Pulver gestossen/ und ein quintleins schwer darvon mit Wein oder einem andern bequemen gedistillierten Wasser eyngenommen/ treibet den Schweiss gewaltiglich/ unnd führet damit alle böse Feuchtigkeit auss/ unnd ist sonderlich dienstlich eyngenommen wann man in das Bad wil gehen.

Eusserlicher Gebrauch der Baldrianen
    Es seynd alle Baldriankreuter heylsame Augenkreuter fast nützlich zu dem blöden Gesicht/ welches man auch von den Katzen warnemmen kan/ die jhre sonderliche Kurtzweil mit diesen Gewächsen haben/ sonderlich aber mit der gemeine Baldrian/ jhr Gesicht darmit zu stärcken und zu schärpffen.
    Gemeiner Baldrian mit Kraut und Wurtzel zerschnitten/ und in weissem Wein gesotten/ machet helle und klare Augen dieselbigen darmit gewaschen/ und jederweilen ein Tröpfflein oder etliche darein gethan.
    Wann die Augen das Licht nicht mögen leiden/ so nimb geläutert Baldriansafft ii.loth/ Eppichsafft/ Bergwincksafft/ alle geleutert/ jedes i.loth. Vermische die durch einander/ netze leinine Tüchlein darinnen und lege die uber die Augen/ unnd so offt sie trucken werden/ so erfrisch sie wieder.
    Wider die Flecken und Fell der Augen: Nimb Baldriankraut mit der Wurtzel ii.Handvoll/ Wegwartenkraut mit den blumen/ Basilgenkraut/ Beerwinck/ Fenchelkraut/ Weinrauthen/ die brossam von einem Rockenbrodt/ jedes i.Handvoll/ Zerschneide alle Kreuter klein mit den Wurtzeln und riebel die brodbrossam gar klein/ vermische diese stück alle durch einander unnd thue sie in ein bequemes küpfferins Geschirrlein/ schütte daruber ein guten alten weissen Wein dass er mit gemelten stück blösslich bedeck/ lasse also iii.tage mit einander beytzen/ darnach distilliers mit sanfftem Fewer IN BALNEO MARIAE, und behalts zum Gebrauch. Von diesem Wasser thue einem täglichs viermal/ jedesmal ein Tröpfflein oder iii. in die schadthafften Augen biss so lang dass sie gar verzehret seynd.
    Baldrian mit der Wurtzel also frisch zerstossen und wie ein Pflaster auffgelegt/ stillet das Hauptwehethumb/ und leget die schmertzlichen Schüss derselben.
    Wider die roten/ blutigen Augen die mit Blut underlauffen seynd: Nimb Baldriansafft/ Hausswurtzsafft/ Eppichsafft/ Wegrichsafft/ jedes ii.loth/ Vermische darunter die brossam von einem Weitzenbrod das nicht gesaltzen ist/ und temperiers zu einem Pflaster das nit zu hart seye/ lege es darnach zwischen zweyen leininen Tüchlein uber Nacht uber die Augen/ es hilfft/ vertreibet unnd zertheilet die Röte und das Blut/ und ist ein Experiment.
    Frisch Theriackkraut oder aber Baldrianwurtzel klein geschnitten oder gestossen in ein Glass gethan/ und ein Chamillenölen darüber gegossen/ darnach ein Woch oder drey in die Sonn gesetzet/ folgends abgesotten uber einer Glut biss alle Safftigkeit verzehret ist/ durch ein Tuch hart aussgedruckt und gesiegen/ ist solches Oele ein edel Artzeney zu den schwachen unnd erlahmeten Gliedern/ die von langwieriger Leibschwachheit unnd Kranckheit geschwecht worden seynd/ so man dieselbigen allen Tag dess Morgens und Abends damit salbet.
    Baldriankraut mit der Wurtzeln zerschnitten und in Wasser gesotten/ darnach den warmen Dampff darvon durch ein Trachter dess Morgens und Abendts in die Mutter empfangen/ fürdert die verstandene Monatblumen. Das thut auch so man auss gemeldtem Kraut ein Lendenbad machet. Die erkalten Weiber so unfruchtbar sind sollen solche Lendenbäder von dem Baldriankraut und wurtzel gebrauchen/ die Geburt glieder damit zu reynigen und zu erwärmen.
    Baldriankraut uber Jahr zu den Schweissbädern gebrauchet/ treibet nicht allein den Schweiss gewaltig/ sondern führet auch darmit alle böse kalte Feuchtigkeit auss.
    Baldriankraut mit der Wurtzeln zerschnitten und gestossen/ darnach mit ein wenig Weins gesotten zuvor in ein Säcklein gethan/ folgendts mit zweyen Tellern aussgeprest/ unnd so warm man es leyden kan uber die Scham geleget/ treibet nicht allein den verhaltenen Harn auss/ sondern führet auch den blasenstein auss.
    An die baldrianwurtzel gerochen/ trucknetdz flüssig Häupt/ unnd ist nütz den bösen/ vergifften Pestillenzischen Lufft zu verändern unnd demselbigen widerstandt zu thun/ derowegen etliche in Sterbensläuffen diese wurtzel in Essig beytzen/ unnd in hültzenen büchsslein bey sich tragen/ daran ohn Underlass zu riechen.
    Man pflegt auch die Wurtzeln im Frühling zu graben/ darnach auff zu trücknen/ und in die Truhen und Kleyderschenck/ zwischen die Kleyder zu legen/ die theylen den Kleydern einen guten Geruch mit/ unnd bewahren sie vor den Würmen unnd Motten.
    Etliche hencken die Baldrianwurtzel also frisch an den Halss wider das tägliche Feber/ lassen also am Halss verdorren.
    Wider die Pestillentzbeulen macht man ein nützlich Pflaster wie folget: Man nimpt der frischen Baldrianwurtzel xii.loth/ Attichwurtzel sechs loth/ Liebstöckelkraut unnd Wurtzel/ jedes zwey loth. Solche stück schneidet man auffs aller kleinest/ stössets darnach in einem Mörsel zu Muss/ folgendts tht mans in ein Pfann/ schüttet gedistilliert Majeranwasser darüber so viel von nöthen ist/ unnd noch ferner acht loth Chamillenölen/ solches seudet man zu einem Pflaster/ streichet darvon auff ein Tuch/ und legts warm uber/ dz zeucht alles böses Gifft herauss/ man muss aber dess Tages einmal oder drey erfrischen/ auch dess Nachts so offt es trucken und hart wirdtEtliche nemmen zu den gemeldten Beulen Baldrianwurtzeln/ Liebstöckelkraut unnd Wurtzeln/ jedes gleich viel/ thun dazu ein par gebratener Lilgen Zwibeln/ schneidens unnd stossens klein/ siedens darnach in einer starcken Laugen/ biss es wirdt wie ein Brey/ und machen mit genugsamem Schweinenschmaltz ein Pflaster daraus/ das legen sie warm uber wie das obgemeldte.
    Baldriankraut mit der Wurtzel klein geschnitten/ darnach gestossen/ und wie ein Pflaster uber die Pestillentzblater oder den Carbunckel gelegt/ tödtet und heylet dieselbig mit Aussziehung dess Giffts.
    Leinine Meyssel in Baldriansafft genetzet/ unnd in offene Schäden unnd Wunden/ es seyen Stich oder Schüss/ darinn die Pfeil unnd andere Geschoss noch stecken blieben/ gestossen/ darnach gestossenen Baldriankraut wie ein Pflaster darüber geleget/ zeucht die Pfeil oder alle andere Geschoss und heylet auch den Schaden.
    Alle frische/ gehauwene/ geschossene oder gestochene Wunden zu heylen: Nimb Baldriankraut das grün und frisch ist zwantzig Untzen/ grün und frisch Sanickelkraut zwölff untzen/ frisch Schweinenschmaltz/ Hirtzenunschlit/ jedes sechzehn Untzen. Zerschneidt und stosse die Kreuter klein/ thue sie darnach in ein Pflasterpfann/ unnd das Schweinenschmaltz und Hirtzenunschlit darzu/ setze die Pfann uber ein lindes Kolfewerlein/ lasse die gemeldte stück sittiglich sieden/ unnd rühr die stättig mit einer hültzenen Spatteln/ dass sie nicht anbrennen/ wann nun alle Safftigkeit auss den Kreutern verzehret ist/ so drucks durch ein Tuch in ein ander Pfann/ thue ferner darzu zwölff loth Wachs/ Terpentin und Kübelhartz/ jedes acht loth/ zerlass sittiglich unnd rührs biss es kalt wirdt. Mit dieser Salben oder Wundtpflaster kanst du in kurtzer Zeit alle obgemeldten Wunden heylen.
    Die erfrorne Schäden von der Winterkält zu heylen: Nimm Baldriankraut mit der Wurtzeln zwey Theil/ breyten Wegrichkraut sampt der Wurtzeln ein Theil. Seud diese Stück in genugsamem Wasser sehr wol auff den dritten theil eyn/ in diesem Wasser bade den Schaden allen Tage zweymal auff ein Stundt oder anderhalb jedesmal/ unnd säe darnach gepülverten Weinstein darein.
    Baldriankraut unnd Wurtzel in Wein gesotten unnd die faulen Wunden unnd Schäden darinn Würm gewachsen seyn/ an Vie und Menschen darmit gewäschen/ säubert dieselbigen unnd fürdert sie zur Heylung: heylet auch die Feygwartzen so man sie dess Tages etliche mal darmit abwäschet.
    Baldrianwurtzel zu Pulver gestosse/ darzu genommen weiss Niesswurtzpulver unnd mit Semelmeel ein Ass daraus gemacht/ tödtet Ratten und Mäuss.
    Wann ein Rossz dunckele/ feysste unnd Wasserechtige Augen hat/ so henck jhme Baldrianwurtzel an/ unnd gib jhme die Wurtzel klein geschnitten im Futter zu essen.

Baldrian gedistilliert Wasser

    Die beste Zeit das Baldrianwasser zu distillieren ist im Ende dess Meyens/ die Wurtzel/ Kraut unnd stengel mit einander klein gehackt/ und in BALNEO MARIAE durch die Destillation abgezogen. Darnach nimbt man zu jeder massen dess gemeldten Wassers iiii.Untzen/ der auffgetruckneten Baldrianwurtzeln zu einem groblechtigen Pulver gestossen/ vermischt diese mit dem Wasser unnd lassets xxiv. stunden in einem warmen BALNEO, wie nun zum offtermal gelehret worden ist/ beytzen/ darnach zeucht mans widerumb mit sanfftem Fewer ab/ unnd lassets ein zeitlang in der Sonnen rectificieren.

Jnnerlicher Gebrauch dess Baldrianwassers
    Baldrianwasser erwärmet die erkalte Brust/ benimbt den Husten unnd schwerlich athmen/ dessgleichen erwärmet es alle jnnerliche erkalte Glieder/ eröffnet derselbigen Verstopffung/ treibet den Harn unnd die Monatblumen der Weiber/ stillet jnnerlichen schmertzen dess Rücks/ der Lenden unnd das Seiten stechen/ treibet auss den Nieren oder reissenden Stein/ unnd reyniget die Nieren/ Harngäng und Blasen von dem zähen Schleym/ darvon der Stein zu wachsen pfleget/ und führet denselbigen durch den Harn auss/ es heylet auch alles das so jnnerlich im Leib zerbrochen ist/ unnd ist ein heylsam gute Artzeney denen so gebrochen seyndt/ allen Morgen unnd Abendt/ jedesmal i.loth oder v. getruncken/ und auch den Wein darmit gemischet.
    Wann auch einer ein Arm oder Bein gebrochen hette/ der trincke dieses Wassers allen morgen unnd abendt jedesmal v. oder vi.loth/ es thut treffentliche Hülff zu der Heylung. Jtem so einer sonst verwundet were/ so heylet es die Wundt vom grundt herauss/ gleicher gestalt getruncken.
    Baldrianwasser dess Morgens nüchtern iii. oder iiii.loth getruncken/ bewahret denselben Tag vor der gifftigen Contagion dess bösen pestilentzischen Luffts.
    So einer etwas gifftiges gessen oder getruncken/ oder sonst böse schädliche Materi bey sich im Leib hette/ der trincke iiii. oder v.loth Baldrianwassers mit einem quintlein gutes Theriacks vermischet/ und schwitze wol darauff/ so treibet es allen gifftigen und schädlichen Unrath durch den Schweiss hinweg.
    Baldrianwasser täglichen mit Wein vermischet getruncken/ erkläret unnd schärpffet das dunckel finster und blöde Gesicht wunderbarlich/ unnd verhütet vor Augen Kranckheiten/ dann es ein Principal Artzeney ist wider alle Gebrechen der Augen.
    Baldrianwasser täglichen vi.loth getruncken/ ist ein gute Artzney wider das quotidian Fieber/ so mans vor der Ankunfft dess Fiebers eynnimpt/ und sich darauff niderlegt.
    Wider das viertäglich Fieber: Nimb Baldrianwasser viii.loth/ guten unverfälschten Theriack oder Methridat i.quintlein. Vermische diese Stück unnd trincks ein Tag oder etlich warm allwegen vor der Ankunfft dess Fiebers/ so wird das Fieber nachlassen.
    Baldrianwasser ist den jungen Kindern die sonst keine Artzeney gebrauchen können ein köstliche Artzeney/ die Spülwürm zu tödten und ausszutreiben/ so man jnen jederweilen ein Löffelein voll zu trincken gibt.

Eusserlicher Gebrauch dess Baldrianwassers
    So einer nach dem Bad hitzige Augen hette von der Hitze dess Bads und Rauchs verursacht/ oder aber die Augen bey dem Fewr oder sonst in einem rauchigen Gemach verderbet hette/ der wäsche die Augen mit Baldrianwasser/ und netze leinine Tüchlein darinn/ und lege die uber die Augen/ es hilfft jhm baldt und stärcket das Gesicht.
    Es dienet auch zu allen Gebrechen der Augen von Kält verursachet/ dieselbigen von aller Feuchtigkeit unnd Flüssen zu trücknen/ dess Tages jederweilen in ein jedes Aug ein Tröpfflein oder zwey gethan.

Extract von Baldrian
VALERIANAE EXTRACTUM

    Auss dem Baldrian macht man einen herrlichen Extract/ darzu colligirt man das Kraut/ Wurtzel und Stengel im Meyen/ lässet das dürr werden/ zeucht darauss ein Extract aller dings wie wir hiebevor bey dem Wermuth Anleytung geben haben. Dieser Extract ist ein fürbindige Artzeney/ vor allen andern Artzeneyen das verlohren Gesicht wider zu bringen/ das dunckel und verfinster Gesicht zu stärcken und zu schärpffen: Jn Summa es dienet dieser Extract zu allen Kranckheiten der Augen von Kälte verursacht. Darvon gibt man ein drittheil eines Quintleins auff einmal eyn mit einem Löffel voll Baldrian oder andern bequemen gedistillierten Wasser zu trincken. Man kan in Augen Kranckheiten grosse Ding mit diesem Extract aussrichten/ nicht allein vor sich selbst gebrauchet/ sondern auch mit andern bequemen Artzeneyen vermischet/ je nach Gelegenheit dess Gebrechens/ wie dann solches erfahrnen MEDICI PRACTICI wol zu thun wissen.

Baldriansaltz
VALERIANAE SAL

    Auss dem gedörrten Baldrian mit Wurtzel/ Kraut unnd Stengel colligirt und zu Eschen gebrannt/ bereytet man auch ein uberauss köstlich Saltz/ das zeucht man künstlich auss wie das Wermuthsaltz/ welches dienet zu allen obgemeldten Gebrechen der Augen/ wie wir von dem Extract gemeldet haben/ darvon man ein Gran oder fünff auff einmal mit einem bequemen Wasser oder Safft. Es dienet auch wider die Pestillentz und alles eyngenommen Gifft. Was ich mit diesem Saltz und andern Artzeneyen auss dem Baldrian aussgerichtet hab/ habe ich zum Theil hiebevor von dem jnnerlichen Gebrauch dess Baldrians angezeiget/ wirdt sich derwegen ein jeder Verständiger der weiter zu wissen begehret/ wol wissen in der Practick darnach zu richten.