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BÄRENKLAU, HERKULESKRAUT
Heracleum / Umbelliferae

 


 

VON DER BEERENKLAUWE.

 

 

     Das Kraut Beerenklauw genannt/ hat eine dicke Wurtzel wie der Fenchel oder Pastenach/ die wirdt etwan Elen lang/ und theilet sich unden her in etliche underschiedtliche Wurtzeln auß/ die ist innwendig weiß unnd voller geeles Saffts/ wie ein dünn Hartz/ gleich wie der Liebstöckel oder Meisterwurtz/ eines zimlichen guten Geruchs/ und räsen scharpffen Geschmacks auff der Zungen. Die Bletter sind sehr groß/ schwartzgrün und rauch: ein jedes Hauptblat dieses Gewächs ist zerspalten und zertheilet in fünff oder sieben Nebenbletter/ außgeschnitten gleich an der Gestalt einem grossen Beerenfuß/ die Stiel darauff die gemeldten Bletter stehn/ ist jedes etwann eines mittelmässigen Fingers dick/ mit braunen Aederlein durchzogen. Zwischen den Blettern wächst ein dicker/ rauher runder stengel gegen dem Meyen herfür auff anderthalb Ehlen lang/ der ist mit Gleychen underscheiden wie der Stengel deß Fenchelkrauts/ oder der Engelwurtz/ der hat feine Nebenästlein unnd Zweyg/ darauff kommen im Meyen schöne Dolden unnd Kronen/ mit vielen weissen getrungenen Blümlein/ die seyndt allerding anzusehen wie die Blümlein und weisse Cronen deß Maßholders/ doch etwas kleiner: Wann diese abfallen und vergehen/ so folget ein breyter doppeler Samen/ der ist grösser unnd breyter dann der Dillsamen/ je zwey Sämlein zusammen gesetzet/ wie zwey Tellerlein. Es wächst gern in rauhen felsichten Graßgärten/ sandechtigen Wiesen unnd Rechen der Weingärten/ ist in Teutschlandt sehr ein bekannt unnd gemein Kraut/ also daß man es nicht achtet in die Gärten zu pflantzen/ sintemal es in grosser menge allenthalben genugsam gefunden wird.

 

ll. Beerwurtz.
PHONDYLIUM II.

 

     II. Dieses Krauts findet man bey uns noch zwey Geschlecht under welchen das eine/ daß doch an der Zahl das zweyte ist/ dem jetztgemeldten allerding gleich ist/ allein von Gewächs viel schöner/ grösser unnd von Blettern vollkommener/ sehr schön anzusehen/ so wird auch die Wurtzel grösser/ die sich gleich von jhrem Haupt in drey oder vier underschiedliche Wurtzeln abtheilt/ die sind lang/ weißfarb und Daumensdick/ am geruch unnd geschmack der ersten gleich. Die Blumen unnd Samen sind auch vollkommener und schöner als der vorigen. Diese ist nicht so gemein als dieselbige/ wächst an bergechtigen feuchten Wiesen/ und ist wol werth/ daß man sie in den Gärten pflantzet. Deren findet man viel am Meynstrom zwischen dem Gebirg auff den sandechtigen feuchten Wiesen/ wiewol ich sie in den Lettengründen auff dem Kreychgaw auch funden habe. Sie wächst fast schön und gern in den Gärten so man die pflantzet. [Diese Figur so allhier vor das ander Geschlecht gesetzt ist/ findest du auch oben/ under dem Namen Panaxkraut.]

 

III. Beerenklawe.
SPHONDYLIUM III. CRISPUM.

 

     III. Das dritte Geschlecht wirdt nicht grösser als das erste/ die Bletter aber seindt etwas kleiner/ unnd nicht so gar rauhe/ unnd werden schön krauß/ anzusehen fast lustig/ sonst seindt sie mit Stengel/ Blumen/ Wurtzeln unnd Samen der ersten gar durchauß gleich. Es wirdt auch dieses Geschlecht nicht allenthalben gefunden. Es wächset aber zeimlich viel an dem Strohm der Saren/ zwischen Saralben unnd Sarbrücken/ auff den Wiesen. Dergleichen am Neckerstrohm und sonderlich auff den Wiesen umb das Kloster Neuwenburgk.

     [Das vierdte Geschlecht hat ein starcke dicke weisse Wurtzel: Die Bletter sindt dreymal grösser dann der gemeinen Beerenklauw welche glatt sindt/ unnd von farben bleichgrün/ deren ein jedes gemeiniglich in drey theil zertheilet ist/ unnd zurings herumb zerkerfft. Die Stiel darauff die Bletter stehn/ sind lang unnd ein wenig haarechtig. Zwischen den Blettern wächst ein Stengel zweyer Elen hoch mit Gleychen underscheiden/ der auch nicht rauch ist. Darauff kompt im Brachmonat ein schöne Dolden oder Kron mit vielen weissen Blumen/ die der gemeinen von Gestalt unnd Farb gleich sindt/ aber viel kleiner wie auch der Samen. Dieses hab ich auff dem hohen Berg so man die Wasserfall nennet/ so auff drey meil von Basel ist/ und den Schweitzern zustehet/ gefunden/ und zu underscheid der andern/ SPHONDYLIUM GLABRUM, das ist/ Glatten Beerenklauwe genennet/ weil sie von niemands ist beschrieben worden.]

 

Von den Namen deß Beerenklauwes.

     Dieses Gewächs ist auch von den unerfahrenen Aertzten und Apoteckern lange Jahr her/ vor den wahren ACANTHUM DIOSCORIDIS fälschlich gehalten und gebraucht worden/ so es doch mit demselbigen Gewächs gantz unnd gar keine gemeinschafft nicht hat. So man aber die Beschreibung deß SPHONDYLII DIOSCORIDIS gegen diesem Kraut haltet/ so befindet sich darauß daß unser Beerenklauw das rechte unnd wahre SPHONDYLIUM ist/ unnd liget daran gar nichts daß etliche die Meisterwurtz darvor gehalten/ welches gleich so wol ein Jrrthumb ist/ als der vorige. Es befinden sich auch alle Wirckungen die DIOSCORIDES dem SPHONDYLIO zugibt/ durchauß in unser Beerenklauwen/ derowegen es auch das wahre SPHONDYLIUM ist unnd bleiben muß. Was aber nun der wahre ACANTHUS DIOSCORIDIS sey/ das wirdt hernach an seinem Ort auch angezeigt werden. Von der Meisterwurtz haben wir auch hiebevor unser Meynung angezeigt.

     Der Beerenklaw heißet Lateinisch/ SPHONDYLIUM, SPONDYLIUM oder SPONDILIUM, CHORODANUM, SPONDYLIS, SPHONDILIS, NILYRIS, PHALANGIUM, VERTICILLARIS, HERBA RUTINALSI, und von GALENO SPONDYLUM. Von den Kreutlern wirdt sie genannt/ CHAMAEPLATANUS, PLANTA URSINA, BRANCA URSINA und BRANCA URSINA GERMANICA. Zum underscheid deß ACANTHI, welches auch BRANCA URSINA von den Außlendischen MEDICIS genannt wirdt. Hochteutsch/ Beerenklauwe/ unnd Beerentatz.

 

Von der Natur/ Krafft/ Wirckung und Eygenschafft der Beerenklauwe.

     Die Beerenklauwen alle drey Geschlechte/ haben gleiche Wirckung. Sie wärmen/ trucknen/ durchtringen/ öffnen und zeitigen. Werden beyde zur Speiß unnd Artzeney gebraucht.

 

Jnnerlicher Gebrauch deß Beerenklauwes.

     Beerenklauwe wann es im Frühling noch jung und zart ist/ kochen es unsere Weiber under die Müser mit anderen Kreutern/ als jungen Hopffen unnd süssem Hanenfuß/ jungen Nesseln unnd Wiesenköle/ also daß es seinen Platz neben der Artzeney auch in der Küchen funden hat/ deßgleichen auch die Wurtzeln darvon. So man aber ein solch Müßlein bereyten wil/ muß man deß Beerenklauwes nicht zu viel nemmen/ dann er sonst gewaltig treibet durch den Stulgang.

     Jungen Beerenklauw eine Handtvoll genommen und mit Löffelein voll Habermeel klein gehackt/ darnach mit einer guten Fleischbrühen zum wenigsten eine halbe Stundt sieden lassen/ ziemlich gesaltzen unnd folgends warm ohne Brodt nüchtern gessen/ oder außgetruncken/ und ein Stundt oder vier darauff gefastet/ purgieret den zähen Schleim sampt der Gallen/ als wann einer ein Purgantz eyngenommen hette/ und das ohn einigen Schaden/ welche Artzeney nicht sol verachtet werden/ dann sie manchem zu gut kommen mag/ sonderlich aber denen die die Artzeney nicht allwegen haben können/ oder die Apotecken erreychen mögen.

     Die Wurtzeln bey dem Fleisch gesotten/ schmäcken nicht ubel/ unnd machen die Brühe wolgeschmack. Solche Brühe nüchtern eine gute Schüssel voll getruncken/ erweychet den Bauch und machet Stulgäng.

     Die Wurtzel oder Samen deß Beerenklauwes in Wein oder Wasser gesotten/ unnd die durchgesiegene Brühe getruncken/ treibet die phlegmatischen zähen Feuchten durch den stulgang. Jst dienlich den Lebersüchtigen/ und denen so mit der Geelsucht beladen seyndt/ deßgleichen die ein kurtzen unnd schweren Athem haben/ und nicht äthmen mögen sie seihen dann auffgericht. Auch ist diß Kraut gut wider die fallende Sucht und wider das auffsteigen der Beermutter.

     Die Wurtzel oder der Samen zu einem subtielen Pulver gemacht/ unnd darvon ein quintlein mit Wein getruncken/ hat zu den gemeldten gebrechen geiche Wirckung wie der obgemeldte Tranck.

     Etliche geben deß gemeldten Pulvers ein quintlein schwer eyn/ mit einem Trunck guten Baumölen zertrieben/ das sol eine sonderliche Artzeney seyn/ wieder das keichen und schwerlich äthmen.

     Wider das Krimmen von phlegmatischem Schleim: Nimb Beerenklauwe zwo Handtvoll/ Bengelkraut/ Pappellen/ Eybischkraut Kleyen in ein Tüchlein gebunden/ Leinsamen ein wenig zerknitscht/ jedes eine Handtvoll/ Griechischhewsamen auch ein wenig zerquetschet drey loth/ Dillsamen zwey loth. Seude diese Stück in einer Maß Wassers zum halben theil ein/ seihe es durch ein Tuch/ nimb darvon zwölff Untz/ Sesamölen/ Dillölen/ jedes dery loth/ Rosenhonig drey loth/ der Latwergen HIERAE PICRAE außgezogener CASSIAE Fistel/ jedes anderthalb loth/ Steinsaltz ein halb loth. Vermisch solche Stücke durcheinander zu einer Clistier/ und thue die durch einen bequemen Zeug zu dem Krancken/ laß jnen zum wenigsten ein stund beharren/ es thut gute hülff.

     Die Polen unnd Littauwer machen einen Tranck von dem Kraut und Samen deß Beerenklawes mit Wasser/ thun darzu Sauwerteig oder Hösel/ das pflegt das gemeine Volck vor Bier zu trincken.

 

Eusserlicher Gebrauch deß Beerenklauwes.

            Beerenklauw gestossen/ und den Safft davon außgeprest/ reinigt das Haupt von dem zähen phlegmatischen schleim/ vertreibet das alt und langwirig Heuptwehthumb deßgleichen den Hauptnagel HEMICRANIAM, von gemeldter Feuchten verursachet/ so man den Safft Morgens nüchtern ein gut theil durch die Nasen eynsuppet/ unnd ein Tag oder drey nach einander verharret. Es sol aber der Leib zuvor durch ein bequeme Purgation gereynigt werden. Diese Artzeney dient auch denen so zu der fallenden Sucht geneigt seind.

            Der Dampff deß angezündten Samens von der Beerenklauwen in die Nasen entpfangen/ erwecket die Schlaffsüchtigen. Solches thut auch der Samen in Baumöle gekocht/ so man mit diesem Oele das Haupt warm salbet. Dieses Oele gleicher gestalt gebraucht/ dient wieder das Hirnwüten PHRENESIM, und wieder den wehthumb deß Haupts.

            Das Kraut und Wurtzel der Beerenklauwen zerschnitten/ und in einem Mörser klein gestossen/ darnach warm wie ein Pflaster uber das Haupt geschlagen/ erwecket die/ so in die Schlaffsucht gefallen seindt. Man mag auch das obgemeldte Kraut zuvor ehe mans uberlegt/ in ein wenig Baumölen röschten/ so wircket es desto besser.

            Der Safft auß den frischen Blumen deß gemelten Krauts geprest/ ist gut wieder die eyterigen unnd schwerende Ohren/ warm dareyn getraufft. Die gemeldten Blumen gedörret/ zu Pulver gestossen/ unnd mit Rosenölen zertrieben/ folgendts warm in die Ohren getraufft/ hat gleiche Wirckung.

            Diesen Safft haben die Alten zu diesen und dergleichen Gebrechen außgeprest/ denselben in der Sonnen lassen trucken werden/ und uber Jahr behalten.

            Beerenklauwensamen mit gutem Wein und Baumölen so lange gesotten biß der Wein sich verzehret/ das Oele darnach durchgesiegen/ ein Filtz darinn genetzt/ und warm uber den Magen geleget/ vertreibet den Wehthumb desselbigen. Uber den gantzen Bauch gelegt/ miltert den Schmertzen deß Krimmen und deß Därmgegicht.

            Der angezündet Dampff deß Beerenklauwensamens in die Nasen entpfangen/ erwecket die Weiber die von dem auffstossen der Beermutter hin gefallen seindt. Solches thut auch das Kraut wann man dasselbige sampt der Wurtzel klein zerschneidet/ darnach in Essig kocht/ und dasselbige vor die Nasen haltet/ oder den Dampff darvon in die Nasen entpfähet.

            Wider die verhaltene Monatblumen der Weiber: Nimb Beerenklauwenkraut und Wurtzeln iii.Handtvoll/ Beyfuß/ Pappellen mit den Wurtzeln/ Eybischkraut/ Chamillenblumen/ Seuenbaum/ Lavanderblumen/ Roßmarin/ Holderblüth/ jedes i.Handtvoll/ Haselwurtzkraut unnd Wurtzeln eine halbe Handtvoll/ Peterleinsamen/ Fenchelsamen/ Dillsamen/ Anißsamen/ Leinsamen ein wenig zerquetscht/ Griechischhewsamen/ jedes ii.loth. thue alle Stück durcheinander vermischet in ein leininen Sack/ laß den wol sieden in genugsamem Bachwasser/ unnd mach darvon ein Lendenbad laß das Weib Morgens nüchtern zum wenigsten ii. Stunden darinn baden/ unnd Nachmittag umb ii. oder iii. Uhren anderthalb Stundt/ unnd dieweil sie im Bad ist/ sol sie auff dem warmen Sack sitzen.

            Wieder die tieffe Erhartung der Weiber brüst: Nimb Beerenklauwenkraut/ unnd Affodillwurtzel/ jedes gleich viel/ zerschneidts und stosse sie klein in einem Mörser/ seud sie darnach in Wein mit ein wenig Baumölen/ unnd legs deß Tags zweymal warm uber die Brüst.

            Beerenklauw mit Weinrauthen vermischet/ jedes gleich viel/ unnd obgemeldter massen gestossen unnd ubergelegt/ heylet die umbsich fressende Schäden.

            Beerenklauwkraut unnd Wurtzeln gestossen und gesotten/ erweychet alle harte Geschwülsten/ sonderlich aber die Geschwulst der Leber/ Miltz unnd der Mutter/ warm wie ein Pflaster uber gelegt.

            Die harten Geschwer/ Schlier/ Eyssen unnd Beulen erweychen/ unnd deren schmertzen zu stillen: Nimb Beerenklauw ii.handtvoll/ Windenkraut/ Pappellen/ Eybischkraut/ Mertzenveielnkraut/ Tag und Nacht/ Bilsenkraut jedes i.Handtvoll. Zerschneid sie klein/ und stoß sie wol in einem Mörser/ thu darnach darzu Weytzenmeel iiii.loth/ Gerstenmeel iii.loth/ Leinsamenmeel/ gepülverten Foenigrec/ jedes ii.loth/ misch es durch einander/ seuds in genugsamem Wasser/ unnd thue darzu vi.Untzen alt Schweinenschmaltz/ unnd lass es mit einander sieden zu einem Pflaster/ darvon streich auff ein Tuch und legs deß Tages zweymal uber.

            Wann man das Haar nach dem man das Haupt gezwagen hat/ mit dem Safft von Beerenklauwen offtermal bestreichet/ darnach allwegen von sich selbst lässet trucken werden/ so wirdt das Haar krauß.

            Die Wurtzel von Beerenklauwen umbher von dem eussersten Häutlein abgeschaben/ verzehret die hartigkeit der Fisteln/ darein gesteckt.

            Wiltu ein dicken roten Wein/ oder aber einen weissen trüben Wein lauter machen/ daß er schön unnd klar werde: So nimb Beerenklauwenkraut unnd Wurtzel fein gewäschen und gesäubert/ darnach wieder getrucknet/ unnd hencke eines Menschen Haupt groß darvon in ein Fuder/ lasse es ein Tag oder drey darinn hangen/ darnach thue es wieder herauß/ lasse es trucken werden/ darnach hencks wiederumb dareyn/ unnd uber drey Tag ziechs wieder herauß/ unnd wann es trucken worden ist/ so hencks abermal wie zuvor in den Wein/ unnd lasse es darinn hangen/ biß vierzehen Tag von anfang sich verlauffen haben/ als dann thue das Kraut gar hinweg/ so hast du ein schönen hellen Wein so klar wie eine Cristall. Jst es aber ein roter Wein/ so wird er hell und klar wie ein schöner Claretwein oder Schieler.

 

Beerenklauwenwein.

SPHONDYLITES.

 

            Wiewol ich bey den alten oder newen Lehrern nichts von dem Beerenklauwenwein je gefunden oder gelesen hab/ so hab ich doch nicht underlassen wöllen/ nachfolgenden Wein den ich von der Beerenklauwen zu machen/ unnd in dem grossen Leibwehe/ Krimmen und Därmgegicht/ offtermals zu gebrauchen pfleg/ und den allwegen heylsam befunden/ an diesem Ort zu offenbaren/ den bereyte also: Nimb auffgetruckneter Beerenklauwenwurtzeln/ Beerenklauwsamen/ jedes vi.loth/ frischer außerlesener Senatsbletter xvi.loth/ deß gemeinen Römischen Wermuths iii.Handtvoll/ Bergwermuth/ Venushaar/ dürren Ysop/ jedes ii.Handtvoll/ weissen Jngber/ Kalmuswurtzel/ Dillsamen/ jedes ii. Loth/ weissen Lerchenschwamm iii. Loth. Alle gemeldte Stück soll man in acht oder neun mässiges Fäßlein mit Häselen Spähnen einschlagen/ unnd darnach einen guten Most darüber füllen/ unnd also verzehren lassen. Von diesem Wein sol man allen Tag zum Morgenjmbiß einen guten Becher voll gleich im anfang deß essens zu dem ersten trunck ein gemeinen Tischbecher voll trincken/ den Durst darnach mit einem andern weissen Trinckwein nach Notturfft leschen/ das wirdt sanffte Stulgäng bringen/ unnd viel wüsten Schleim unnd Gallen außführen. Jm fall es aber nicht genugsam wircken würde/ so sol man deß Nachts zum Jmbiß noch einmal deß gemeldten Weins trincken/ so wirdt es genugsam unnd kräfftiglich die gemeldten Feuchten außführen. Wann aber dieser Tranck dir zu streng werden wolte/ magst du je uber den andern Tag zween Becher voll/ oder aber auch nur einen trincken/ unnd soll derowegen ein jeder nach seiner Natur/ vermögen unnd kräfften diesen Wein mehren unnd mindern. Den Wein aber soll man/ wann man darvon trincket/ allen Abendt wiederumb füllen/ unnd kann solcher wol leiden/ daß man noch ein Maß oder acht nachfüllet. Wann aber einer dieses Weins nottürfftig were/ unnd deß Herbst nicht erwarten könne/ daß er denselbigen von newem Moste bereyten möchte/ der mag jhn gleicher gestalt wie gemeldtet von gutem firnem Wein machen lassen.