2 / 48-50

ASTER
Aster - Compositae


VON STERNKRAUT

    Sternkraut hat seinen Namen von den Blumen/ welche sich den Sternen vergleichen: hat ein lange zasechte Wurtzel/ reucht ein wenig nach Näglein/ darauss zween/ oder mehr Stengel wachsen/ bissweilen auch einer/ gantz geradt/ steiff und holtzecht/ haben oben gestirrnte glitzende Blumen/ die seyn formirt wie die Camillen Köpff/ haben jnnwendig einen gelben Apffel/ mit purpurfarben [oder braunblauw] Blettlein besetzt. Die Bletter sind langlecht auffgespitzet/ rauw und schwartzgrün/ am Geschmack ein wenig bitter. Der Same ist lockecht/ verfleucht von dem Windt.
    ll. Das ander Geschlecht ist diesem mit seinen gelben Blumen gantz gleich.
    lll. Das dritte unnd vierdte Geschlecht/ Bergsternkraut genennt/ werden von LOBELIO in seinen ADVERSARIIS beschrieben/ dass das Männlein ein zasechte Wurtzel habe/ wie die SUCCISA, das ist Teuffels Abbiss/ darauss ein starcker/ gerader/ schmaler stengel wachse/ fast einer Ehlen hoch/ darauff ein schöne grosse Blum ankomme/ an Gröss/ Farb unnd Gestalt wie die Alantblume/ seine Bletter sind etwas braunlecht/ an der Grösse unnd Gestalt wie der ASTER ITALICUS.
    lV. Das Weiblein ist dem Männlein an der Blumen und Grösse dess Stengels fast gleich/ allein dass der Stengel unnd die Bletter rauh/ haarecht/ und länger seyn/ wie die kleine Hundszunge.
    Es werden noch andere Geschlecht der Sternkreuter mehr von C. CLUSIO beschrieben/ darvon zu lesen ist lib.3. OBSERVATIONUM, PANNON. CAP.29. Dessgleichen auch von LOBELIO in OBSERVAT. FOLIO 187.188. wie dann ach in ADVERSARII MFOLIO 147.148.
    V. Das erste Geschlecht hat ein schwartze zaserechte Wurtzel/ Stengel die Elenhoch/ rundt unnd rothlechtig/ die mit wenig blettern umbgeben/ welche lange und schmal/ ein wenig zerkerfft/ auch scharpff unnd bitterechtig sind: Der Stengel wirdt in etliche Nebenästlein zertheilt/ auff welchen im Hewmonat ein grosse gestirnte glitzende gelbe Blum/ welcher ein kleiner eckechtiger samen folget. Das ander ist das gelbe Sternkraut hievor gesetzt:
    Vl. Das dritte ist mit Wurtzel/ Stengel und Bletter der ersten gleich/ allein dass der Stengel/ wie auch die Bletter/ so den Stengel umbfangen/ wüllechtig/ lang und ein zwerch Finger breyt sindt: Die Blum ist gross unnd gelb.
    Vll. Das vierdte hat auch Wurtzel den vorigen gleich/ dessen Stengel eines Schuchs hoch/ steiff und grün/ mit schmahlen/ schwartzgrünen und steiffen Bletter umbgeben: Die Blum ist der vorigen gleich/ jedoch kleiner.
    Vlll. Das fünffte hat ein ziemliche Wurtzeln/ mit weissen Fässlein besetzt/ auss welcher etliche härige Stengel Spannen hoch herfürbrechen/ und sind bey der Wurtzel viel schmahle Bletter/ wie an den blauwen Masslieben/ etwas wollechtig/ am Geschmack bitter: Auff jedem Stengel ist ein breyte Blum/ mit einem gelben Apffel so mit kleinen blauwen Blettlein ringsweiss besetzt ist/ so endlich in ein Locken vergehet.
    Die vier erste findet man umb Wien in den Bergächtigen Wiesen/ wie dann auch im Schweitzerlandt: Das fünffte in den schweitzerischen/ Moerischen unnd Oestereichischen grassechtigen Gebürg.
    Sternkraut blühet in angehendem Herbst: Wirdt funden auff den wilden Gebirgen/ in Thälern und Waldwiesen.
    [Unden im 139. Cap. der ll. Section findestu noch ein Sternkraut.]

Von den Namen
    Sternkraut wirdt im Latein genennt ASTER ARTICUS oder STELLA ATTICA, von seinen gestirrnte Blumen: BUBONIUM/ INGUINALIS, das ist Bruchkraut/ dieweil es zu den Brüchen gebraucht wirdt. Teutsch Wegekraut/ Bruchkraut/ Schattenkraut. Es meldet LONICERUS, dass die Blume dess Nachts scheine wie ein Stern am Himmel/ also dass es von etlichen für ein Gespenst werde angesehen.

Natur/ Krafft und Wirckung dess Sternkrauts
    Sternkraut hat ein külende Natur an sich/ fast wie die Rose/ doch nicht sehr: Es verzehrt auch und truckne auss/ wie auss seiner Bitterkeit abzunemmen ist. GALENUS schreibet jhm ein vermischte Natur zu.

Jnnerlicher Gebrauch dess Sternkrauts
    Die Blumen in Wasser gesotten/ unnd getruncken/ dienen wider das Halssgeschwer/ ANGINA genennt/ unnd wider die fallende Sucht den jungen Kindern.

Eusserlicher Gebrauch
    Sternkraut ist gut wie ein Pflaster ubergeleggt/ wieder die grosse Hitz dess Magens: wider die hitzige Geschwulst der Augen/ dess Gemächts: wider den Aussgang dess Hindern/ wie MATTHIOLUS auss dem DIOSCORIDE vermeldet. Man saget auch/ dass diss Kraut soll die Schmertzen der Gemächt stillen/ wenn es nur an denselbigen Ort wirdt angebunden.