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ARONSTAB
Arum - Araceae


VON ARON

   Aron ist zweyerley/ gross unnd klein:
    1. Das erste Geschlecht hat ein weisse Wurtzel einer langen Zwiebeln oder Oliven gleich mit vielen harechten Zaseln behäncket/ (die sich alle Jahr wie die Satyriones erjunget/ ) eines sehr scharpffen Geschmacks. Seine Bletter seyn schön grün/ der Drachenwurtz bey nahe gleich/ allein dass sie etwas lenger seyn/ (da ein jedes Stöcklein selten uber vier oder fünff Bletter hat:) Zwischen den Blettern kompt ein spitziger Stengel herfür etwann Spannen lang/ anzusehen als ein gedrungene Fruchtäher in ihre Krautscheiden/ (so einem Hasenohr gleich/ ) verschlossen/ wenn sich dieselbige (so gemeiniglich in Aprillen geschicht/ ) auffthut/ so siehet man darinnen stehen ein purpurbraunes Kölblein/ (einem Mörselstümpffel sehr gleich/ oder einem Kertzlein in einer Latern/ wiewol man es auch mit weiss gelben Häuselein/ Blumen unnd Kölblein findet/ ) welches die Blüet ist/ (unter welchem Haar wächst/ ) dasselbige Kölblein wirdt mit der zeit grösser unnd besetzet sich rings umher mit grünen Körnern/ als ein Träublein/ wann der Herbst herbey kompt/ so werden die Körner roth/ gleich wie rohte Corallen. (Das Kraut verwelcket im ende dess Meyens/ unnd bleibt allein das nacket Träublein/ biss in den Herbst.)
    ll. Diesem ist das ander Geschlecht durchauss gleich/ aussgenommen dass seine Bletter mit schwartzen Flecken besprengt seyn. (Wie ichs dann in Schweitz gefunden: in Welschlandt aber ein ander gattig/ das die Krautschällen viel grösser/ unnd die Bletter mit langen weissen striemen durchzogen/ zu zeiten mit weissen Mackeln besprengt.)
    lll. Das klein Pfaffenpintkraut hat runde knodichte Wurtzeln/ (als kleine Knöpfflein beysammen/ ) welche an dünnen Zaseln hangen/ sonst ist es dem andern gemeinen Aron durchauss gleich/ allein dass seine Bletter schmäler und spitziger seyn.
    Er wächst in den Wälden und andern schattechten Orten/ kompt zum Hornung herfür/ und blüet im Aprill.

Von den Namen
    Aron/ Pfaffenpint unnd Teutscher Jngwer: Lateinisch ARUM.

Von der Natur/ Krafft/ Wirckung und Eygenschafft dess Arons
    Aron ist hitziger unnd truckner Natur/ biss in andern Grad: GALENUS schreibet/ die Wurtzel habe eine Krafft zu resoluiren und zu zertheilen.

Jnnerlicher Gebrauch
    Die Wurtzel in lauter Wein gesotten/ erkaltet/ ein glüender stachel darein gestossen/ dz der Wein zum andernmal warm werde/ unnd warm getruncken/ nimpt den faulen Magenfieber/ unnd bekompt dem verschleimten blöden Magen wol.)
    Es schreibet DIOSCORIDES, es habe der Aron gleiche Krafft unnd Tugendt/ wie die Drachenwurtz: Unnd meldtet/ dass die Bletter zur Speiss eingemacht werden/ wie solches auch GALENUS bezeuget.
    ORIBASIUS und AEGINETA schreiben/ dass der Aron ein sonderliche Tugendt habe/ den groben kalten Schleim in der Brust zu zertheilen/ unnd zum Ausswerffen zu fürdern. Darzu man das Pulver von der dürren Wurtzel nemmen soll/ solches mit Zucker oder Honig vermengen/ und darvon essen/ unnd ist ein bewertes Stücklein.
    (Man kan auch die Wurtzel sieden/ oder under heissen Aschenbraten/ darnach zerstossen/ mit Honig oder süssen Mandelöl zu einer Latwergen machen und einnemen.
    Die Wurtzel in Milch gesotten/ unnd gessen/ nimpt den Husten.)
    Aron Wurtzel gebrauchet/ reiniget die Weiber nach der Geburt.
    PLINIUS schreibet/ die Wurtzel habe ein Krafft den Harn unnd auch die verstandene Zeiten der Weiber fort zu treiben/ wann man das Pulver mit Wein/ oder andern bequemen Wassern eintrincke.
    (Welches auch thut der Samen/ so man zwey Quintlein schwer mit weissen Wein nimpt.)
    Er meldet auch/ dass etliche so einen schweren Athem haben/ und stets husten/ das Pulver von der Wurtzel unter das Meel vermischen/ und Brodt darauss backen lassen/ welches auch nit ubel gethan ist.
    Wann die Pestillentz regieret/ soll man Aron fleissig in der Speiss gebrauchen/ dann sie widerstehet dem Gifft sehr.

Eusserlicher Gebrauch
    Es schreibet HIERONIMUS TRAGUS, Er wisse zu den Pestilentzblattern kaum ein besser Artzney/ dann wann man die Bletter dess Arons grün oder dürr uberlege.
    FERNELIUS gibt der Wurtzel das zu/ dass sie allerley böse unnd unreine Geschwer säubere und heyle/ es seyen PHAGEDAENAE oder CARCINOMATA: (Wo sie gepülvert wirdt unnd eingestreuwet:) Dessgleichen auch die Fisteln/ unnd andere umb sich fressende Geschwer.
    (Die grünen Bletter ubergelegt/ heylet die alten bösen schäden und Fisteln/ die sie erstlich säubern/ trucknen die Feuchtigkeit auss/ darnach heylen sie.)
    So schreibet auch PAULUS EGINETA, dass sie eine Art habe/ die Unreinigkeit der Haut zu reinigen und zu säubern.
    (Das Angesicht hübsch zu machen/ nimb gepülvert Aronwurtzel/ Fischbein und Bleyweissjede i.Loth/ misch mit Rosenwasser/ oder Oel/ und wasch das Angesicht darmit.
    Mit Zwiebeln und Beerenschmaltz zum Pflaster gestossen/ und uber die Knollen am Leib gelegt/ vertreibt die.
    Die Wurtzel gestossen/ und auff die Beinbrüch gelegt/ heylet die.)
    Das Kraut unnd Wurtzel in Wein und Oel gesotten/ unnd warm darauff gesessen/ heylet die Feygblattern/ und treibet den aussgehenden Afftern widerumb zurück.
    Die Wurtzel mit Küemist ubergelegt/ soll dem Podagram wol thun/ wie DIOSCORIDES schreibet.
    Die Bletter mit Wein und Oel gekocht/ und ubergelegt/ sollen den Brandt heylen.
    PLINIUS schreibet/ wann man diese Wurtzel räuchere/ so vertreibe sie allerley Ungeziffer/ mache sie auch gar tolle/ also dass sie gar krafftlos werden/ und darnider fallen.
    (So man Aronbletter in die madigen Käss legt/ so weichen hinweg die Maden/ und bleibt der Käss gut unnd wehrhafftig.

Von der GERSA SERPENTARICI
    Auss der Wurtzel wird folgendes Pülverlein bereitet: Nim der schönsten Aronwurtzel/ truckne sie wol an schattechtem Lufft/ thu die eusserst Rinde darvon/ und stoss zu reinem Pulver.Dieses Pulver feuchte widerumb an mit dem aussgepresten Safft/ oder gebrandten Wasser/ von frischer Aronwurtzel/ wann sie noch in der Milch sind: lass widerumb an heissen Sonnenschein in einem gläsen Schälein wol trucknen/ dass du es widerumb pülveren könnest: feuchts wider an wie obgemelt/ trucknes wieder/ pülvere es wieder/ und thue das zu viel malen/ nach dem das Pülverlein starck seyn sol. Solches Pülverlein wirdt von den Apotheckern GERSUM SERPENTARIUM genennet/ welches man gebraucht/ das Angesicht/ Händ/ unnd die gantze Haut mit zu reinigen von allerley Masen/ welches bey den Jtalianischen Weibern wol bekandt.
    Dieses wirdt auch gebraucht zu einem Sälblein/ so UNGUETUM CITRINUM genannt/ so zu der Reinigung der Haut sonderlich bereit wirdt.
    Diss Pulver kan auch in starcken Augenartzneyen gebrauchet werden/ die Fell unnd Flecken hinweg zu beissen: Es ist auch ein köstlich Etzpulver in alten/ faulen Schäden/ Fisteln/ Krebs/ Zittermäl/ flüssigen Grindt/ dann es trucknet und reiniget.
    Sol also gebraucht werden: nimb diss Pülverlein/ feucht es an mit dem gedistillierten Wasser zu einem dünnen Müsslein/ streichs auff die Flecken/ Morgens wäsche es mit demselbigen Wasser wol widerumb ab.)

Von dem Safft und seinem jnnerlichen Gebrauch
    Es wirdt der Safft auss diesem Kraut geprest/ hoch wider die Pestilentz gerühmet/ unnd auch wider andern Gifft mehr.
    Ein Löffel voll dieses Saffts mit ein wenig Essig eingenommen/ widerstehet der gifftigen Pestilentz.
    Dieser safft mit Eselshuffwasser getruncken/ ist gut den jenigen/ so voll umb die Brust seyn/ einen schweren Athem haben/ und stetigs husten/ denen hilfft er gar wol/ dann er zertheilet den groben schleim/ räumet die Brust/ und macht aussreuspern.
    Der Safft mit Beyfusswasser eingenommen/ treibet die verstandene MENSES fort/ und reiniget die Weiber nach der Geburt.

Eusserlicher Gebrauch dess Aronsaffts
    PLINIUS schreibt/ dass der safft mit Honig vermischt und angestrichen/ die tunckele trübe Augen hell und klar mache.
    Der Safft in die Nasen gethan/ heylet das Geschwer darinnen/ so man POLYPUS nennet.
    Den Safft (von den rohten Körnern) mit Rosenöll vermischt/ und in die Ohren getröpffet/ benimpt die schmertzen derselbigen.

Von dem Aronwasser
    Von dem Kraut/ Wurtzel und Blumen klein zerhackt/ in Wein erbeitzt/ wird ein kräfftig Wasser distillirt zu frischen Wunden/ auch alten faulen Schäden.
    Etliche geben diss Wasser auff zwey oder drey Loth zu trincken für sich selbst/ oder mit einem drittentheil eines Quintleins der Wurtzel darmit zertrieben: etliche thun einer Haselnussen gross guts Theriacks darunter/ unnd sol ein kräfftige Artzeney seyn für das Gifft/ sonderlich für die Pestilentz/ warmb zugedeckt/ unnd wol erschwitzet: legen auch Tüchlein in dem Wasser genetzt/ aussen uber die Pestilentzische Beulen.)
    MATTHIOLUS saget/ dass etliche Weiber Wasser auss dieser Wurtzel brennen/ und hoch rühmen/ dass es das Angesicht klar mache/ und die Runtzel vertreibe: Andere aber trucken den safft auss/ trucknen denselbigen an der Sonn) und so sie ihn brauchen wollen/ zerlassen sie jhn mit Weisswurtzwasser/ unnd bestreichen darnach das Antlitz darmit.
    Etliche sagen auch/ dass das gebrandte Wasser den Bruch heilen soll/ alle tag drey oder vier Loth getruncken.


VON KLEIN ARON

    Dess kleinen Arons seyn noch drey Geschlecht.
    l. Das erste hat ein weisse Wurtzel gleich wie die Oliven/ mit vielen subtilen Zaseln behenckt: Auss der Wurtzel kompt ein dünner Stengel/ welcher oben ein krummes Kölblein trägt wie ein Ohr/ das ist auff der einen seiten offen/ jnnwendig auff purpurbraun geneiget/ darauss gehet ein kleines purpurbraunes Zünglein: Die Bletter seyn den Blettern dess gemeinen Arons gleich/ allein dass sie viel kleiner und zarter seyn.
    ll. Das ander Geschlecht hat ein runde Wurtzel wie ein Kugel/ ausswendig schwartz/ jnnwendig aber weiss/ eines scharpffen Geschmacks/ doch geringer als der gemeine Aron/ mit etlichen Zaseln umbgeben: Seine Bletter seyn dick/ weich/ grün/ uund eines scharpffen Geschmacks/ den Blettern dess Art fast gleich/ allein dass sie an den hindersten Spitzen etwas runder seyn/ stehen an einem langen Stiel. Zwischen den Blettern tritt ein anderer Stengel herfür/ mit viel rohten Flecken besprenget/ an welchem eine lange Blume stehet/ wie an dem ersten Geschlecht/ anzusehen wie ein Münchskappen/ so sich etwas zur Erden neiget/ an den eussersten Theilen etwas schwartz/ sonsten aber weiss/ jnnwendig mit einem krummen Zünglein besetzet.
    lll. Das dritte Geschlecht beschreibet MATTHIOLUS, dass es habe lange/ schmale/ glatte und weyche Bletter/ welche an langen Stielen hangen/ bringe auch ein zwieblechte Wurtzel/ mit unzählich viel dünnen unnd weissen Zaseln umbfangen: Die Bletter vergleichen sich etwas dem spitzigen Wegrich/ haben einen glitzenden Schein/ nach den Blettern kompt ein langlechte/ spitzige weisse Blume herfür/ hinderrucks gebogen/ wann dieselbige auffreist/ so kreucht ein langer krummer unnd spitziger Wurm darauss/ bissweilen purpurbraun/ bissweilen auch etwas grünlicht: Seine Frucht ist nicht roht/ wie etliche vermeynen/ sondern weiss.
    Sie wachsen an sandechtigen Orten/ auch neben den Wegen/ (in Spanien und umb Rom:) Das letzte Geschlecht blüet im Augusto.

Von den Namen
    Klein Aron heisst Lateinisch ARISARUM,das eine ARISARUM LATIFOLIUM:Das ander ARISARUM ANGUSTIFOLIUM.

Von der Natur/ Krafft/ unnd Eygenschafft dess kleinen Arons
    Es bezeuget MATTHIOLUS, dass alles das/ so im vorigen Capitel von dem gemeinen Aron geschrieben/ auch von diesem ARISATO soll verstanden werden.