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ARNIKA
Arnica montana - Compositae
siehe auch Arnika 2


VON MUTTERWURTZ (LUCIANSKRAUT)

    Dieses Kraut beschreibet LOBELIUS in seinen OBSERVATIONIBUS und ADVERSARIIS UOVIS/ dass es ein schönes Gewächs sey/ seine Wurtzel vergleicht sich der Wurtzel dess grossen Baldrians/ aussgenommen dass sie kleiner ist/ unnd mit vielen Faseln behencket/ bey nahe dem DORONICO gleich/ eines räsen/ scharpffen/ durchtringenden/ bittern/ unnd doch Wurtzigen Geschmacks/ dem NARDO gantz gleich/ auss welcher Wurtzel ein Stengel herfür tritt/ einer Elen hoch/ bissweilen auch nidriger/ an welches Giepffel ein Gestirnte Goldgelbe Blum herfür kompt/ gantz lustig unnd schön anzusehen/ der Rindtsaugblumen oder Johannsblumen fast gleich. Seine Bletter seyn lang/ breit unnd bleichgälb/ mit vielen Aederlein durchzogen/ der Entzian so gleich unnd ähnlich/ dass sie in der erst vor die Entzian möchte angesehen werden.
    LOBELIUS schreibet/ dass er es in AGRO NARBONENSI habe antroffen/ es wächst auch in den fäuchten Wiesen/ auff den hohen Gebirgen. [Jn Schweytzerland und Elsess.]
    [Das Kraut DAMASSONIUM beschreibet DIOSCORIDES/ dass es Bletter habe dem Wegrich ähnlich/ allein dass sie schmäler seyn/ unnd gegen die Erden gebogen: Die Wurtzel sey der schwartzen Nieswurtz etwas gleich/ ein wenig feyst/ zanger und eines guten Geruchs/ auss welcher ein schmaler Stengel wachse/ mehr dann Elenbogen lang/ an welchem dünne weisslechte Blumen herfür kommen: MATTHIOLUS saget/ dass es goltgelbe Blumen trage/ unnd seine Bletter seyn etwas schmäler und weycher dann dess Wegrichs Bletter.]

Von den Namen
    Mutterwurtz wirdt [von PNEGELLEREN in den Bürden wilder Wegrich] Lateinisch genennt CALTHA ALPINA/ dieweil es für ein Art der Ringelblumen gehalten wirdt: RONDELERIUS hhelt es für ein Geschlecht dess NARDI GALLICAE/ andere sagen/ es sey ein SPECIES dess NARDI CELTICAE. GESNERUS nennet es CALTHAM ALPINAM. [Bey den Sachsen und Seestätten wirdt es WOLVELEY geheissen bey dem gemeinen Mann: aber von den MEDICIS/ ARNICA.
    [Lucianskraut wirdt auch genennet Waldblume: Lateinisch DAMASSONIUM/ ALISMA/ CHRYSANTHEMON LATIFOLIUM/ PLANTAGO ALPINA. Die Schweitzer nennen es Mutterwurtz. Teutsch wirdt es genennet Laugenkraut/ Johanneskraut.]

Von der Natur und Wirckung
    LOBELIUS schreibet/ dass es den Harn sehr und gewaltig ausstreibe. GESNERUS meldet/ dass die Wurtzel niessent mache.
    Bey den Sachsen braucht es das gemeine Volck/ denen so hoch hinunter gefallen/ oder so sich sonst etwan mit Arbeit verletzt haben: Nement ein Handtvoll/ sieden es in Bier/ drincken dess Morgendts einen Trunck warm davon/ decken sich zu/ unnd schwitzen: Wo sie sich dann verletzt haben/ empfinden sie an dem verletzten Ort grossen Schmertzen/ auff zwo oder drey Stundt/ unnd werden also curirt: Haben sie sich aber nicht verletzt/ empfinden sie keine Veränderung.
    Auch zu Dantzig in Preussen ist es sehr in grossem Brauch/ und ob wol bey jhnen es nicht wächst/ wirdt es doch auss Nieder Sachsen in Fässern dahin gebracht.
    [Ein Quintlein dieser Wurtzel oder mehr mit Wein getruncken/ ist gut den jenigen/ so von einer Kröten gebissen seyn/ oder opium gessen haben.
    Das Kraut wie ein Pflaster auffgelegt/ sänfftiget die Geschwülst. Ist sonsten gar nicht im Gebrauch der Artzeney wie auch DODONAEUS bezeuget.]