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APRIKOSE
Prunus armeniaca - Rosaceae


VON MARILLEN

    Der Marillen werden zwey Geschlecht erfunden: Das erste ist ein Baum einer mittelmässigen Länge. Träget Blätter wie der schwartze Pappelbaum/ die sind oben gespitzt/ unnd an dem Umkreis zerkerfft. Er blüet weisslecht. Die Frucht vergleicht sich den Pfersingen/ und so sie recht zeitig wirdt/ gewinnet sie einen goldtglantz/ jnnwendig hat sie einen harten Stein/ der ist auff beyden seiten erhaben/ lest sich nicht leicht brechen/ in diesem Stein ligt ein Kern/ der ist in etlichen bitter/ wie der Pfersingkern/ in etlichen süss wie die Mandeln. So sind auch die Marillen etliche grösser/ die ander kleiner. Solche Unterscheidt in dem Geschmack der Kernen/ unnd Grösse der Frücht/ kompt zum Theil auss Bequemligkeit und Güte dess Erdtreichs/ darzu auss fleissiger Ausswartung/ dann je öffter man sie versetzet/ je besser und völliger sie gerathen/ wirdt also die Bitterkeit in einem süssen Geschmack verwandelt/ gleicher weise kan man auss Bittern Mandeln süsse zielen. Der Marillenbaum blüet im anfangenden Frühling/ er bringet aber Frücht im Hew und Brachmonat/ ehe dann das ander Obs zeitig wirdt/ aussgenommen die Kirschen/ daher diese Marillen DIOSCORIDES PRAECOCIA nennet.
    Wann man auff einem geschlechten Pflaumenbaum die Marillen pfropffet/ so werden sie gut unnd gross.

Von den Namen
    Die Marillen [oder S.Johanns Pfersing] heissen Lateinisch ARMENIACA und PRAECOCIA. Französisch Abricot.

Von der Natur/ Krafft/ und Eygenschafft
    Marillen haben einen geringen Unterscheidt von den Pfersingen/ sind kalter und feuchter Natur im andern Grad. Sie haben keinen Brauch in der Artzeney/ werden nur Lust halben zur Speiss gebrauchet/ doch seyndt sie dem Magen bequemer dann die Pfersing/ verfaulen nicht so leichtlich [und so man sie zum Beschluss der Speisen isset/ verhindern sie die hitzigen Dämpff/ dass sie nicht ins Haupt steigen.]

Von dem Oel
    Auss den Kernen presst man ein Oel/ welches sehr nutz zu den hitzigen Geschwülsten dess Afftern unnd gülden Ader/ zu külen und Schmertzen miltern. Wirdt auch gebraucht wider das Wehethumb der Ohren und Nasen von Hitz/ unnd wider die Schrunden der Brüst.