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APFELBAUM
Malus - Rosaceae


VON AEPFFELN

S.Johannsaepffel.jpg (30595 Byte)
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    Der Apffelbaum ist allenthalben.jederman wol bekannt/ es seyn aber desselbigen so viel/ unnd mancherley Geschlecht/ dass es unmüglich ist/ selbige alle zu erzehlen unnd zu beschreiben/ wie dann unser Author derselbigen sehr viel hat abreissen lassen welche allzumal mit jhrem Namen beschrieben seyn/ darvon in gemein soll gehandelt werden. Sie wachsen auss jhrem Stamm wie auch andere Bäum mit vielen Aesten/ mit einer glatten Rinden beckleidet/ so ausswendig grauw ist/ jnwendig aber wachsgelb: Die Blätter seyn gemeiniglich runnd und langlecht/ Die Blüet ist fast an allen weiss in etlichen Leibfarbroth: Die Aepffel seyn rund/ etliche auch lang/ etliche breyt/ am Geschmack entweder süss/ saur oder weinecht/ haben in der Mitte jhre Kern wiewol auch etliche ohn Kern erfunden werden: Sie werden auch zu unterschiedlichen Zeiten reiff/ dann etliche zeitigen umb S.Johannestag/ etliche in folgenden Monaten/ fast biss in Winter hinein.
    Sie werden aber fürnemlich in zwey Geschlecht abgetheilet/ so also dass etliche zam seyn/ etliche wildt/ so man Holtzöpffel nennet.
    Etliche Apffelbäum werden auffgepflantzet/ etliche werden auff die Stämme gepfropfft/ wil man schöne rothe Aepffel haben/ soll man die Zweyge auff Maulbeern pfropffen. Es werden auch die wilden Aepffel durch das pfropffen zam gemacht.

Von den Namen
    Die Aepffel werden Lateinisch genennt MALA oder POMA. Der Apffelbaum heist Lateinisch MALUS oder POMUS.
    (Damals bekannte Apfelsorten: Magdalenen-, Roth S.Johanns-, Kohl-, Sommer-, Süss-, Wein-, Blut-, Münch-Apfel, Breytling, Säuwrling, Breitling, Honigling, Schaaffmäuler, Mecherling, Roth Sommersbickling, Störmling, Holtzstörmling, weiss gross Holtzöpffel.)

Jnnerlicher Gebrauch
    Simeon Sethi schreibet/ dass die saure Aepffel den jenigen gut seyn/ welchen der Mage von vieler Feuchtigkeit verderbt ist.
    Welche einen Weinechten Geschmack haben/ sind auch dem Magen gut/ erfrischen denselbigen/ seyn eines anmütigen Geschmacks/ werden nützlich in den Fiebern im Mund gehalten/ denselbigen darmit zu erfrischen.
    Es werden auch die Sauweröpffel in Butter gebraten/ unnd den Krancken dargereichet/ ist jhnen ein liebliche Speiss.
    Die süssen Aepffel erweichen etwas den Leib/ und laxiren/ bekommen wol den jenigen/ so einen kalten Magen haben/ unnd von giffthigen Thieren gebissen seyn.
    Fast alle Aepffel haben die Eygenschafft/ so man den aussgepressten Safft mit ein wenig Saffran vermischet unnd trincket/ widerstreben sie dem Gifft/ und treiben die Würm auss dem Leib.

Eusserlicher Gebrauch
    Ein süsser Apffel unter heisser Aschen gebraten/ unnd uber das Aug gelegt/ stillet die Schmertzen und Wehetagen desselbigen:
    Zu dem stechen der Seiten thut man in ein süssen Apffel gestossenen Weihrauch/ lesset jhn unter der Aschen braten/ und legt jhn uber.
    Es wirdt auch darauss die wolriechende Salb POMADA genant/ gemacht.