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ACKER-HUNDSKAMILLE
Anthemis arvensis - Compositae


VON DEM KROTTENDILL

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    Der Krottendill ist der Chamillen so gleich/ mit aller seiner Substantz/ also/ dass man dieselbig/ dem anschauwen nach/ nicht wol darvon underscheiden kann/ dann die Chamillen hat einen lieblichen Geruch/ gleich wie ein wolzeitiger wolriechender Apffel. Der Krottendill aber hat ein starcken unnd stinckenden abschewlichen Geruch: von den Alten/ und sonderlich von dem DIOSCORIDE, wird er auff folgenwe weiss beschrieben. Krottendill hat kleine/ zarte/ schmale Blätlein/ welche sich den Blätlein dess Corianders vergleichen: Die Blumen seynd in der Millen Dottergeel/ ausswendig gerings herumb mit weissen Blätlein besetzt/ (allerdings wie die gemeine ChamillenJ eines starcken stinckenden Geruchs und bitteren Geschmacks. Es wächset dieses Kraut gern in hartem steinechtigen Grunde/ dessgleichen auch uberflüssig mit der gerechten Chamillen/ in den Korn unnd andern Fruchtfeldern/ also dass/ wo es einmal eingewurtzelt ist/ sie schwerlich widerumb mag aussgerottet werden.

Von dem Namen dess Krottendills
   So wir unseren Krottendill mit der Beschreibung DIOSCORIDIS und den Alten PARTHENII eigentlich besehen unnd erwegen/ trifft dieselbig uber die mass wol mit mit unserm Krottendill zu/ dann nicht ein Pünctlein an diesem Gewächs mangelt/ die dem wahren PARTHENIO zugehören. Weil dann auch die Krafft/ Tugend und Wirckung eben an unserm Krottendill durch langwirige Erfahrung/ warhafftig erfunden/ die die Alten jhrem PARTHENIO zugeschrieben/ wöllen wir ohn alle weitleuffigkeit mit LEONARDO FUCHSIO, ANTONIO MUSAE BRASSAUALO, GUILIELMO RONDELETIO, unnd andern mehr hochgelehrten Männern/ die uns bey guter Zeit das wahre PARTHENIUM haben angezeigt/ und solches in jhren Schrifften hinderlassen/ auch diesen unsern Krottendill vor das wahre PARTHENIUM DIOSCORIDIS halten/ Unnd jrren die derowegen nicht wenig/ die den Mettram das PARTHENIUM der Alten seyn/ sollen aussgeben/ welcher Jrrthumb dann leichtlich beyde beyde wie gemeldet/ auss oben angezeigten warhaftigen Kennzeichen/ abgenommen werden mag.
    Der Krottendill heisset Lateinisch PARTHENIUM, CYNANTHEMIS, AMARACUS FOETIDAE, oder AMARACUS GALENICA, PARTHENIUM LEUCANTHEMUM, zum Underscheid dess Tag unnd Nachts/ welches von dem AURELIO CORNELIO CELIO, auch PARTHENIUM genant wird. Sonst wird es von den MEDICIS, Apoteckern und Kreutlern genant/ COTULA FOETIDA, CHAMOMILLA FOETIDA, CHAMOMILLA CANINA, BRUSCIACULUM, BUFONARIA, HERBA VIRGINAE, SOLIS SECULUM, und ANETHUM CANINUM. Hochteutsch/ Hundsdill/ Krottendill/ Kühdill/ Hundsblum/ Hunds Chamillen/ und stinckend Chamillen.

Von der Krafft/ Wirckung und Eygenschafft dess Krottendills
   Der Krottendill ubertrifft die Chamillen in der wärme/ dann er im dritten Grad hitzig/ unnd im andern Grad truckner Complexion ist/ mag heylsamlich jnnerlich und eusserlich vor sich selbst/ oder mit andern Artzneyen vermischt/ gebraucht werden.

Jnnerlicher Gebrauch dess Krottendills
   Das auffgetrucknet Kraut und Blumen dess Krottendills zu Pulver gestossen/ und mit saurem Syrup von Honig und Essig OXYMEL genant/ und mit Wein oder ein wenig Saltz vermischt und getruncken/ reiniget den Leib von der schwartzen Gallen/ und dem zähen Phlegmatischen Schleim/ nichts anders/ dann EPITHYMUM oder Thymseiden: Ist derowegen denen sonderlich gut/ so mit den obgemelten schädlichen Feuchten uberflüssig beladen seynd. Ist auch gleicher massen gut getruncken den Keichenden/ die den Athem schwärlich holen können/ unnd den Melancholischen/ denen die schwartz Gall schädlich ist. Der Krottendill ohne die Blume/ mit Wein getruncken/ ist auch gut wider den Stein/ kurtzen Athem/ keichen und dämpffigkeit der Brust.
    Krottendill zu Pulver gestossen/ und desselben eines Gülden schwer/ mit Honigwasser oder Meth getruncken/ zertheilet und führet auss das gerunnen Geblüt/ so sich im Leib von fallen/ stossen oder schlägen gesamlet und zusammen gelauffen ist. Dz Kraut und Blumen in Meth gesotten/ und die durchgesigene Brühe getruncken/ thut dessgleichen.
    Krottendill in Wasser gesotten unnd durchgesigen/ darvon auff einmal auff die vier Untz getruncken/ hilfft wider dz auffstossen und erstickung der Mutter.
    Krottendill gepülvert und in einem Schweissbad mit Bier getruncken/ hilfft gewaltig wider die Geelsucht/ drey Tag nach einander auff folgende Weiss gebraucht: Den ersten Tag wann du zu schweissbaden eynsitzen wilt/ so nimb der Blumen von Krottendill vier zu Pulver gestossen/ unnd trincks mit Bier. Den zweyten Tag nimb der Blumen acht gleicher Gestalt. Den dritten Tag aber so nimb derselben zwölff/ und schwitz allwegen wol darauff/ Es muss aber der Leib zuvor durch ein bequeme Artzney gepurgiret seyn. Etliche brauchen diese Artzeney also/ und ist vielen damit geholffen worden: Sie machen ein Schweissbad von Chamillenblumen und Haberstroh/ und baden neun Tag nach einander nüchtern/ jedesmal auff ein stund oder anderthalb darinn. Den ersten Tag nemmen sie neun der Blumen von Krottendill gepülvert/ zertreibens mit einem Trüncklein guten Biers/ unnd trinckens warm eyn/ so bald sie in das Schweissbad sitzen/ und schwitzen wie gemeldet. Den zweyten Tag nemmen sie der Blumen acht/ den dritten sieben/ den vierden sechs/ den fünfften fünff/ den sechsten vier/ den siebenden drey/ den achten zwo/ und den neunden eine. Und wiewol es aber ein schlechte unnd geringe Artzeney scheinet zu seyn/ so ist sie in der Warheit doch nicht zu verwerffen/ dann sie an vielen Menschen gut/ und bewert erfunden ist worden.
    Krottendill zu Pulver gestossen/ unnd dess Pulvers eines Gülden schwer mit Wein warm getruncken/ tödtet und führet auss die Bauchwürm. Dess aussgetruckten Saffts vom Kraut unnd Blumen getruncken/ thut dessgleichen. Der Safft in gestalt einer Clistier zu sich genommen/ hat gleiche Wirckung.
    Krottendill zu Pulver gestossen/ und dem Rindvieh unnd Schaaffen/ die das Keichen und die Strengel haben/ zu lecken geben/ ist jhnen vor erzehlte Mängel ein edel unnd gut Artzeney.
    Es haben die Alten ein sonderlichen Aberglauben mit dem Krottendill gebraucht/ und fürgeben/ man soll mit der lincken Hand dasselbige aussropffen vor das drittägig Feber/ und den Menschen/ welchen man das Kraut brauchen will/ mit seinem rechten Namen nennen/ unnd nicht hindersich zurück sehen/ darnach dem Krancken das Kraut bringen/ dass er ein Blätlein darvon verschlucke/ soll er dess Febers entlediget werden.

Eusserlicher Gebrauch dess Krottendills
   Den Safft von Krottendill aussgetrückt/ und mit ein wenig Essigs in die Ohren getraufft/ tödtet die Würm darinnen.
    Der aussgetruckte Safft vertreibet das sorglich Halssgeschwer ANGINAM, warm darmit gegurgelt. Das Kraut in Wasser gesotten/ und mit Maulbeersafft ein Gurgelwasser darauss gemacht/ und darmit warm gegurgelt/ wircket gleich viel.
    Die Güldenadern fliessen machen: Nimb Krottendill zwey theil/ Erdscheibenwurtzel/ Nardensamen/ Wildmüntz oder Katzenbalsam/ jedes ein theil/ Seud solche Stück in genugsamem wasser/ und mach darvon ein Dampffbad/ lass den Laum zu dir gehen/ durch ein heimlichen Gemachstul/ und thu dasselbig dess Tags zweymal.
    Die Füss unnd Schienbein mit der Brühe vom gesottenen Krottendill gebadet/ zeucht viel schädlicher Feuchtigkeit von dem Haupt/ trücknet es von den kalten Flüssen/ und benimbt den Schwindel. Solches Bad und Bähung ist auch uber die Mass dienstlich den Weibern/ welchen die Beermutter viel zu leyd thut/ und sich auffwirfft/ unnd von jhrer natürlichen statt verrucket/ dann es stillet bald die Mutterwehe.
    Krottendill in Essig gesotten/ und vor die Nasen gehalten/ stillet und wehret dem Auffstossen und erstickung der Mutter. Das Kraut zwischen den Fingern gerieben unnd daran gerochen/ thut dessgleichen/ und ist ein gute Artzney vor die armen Weiber/ die den Bibergeyl nicht zu kauffen in vermögen/ sintemal es in den Mutterkranckheiten eben die Wirckung hat wie die Bibergeylen.
    Ein Dampffbad von Krottendill gemacht/ und den Laum darvon in die Mutter empfangen/ erwärmt die erkalte Mutter/ und miltert alle Verhärtung und Geschwulst derselben.
    Der Krottendill sampt seinen Blumen/ ist auch gut wider die Rose/ das Rotlauffen/ oder die Entzündung S.Antonius Fewr/ und die hitzige Geschwulsten und Apostemen.
    Krottendill zwey theil/ und krausen Balsam ein theil/ in ein leinen Säcklein eingerigen/ auff einem heissen Zigelstein mit Wein gesprengt/ gewärmet/ also warm uber den understen Bauch gelegt/ vertreibt die Schmertzen nach der Geburt.
    Krottendill gestossen/ und mit Schweinenschaltz zu einem Pflaster gemacht/ vertreibet die Kröpff/ unnd alle andere harte und rohe widerspänstige Geschwulst/ da kein Schmertzen vorhanden/ dess Tags zweymal warm ubergelegt.
    Krottendill in die Gemach gestrewet/ vertreibt die Flöh. Dz Kraut und Blumen in Wasser gesotten/ und die Gemach darmit besprengt/ thut dessgleichen.
    Krottendill vertreibt die Bienen/ derwegen soll man sie an den Orten/ da man Bienen ziehen und erhalten will/ aussrotten/ und die nicht auffkommen lassen.

Krottendillwasser
AQUA STILLATITIA PARTHENII

    Es wird von dem Krottendill auch ein nützliches Wasser gedistillirt/ gleich wie von der Chamillen. Man nimbt das Kraut mit Blumen und wurtzeln/ zerhackts klein/ und zeucht das Wasser sittiglich darvon ab/ und lasset es/ wie andere Wasser/ vierzig Tag in der Sonnen rectificiren.
    Solch Wasser getruncken/ zertheilet die Geelsucht/ fürdert den Weibern die verstandene Monatblumen/ reiniget die Brust und Lungen von dem zähen Schleim/ eröffnet die Harngäng/ und führet auss Sand/ Griess und Stein. Darvon gibt man auff einmal iiii. oder v.Loth zu trincken.

Krottendillöl
PARTHENII OLEUM

    Auss den Blumen dess Krottendills macht man ein nützliches Oel/ wie auss dem Wermuth oder Beyfuss: Das wird nützlich gebrauchet wider alle Geschwulst und verhartung der Weiblichen Geburtglieder/ eusserlich darmit gesalbet/ und Leinine Tüchlein darinn genetzt und ubergelegt. Es dienet auch wider die schmertzlichen Krimmen und Nachwehen derselben/ den understen Bauch darmit gesalbet/ unnd warme Leinine Tücher darnach darüber gelegt.

Gedistillirt Krottendillöl
PARTHENII OLEUM STILLATITIUM

    Auss dem auffgetruckneten Krottendill/ macht man durch die Destillation und Einbeitzung/ auch ein heylsams gedistillirt Oel/ wie auss dem Wermuth/ Chamillen unnd andern Kreutern/ das wird wider alle innerliche Kranckheiten gebrauchet/ darzu der Krottendill an jhm selbst dienlich ist. Darvon gibt man auff einmal drey oder vier Tropffen/ mit einem bequemen Wasser oder Safft/ oder aber mit Wein eyn: wird auch mit andern Artzneyen vermischt. Eusserlich kann das gemein Krottendill Oel darmit gestärckt werden.

Krottendillsaltz
PARTHENII SAL

    Von dem Krottendill kann man mehr Saltz machen dann auss der Chamillen/ das wird aussgezogen und bereitet wie anderer Kreuter und Blumensaltz. Solches wird nützlich mit andern Artzneyen zu vielen Kranckheiten gebraucht/ vor sich selbst aber dienet es wider die kalte Wassersucht/ mit Wein auff zehen Grän genommen.