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VON DEM ZUCKERPENID.

 

            Der Penidzucker ist auch ein gemachter Zucker/ der wird von anderm Hutzucker gemacht/ gemeiniglich aber von dem Thomasinzucker/ doch ist der Cassaunzucker am allerbesten darzu/ unnd machet man denselben also: Nim Cassaunzucker drey oder vier biß in die fünff pfund ohngefehrlich/ geuß frisch Brunnenwasser daran so viel genug ist/ zerlaß den uber einem linden Kolfeuwer/ da hab bereytet das weiß von fünff frischen Eyern/ fast wol mit einem saubern Besemlein zerklopffet/ daß sie zu Wasser werden/ darvon sprenge mit dem gedachten Besemlein auff den siedenden Zucker/ lasse darnach ein weil sieden/ so henget sich alle Unreynigkeit in dem Zucker an das geklopfft Eyerklar/ als dann setze den vom Feuwer/ unnd wann sich das auffsieden vielleicht gesetzet/ so hebe das unreyn und den Schaum mit einem Schaumlöffel sauber darvon/ setze dann den Zucker wider uber das Feuwer/ lasse ihnen wider sieden/ sprenge auch wider von dem geklopfften Eyerweyß mit dem Besemlein darauff wie zuvor/ und nimb es dann auch also hinweg/ das thue so offt biß der Zucker kein Schaum mehr gibt/ darnach seihe den durch ein sauber wüllin Tuch/ unnd setze jhnen wider uber das Feuwer/ lasse den gemächlich unnd doch stäts aneinander sieden/ biß daß er anfahe grosse/ dicke Blasen auffzuwerffen/ als dann nimb ein glatte Spindel oder sonst ein glattes Stecklein in einem frischen kaltem Wasser gelegt/ stosse die eines Gleychs lang eines Fingers in den siedenden Zucker/ daß von dem Zucker daran hangen bleibe/ den küle in einem kalten Wasser ab/ wann nun derselbig erhartet und gern von der Spindel oder Stecklein geht/ auch so man den im Mund keuwet nicht an den Zähnen kleben bleibet/ so wisse daß er genug gesotten ist. Darnach heb jhnen vom Feuwer/ und lasse die Blasen gar wol niedersitzen/ alsdann giesse den auff einen Marmelstein mit Mandelölen angestrichen: Wann er nu gar auff den Stein verflossen ist/ so lupffe den an den orthen auff/ und wirffe den von allen Orthen zusammen/ und thue das so lang/ biß er zu einem Klumpen werden unnd nicht mehr fliessen wil/ als dann bestreiche die Hände mit Amelmeel/ und schlage den Zuckerklumpen an einen krummen Hacken in eine Wand eyngeschraubet/ den zeuch erstlich einer Elen lang an dich/ und wirff den wider umb den Hacken/ darnach zeuch den je lenger und weiter an dich/ unnd schlag jhn als widerumb umb den Hacken/ das thue so lang biß der Zucker anfengt hart unnd schön weiß zu werden/ und zeuch den je lenger je weiter/ unnd dieweil es nicht eines Manns Werck allein ist/ so sollen allwegen zwo oder drey Personen darzu gebrauchet werden/ daß je einer umb den andern abwechseln möge/ dann je mehr d’ Zucker also gearbeitet und gezogen wird/ je schöner und weisser er wird: Wann er dann anfengt hart zu werden und zu erkalten/ soll man stengel kleines Fingers dick/ auch schmäler und dicker wie man die begeret darauß gezogen unnd gedrehet werden/ die lege als dann auff ein Tisch mit Amelmeel besträuwet/ biß die kalt werden. Dieser Zucker wann er kalt worden ist/ so ist er Steinhart und springet wie ein Glaß/ wann er aber ein Tag oder acht alt wirdt/ wird er so mürb/ daß man jhnen mit Fingern zertreiben kann.

 

Von den Namen deß Penidzuckers.
            Die Griechischen Artzt gedencken deß Zuckerpenids gar nit/ und ist jhnen solche weiß den Zucker zu bereyten nit bekannt gewesen/ derwegen können wir auch keinen Nahmen nicht anzeigen. Unsere Artzet nennen jhnen SACCHARUM oder ZACCHARUM PENIDIUM/ und die Apotecker ZUCCHARUM PENIDIUM. Wird auch gemeiniglich von den Gelehrten/ PENIDIA, PENIDIAE unnd PENIDII IN PLURALI NUMERO genennt. Teutsch wird der Zuckerpenid/ Penid oder Benidzucker und auch gedreheter Zucker genannt/ dieweil er in den bereyten oder (wie es die Apotecker nennen) im spinnen gedrehet wird.

 

Von der Natur/ Krafft/ Wirckung und Eygenschafft deß Penidzuckers.
            Der Penidzucker hat eine Krafft und Eygenschafft mittelmässig zu erwärmen/ zu miltern und zu erweychen/ unnd ist auch nit allein im Gebrauch bey den Artzten/ sondern auch bey dem gemeinen Mann.

 

Jnnerlicher Gebrauch deß Penidzuckers.
            Penidzucker in Speiß oder Tranck/ oder aber allein vor sich selbst auff alle Manier und weiß gebrauchet/ dient wider die Räuhe der Keelen und die heissere/ lindert die Brust/ ist gut wider den Husten/ erweychet die Apostemen unnd machet außwerffen.
            Penidzucker mit gesottenem Süßholtzwasser zu einem Julep gemacht/ unnd deß Tages viermal/ nemblich deß Morgens nüchtern umb sechs Uhren/ vom Mittag umb zehen Uhren/ Nachmittag umb drey Uhren/ unnd deß Abends nach dem Nachtessen wann man zu Beth gehen wil/ jedes mal vier Untz warm getruncken/ hilfft wider den dürren und trucknen Husten.
            Es wirdt der Penidzucker den jungen Kindern sehr unnd fast nützlich gebrauchet wider den Husten/ den pfleget man jhnen in jhren Breylein oder sonst in Milch zertrieben eynzugeben.
            Vor den Husten der jungen Kinder ist fast nützlich und erfahren/ nachfolgendts Lattwerglein: Nimb reyn gepülverten Penidzucker zwey Loth/ gutes verscheumpts Jungfrauwenhonigs/ frisches außgeprestes süß Mandelöls/ jedes zwey loth/ vermische es wol in einem Steinlein durcheinander/ daß es ein dünnes Latwerglein werde. Von diesem gieb dem Kindt jedertweilen ein wenig zu lecken/ es thut den Kindern sehr wol.
            Wider den truckenen Husten: Nimb vier Untzen Penidzuckers/ xiv. Untzen frisch Brunnenwassers/ unnd ein Maß frisch gemolckener Milch/ thue sie zusammen in ein saubers verglasurts und wol gewässertes Häfflein/ laß sittiglich bey einer Glut ohne Rauch sieden/ biß daß das Wasser sich verzehret hat. Von dieser Milch gib dem krancken Hustenden deß Tags viermal obgemeldter massen/ jedesmal ein Becher voll warm zu trincken.
            Gepülverten Penidzucker in allen Speisen genützet/ ist fast nützlich den jenigen so durch langwirige Kranckheit in Verzehrung kommen seyndt/ deßgleichen auch denen/ so mit dem schwindtsüchtigen Fieber beladen/ und nicht zu Kräfften kommen mögen. Denselben ist auch fast dienlich so sie nemmen vier oder fünff Untzen Penidzuckers/ unnd zerlassen den in einer Maß frisch gemolckener Eselsmilch/ unnd trincken das wie einen Julep.
            Den jenigen so die Lung verletzt ist/ sollen stätig Zuckerpenid mit frischer Milch zerlassen trincken/ so ein Fieber vorhanden ist.
            Penidzucker in frisch gemolckener Milch zerlassen/ und offtermals darvon getruncken/ sonderlich aber deß morgens und deß Abendts/ vertreibt die dürre unnd rauhe der Stimm/ unnd benimpt die Heisserigkeit.
            Wider die Verletzung deß Halß/ der Keelen unnd der Lungen/ so von den Purpeln oder Durchschlechten ist verursachet worden/ nachfolgendes Latwergelein: Nimb reingepülverten Penidzucker drey Loth/ frischen ungeschmeltzten Buttern zwey Loth/ den Schleym von geweychten Quittenkernen ein Loth/ gepülvert Arabisch Gummi ein halb Loth. Vermische diese Stück wol mit rotem Brustbeerleinsyrup so viel genug ist/ daß es ein dünnes Latwerglein geben möge. Von diesem gieb dem Krancken jedertweilen ein halbes Löffelein voll/ oder mache jm ein Benselein von geschabenen Süßholtz/ und laß den Krancken stätig davon saugen. Diese Artzeney mögen auch die jungen Kinder ohne einige Gefahr nützlich gebrauchen.
            Gepülverten Penidzucker mit frischem ungeschmeltztem Buttern vermischet unnd wie ein Latwerglein temperiert/ ist denen nützlich und gut/ die Alaun/ Vitriol/ oder andere scharpffe/ hitzige oder etzende Ding gessen hetten/ unnd darvon weren verletzet worden/ jederweilen einer halben Castanien groß davon eyngenommen.

 

Eusserlicher Gebrauch deß Penidzuckers.
            Penidzucker in frisch gemolckener Milch zerlassen/ ist ein gute Artzeney das böse Halßgeschwer ANGINAM darmit zu erweychen/ an statt eines Gurgelwassers gebraucht/ unnd den Halß offt darmit gegurgelt. So man darzu Eselsmilch köndte haben/ so were diese Artzeney desto besser unnd kräfftiger.

 

Zuckerpenidwasser.
AQUA SACCHARI PENIDII DECOCTA, oder SACCHARI PENIDII DECOCTIONIS AQUA.

 

            Auß dem Zuckerpenid pfleget man ein herrliches Trinckwasser vor etliche Kranckheiten auff folgende weiß zu sieden: Man nimpt weissen Zuckerpenid fünff Untzen/ frisch Brunnenwasser hundert Untzen. Diese thut man zusammen in ein sauber unnd wolgewässert jrrdin Geschirr/ seudet solches bey einem linden Kolfeuwerlein ohne Rauch sittiglich zum halben theil eyn/ darnach seihet man es durch ein sauber Tuch/ und behalt es zu nachfolgendem Gebrauch. Es dienet denen die ein truckne/ rauhe Keel haben/ es benimpt die Heisserkeit/ lescht den Durst/ dienet wider den Husten/ lindert die Brust/ fürdert dz außwerffen/ stärcket die Lung/ erweychet den Bauch/ ist ein fast nützlicher Tranck den Schwindsüchtigen/ unnd denen so mit der Lungensucht beladen seynd.

 

Zuckerpenidtäffelein oder Confect.
DIAPENIDION.

 

            Es Wirdt in allen wolgerüsten Apotecken ein Confect bereytet funden/ welches DIAPENIDION/ unnd zu Teutsch/ ZuckerpenidConfect/ oder Penidzuckertäfflein genannt wirdt. Das dienet wider den Husten/ erwärmet die Brust und Lung und stärcket dieselbigen/ hilfft wider das Kjeichen unnd schwerlich äthmen/ kompt denen zu hülff die Eyter außwerffen/ dann es reiniget die Lungen/ unnd machet diesen Unrath außwerffen/ dienet wider die Brustgeschwer/ leget unnd miltert den Schmertzen der Brust/ vertreibet die Heisserigkeit/ und macht ein helle Stimm/ und thut den Schwindtsüchtigen unnd Lungensüchtigen grosse Hülffe/ so man jederweilen ein par Küchlein davon jsset.
            Dieweil wir nun an den Zucker kommen/ alle Sorten desselben beschrieben sampt jhren Kräfften und Tugenden/ sollten wir nun auch etwas von dem Manna und Honig sagen/ aber wir wöllen solches biß in sein gebührlich Ort spahren/ unnd diese Section hiermit schliessen/ und zu dem Getreydt schreiten.