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VON WEYTZENSPELTZ ODER NACKTER GERST.

 

 

            Die Weytzenspeltz ist mit jhrem Gewächs aller ding der Speltz fast ähnlich/ aber die Kernen oder der Samen ist nicht in seinen Hülßlein so wol verschlossen als die Speltz/ wird derowegen außgedroschen in den Scheuwren wie der Weytzen/ und hat ein braunen geelen Samen fast wie die Weytzenkörner. Dieses Weytzen Geschlecht ist im Waßgaw und Westrich gantz gebräuchlich/ beide zum Brodbacken und auch zum gebrauch in der Küchen/ den bereytet man auch wie ein Weytzenkern$machet Suppen unnd Brey darauß. Am Rheinstrom ist diese Frucht frembdt unnd schier unbekandt.

 

Von den Namen der Weitzenspeltz.
            Weytzenspeltz ist ein halb Weytzen unnd ein halb Speltzenkorn/ daher es auch seinen Namen empfangen hat/ es heisset Lateinisch/ ZEOPYRUM, unnd von den Kreutlern TRITICOSPELTHUM unnd HORDEUM NUDUM. Hochteutsch/ Weytzenspeltz/ Speltzweytzen/ Nacketgerst unnd Kern/ sintemal an etlichen Orten Kern darauß gemacht wirdt.

 

Von der Natur/ Krafft/ Wirckung und Eygenschafft deß Speltzenweytzens.
            Der Weytzenspeltz/ hat eine vermischte Natur unnd Eygenschafft der Speltz und deß Weytzen/ als wann Weytzen unnd Speltz durch einander vermischet were/ wie solches auch GALENUS, LIBR. DE ALIMENTORUM FACULTATIBUS bezeuget.

 

Jnnerlicher Gebrauch deß Speltzweytzens.
            Der Speltzenweytzen muß an etlichen Orten die Gerst in der Küchen vertretten/ den kocht man wie die Gerst unnd Kern/ mit Milch oder Fleischbrühen/ auch etliche mit lauter Wasser/ und ist eine kräfftige und gute Speiß vor arbeitsame Leuth/ dann sie widerhelt wol unnd nehret auch den Leib treffenlich wol.
            Auß dem Meel dieser Frucht werden auch herrliche und gute kräfftige Breylein und Müßlein gemacht/ beide vor gesunde unnd krancke Leuth/ allerdings wie wir hiebevor von dem Weytzen unnd Speltzenmeel underricht gegeben haben.
            Das Brodt das auß dieser Frucht gebacken wirdt/ stärcket unnd nehret besser dann das Speltzenbrod.
            Sonst mag man auß dem Meel und Brodt allerhandt gute Artzeneyen bereyten/ innerlich in Leib zu gebrauchen/ wie hiebevor von dem Weytzen und Speltzenmeel unnd Brodt angezeigt worden ist.

 

Eusserlicher Gebrauch deß Speltzenweytzens.
            Auß dem Meel unnd Brodt deß Speltzenweytzens/ kann man gute Pflaster und andere tügliche Artzeneyen zu den eusserlichen Gebrechen deß Leisb bereiten lassen/ allerdings wie wir von dem Weytzenmeel und Brodt gelehrt haben.