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VON DEN WALDTGRÄSERN.

 

 

            Dieweil wir an die Gräsergeschlecht kommen/ haben wir auch nicht underlassen wöllen die Waldtgräser zu beschreiben/ unnd haben derselbigen vier underschiedlicher Geschlecht.
            l. Das erste hat eine vielfaltige/ zasechtige Wurtzel von einem Haupt heraus wachsend/ die Bletter seyndt schmal dem gemeinen Graß ähnlich/ außgenommen daß sie steiffer unnd fester seyndt/ die stehen dick in einander/ darauß wachsen viel dünner Halmen/ rund und bloß einer Spannen lang/ darauff erscheinen weyche/ haarechtige Aeher/ von Farben braunlechtig/ es wechst in feuchten dunckeln Wälden/ im Ostwaldt und Spessart im sandechtigen Erdtreich.
            ll. Das zweyte Geschlecht hat eine lange Wurtzel eines Fingers dick/ die theilet sich unden her etwan in zwey oder drey Nebenzincken und oben uber der Erden in etliche rauhe Häupter/ ist mit vielen kleinen haarechtigen Zaseln behenckt/ auß jeden wachsen zehen oder mehr/ auch bißweilen weniger langer fester Graßbletter/ die seynd grösser und breyter als die Bletter deß jetztgemeldten/ auch feyster und ein wenig außgeholet. Auß jedem Haupt der Wurtzeln wechst ein runder/ steiffer/ glatter und blosser stengel anderhalb spannen lang/ der gewinnet oben runde/ knöpffechtige/ grüne Blümlein/ die stehen auff einer seiten nach einander Aehrenweiß. Dieses wächst in den Wiesen so auff den Bergen ligen/ im Schwartzwaldt auff dem Donnersberg.
            lll. Das dritte Geschlecht hat ein vielfaltige/ kleine/ haarechtige Wurtzel von einem Haupt kommend/ die Blättlein seindt schmal und spitz/ fast einer halben Spannen lang/ darzwischen wachsen herfür viii. oder ix. dünner/ glatter Stengel ohne Bletter/ die seynd einer Spannen lang/ darauff wachsen kleine stachelechtige Aehrgen/ dieses wechst im Ostwaldt bey dem Berghauß Lindenfelß in feuchtem/ sandechtigem Erdtreich under anderm Graß.
            lV. Das vierde Geschlecht ist mit der haarechtigen schwartzen Wurtzeln dem jetztgemeldten gleich/ darauß wachsen lange/ rippechtige/ weyche Schwertelbletter/ von farben bleychgrün unnd haarechtig/ zwischen den Blettern stossen herfür glatte Halmen mit wenig kleinen blettern/ anderhalb Schuchs hoch/ darauff wachsen Aehren dem wilden Galgan oder dem dritten Geschlecht deß Bintzengraß ähnlich. Es wächst in dunckelen Wälden/ als im Ostwaldt/ Waßgaw unnd Spessart/ deßgleichen hin und wider in dem Westerwaldt.

 

Von den Namen der Waldtgräser.
            Die Waldtgräser seindt wie andere untüchtige Graßgeschlechter meines wissens von den Alten nicht beschrieben worden/ damit aber diesem unserm Werck nichts mangele/ haben wir sie auch zum underscheid der andern Graßgeschlechter beschreiben wöllen/ und sie auch mit jhren Namen von den andern underscheiden. Das Waldtgraß aber heisset Lateinisch/ GRAMEN SYLVATICUM oder GRAMEN NEMOROLUM. Hochteutscjh/ Waldtgraß und Busch oder Boschgraß. Das vierdte Geschlecht wirdt genannt/ GRAMEN SYLVATICUM PILOSUM. Hochteutsch/ haarechtig Waldt oder Buschgraß.

 

Von der Natur/ Wirckung/ Eygenschafft und Gebrauch der Waldtgräser.
            Es haben die Waldtgräser wie andere untüchtige Geschlecht deß Grases gar keinen gebrauch in der Artzeney/ so bleiben sie auch von dem Weydvieh wie auch von dem Wild unversehret/ unnd werden von ihnen nicht gessen/ seindt derwegen nirgendts zu gut/ dann dem Vieh under zu sträuwen.