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VON DEM SERAPIENKRAUT UND GUMMI.

Serapienkraut. SAGAPENUM.
Serapiensafft oder GUMMI.

SAGAPENI LACHRIMA

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    Das Serapienkraut ist ein Geschlecht deß Krauts FERULAE, welches wie DIOSCORIDES LIB.3.C.83. bezeuget/ in der Landschafft MEDIA wächset/ unnd ist zu unserer zeit/ wie es auch zur zeit DIOSCORIDIS gewesen/ unbekannt/ der hartzechtig Safft aber oder das GUMMI, wie man es nennen wil/ das ist bekannt/ und wird täglich in allen wolgerüsten Apotecken in der Artzeney gebraucht/ ist außwendig von Farben geel/ und jnwendig weiss/ hat ein mittelmässigen Geruch/ zwischen dem Lasersafft oder Teuffelsdreck/ und dem GUMMI GALBANO, ist am Geschmack zanger unnd scharpff. Dieser Safft wird recht geschaffen und gut auß Alexandria zu uns gen Venedig und andere Oerter EUROPAE gebracht.

Von dem Namen deß Serapienkrauts und seines GUMMI.
    Das Serapienkraut wie gemeldet/ wird zu uns gebracht/ und ist der Christenheit gar unbekannt/ derowegen wird seines Namens auch wenig geachtet. GALENUS nennet das Gewächß Lateinisch/ SAGAPENUM. Unser Kreutler nennen den FERULAM SAGAPENIFERAM, und FERULAM MEDICAM. Das GUMMI oder hartzechtig Safft wird von DIOSCORIDE Lateinisch/ SAGAPENUM SACOPENIUM, SAGAPENIUM, unnd von GALENO LACHRYMA und SUCCUS SAGAPENI. Das gantz Gewächß wird Arabisch/ Hassendig, und von MESUEO Alhascihundeg, genannt. Der Safft aber wird von SERAPIONE LIB.SIMP.C.292. Sachabenigi unnd Secbinigi geheissen: Von dem GLOSSOGR.HALIABBATIS, Sequebenegum. Von andern/ Sachabeng, Sachabenz, Serabiniti, Serahabenigi, Scebineg und Berengi, durch welche Namen die Araber in jhren Schrifften allwegen den Safft oder GUMMI, SAGAPENIUM verstehen. Unsere Simplicisten nennens LACHRYMAM FERULAE MEDICAE, und die gemeinen Aertzet unnd Apotecker SERAPINUM. Italianisch/ Serapino. Spanisch/ Serapino, und Teutsch/ Serapiensafft/ oder Serapingummi.

Von der Natur/ Krafft/ Wirckung und Eygenschafft deß Serapingummi.
    Galenus schreibet/ daß das Kraut und der stengel/ unkräftig seye/ unnd zu der Artzeney untüglich. Der Safft aber wird als eine kräfftige Artzeney täglich gebraucht/ unnd hat eine wärmende Krafft. Er machet dünn und subtiel was zehe ist/ zertheilet/ löset ab/ unnd zeucht an sich/ ja er hat eine solche Krafft an sich zu ziehen/ daß er auch Dorn unnd Eysen außzeucht.

Jnnerlicher Gebrauch deß Serapiensaffts oder Gummi.
    Der Serapinsafft säubert und treibet auß die dicken schleimige Feuchten/ auß der Brust und Lungen/ unnd erwärmet unnd stärcket dieselbige/ unnd dienet also wider den alten langwierigen Husten. Er ist gut wider den schmertzen der Brust und Seiten/ wider den Krampff und Bruch/ deßgleichen wider die fallende Kranckheit/ und den verstarrten Halß darinn das Haupt hindersich gezogen wirdt/ wider die Miltzsucht/ Parlyß/ frost und erkältung und angang der nachlassenden Febern/ so man den zu trincken gibt.
  
Mit Honigwasser oder Meth getruncken/ treibet er fort die Monatblumen der Weiber. Den schwangern Frawen aber ist er schädlich/ dann er tödtet die Frucht/ derwegen man dieses Safft mit bescheydenheit gebrauchen soll.
  
Er ist gut mit Wein getruncken wider den gifftigen Thier Stich und Bissz.
  
Dieser Safft eyngenommen/ stärcket unnd erwärmet die Mutter unnd die Gleych der Glieder/ reiniget sie gewaltig von allem Schleim und Uberflüssigkeit/ verhütet das kalt Zipperlein unnd Gliedsucht/ dann er purgirt gewaltig auß den Gleychen/ und was die nerven verletzt. Er purgiert auch die Leber/ Nieren und Blasen/ und reiniget sie vom schleim Grieß unnd allem anderm Unrath/ darvon der Stein zu wachsen pflegte/ und reiniget das Haupt und Hirn von den dicken/ zehen/ feuchten/ unnd dient wider die kalte Wassersucht. Es thut gewaltige hülff wider das Krimmen/ und Därmgegicht oben eyngenommen/ oder mit den Clistiren gegeben.
  
Serapinsafft ii.Scrupel in einem Trüncklein Weinrauthensafft/ oder Rauthenwasser zertrieben unnd getruncken/ ist eine treffentliche gute Artzeney vor das Keichen und schwerlich äthmen.
  
Serapinsafft i.quintl. mit Wasser darinn Betonienkraut gesotten ist/ zertrieben und getruncken/ dienet wider den Hauptnagel oder Hauptwurm HEMICRANIAM, dient den Paralytischen unnd denen so mit der hinfallenden Sucht beladen sind/ unnd vertreibet den Schwindel. Solches thut auch so du Pillulen auß dem Safft machest/ und dieselben in obgemeldter Quantitet verschlüngest.
  
Serapinsafft obgemelter massen in einem Trüncklein guten weissen Wein zertrieben und getruncken/ thut Widerstandt dem eyngenommenen Gifft/ unnd treibet fort die Monatblum der Frawen.
  
Serapingummi i.quintl. mit einem Trünckleinguten weinessig zertrieben und warm getruncken/ ist gut wider Geschwulst deß Miltzes.
  
Gemeldtes Gummi ein Quintlein mit Wein zertrieben und getruncken/ zermalet unnd treibet fort den Nieren und Blasen Stein.
  
Serapingummi ii.Scrupel zu Pillulen formieret/ dieselben verschluckt/ vertreibt das affstossen und ersticken der Mutter. Das hilfft auch so man jhnen das Gummi vor die Nasen haltet/ und den Geruch an sich zeucht.
  
Vor den verhaltenen Harn/ zertreibe den Serapingummi auff ein Quintlein mit gutem Wein/ und trincke es warm/ es hilfft.

Eusserlicher Gebrauch deß Serapinsaffts oder Gummi.
    Wiewol der Serapingummi ein schweren unnd abschewlichen Geruch hat/ füget er doch deßwegen niemandts keinen schaden zu/ dann er vielen Schwachheiten widerstehet/ verhütet vor Fäulnuss/ er zertheilet den trüben/ bösen unnd faulen Lufft/ unnd verbessert den vergifften unnd Pestillentzischen Gestanck/ der auß faulen Lachen/ stillstehenden Wassern unnd Weyhern auffsteiget.
  
Mit Essig zerlassen/ und wie ein Sälblein temperirt/ heylet die grindigen Augbrawen/ dieselben etlichmal deß tags damit angestrichen. Mit Wein zerlassen/ durchgesigen/ darnach zu einem Cerat gesotten/ unnd auff ein Tuch oder Barchet auffgestrichen wie ein Pflaster/ heylet das Seitengeschwer PLEURICIM warm ubergelegt/ gleicher weiß gebraucht/ legt es ein jeden schmertzen der Seiten und Lenden.
  
Verütet daß die Hofer nicht wachsen/ und verzehrt die so angefangen haben/ auff ein Leder wie ein Cerat oder Pflaster gestrichen/ und darauff gebunden.
  
Mit Rauthenöle zerlassen unnd temperieret wie ein Sälblein/ miltert den Schmertzen deß Rückens/ deß Rückgrads und der Lenden/ darmit angestrichen/ unnd etlich mal deß Tags gesalbet.
  
Serapingummi auff Kolen gelegt/ erwedket die Schlaffsüchtigen/ so man jhnen den Rauch under die Nasen lässet gehen. Diese Artzeney hilfft auch wider das ersticken und auffstossen der Mutter.
  
Vor die Augengeschwer die man Wörner nennet/ unnd zu Latein HORDEOLA, zerlaß Serapingummi mit Essig/ streich es auff ein Tuch wie ein Pflästerlein.
  
Serapingummi und Operment/ jedes gleich viel zu Pulver gestossen/ darnach mit Baumölen temperirt wie ein Pflaster/ machet die schrundechtige böse unnd krumme Nägel abfallen/ darüber gelegt.
  
Ein Mutterzäpfflein auß Serapingummi gemacht/ treibet fort die verhaltene Nachgeburt/ zu sich in die Scham gethan.
  
Serapingummi auff glüende Kolen geworffen/ unnd darmit geräuchert/ vertreibet Schlangen/ unnd alle gifftige Thier.

PILULAE DE SAGAPENO.
Serapin PILULAE.

    Von dem ubelriechenden Gummi SERAPINO, machet man heutiges tags zweyerley Pillulen/ die ein nennet man PILLULAS DE SAGAPENO, die andern werden von wegen jres starcken ubelriechenden Geruchs PILULAE FOETIDAE genant/ die findet man in allen wolgerüsten Apotecken zu jederzeit bereitet/ dieweil sie in täglichem gebrauch seyn.
  
Diese Pillulen dienen zu allem Schmertzen der Glieder/ als vor das Hüfftwehe/ Zipperlein/ Knieweh/ Schmertzen deß Rückens unnd deß Rückgrads/ der Gleych/ von kalter zäher feuchten und groben Blästen verursacht/ dann sie die gemelten feuchten gewaltiglich außführen/ unnd die von obgemeldten schmertzen erledigen. Sie dienen auch wider Melancholey und Unsinnigkeit/ so von gebrechen deß Magens jhren ursprung haben. Sie sind auch gut wider dz Parlyß/ Lämbde/ den krampff/ das kalt lauffende Gesicht der Glieder/ unnd alle erkalte Gebrechen deß Haupts/ deß Hirns und der Nerven. Sie vertreiben das schmertzliche krimmen im Leib und das Därmgegicht/ von obgemelten feuchten unnd groben blästen verursacht. Sie dienen auch zu mancherley gebrechen der Mutter/ und fürdern den Weibern jhren Monatblumen.

Andere PILULAE von Serapinsafft.
PILULAE FOETIDAE genannt.

    Die andern PILULAE die man von dem serapinsafft bereitet die nennet man nicht von dem Serapin/ sondern von wegen deß stinckenden Geruchs/ nennet man sie PILULAS FOETIDAS. Diese purgiren und führen auß den groben/ zehen/ kalten schleim deß Haupts und Magens/ auch denjenigen/ der in den gleychen der Glieder verschlossen ist/ sind derwegen nutz wider die Gliedsucht/ Zipperlein/ Kniewehe/ Rückenwehe unnd Hüfftwehe. Deßgleichen denen so der Krampff das Maul krumb zeucht/ unnd die das Halßgeschwer haben/ von zehem groben schleim. Sie sind auch fast nützlich zu dem Fraß oder Kühehunger/ und wider die kalte Wassersucht. Sie treiben auß die Monkinder unnd Muttergewächs/ vertreiben das Krimmen unnd Därmgegicht. Sie dienen wider den Krebs der Nasen/ Malatzey/ Außsatz oder Feldtsucht/ unnd allerhandt Grindt und Verunreinigung der Haut.