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VON DEM STAUBMEEL.

 

            Das Meel so von dem malen hin unnd her fleuhet oder steubet/ unnd sich an den Wänden oder auff dem Boden in der Mülen anhencket/ das pfleget man mit Kehrwischen zusammen zu fegen. Dieweil nun solches auch in der Artzney gebraucht wirdt/ unnd wie biß daher in dieser Section von allem Gerteyd und darauß bereytem Meel gehandelt unnd derselben nützlichen Gebrauch angezeiget/ haben wir nicht underlassen wöllen hie auch von dem Staubmeel etwas zu schreiben und zu berichten wie dasselbige nützlich in und ausserhalb deß Leibes möge gebraucht werden. Wann man aber dieses Meel samblen wil/ so kehret man es fleissig von den Wenden ab/ und läst es widerumb durch einen Beutel lauffen unnd hebt es auff zu dem Gebrauch.

 

Von den Namen deß Staubmeels.
            Das Staubmeel heisset Lateinisch/ POLLEN, FARINA VOLATILIS, oder FARINA VOLATICA. Hochteutsch/ Staubmeel und Mülstaub.

 

Von der Natur/ Krafft/ Wirckung und Eygenschafft deß Mülstaubs.
            Der Mülstaub oder Staubmeel hat ein Krafft und Wirckung zu theilen unnd zu conglutiniren/ also da
ß es auch die zerhauwenen Nerven und die Beinbrüch in kurtzer zeit wider zusammen hefftet/ wird jnnerlich und eusserlich nützlich gebrauchet/ und deßwegen zur Notturfft auffgehaben.

 

Jnnerlicher Gebrauch deß Staubmeels.
            So einem ein Ader in der Brust oder an der Lungen entzwey gesprungen were/ dem sol man Breylein und Süpplein von Staubmeel machen/ unnd die wol sieden lassen/ unnd dem Geschädigten solche offt zu essen geben/ das wird jhm bald zur Heylung und Gesundheit verhelffen. Solche Breylein sind auch fast dienlich und heylsam den jenigen so durch gestochene Wunden jnnerlich an der Lungen/ Leber/ oder dem Miltz verletzt worden sind/ de
ßgleichen auch denjenigen so ein Bein oder ander Glied entzwey gebrochen ist/ dann solche helffen wunderbarlich zu der Heylung.
            Staubmeel Breylein oder Mü
ßlein mit gestählter Milch zubereitet/ sind den jenigen fast dienlich so mit der Därmruhr/ oder andern Bauchflüssen beladen sind/ dann sie heylen die verwundten Därm und die Bauchflüß.

 

Eusserlicher Gerbauch deß Staubmeels.
            Wider das schmertzlich Seitenstechen: Nimb Staubmeel und mach mit Wasser ein Teyg darau
ß/ davon mach kleine Küchlein/ backe die in Scorpionenölen in einem Pfännlein/ lege sie darnach also warm auff das schmertzhafftig Ort da du das stechen am meisten fühlest/ unnd so baldt eines kalt worden ist/ so leg wider ein warmes auff/ und wechsel je eins nach dem andern ab/ biß so lang der schmertzen nachlässet/ unnd das Geschwer anfängt zu brechen/ und durch den Husten mag außgespeyet werden/ darnach brauche Küchlein/ Säfft und Latwergen/ die da machen außwerffen/ so wirdt der Krancke wider gesundt.
            Das bluten der Wunden zu stillen: Nimb Staubmeel und streuwe es in die blutende Wunden/ bi
ß sich das Blut mit dem Meel verpappet/ darnach verbinde die Wunde/ so versteht das Blut/ und ist ein gewiß Experiment.
            Von Staubmeel macht man eine gute Wundsalb/ die hefftet und heilet die Wunden ohne die Nadel/ unnd wiewol solche Wundsalb gering unnd nicht von köstlichen stücken gemacht wird/ so ubertrifft sie doch in Hefftung und Heylung der Wunden/ ale geferbte unnd gemahlete Karrensalbpflaster der Messerschleiffer und Baderhütmacher/ die bereite also: Nimb sauber Honig zwey Theil/ Rosenöle das allein mit Leinölen gemachet unnd eingesetzt ist worden/ wie wir von den Rosen solches zu bereiten bericht gethan haben/ ein Theil nach deinem gefallen/ nach dem du viel oder wenig machen wilt/ Thue gemelte Stück in ein Pfännlein unnd lasse sie sittiglich zergehen/ doch da
ß sie nicht auffsieden/ sondern sich nur allein vereinigen/ darnach streuwe rein gebeutelt Staubmeel darein/ so viel genug ist/ unnd vermische es zu einer dicken Salben/ darvon streich auff ein Tuch unnd leg es uber wie ein Pflaster/ unnd lege auch ein wenig mit Fäselein von leininem Tuch in die Wunden/ die verbinde darnach wol/ und thue das allen Tag/ so wirst du Augenscheinliche Hülff dieses Pflasters oder Wundsalben befinden.
            Ein anders das gleichfalls wol heftet unnd heilet: Nimb rein gebeutelt Staubmeel zwey loth/ Weitzenmeel/ Weyrauch/ Mastix und de
ß GUMMI SARCACC??AE, alles rein gepülvert/ jedes ein loth. Vermische diese Stück mit Eyerklar zu einer Salben/ unnd leg es uber die Wunden. Du magst auch die obgemelten Stück zu einem Hefftpulver vergebrauchen ohne Eyerklar.
            Staubmeel mit den Schnecken ohne die Häu
ßlein in einem Mörser wol durcheinander gestossen/ darnach wie ein Pflaster ubergelegt/ heftet die zerhauwenen Adern und Nerven wider zusammen und heylet sie.
            So einer ein Beyn entzwey gebrochen hette oder ein ander Glied/ so richte es erstlich wider wol ein/ da
ß es zusammen schliese wie es seyn soll und zuvor gestanden ist/ und schlage ein Tuch darumb das zuvor in Rosenölen genetzt seye/ darnach nim Staubmeel temperier es mit Eyerklar zu einer Salben/ legs auff den Bruch mit Hänffenwerck/ schine das Glied darnach wol unnd binds steiff/ daß es sich nicht bewege/ unnd laß also x. Tage ligen ehe du es wider auffbindest/ es were dann Sach daß der Schmertz so groß und der Schenckel anfahen wolt zu apostemieren/ so magst du es sänfftiglich auffbinden ohne sondere bewegung/ damit der Bruch nicht von oder ab einander gehe/ bestreiche jm dann das Glied mit Rosenölen und verbinds widerumb wol wie zuvor/ unnd schlage jhm dargegen heruber ein Ader/ unnd halt den geschädigten in einer mässigen Ordnung mit essen und trincken.
            Oder nimb rein gebeutelt Staubmeel vier Untzen/ Gerstenmeel/ Bonenmeel/ jedes zwo Untzen/ gepülverten BOLUS ARMENUS iii. Loth/ versiegelter Erden/ Drachenblut/ Mastix/ alle zu einem subtielen Pulver gestossen jedes ein Loth/ vermische solche Stück mit Eyerklar unnd brauchs wie oben gemeldet. Damit du aber nicht besorgen dörffest da
ß das Glied apostemir/ so nimb Rosenölen acht Untzen/ Wachs vier Untzen/ Terpentin zwo Untzen/ zerlaß unnd rühre deß gemelten Pulvers drein so viel genug ist da daß es dick werde wie ein Pflaster/ davon streich dann auff ein bequem leinin Tuch/ lege solches uber das gantz Glied wie das vorig/ das verhindert dz das Glied nit dick oder entzündet werde/ wehret dem apostemieren/ stärcket das gantze Glied/ und fürdert den Beynbruch/ zur Heylung.
            Staubmeel heylet die Schrunden im Hindern/ so man dasselbige rein gebeutelt/ darein strewet.