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VON DEN GRAßKREUTERN.

 

Bilder

 

            Der Graßkreuter haben wir vier Geschlecht/ die wir zum theil in diesem ersten Capitel beschreiben wöllen/ und die ubrigen Geschlecht hernach in den folgenden Capiteln.
            l. Das erste Geschlecht ist das Rech oder Queckengraß/ hat ein lange/ knodtechtige und gleychechtige Wurtzel/ mit vielen anhangenden Würtzlein oder Zaseln/ kreucht hin und her/ doch nicht fast tieff in der Erden/ die stösset von jedem Gleych ein besonders Stöcklein herfür/ und erjünget oder mehret sich selber wie der Wegtritt/ Die Bletter seyndt lang/ hart unnd spitzig/ und ein wenig breytechtig/ wie die kleinen Rohrbletter anzusehen/ die Stengel seynd fast zweyer Spannen hoch/ sehr schmal und dünn wie die Strohalmen mit drey oder vier Gleychen/ Am Oberntheil bringen sie außgespreyte Aeher/ darinn wächset ein kleiner Samen/ das Kraut unnd Wurtzel haben ein süßechtigen Geschmack/ mit einer Zusammenziehung und kleinen Schärpfe. Es wächst hin unnd wider auff den graßechtigen Feldern/ auff den Aeckern unnd an den Rechen der Weinberg.

            ll. Das zweyte Geschlecht hat ein Wurtzel von vielen kleinen Erdtfarben Härlein oder Zaseln/ die fladert hin unnd her auff dem Grundt/ nicht tieff in der Erden/ darauß sehr viel Bletter herfür wachsen/ unnd sehr dick in einander/ schier anzusehen wie die Weytzenbletter. Die Stengel oder gleychechtige Hällmer sind dünn und zart/ anderthalb Spannen hoch unnd auch bißweilen Elen hoch/ die bringen oben wollechtige Aeher/ gleich dem Riedt oder Rohren/ darinnen wächset ein kleiner Samen zu der Artzeney dienlich. Jn Flandern unnd in der Graffschafft Zürphen/ wird dieses Graß viel grösser unnd safftiger dann bey uns in Oberteutschlandt/ der Geschmack ist süßechtig mit einer Astriction wie das vorige. Es wächst allenthalben in den Wiesen unnd Graßgärten.
            lll. Das dritte Geschlecht hat auch ein Wurtzel von vielen Zaseln gleich wie die nechstgemeldte/ die stösset viel knodtechtiger Hälmer herfür/ darauß auch Nebenzweyglein von den Gleychen herauß wachsen/ die Bletter seyndt lang/ schmal unnd spitz in der Mitt mit einem erhabenen Nervlein/ welches durch ein jedes Blat gehet/ oben an den Gipffeln/ bringet ein jedes Gipfflein ein langes Aeher mit kleinen weissen Fäselein/ darauß wird ein kleiner Samen. Dieses Gewächs ist am Geschmack süßechtig wie das vorige/ und wächst auff den Feldern in graßechtigen Orten.
            lV. Das vierdte Geschlecht ist ein mittel Gewächs zwischen den zweyen ersten Geschlechtern/ hat kleine weisse Würtzlein mit vielen Zaseln unnd Nebenwürtzlein behencket/ darauß wachsen vier oder v. knodtechtige Hälmer/ werden nicht viel uber Spannen lang/ die Bletter seyn lang und schmal/ ein jedes mit einer erhabenen Nerven in der Mite durchzogen/ an beyden seiten scharpff/ und fornen außgespitzt/ auff den Gipffeln der Stengel hat es viel Aeher je zwey unnd zwey gegen einander uber/ darinn wächset der Samen. Es wächset auff dürren Hübeln und Rechen.
            V. Das fünffte Geschlecht Hundtsgraß genannt/ hat dicke/ gleychechtige/ weisse Wurtzeln/ die kriechen lang und breyt in der Erden hin und her/ nemmen ein ziemlichen Platz eyn/ die seyndt von Geschmack süß unnd lieblicher als die andern/ die Bletter seynd kleiner dann das Riedtgraß/ den Blettern deß Rockenkorns ähnlich/ deren sind auch wenig/ und nicht so viel wie deß ersten und der anderen Graßgeschlechten/ die kröpffechtige oder gleychechtige Hälmer werden Elen lang/ stärcker/ steiffer und dicker dann die Hälmer deß gemeinen Wiesengraß. Oben bringet es auff einem jeden Halmen ein langes Aeher gleich dem Rockenkorn oder Lülch/ darinn wächst ein rauher Samen. Es wächset gemeiniglich in den Fruchtäckern in grosser menge/ den Früchten ein schädlich Kraut/ welches die Ackerleut vor der Saat/ mit der Eggen herfür ziehen und außreuffen wie sie können/ das werffen sie hauffenweiß auff die Strassen daß man darüber gehet und fehret/ damit es vertilget werde/ wann sie aber wüsten wie ein kräfftige mastung unnd Futter es vor das Viehe were/ würden sie es nicht hinwerffen/ sondern nützlicher gebrauchen.
            Vl. Das sechste Geschlecht ist das klein kriechende Hundsgraß/ die Wurtzel ist haarechtig/ hat knöpffechtige Zweiglein die kriechen auff der Erden hin unnd her/ und mehren sich also selber wie das erste Geschlecht das man Rechgraß nennet/ die Bletter seynd kleiner unnd schmäler dann deß grossen Hundtsgraß/ den Blettern deß kleinen Feldtgraß ähnlich/ die dünne Gleychechtige Halmen ligen auff der Erden außgespreytet/ die Aehren seynd außgespreytet wie das vierd Geschlecht deß Graß/ die seynd braunschwartz unnd glantzend/ es wächßt auff den gebawenen Feldern und Brachäckern.
            Vll. Das siebend Geschlecht ist das drite Hundsgraß/ die Wurtzeln seynd dünn und lang/ mit viel kleinen und gekrümpten Härlein behencket/ kriechen unnd mehren sich im Grund mit newen Stöcklein wie das vorige Geschlecht/ die Bletter seynd lenger und dicker/ dann die Bletter deß gemeinen Hundsgraß/ von Farben braunlechtig/ es ist am Geschmack süsselecht mit einer säwre vermischt/ unnd ein sehr wenig scharpff. Es wächset in sandechtigem Grund/ da die Wasser außlaufen/ und bey den Fischweyhern.
            Vlll. Das acht Geschlecht ist das vierde Hundsgraß/ die Wurtzeln seynd lang und haarechtig/ wie die Wurtzeln deß vorigen Geschlechts/ die Bletter seynd fast halber spannen lang/ zwischen denselben kompt herfür ein kleiner kurtzer Halm/ von jeder Wurtzel einer oder zween/ darauff wachsen Aehr von kleinen dickechtigen und harten graßechtigen Blätlein zusammen gesetzt/ es ist mit dem Geschmack dem andern gleich/ und wächset auff sandechtigen Graßhübeln.
            lX. Das neund Geschlecht Ackerstraußgraß genannt/ hat ein zasechtige Wurtzel/ darauß wachsen knodechtige Hälmer fast anderthalb Elen lang/ mit wenig Blettern/ die den blettern deß Hirschen ähnlich seynd/ auff den Hälmern erscheinen im end deß Meyens/ breyte und außgespreyte glantzende Aehren/ die seynd weych und lindt gleich wie die Seiden/ sehr lustig anzusehen. Es wächset hin und wider in den gebawenen Feldern/ in ober und nider Teutschlandt/ under dem getreydt.
            X. Das zehende Geschlecht Spanischgraß genant/ hat ein kleine/ weisse/ zasechtige Wurtzel/ die Bletter seyndt den gemeinen Riedtblettern oder dem Hirsen nicht ungleich/ scharpff und steiff/ von Farben grauwgrün/ dardurch gehen durch die Lenge der Bletter/ weisse Silberfarbe glantzende Strämen/ der Halm ist lang/ dick mit Knoden und Gleychen underscheiden/ wie der wildt Pfennich. Es wirdt bey uns in den Gärten zum Lust gepflantzet/ der Samen ist erstlich auß Hispanien zu uns gebracht worden/ wiewol es in vielen Orten auff dem Saphoyschen Gebirg und Wäldten häuffig von sich selbst wachsend gefunden wirdt.
            Xl. Das eylffte Geschlecht Liebgraß genannt/ hat eine Wurtzel von vielen Zaseln oder kleinen Wurtzeln in einander geflochten/ darauß wachsen zween ider drey gleychechtiger Halmen anderthalb Spannen lang/ unnd bißweilen auch lenger/ es hat wenig Graßbletter/ die sind schmal/ einer halben Spannen lang/ die aber von den Gleychen der Halmen herauß wachsen sein kürtzer unnd kleiner/ auff den Halmen wachsen schöne/ breyte und lustige/ außgespreyte/ straußechtige und zusammengefügte Aehren/ die werden schön weiß wann sie zeitig werden/ ist ein sehr lustig Gewächs anzusehen/ unnd wiewol es in etlichen Orten Teutschlandts/ als in obern Elsaß unnd andern orten deß Rheinstroms von sich selbst wachsend gefunden wird/ so wirdt es doch von wegen seiner schönen unnd hüpschen Gestalt auch in die Lustgärten zur zier gepflantzet.
            Xll. Das zwölffte Geschlecht Sorggraß genannt/ hat ein kleine zasechtige Wurtzel/ der Stengel oder Halm ist fast einer Elen hoch/ mit wenig Blettern/ die Aehren vergleichen sich Sorgsamensähren/ wie auch der Halm und die bletter/ es wächset in ungebawenen trucknen Feldern.
            Xlll. Das 13. Geschlecht/ Hirschengraß genannt hat ein kleines haarechtiges Würtzlein/ der Halmen/ Blettern unnd die Aehren seynd dem Hirschen ähnlich/ außgenommen daß sie etwas kleiner seynd. Es wächst auff ungebawenen Feldern.
            XlV. Das vierzehende Geschlecht Kölbleinsgraß genannt/ hat ein kleines haarechtiges würtzlein/ die Bletter seynd den gemeinen Graßkreutern ähnlich/ die Hälmen sind glatt und dünn/ spannen lang/ darauff wachsen glantzende runde Aehrlein wie Kölblein/ von weissen getrungenen unnd zusammengefügten Blümlein/ wann diese abfallen und vergehen/ folget ein kleines Sämlein. Es wächst an graßechtigen Rechen unnd Büheln oder Hübeln mit andern Graßkreutern.
            XV. Das Fünffzehende Geschlecht/ ist das kleine weiß Straußgräßlein/ das hat ein kleines/ zasechtiges Würtzlein von vielen haaren in einander geflochten/ die Blätlein seyndt sehr schmal/ klein/ spitzig unnd lind/ die kleine/ dünne/ Gleychechtige Hälmlein werden nicht uber halben Spannen lang/ wann sie schon in einem feyßten Erdreich stehen/ darauff wachsen außgespreyte/ straußechtige/ weisse Aehrlein/ etwas glantzend. Es wächßt hin und wider in graßechtigen Gründen/ in den Gärten und Weinbergen.
            XVl. Das sechzehend Geschlecht/ rot Straßgraß genannt/ ist dem jetztgemelten mit Wurtzeln/ Bletter/ dünnen Hälmlein und breyten Aehrlein durchauß gleich/ allein daß die Haelmlein unnd die Aehrlein rötelechtig seynd. Es ist ein frembdes unnd selzames Gewächslein/ das nicht allenthalben wächßt/ wir habens erstmals funden in Hochburgund bey Bizantz in den weinbergen und bey dem Berghauß ARGUE, deßgleichen in dem Ober Elsaß zwischen hohen Königsberg und der Reichßstatt Obernehen/ in dürrem Erdreich under anderem Graß/ aber sonst haben wir es den Rheinstromb herab/ oder auch sonst in keinem Ort Teutschlands mehr gefunden.
            XVll. Das siebenzehende Geschlecht deß Graß/ Habergraß genannt/ hat ein dünnes/ weisses zasechtiges Würtzlein/ darauß wachsen kleine schmale unnd spitzige Graßblätlein einer Zwerchhand hoch/ zwischen den Blätlein stossen herfür drey oder vier dünner/ runder Hälmer/ die seynd mit Knoden oder Gleychen underscheiden/ werden einer Elen lang/ die seynd mit obgemelten Blätlein besetzt. Oben am end der Hälmer erscheinen im end deß Meyens lange Aehre/ von vielen wollechtigen Hülßlein zusammen gesetzt/ darinnen wachsen gegen dem Hewmonat klein langlechtige Körnlein/ dem gescheelten Habern änlich/ außgenommen daß sie etwas kleiner seynd. Der Geschmack ist süß wie deß Rockens oder Weitzens. Dieses Gewächs findet man im Ostwald auff dem >Gebirg in dunckeln/ schattechtigen orten/ auch in den Hecken und Bergechtigen Matten oder Wiesen.
            XVlll. Das achzehende Geschlecht ist ein kleines hartes Gräßlein/ hat ein verwirrtes/ haarechtiges Würtzlein/ von vielen krummen Zäselein in einander geflochten/ die bintzechtige/ kleine und dünne Blättlein seynd hart/ eines Fingers lang/ die wachsen häuffig und dick in einander/ die Hälmlein werden ein wenig lenger dann halben Spannen lang/ die Aehrlein seynd hart/ rauh und gleychechtig/ derwegen es dem Vieh und sonderlich den Schaffen nicht anmütig ist. Es wächset allenthalben in Teutschland uberflüssig auff den dürren und trucknen Heyden/ so wol im Oberlandt als im Niderlandt/ deßgleichen in Franckreich.
            XlX. Das neunzehende Geschlecht/ ist das erste Geschlecht deß Fuchsschwantzgraß/ hat ein kleine/ haarechtige Wurtzel/ der Stengel oder Halm wird einer Elen hoch unnd auch bißweilen höher/ ist mit Knöpffen oder Gleychen underscheiden/ die Bletter seynd schmal/ spitzig unnd wenig/ die Sehren seynd lang von vielen Hülßlein dick zusammen gefügt/ einem Fuchsschwantz gleich/ es wächset allenthalben neben den Wegen und Strassen.
            XX. das zwentzigste Geschlecht/ ist das zweyte Fuchsschwantzgraß/ hat sehr ein kleines Würtzlin von wenig Zaseln oder Härlein/ es hat wenig Bletter/ die seynd etwas lenger als die voriger/ anderhalb Elen lang/ die Aehren seynd lang/ schmal unnd dünner als die vorigen/ es wächst in ungebawenem Erdreich neben den Strassen und Wegen wie das ander.
            XXl. Das ein unnd zwentzigste Geschlecht/ ist das dritte Fuchsschwantzgraß/ die Wurtzel ist von vielen kleinen/ langen Würtzlein durch einander geflochten/ der Halm wird anderthalb Elen hoch/ ist mit etlichen Gleychen wie die vorigen underscheiden/ die Bletter seynd ein wenig lenger und breyter/ die Aeher ist lang/ zusammen getrungen wie ein Fuchsschwantz/ es wechst in vorgemelten enden und orthen.
            XXll. Das zwey und zwentzigst Geschlecht/ ist das Nägleingraß/ es hat ein zasechtige haarechtige Wurtzel/ die Bletter seynd sattgrün/ dick/ safftig/ feyst/ kurtz/ steiff und hart/ der form unnd Gestalt halben den Blettern der Graßnäglein ähnlich/ deren seynd viel unnd unden bey der Wurtzeln hart zusammen getrungen/ darzwischen stosset herauß ein runder/ glatter Halm ohne Bletter/ ist nicht gar einer Spannen hoch/ darauff lange Aehren wachsen gleich dem Cypergraß/ die seynd von Farben braun oder rötelechtig. Es wechst in Sandechtigen und Graßechtigen feuchten Gründen/ deßgleichen in den Matten/ unnd hat ein saurlechtigen Geschmack/ derowegen es das Rindvieh nicht gern isset.

 

XXlll. Rabinengraß.
GRAMEN RABINUM.

 

            Das drey und zwentzigst Geschlecht/ ist das Rabiß oder Rabinengraß/ das wird also wie GESNERUS schreibet/ von den Hirten im Schweitzer und Sophoyerlandt die in dem Gebirg wohnen/ genannt/ darumb dieweil es vor das beste Graß gehalten wird/ und dem Rindvieh die beste Nahrung gibt/ daher daß die Küh/ so sie dieses Graß essen/ viel und uberflüssig Milch geben. Dieses Graß hat der hochgelehrte und weitberühmbte PHILOSOPHUS GUILIELMUS TURNERUS uns mitgetheilet/ welches jhme auß dem Schweitzerlandt zukommen ist/ es hat uns aber nie grün und frisch zusehen mögen werden/ damit wir es hetten mögen abreissen lassen/ die Bletter seynd sonst dem vorgeschriebenen Nägleingraß gar fast ähnlich/ außgenommen daß sie grösser und lenger seynd. Es wächst uberflüssig in Sophoyen und im Schweitzerland.

 

XXlV. Wild Canariengraß.
GRAMEN PHALATOIDES.

 

* XXV. Knoden oder Knollengraß.
GRAMEN BULBOSUM. *

 

XXV. Das fünff und zwentzigste Geschlecht/ ist das Knollengraß/ welches also genannt wird von wegen der Knollechtigen Wurtzeln/ mit langen angehenckten Zaseln/ deren viel und dick uber einander wachsen/ in der grösse der Erdeycheln/ die Bletter seynd auch also mit Gleychen underscheyden/ die Aeher seynd lang/ den Aehern deß gemelten Graß gleich. Es wächst viel im Hertzogthumb Bergen und Gellern/ deßgleichen in Braband und Flandern/ die wurtzeln seynd am Geschmack süß und lieblich/ wie die Wurtzeln deß Rechgraß und Hundsgraß.

 

Von den underschiedlichen Namen der beschriebenen Graßkreuter.
      Das Rechgraß ist das rechte warhafftig Graßkraut DIOSCORIDIS, welches wiewol es heutiges Tages ein gemeines unnd verachtes Kraut ist/ so ist es doch bey den Alten in hohen Ehren gehalten worden/ dann die Römischen Keyser/ Sieger und Kriegsöbersten/ so vor Zeiten im Krieg das Feld behielten unnd den Sig eroberten/ wurden mit Graßkräntzen gekrönet/ zu einem Zeichen daß sie gesiget/ den Frieden gemachet unnd den Krieg gestillet hetten/ unnd muste solcher Krantz auff derselben Walstatt mit der wurtzel deß Graß und Grunds außgeropffet/ gemachet unnd dem Siger auffgesetzet werden. Solche gewohnheit ist hernachmals auch auff die Römer kommen/ die jhnen als jhren vorälteren unnd Fürgängern/ in Sitten/ Ceremonien unnd Gewonheiten/ auffs allerfleissigst nachkommen/ unnd in derselben Fußstapffen getretten seynd. Bey dem FESTO POMPEIO haben wir noch von diesen Graßkreutern ein Sprichwort/ das heisset HERBAM DARE, das ist das Kräntzlein ubergeben oder das Kräntzlein auffsetzen/ von diesem Handel findestu bey dem PLINIO LIBRO 20.CAP.3.4.5.&6. weiter. Dieser Gebrauch das Kräntzlein auffzusetzen/ ist bey uns Teutschen noch im brauch/ doch in einer andern Gestalt/ sintemal sie nicht wissen woher das Kräntzlein auffsetzen seinen rechten Ursprung uberkommen habe/ dann es nicht den Sigern unnd Uberwindern heutiges Tages wie bey den Alten auffgesetzet wird/ sondern den Weinbrüdern die in den Zechen/ Schlafftrüncken unnd Bancketen mit sauffen den Platz behalten/ es den andern vor thun/ unnd zu sauffen Weinhelden seynd. Das wir aber nun wider zu den Namen deß Graß schreiten/ wie solches bey den Alten genennet worden seye. Lateinisch/ AGROSTIS, AEGICON, AMAXITIS, ASYPHYLIUM ,VINIOLA, und GRAMEN. Französisch heisset es GRAME HERBE, und DEI HERBE, Wiewol die Franzosen durch das Wörtlein HERBE, alles Graß unnd Kraut wie es durcheinander auff den Matten unnd in den Graßgärten wächset/ darauß man Heuw machet/ verstehen gleich wie wir Teutschen in Obern unnd Nider Teutschland durch das Wörtlein Graß/ nicht allein das Rechgraß oder seine Geschlecht verstehen/ sondern alles Graß unnd Kraut darauß man Heuw unnd Gromat machet/ ohn einigen underscheyd. Hochteutsch/ Graß. Also wirdt das Graß der Alten in gemein genennet.
      l. Dem ersten und wahren Geschlecht deß Graß DIOSCORIDIS gebühren alle obgemeldten Namen insonderheit/ aber zum underscheidt der andern Graßgeschlechter/ wirdt es von uns Teutschen Rechgraß/ Rindtgraß/ Quecken und Queckengraß genannt/ dieweil es das Rindtviehgern jsset und jhme ein gute Mastung ist/ dann das Wörtlein Queck ist ein altes Teutsches Wort/ das heisset ein Rindt/ ist noch bey den Sachsen unnd Mittnächtigen Teutschen im brauch/ und heisset Quecken oder Queckengraß nichts anders/ als Rindergraß.
      [ ll. Das ander Geschlecht so man gemeiniglich Graß nennet/ wirdt von den Kreutlern genennet/ wie folget: GRAMEN PANICULATUMPRATENSE MAIUS. ]
      lll. Das dritt Geschlecht Knodengraß genannt/ wirdt von den Kreutlern/ GRAMEN GENICULATUM oder NODOLUM genannt/ darumb daß es mehr Gleych unnd Knoden hat dann andere Graßgeschlecht. Die Flehming und Brabänder nennen es Knopffgras/ das ist auch ein wahres Geschlecht deßGraß/ unnd soll billich dem ersten Geschlecht DIOSCORIDIS zugestellt werden/ wie auch das zweyte unnd vierdte Geschlecht/ sintemal sie gleiche Krafft unnd Tugendt haben mit demselben.
      V. Das fünfft Geschlecht wirdt von PLINIO LIB.25.C.8. CANARIA genannt. Von den Kreutlern CYNAGROSTIS, GRAMEN CANARIUM, unnd GRAMEN CANINUM, sintemal sich die Hundt wann sie die Maßleydt haben/ darmit purgieren. Andere nennens DENTEM CANIS, dieweil dieses Kraut wann es noch jung ist/ ehe es zum Stengel kommet/ kurtze/ außgespitzte Bletter hat die den Hundszähnen gleich seindt. Die dritten nennens GRAMEN MEDICATUM, dieweil es an vielen orten nützlich von den MEDICIS vor das GRAMEN gebrauchet wirdt/ dann es gleiche Krafft mit dem Queckengraß unnd seinen Geschlechten hat. Hochteutsch/ Hundtsgraß und Hundtszähn.
      Vl. Das sechst Geschlecht wirdt von den Kreutlern GRAMEN CANARIUM, oder CANINUM SUPINUM genannt/ und GRAMEN CANARIUM MINUS. Hochteutsch/ klein Hundtsgraß.
      Vll.llX. Das siebend unnd das acht haben keine andere Namen dann wie sie bey jren Conterfeyten dieselben verzeichnet haben/ nemlich GRAMEN CANINUM TERTIUM und QUARTUM.
      Das neundte Geschlecht wirdt von den Kreutlern GRAMEN SEGETALE oder ARVENSE PANICULATUM genannt. Hochteutsch/ Ackerstraußgraß/ Feldstraußgraß/ unnd Kornstraußgraß/ dieweil es gemeinlich in dem Korn und under dem Getreyde wächset.
      X. Das zehende Geschlecht wirdt von den Kreutlern GRAMEN SULCARUM, GRAMEN STRIARUM, GRAMEN SABAUDUM, GRAMEN HISPANICUM, unnd GRAMEN PICTUM genannt. Hochteutsch/ Spanischgraß oder Welschgraß.
      Xl. Das eylffte Geschlecht wirdt von den Kreutlern HERAGROSTIS GRAMEN AMORIS, und GRAMEN PANICULATUM SATIVUM genannt. Hochteutsch/ Liebgraß/ welche Namen es alle von wegen seiner schönen gestalt bekommen hat.
      Xll. Das zwölffte Geschlecht/ heissen die Kreutler GRAMEN SORGHINUM. Hochteutsch/ Sorggraß/ dieweil es dem Sorgenkraut und Samen ähnlich ist.
      Xlll. Das dreyzehende wird von den Kreutlern GRAMEN CENCHROIDES und GRAMEN MILIACEUM genannt. Hochteutsch/ Hirsengraß.
      XlV. Das vierzehend Geschlecht hat kein andere Namen/ dann wie sie bey den Conterfeyt verzeichnet seindt.
      XV.XVl.XVll.XllX.XlX.XX.XXl.XXll. Das 15. und sechszehendt Geschlecht haben jhren Namen bey den Conterfeyten verzeichnet. Deßgleichen auch das 17. 18. 19. 20. 21. unnd 22.
      XXlll. Das drey unnd zwantzigste Geschlecht/ wirdt von den Kreutlern GRAMEN RAVISUM, unnd GRAMEN RABINUM genannt/ zu Teutsch Rabisgraß/ Rabinengraß/ dieweil es von den Hirten vor das Meistergraß/ das ist das edelste unnd best vor allen andern Gräsern zu der Speiß unnd Mastung deß Viehes gehalten wirdt.
      Das vier und zwantzigste wirdt genannt/ GRAMEN PHALAROIDES.
      XXV. Das fünff und zwantzigste Geschlecht deß Graß/ wirdt von den Kreutlern GRAMEN BULBOSUM, GRAMEN TUBEROSUM unnd NODOSUM genenet/ von wegen der knollechtigen Wurtzeln. Hochteutsch/ Knollengraß.

 

Von der Natur/ Krafft/ Wirckung und Eygenschafft der Graßkreuter.
      Alle Graßgeschlechter Wurtzeln seyndt ziemlich kalt unnd truckener Natur mit einer Astriction oder zusammenziehung die kümmerlich vermercket wird/ ist subrieler Substantz unnd ein wenig scharpff/ Das Kraut aber der gemeldten Graßgeschlechter/ hat zwischen der trückne unnd feuchte ein mittelmässige Natur/ unnd ist kalt im ersten Grad. Die Wurtzel wirdt sehr in der Artzeney gebrauchet/ sonderlich aber die sechs erster Geschlecht/ unnd das letzte Knollengraß genannt/ dann diese Kreuter alle ein gleiche Krafft unnd Wirckung haben/ unnd mag derwegen je eines vor das ander gebrauchet werden.

 

Jnnerlicher gebrauch deß Graß.
      Wiewol die beschriebene Graßkreuter sie seyen gleich grün oder dürr/ das ist/ es seye Graß oder Heuw/ fürnemlich von Gott dem Allmächtigen zum Futter unnd Mastung geschaffen ist/ so hat er doch darneben auß seiner unerschöpfflichen Güte dem Menschlichen Geschlecht/ solche auch zur Artzeney wachsen lassen unnd verordnet/ dann kein Kreutlein so gering es immer seyn mag/ seinen Gebrauch in der Artzeney hat/ darauß der Mensch billich die Göttliche Vorsehung sollte lernen erkennen unnd zu Gemüth führen/ jhme Lob und Danck darumb sagen.
      Rech oder Queckengraß frisch unnd grün mit den Wurtzeln gesammlet/ gesäubert/ in einem Mörser gestossen/ unnd den Safft darvon außgedruckt/ ist ein heylsame Artzeney wider das Blutspeyen/ Morgens unnd Abendts/ jedesmal vier oder fünff loth getruncken. Darzu dienen auch die andern und ubrigen Graßkreuter/ da je eines vor das ander mag genommen werden/ wie hiebevor ist angezeigt worden/ sonderlich aber das Knodengraß/ groß und klein Hundtsgraß und das Knollengraß.
      auß deß Rechengraß oder Hundtsgraßwurtzeln machet man einen köstlichen Tranck zu folgenden Kranckheiten: Man nimpt der gemeldten gesäuberten Graßwurtzeln vier Handtvoll/ schneidet die klein/ thut sie in ein Kannten/ schüttet darüber ein maß frisch Brunnenwassers/ verlutiert den Ranfft der Kannten mit einem Rockenteyg/ oder einem Teyglein von Eyerweiß unnd Meel gemacht/ stellet darnach die Kannten in ein Kessel mit siedendem Wasser/ unnd lasset die Materi in der Kannten zum wenigsten drey Stunden sieden/ folgendts wann er von sich selbst kalt worden ist/ seihet man denselben durch ein Tuch/ unnd behaltet es in einem Glaß oder steininen Geschirr zum Gebrauch an einem külen ort. Dieser Tranck eröffnet die verstopffung der Leber/ treibet auß die Geelsucht/ dienet wider den Schmertzen der Nieren unnd Lenden/ treibet Harn/ Grieß unnd Stein/ ist gut wider das krimmen im Leibe von Bauchflüssen herkommen/ treibet die Spülwürm auß dem Leib unnd tödtet sie/ treibet den Kaltseych/ Harnstreng/ fürdert die weiblichen Monatblumen/ heylet die versehrung der Blasen/ unnd ist ein fast nützlicher Tranck in den Pestilentzischen Febern/ darinnen sich die Pestilentzflecken oder Todtensprentzel erzeigen/ dann es treibet dieselbigen gewaltig auß. Jn kalten Gebrechen aber der obgemeldten erzehlten Kranckheiten soll man an statt deß Wassers einen guten fürnen Wein nemmen/ und den Tranck wie gemeldt bereyten.
      Rechgraßkraut und Wurtzelsafft/ deß Morgens unnd Abendts/ jedesmal drey untzen getruncken/ ist gut wider die Blutruhr und andere hitzige Bauchfüß/ unnd heylet darneben die jnnerliche versehrung von der Ruhr verursachet.
      Gemeldten Safft gleicher gestalt getruncken/ tödtet unnd treibet auß die Spülwürm. Oder nimm frisch Rechgraß/ oder aber Hundtsgraßwurtzeln ein Handtvoll/ zerschneide sie/ unnd stosse die wol in einem Mörser/ schütte darüber ein halbes Becherlein voll Weins/ zwinge es durch ein Tuch/ unnd trincke es auff einmal/ es tödtet unnd treibet die Würm gewaltig auß.
      Oder nimb Queckengraßwurtzeln iii.loth/ Feigbonen/ gebrannt Hirtzhorn/ Wurmsamen/ jedes i.loth. stosse gemeldte Stück zu einem subtielen Pulver/ schlags durch ein härins Sieblein/ unnd mach mit neun untzen verscheumptem Honig ein Latwerglein darauß/ gib auff einmal ein loth/ drey quintlein und auch ein halb loth/ nach dem der Mensch starck/ alt oder jung ist.
      Oder nimb Queckengraßsafft von Kraut unnd Wurtzeln außgepresset acht untzen/ Wegwartensafft sechs untzen/ Balsammüntzsafft/ Alantwurtzelsafft/ Wermuthsafft/ Rauthensafft/ jedes vier Untzen/ geschaben Hirtzhorn ein loth/ Sumachkörner/ Burtzelkrautsamen/ jedes ein loth. Vermische die Stück unnd thue sie in ein Kannte/ stelle dieselbige in ein Kessel mit siedendem Wasser/ laß ein halbe Stund darinn sieden/ darnach seihe es durch ein Tuch/ zerlasse darinn sechs untz Feinzucker und gib auff einmal iii.untzen warm zu trincken/ es tödtet unnd treibet die Würm gewaltig auß. Einem jungen Menschen under zwentzig Jahren gib zwo untzen/ einem jungen under zwölff Jahren ein untz/ unnd einem Kindt under sieben Jahren ein loth.
      Die jungen Kinder die Würm haben/ sollen nachfolgendes Wasser stätig unnd nach durst trincken: Nimb Queckengraßwurtzel/ Gersten die nicht gescheelet ist/ jedes i. Handtvoll/ schwartzer Brustbeerlein die frisch seindt ii.loth. diese Stück soll man zusammen in ein Kannten thun/ dieselbige umb den Ranfft wol bekleiben/ folgends in ein Kessel mit siedendem wasser setzen/ und zum wenigsten zwo Stunden darinn sieden lassen/ darnach wann es kalt worden ist/ durchseihen.
      Graßkraut unnd Wurtzeln frisch gestossen/ unnd den Safft darvon außgedruckt/ treibet die Würm kräfftiglich auß/ iii.untzen darvon nüchtern getruncken.
      Wider die Lebersucht mach folgenden Tranck: Nimb Quecken oder Hundtsgraßwurtzeln drey Handtvoll/ Fenchelwurtzel ein Handtvoll. Alle klein geschnitten/ thue die in ein bequeme Kannten/ verlutier den Ranfft wol/ und stelle die in ein Kessel mit siedendem Wasser/ laß zum wenigsten drey Stunden darinn sieden/ darnach seihe es durch ein Tuch/ unnd gib dem Lebersüchtigen Morgens und Abendts/ jedes mal iii. oder iiii. untzen davon warm zu trincken/ unnd beharr dieses biß der Tranck gar außgetruncken ist. Dieser Tranck dient auch wider die Geschwär der Leber.
      Queckengraßwurtzel und Samen/ jedes gleich viel zu einem subtielen Pulver gestossen/ und ein quintlein oder anderhalbes mit Wein zertrieben unnd warm getruncken/ treibet auss das Grieß und den Stein.
      Oder mach folgendts Pulver: Nimb Queckengraßwurtzel drey loth/ Hundtsgraßwurtzel zwey loth/ Hauwheckelwurtzel/ Engeltranckwurtzel/ Meerhirsen/ Bettlersläußsamen/ jedes ein loth. Stosse gemeldte Stück zu einem subtielen Pulver/ unnd schlags durch ein reynes härin Sieblein/ unnd behalts in einem Schächtlein oder ledernen Säcklein/ gib darvon eines quintlein schwer mit gutem fürnen Wein warm/ es treibet das Grieß und den Stein gewaltig/ unnd fürdert den verstandenne Harn.
      Wider die Spülwürm unnd andere Würm im Leib zu tödten unnd außzutreiben: Nimb Queckengraßwurtzel ein Handtvoll/ seude die in einer ächtmaß weissen/ fürnen Weins den halben theil eyn/ seihe es durch ein Tuch unnd druck die Wurtzeln hart auß/ nimb das halbe theil unnd vermische darmit geschaben unnd reyn gepülvert Hirtzhorn eins quintleins schwer/ unnd trincks deß Morgens früh vier Stunden vorm Essen/ unnd das ander halbe theil deß Abendts mit ein quintlein deß gemeldten Pulvers drey Stunden vor dem Nachtessen/ das ist ein besonders Experiment die Würm zu tödten und außzutreiben.
      Queckengraßsamen zu Pulver gestossen/ unnd eins quintleins schwer mit Wein zertrieben und getruncken/ dienet wider alle Bauchflüß.
      Queckengraßsamen gleicher gestalt mit Wein getruncken/ dienet wider die versehrung der Blasen.
      Oder nimb Queckengraß mit Wurtzeln und Samen vier Handtvoll/ zerschneidts klein/ thue es in ein bequeme Kannten/ schütt ein maß weissen fürnen Wein darüber/ verlutier den Ranfft der Kannten/ und lasse vier Stunden in einem Kessel mit Wasser sieden/ darnach seihe den Tranck ab durch ein Tuch und gib dem Krancken darvon Morgens und Abendts/ jedes mal iiii.untzen warm zu trincken.
      Queckengraßwurtzeln in Wein gesotten wie oben gemeldet/ und Morgens und Abends/ jedes mal drey oder vier Untzen darvon getruncken/ dienet wider die bissz der gifftigen Thier.
      Es haben die Alten die Quecken und Hundtsgraßwurtzeln wie VEGETIUS darvon schreibet/ die man auff den Aeckern im pflügen und eggen außmachet/ fleissig gesamblet/ unnd mit Gersten dem Rindvieh zur Mastung zu essen geben. Unsere Ackerleuth reutens als ein Unkraut auß/ und tragens hauffenweiß auff die Strassen darmit es vertilget werde/ da sie doch ein bessern und grössern nutz davon haben möchten/ so sie es dem Rindviehe mit Kleyen oder gemalener Gersten zu essen geben/ und es damit mästeten und feyßt machten.

 

Eusserlicher Gebrauch deß Graß.
      Graß das sieben Gleych oder Knöpfflein hat/ ist eine kräfftige Artzeney wider das Hauptwehthumb/ ubergeleget oder umb das Haupt gewunden/ wie PLINIUS LIB.24.C.19. solchs bezeugt/ deßgleichen auch der Poet SERENUS LIB.DE CURAT, MORBORUM, C.1. der also spricht:

 

 

      Graß daß nur drey Gleych oder Knoden hat in dem abnemmenden Liecht gesammlet unnd außgerauffet/ stillet die hitzigen Flüß der Augen so man das umb den Halß bindet/ es seye gleich grün oder dürr.
      Graß frisch mit der Wurtzeln gestossen/ unnd wie ein Pflaster uber die zugethanen Augen gelegt/ dient wider das hitzig Augenweh/ und zeucht die Hitz gewaltig auß.
      Quecken oder Knodengraßumb das Haupt und Halß gebunden/ stillet den Blutfluß der Nasen.
      Queckengraß frisch gestossen/ den Safft darvon außgeprest/ und in die eyternde Ohren getraufft/ heylet dieselben: heylet die fäulnuß deß Zahnfleisches und der Biller/ den Mund und Biller offt darmit außgewäschen.
      Queckengraßwurtzeln in Wein gesotten/ unnd denselbigen warm im Mundt gehalten/ stillt das Zahnwehthumb. Graßwurtzeln im Mundt gekäuwet/ hat gleiche Wirckung.
      Queckengraßwurtzeln/ mit Mertzenveielnkraut und Bürtzelkraut gestossen/ darnach in gutem Weinessig gesotten/ und wie ein Pflaster warm uber den Magen und Leib geleget unnd oftermals erfrischet/ treibet die Würm kräfftiglich auß dem Leib/ unnd ist eine gute Artzeney vor die Kinder/ die andere Artzeney nicht gebrauchen können.
      Queckengraßwurtzeln in Wasser gesotten/ und den Magen unnd Bauch warm darmit gebähet/ stillet das wüten unnd unruhe der Würm/ unnd treibet die roten Würm auß.
      Queckengraß mit der Blumen gesotten/ unnd wie ein Pflaster uber das Miltz geleget/ leget den Schmertzen desselben.
      Querckengraßwurtzeln mit Wein gesotten/ heylet die <bissz der Schlangen unnd gifftigen Thier wie ein Pflaster ubergelegt.
      Querckengraß mit den Wurtzeln in Wein gesotten und uber den understen Bauch und die Schloß so warm man es leiden kan/ geleget/ vertreibet den Kaltenseych oder Harnwindt/ und das tröpfflingen harnen/ es bringet auch kräfftiglich wider den verstandenen Harn.
      Queckengraß mit den Wurtzeln in Wasser gesotten/ unnd die Podagrische geschwollene Füß darmit gedämpffet/ unnd auch wie ein Pflaster ubergeleget/ vertreibet die Geschwulst.
      Queckengraßwurtzel frisch gestossen/ unnd wie ein Pflaster uber die frischen Wunden gelegt/ hefftet unnd heylet dieselbigen.
      Queckengraß mit den Wurtzeln wann es noch grün unnd frisch ist gestossen/ vertreibet das Rotlauffen/ alle hitzige Geschwulst und entzündung/ der Schäden und Wunden.
      Queckengraß mit den Wurtzeln in Wein gesotten/ unnd die durchgesiegene Brühe mit Honig temperiert/ heylet die Geschwer/ Löcher unnd versehrung der heimlichen Oerter damit gewäschen/ und leinine Tüchlein darinn genetzet und ubergelegt.
      Alte/ getrucknete unnd gedörrte Queckengraßwurtzeln zerschnitten und in Essig geworffen/ machen denselben starck und scharpff.

 

Gedistilliert Graßwasser.
GRAMINIS AQUA STILLATITIA.

 

      Das Graßwasser wirdt allein auß den Wurtzeln deß Queckengraß oder Hundtsgraßwurtzeln gedistilliert: Man nimpt im Frühling oder Herbst die Wurtzeln wann sie am kräfftigsten seyn/ reyniget unnd wäschet sie sauber von der Erden/ hacket unnd zerschneidet sie klein/ distilliert darnach mit sanfftem Feuwer ein Wasser darvon IN BALNEO MARIAE, darnach nimpt man zu jeder massen Wassers vier Untzen der gedörrten Quecken oder Hundtsgraßwurtzeln zu einem groblechten Pulver gestossen/ vermischet solche durcheinander/ lasset sie vier unnd zwantzig Stunden in einem warmen BALNEO MARIAE miteinander beytzen/ darnach distilliert mans zum ander mal/ und lasset solches seine gebürliche Zeit in der Sonnen rectificiern.

 

Jnnerlicher Gebrauch deß Graßwassers.
      Graßwasser eröffnet die verstopffung der Leber/ der Nieren/ Harngäng und Blasen/ es fürdert den Harn/ dient wider den schmertzen der Nieren unnd Lenden/ treibet auß den Stein und heylet die versehrung der Blasen/ tödtet und treibet auß allerhandt Würm/ deß Morgens und Abendts/ jedesmal vier oder v. loth getruncken/ unnd auch den täglichen Tranck darmit gemischet.
      Wider den Stein ein gute und gewisse Kunst: Nimb Quecken oder Hundtsgraßwasser drey untzen/ Pfrimmenblutwasser zwo untzen/ weissen Zucker ein untz/ solches soll man vermischen unnd durcheinander zergehen lassen/ dann deß Morgens nüchtern auff einmal trincken/ unnd das die Wochen ein mal zwey oder drey thun/ das treibt Grieß und Stein hinweg. So aber die gemeldten Wasser nicht bey der Handt werend/ soll man Graßwutzeln und Pfrimmenblüth in Wasser sieden/ und zehen Loth darvon mit zwey loth Feinzucker vermischen/ darnach obgemeldter massen trincken.

 

Graßwein.
AGROSTITES oder GRAMINEUM VINUM.

 

      Der fürtreffentliche und weitberühmpte ARNOLDUS VILLANOUANUS, lehret ein Wein auß den Wurtzeln deß Graß zu machen/ der tödtet die Würm im Leib/ ist erfahren wider alle Gebrechen der Nieren unnd Blasen/ wider das Grieß/ den Stein/ Nierenwehe/ schwerlich unnd tröpfflingen harnen und das krimmen. Er eröffnet die verstopffung der Leber unnd der Adern die vom Magen zu der Leber gehn/ von unverdauwlichheit verursachet/ deßgleichen dienet er wieder die Gliedtsucht/ dann er treibet auch durch den Harn die schleinige Feuchten/ sintemal auch die Graßwurtzel under die harntreibende Stück gezehlet wirdt. So man diesen Wein machen wil/ sollen die Wurtzeln deß Graß sauber gereyniget unnd gewäschen unnd in ein Fäßlein mit Wein gethan werden. Weiln aber gemelder ARNOLDUS die Form unnd weiß diesen Wein zu bereyten nicht anzeiget/ soll er wie andere Wurtzeln Wein gemacht werden/ also daß man die dürren Wurtzeln in ein Fäßlein mit Hanbüchen oder Häselen Spähnen eynschlage/ darnach mit einem guten Most zu fülle/ unnd darüber verjähren lasse. Es hat wol ARNOLDUS die Wegdritt POLYGONUM MAREM, vor das rechte Graß oder GRAMEN der Alten gehalten/ aber es ist ein Jrrthumb wie an seinem Ort angezeiget werden soll/ doch dieweil dieses Gewächß fast gleiche Kräfften mit dem Graß gemein hat/ ist er zu dulden/ doch daß der Wegdritt nicht vor das GRAMEN gehalten werden soll/ darmit nicht wie vielmals geschehen auß einem jrrthumb unzehlige Jrrthumb erwachsen/ Welcher aber nun aber den Graßwein bereyten wil/ der soll Quecken oder Hundtsgraßwurtzeln darzu nemmen/ der wirdt die erzehlten Wirckungen inn seinem täglichen Gebrauch befinden.