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VON DEM FENICH ODER PFENNICHGRAß.

 

 

            Der Fenich oder Pfennichgräser haben wir drey Geschlecht.
            l. Das erste ist mit Wurtzeln/ Bletter/ Stengel oder Halmen unnd seinen gleychechtigen Knöpffen/ dem wilden Pfennich durchau
ß gleich/ außgenommen daß es kleiner unnd zum Theil auff der Erden außgespreytet ligt/ dann die Stengel werden nicht uber Spannen lang/ und wächset auff einem jeden Halmen ein eintziges Aeher eines Fingers lang/ dz ist von Farben grünlechtig und haarechtig. Es wächst an feuchten graßechtigen orten/ hin und wider neben den Landstrassen.
            ll. Das zweyte Geschlecht ist dem jetztgemeldten mit Wurtzeln/ Blettern unnd gleychechtigen Halmen durchau
ß gleich/ außgenommen dz dieselben lenger und die Aehren kleiner und rauher seindt/ deren auff jedem Halm fünff oder sechs/ auch mehr und weniger gesehen werden.
            lll. Das dritte Geschlecht ist zarter und dünner mit Blettern und den gleychechtigen Stengeln/ die Aehren seindt dem Blutgra
ß ähnlich/ von farben schwartz wie auch der Samen/ doch wann er gescheelet wirdt/ ist er innwendig weiß. Diese beyde Gewächß wachsen an obgemeldten orten neben den Strassen.

 

Von den Namen der Fenichgräser.
            Der Fenich oder Pfennichgräser ist bey den Alten auch nicht gedacht worden/ dann uns keine Schrifften zur handt kommen/ die sich mit diesen Gra
ßkreutern vergleichen wöllen. Die Kreutler nennen dieses Graß ELYMAGROSTIN, das ist/ GRAMEN PANICEUM. Hochteutsch/ Fenichgraß oder Pfennichgraß.

 

Von der Natur/ Krafft/ Wirckung und Eygenschafft deß Fenichgraß.
            Es wird das Pfennichgra
ß in der Artzeney gar nicht gebraucht/ es ist ein Viehfutter/ wiewol es das Vieh nicht so gern jsset/ dann wann es besser Futter hat/ so achtet es dieses nicht viel. Der Samen ist ein anmütige Speiß vor die Vögel/ möchte auch ohn einigen Schaden/ in der Speiß genützet werden. Etliche wöllen Brod auß diesem Samen machen/ daß man dasselbig in der theuwren Zeit/ so das Korn schwerlich zu bekommen ist/ essen unnd den Hunger mit büssen möchte/ Aber es solt einer wol fünff oder sechs Malter Brod verzehren/ ehe einer ein halb Malter zu wegen bringen oder samblen möchte/ wir wöllen diese Narrheit fahren lassen/ und die lieben Vögelein jhrer Speiß nicht berauben/ sintemal sie auch ernehret müssen seyn.