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VON DEM CRONENKRAUT.

    Das Cronenkraut hat eine harte holtzechtige Wurtzel/ unten voller kleiner haarechtiger Zaseln/ daraus wächst ein Stengel einer Ellen lang/ der hat von der Wurtzel an biß oben aus viel Nebenästlein oder Zweiglein geringsherumb/ je eins über dem anderen/ und ligen die Untersten auf der Erden außgespreitet in die Ründe/ und wachsen weit umsich/ die Blätter daran seynd klein/ rund/ und mit tieffen Kerfflein zerschnitten und gekrümmt/ spitz/ anfänglich wann sie noch jung sind/ lind und weich/ hernachmals aber werden sie steiff und hart/ und wann sie zum Saamen kommen/ rauh und stechend. Es wächst fast gern/ und nimmt ein eintziges Stäudlien einen grossen Platz um sich: Der Saamen darvon/ ist mir erstlich aus Hispanien von dem Edlen Herren/ Heinrichen von Wildberg/ mit andern mehr Saamen/ ohn einige Verzeichnuß des Nahmens zugeschickt worden/ und wiewol es sich schwärlich/ wo es einmal hingesäet wird/ vertilgen lässet/ bin ich doch gar von wegen der Veränderungen der Wohnungen/ und Verhinderung undanckbarer/ grober Leute/ die Kraut/ Rüben/ Rettich/ und anderer dergleichen Dingen/ in der Reichsstadt Wormbs darum kommen.
    II. Es ist noch ein ander stechendes Kraut/ welches Conterfayt wir an der zweiyten stell geben haben/ das hat eine überzwerche und hin und her kriechende Wurtzel/ wie das Hundsgraß/ die Blätter sind dem kleinen Wechoder/ oder dem Spanischen Steinspargen ähnlich/ an den dünnen gleichechtigen Nebenzweiglein/ der Haubtstengel ist einer Ellen lang: Die Blümelein sind weiß/ die stehen gedrungen bey einander wie Crönlein/ der Saamen wann er noch in seinem Hülßlein ligt/ sit er dem Reyß nicht ungleich/ wann er aber heraus gethan wird/ ist er geel/ dem Saamen des Steinklees ähnlich.

Von den Namen der gemeldten Kräuter.
    Das erste Geschlecht der beschriebenen Kräuter/ halten wir vor das DRYPIS THEOPHR. 1. HIST. 16. Dieweil er aber THEOPHRASTUS an gemeldtem Ort nur die stachelechtige Blätter/ und sonst nicht weiters beschreibet/ ist nichts eigentlich zu schliessen/ doch soll es DRYPIS THEOPHRASTI bleiben/ so lang biß ein anderer ein bessers darthue. Teutsch habe ich es von den Gärtnern Cronenkraut hören nennen/ woher aber/ weiß ich nicht eigentlich/ dann daß die HORTULANI anzeigten/ dieweil dieses Kraut geringsherumb unten sich mit seinen Blättern weit auspreitet/ und oben hinaus allgemächlich in eine runde Form und Gestalt sich zuspitzet& wie eine dreyfache oder Päbstliche Cron/ hätten sie diesem Gewächs den Nahmen Cronkraut gegeben. [KALI SPINOSUM COCHLEATUM, C. B. KALI SIVE ALKALI, DOD. BELG. AN HIPOPHAESTON DALECHAMPII, LUG.]
    II. Das ander Kraut/ haltet der hoch und weitberühmbte PHILOSOPHUS ALOISIUS ANGUILLARA, vor das DRYPIS THEOPHRASTI, dieweil aber THEOPHRASTUS von diesem Gewächs nur die dornechtigen oder stachelechtigen Blätter beschreibet/ ist schwärlich zu schliessen ob es DRYPIS seye oder nicht/ doch ist darbey keine Gefahr/ sintemal die Kräft und Tugenden obgemeldter Kräuter uns unbekannt/ wie auch THEOPHRASTUS darvon nichts gemeldet. Welches nun aber das rechte DRYPIS THEOPHRASTI, unter diesen beyden beschriebenen Kräutern sey/ wollen wir den Gelehrten zu judiciren übergeben/ und ihnen das Urtheil außzusprechen befehlen. [SPINA UMBELLA FOLIIS VIDUA, C. B. DRYPIS THEOPH. ANGUILLARAE, LOB. LUGD. FORTE CONNOTHUS, COL.]