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YSOP
Hyssopus - Labiatae


VON YSOP

    Dess Ysops seyn zwey Geschlecht/ der gemeine und frembde. Der gemeine Hysop hat einen lieblichen Geruch/ mit schönen/ grünen steiffen/ unnd langlechten Blettern bekleydet/ gleich wie die Satureyen/ allein dass sie etwas grösser seyn/ Hat ein holtzechte Wurtzel/ darauss seine Stengel kommen (anderhalb Schuhelang( oben mit blaw Farben geährten Blumen (zu zeiten auch weiss gegen dem Heuwmonat gezieret. Diesen volget häusslein/ darin ein kleines schwartz Sämlein verschlossen.)
    Das ander Geschlecht ist diesem fast gleich/ allein dass es rote Blumen uberkommet/ (unnd zu zeiten die Blumen alle auff ein seiten sich neigen.)
    Es gedencket LOBELIUS noch eines andern Geschlechts in seinen ADVERSARIIS FOL.185. so auff der einen Seiten gantz schneeweiss seyn soll/ auff der andern aber grün.
    Es wirdt der Ysop fast allenthalben in Gärten gepflantzet: Blüet den Sommer uber. LONICERUS gedencket noch eines wilden Geschlechts so auff den Bergen wächst. Dieses findst du in diesem Buch/ under dem Namen Sonnenguntzel oder HELIANTHEMO beschrieben.)

Von den Namen
    Jsop oder Ysop heist auch Jspen und Klosterhysop. Lateinisch HYSOPUS oder HYSOPUM.

Von der Natur/ Krafft/ Wirckung und Eygenschafft dess Ysops
    PAULUS AEGINETA schreibet LIB.7.DE RE MEDICA, der Ysop sey gar einer subtielen Substantz/ warm und trucken im dritten Grad. Er macht dünne/ öffnet/ durchtringet unnd säubert. (Jm Augstmonat soll man jhn beschneiden und dörren.)

Jnnerlicher Gebrauch dess Ysops
    Es schreibet MARCELLUS IN LIBRO DE MEDICAM, dass der Ysop stärcker unnd kräfftiger seye/ die böse Feuchte auss dem Magen zu führen/ dann der Wermuth.
    So sagt auch DIOSCORIDES, wenn man den Ysop im Wein siede/ unnd die Brühe mit OXYMELITE vermische/ darnach einnemme/ so treibe er die dicke grobe Feuchten durch den Stulgang. Es meldet aber FALLOPIUS, in seinem TRACTATU DE SIMPLIC.MEDICAM.PURGANTIBUS, dass sie ein geringere Krafft zu purgieren haben.
    Jedoch thun sie gar wol/ wenn man den Leib purgieren will/ dass man sie zuvor in Honigwasser siede/ unnd ein Tag drey oder vier/ ehe dann man purgiere/ Morgens unnd Abendts einen guten Trunck davon thue/ damit es den groben Schleim zuvor ein wenig zertheile/ so hernach desto füglicher kann geführet werden.
    (Mit grünen Feigen gesotten und warm getruncken/ erweicht er den Bauch zum Stuelgang. Jn der speiss und tranck genützt macht ein hübsche farb und stärcket das Gesicht.
    Wer sich gern brechen wollte/ der siede Ysop unnd Kressen mit Essig und Honig/ trinck es lauw/ und stoss darnach ein Feder mit Baumöl in Halss.)
    Seine fürneme Krafft und Eygenschafft ist/ die gebrechen der Brust unnd der Lungen zu vertreiben/ dargegen er fast für allen andern Kräutern zu gebrauchen ist: Als da seyn die Verstopffung der Lungen von grober Feuchte/ alter Husten/ schwerer Athem/ Völle der Brust/ keüchen unnd andere dergleichen Gebresten der Lungen mehr/ so von Kälte herkommen/ darzu der Ysop ein besondere Krafft und Tugendt hat.
    Wider oberzehlte Gebresten der Brust beschreibet DIOSCORIDES einen guten Brusttranck/ als dass man neme Hysop/ Feigen/ Honig und Rauten/ siede dieselbige in Wasser/ und trincke darvon einen guten starcken Trunck/ so ein wenig warm gemachet sey.
    Da jemandt die Rauten nicht leiden köndte/ soll er weissen Andorn/ oder Dosten darfür nehmen. Und so man Alandwurtz unnd Veielwurtzel darzu thut/ gib es einen herrlichen guten Brusttranck/ sonderlich den groben Schleim ausszuraumen/ und zu zertheilen.
    (Das gemeine Tranck zu der Brust und Lungensucht/ Heyserkeit unnd räuhe dess Halss/ wirdt von Ysop/ Feigen/ Eniss/ Fenchel und Süssholtz bereytet/ unnd mit Honig süss gemacht/ dann ist es dem Geschmack anmütiger.)
    Zu den obgemelten Gebresten ist der Hysop auch allein gut in Wein oder Bier gelegt/ unnd stetigs darüber getruncken. Oder aber mit Honig vermischet unnd wie ein Latwergen gebrauchet/ (dieses tödtet auch die Würme/ Ysop mit Wein gesotten/ Fenchelsamen darunter vermischet/ den getruncken/ nimbt das wehe im Magen unnd Därmen/ hilfft wieder die Wassersucht und Gelbsucht/ beweget den Harn unnd der Frauwen zeit/ vertreibt den Frost dess Fiebers/ und bringt dem Leib gute hitz.
    Ysop mit Salbey gesotten und darvon getruncken/ ist den jenigen gut die sich klagen/ dass sie zu schwer unnd hart gehaben/ und jhnen darüber wehe gethan haben.)
    (Dieser Syrup soll also bereytet werden: Nim Ysop die zartesten oberen Stäudlein mit den Blumen so recht getrucknet sey/ Epfichwurtzen/ Fenchelwurtzel/ Peterleinwurtzel/ oder an statt der Wurtzel die Samen/ als die lieblicher unnd kräfftiger sind: rein geschaben Süssholtz/ jedes dritthalb Loth:geröllter Gersten i.loth/ Bappelsamen/ Gummi/ Dragacant/ Quittenkerner jedes iii.quintlein/ edle Maurrauthen anderhalb loth/ rothe und schwartze Brustberlein/ jedes an der zahl dreissig: frischer faister Rosein oder Meerträubel von den inneren Kernen gereinigt iii.loth: auffgedörrte weisse Feigen/ faister frischer Dattlen/ jedes an der zahl zehen: Zucker penidt der schön weiss sey/ zwey pfund/ auss diesen Stücken mach den Syrup: Nim viii.pfund Wassers/ lass nach der art die stuck zerschneiden/ etlich grob zerstossen/ lass in rechter Ordnung sieden/ biss der dritte oder halbe theil dess Wassers eingesotten/ seihe es durch/ nim den Zucker zerlass jhn/ und sied ein Syrup darvon zu rechter dicke: etliche nemmen an statt dess Zuckers penid/ gesotten Wein unnd Zucker jedes zwey Pfundt. Diesen Syrup braucht man zu obgemeldten gebrechen/ mit einem dienstlichen gesottenen oder gedistillierten Scabiosen/ Andorn oder Rosshuben/ oder andern Wasser vermischet. Mit Fenchel oder Spargenwasser getruncken/ treibet den Sand und Nierenstein.)
    Etliche brauchen auch den Hysop die verstandene Monatzeiten der Weibspersonen darmit zu fürdern/ man soll aber jederzeit Beyfuss darzu nemmen/ damit die Krafft zu öffnen/ biss zur Mutter bracht werde.
    Es schreibet CAMERARIUS, dass der Ysop mit Poeonien Rosenwurtzel gebrauchet/ denjenigen gut sey/ so mit der Fallendtsucht beladen seyn.
    (Wieder den fallenden Siechtage sindt dieses ausserlesene Pillulin von MATTHIOLO gesetzt: Nimb Ysop/ Bibergeyl/ weissen Andorn/ jedes ein quintlein/ Poeonienwurtzel ein halb loth/ Teuffels dreck ein Scrupel: stoss alles zu pulver/ formier mit Ysopsafft vierzehen Pillulin darauss/ von denen soll der Kranck alle Tag zwo verschlingen/ zu Abendts so er will schlaffen gehen.
    Wieder den alten Husten dess Viehes lobet COLUMELLA den Ysop.)

Eusserlicher Gebrauch dess Ysops
    DIOSCORIDES schreibet/ dass der Ysop gut sey wieder die Miltzsucht unnd Wassersucht/ mit Feigen unnd Riter wie ein Pflaster ubergelegt.
    Dessgleichen in heissem Wasser gesotten und ubergelegt/ vertreibe er die blutige Streichmasen. Sey auch gut wieder die Halssgeschwär ANGINAS genennt/ mit der Brüe den Halss gegurgelt/ da Ysop unnd Feigen in gesotten haben. (Mit Essig gekocht unnd warm im Mundt gehalten/ lindert den schmertzen der Zän.)
    (Ysop mit Welschem Kümmel/ Honig unnd Saltz zerstossen/ unnd ubergeleget zeucht das Gifft auss den Wunden/ so von Schlangen gebissen sindt.
    Ysop auff glüend Kolen geworffen unnd den Dampff durch einen Trechter in die Ohren gelassen/ vertreibt die Bläst/ sausen und klingeln derselbigen. Wo die Mutter unrein/ so ist die Bähung unden auff mit Ysop sehr nützlich.
    Ysop mit l wol zerstossen/ unnd den Safft darinn getruckt/ das Haupt darmit gesalbet/ benimmet den Grindt/ unnd die Läuss darauff.
    Wein der seyger worden ist/ bringest du zu recht also: nimm ein Mass desselbigen Weins/ strewe gestossen Ysop darein/ mische es wol zusammen/ und thue es ins Fass.)

Von Ysopsafft

    Auss dem Ysop soll man den Safft bringen/ wie bey dem Wermuthsafft ist bemeldtet worden. Dieser Safft mit Scabiosenwasser eingenommen ist gut wieder den alten Husten/ wieder das Keichen/ kurtzen Athem/ unnd auffsteigen der Lungen/ hilfft den jenigen/ welche nicht dann auffgericht den Athem führen können.
    (Ysopsafft mit ein wenig Saltz vermischt und eingetruncken treibt durch den Stulgang den zähen Schleimauss dem Gedärm/ unnd die Würm im Leib/ sonderlich so man den sauwren Syrup von Honig unnd Essig gesotten darunter vermischet. Der Safft mit Krässen samen genützet erweichet den Bauch sänfftiglich.)

Von Ysopsyrup

    Man findet in den Apothecken einen Syrup von Ysop zugerichtet/ welcher gar kräfftig ist wider die oberzehlte Gebresten der Brust unnd der Lungen/ er zertheilet den harten groben Schleim so schwerlich kann aussgeworffen werden/ und führet auch denselbigen auss: Er wendetauch die Flüss ab/ so von dem Haupt auff die Lungen unnd auff die Brust fallen. Jst gut wieder dass Seitenstechen so von PHLEGMATE herkompt. Man kann auch auss dem Safft allein/ oder auss dem gesotten Wasser von Ysop einen Syrup mit Honig oder Zucker absieden/ welcher zu den erzehlten Gebresten auff gleiche weiss und eben so wol kann gebraucht werden.

Von dem gedistillierten Ysopwasser

    Das Kraut/ wenn es blühet/ soll es mit Stengeln/ Blettern und Blumen zerhackt werden/ und in BALNEO MARIAE aussgebrennt. (Es ist viel köstlicher/ so man die grünnen Bletter sampt den blawen Blümlein abstreiffet/ klein zerhacket/ unnd in gutem firnen Wein wol erbeytzet/ beheb vermachet/ unnd dann also distilliert. Diss Wasser auff ein mal drey oder vier Loth getruncken/ underweilen das tägliche Tranck darmit vermischet/ hat oben erzehlte Tugendt.) Dieses Wasser/ wirdt von wegen seiner subtielen Substantz nützlicher wieder die oberzehlte Gebresten der Brust unnd der Lungen gebraucht/ dann das gekochte Wasser von dem Kraut/ es zertheilt mehr den groben Schleim/ und hilfft auch besser ausswerffen dann dieselbige Brühe.
    (Solches Wasser reiniget auch die inneren Gliedern dess eingeweydsvon kalten zehen Schleim/ unnd treibt auss die Spülwürm. Welcher ein stinckenden Schweiss hat/ der soll dieses Wassers viel trincken/ er wird desselbigen entlediget. Welcher zu der Wassersucht auss kalter ursach geneigt wer/ der trinck viel diss Wassers und vermische sein täglich tranck darmit.
    Wieder das stettigs stechen unnd wehethumb der Seiten ist diss Wasser nütz. Eröffnet die Verstopffung der Leber unnd dess Miltzes/ führet auss die schwartz Gallen/ unnd nimbt die Gelbsucht: demmet auch das kalte eingenommene Gifft.)
    Es wirdt auch gebraucht wieder den kalten Magen denselbigen zu erwärmen/ dessgleichen zu der verstopfften Mutter dieselbig widerumb zu eröffnen/ und die verstandene zeit fort zu treiben.

Eusserlicher Gebrauch dess Ysopwassers
    Das Angesicht mit Ysopwasser gewaschen/ macht dasselbige klar und schön.
    Ysopwasser im Mund gehalten vertreibt das Zänwehe/ so von Kälte verursacht wirdt.

Von Ysopzuucker
CONSERVA HYSSOPI

    Jn den Apothecken findet man den eingemachten Ysopzucker/ welcher CONSERVA HISSOPI genennt wirdt. Man kann jhn auss den Blumen jederzeit bereyten mit Zucker angestossen gleich wie die CONSERVAM FLORUM CARYOPHYLLORUM.
    Dieser Zucker dienet auch wol zur Brust und Lungen gebrechen/ erwärmt die Brust/ den Magen und dz Haupt und stärckt dieselbige/ verzehret auch die kalte Flüss so auff die Brust fallen.

(Von Hustlattwerglein/
so SPECIES DIAHYSSOPI genennet

    Ein köstlich Hustlattwerglein wirdt in wolgerüsten Apothecken bereytet/ unnd ist das am gebräuchlichsten so also gemacht. Nimb der obersten Zweiglein von Ysop mit jhren Blümlein/ Florentinischen Violwurtz/ Thymit/ schwartz Pfeffer/ jedes sechs quintlein: Stabwurtz oder Poley/ Garten Ysop Rauten/ Römischen Kümmel/ jedes ein loth/ frischer faister Datteln/ weisse Feigen/ faister Meerträubel/ Fenchelsamen jedes ein halb loth: etliche nemmen darzu gleich so viel dess Tragacanths/ Gummi/ unnd Süssholtz/ weiss geschaben Jngbers/ Enisssamen/ Mattkümmel/ Liebstöckelsamen/ jedes i.quintlein. Diese stück stoss rein zusammen und bewar solches pulver wol/ dz es nit verrieche. Davon kann mit Honig ein dünne Latwerglein bereytet werden oder mit Zucker täfflein gegossen werden: dessgleichen auch mit solchem pulver für sich selbst und rein gestossenen Zucker Treseney zu richten.
    Dieses bekommet insonderheit dem erkalten Haupt wol: trucknet das abgefallene Zäpfflein: dienet für alle gebrechen der Brust unnd Lungen von kälte verursachet/ dann alle kalte zähe Schleim werden dardurch erweicht/ auch verzehret/ und der koder zum ausswerffen gefördert/ wirdt derohalben auch nützlich von den lungensüchtigen gebraucht.
    Ein anders wird gemacht wie volget/ Nimm Ysop/ Violwurtz wie gesagt/ Mirrhen/ schwartz Pfeffer/ langen Pfeffer/ Cardamömlein/ Matenkümmel/ Peonienkörner/ jedes ein halb loth/ Spicanardi/ der Wurtzel Costi/ Ammeosamen/ jedes i.quintlein: stoss alle diese stück zu pulver/ und gebrauchs wie vermeldet. Dieses ist dem Haupt sonderlich gut/ unnd nützlich denen/ so zu der Fallendensucht geneigt/ kann mit Peonienwasser oder dergleichen eingenommen werden.

Von Ysopwein

    Von dem Ysop wirdt auch gar ein nützlicher guter Wein bereytet/ wie von dem Wermuthwein ist gelehrt worden. Und tauge dieser Wein sonderlich den Alten/ dann er erwärmt alle jnnerliche Glieder unnd verzehret die grobe böse Feuchten/ sonderlich so sich umb die Brust versamlet haben: Und dienet also gar wol wieder den Husten/ wendet das keichen unnd den schweren Athem.
    Es ist auch dieser Wein gut den Wassersüchtigen/ unnd denen so die Fallendtesucht haben.

Von Ysopöll

    Auss dem Kraut unnd den Blumen machet man ein Oell/ wenn man sie in ein Glass thut unnd alt Baumöll darüber geust/ gleich wie das Chamillenöll/ (und an die Sonnen stellet.)
    Mit diesem Oell sollen sich die jenigen schmieren/ so mit dem Schlag geplaget seyn/ denn es erwärmet die kalte Glieder und Sennadern. Das Haupt darmit geschmieret/ vertreibet die Läuss und das Jucken (auff dem Haupt.)

Von gedistilliertem Ysopöll

    Es wirdt auch auss dem dürren Kraut künstlich ein Oell distilliert/ welches OLEUM HYSSOPI DESTILLATUM genennet wirdt/ zu den lamen und erkalten Gliedern sonderlich gut. Wirdt auch jnnerlich gebrauchet zu dem kalten Magen unnd Därmen/ davon die Colica oder das Bauchgrimmen entstanden ist/ dieselbig wiederumb zu erwärmen unnd das Grimmen zu vertreiben. Es sol aber nicht allein und ohne Zusatz eines andern CORPORIS gebrauchet werden.