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TRACHYSPERMUM
  Trachyspermum ammi - Umbelliferae


VON DEM BASILGENPETERLEIN.

             Der Basilgenpeterlein hat eine kleine holtzechtige untüchtige Wurtzel/ mit vielen krummen und harten Nebenzincken/ oder Zaseln. Die Bletter sind grösser unnd auch weiter außgeschnitten dann die Bletter deß gemeinen Peterleins/ der grossen Bibernellen gleich/ gerings herumb mit scharpffen Kerfflein gleich einer Seegen gekerfft. Der stengel vergleicht sich mit seinen Gewerblein unnd vielfaltigen Nebenzincklein dem Wassereppich. Jm Hewmonat gewinnt es schöne weisse Blümlein wie die Bibernell/ darauß folget ein kleines schwartzechtiges Sämblein/ fast in der größ deß Peterleins/ eines lieblichen anmütigen Geruchs/ unnd hannigen Würtzgeschmacks wie deß Pfeffers/ wann der gesammlet wird/ soverdirbet darnach das Kraut mit der Wurtzel/ dann es ein recht Sommer Gewächß ist/ und muß Jährlich vom Samen wieder ernewert unnd frisch gezielet werden. Wann man den Samen säen wil/ soll man den in frischem Wasser zuvor wol erweychen lassen/ unnd darnach in ein harten felsigen Grundt säen/ und offtermals mit lawwarmen Wasser begiessen/ so geht er auff und wächst lustig/ sonderlich wo er die Sonn haben mag/ dann er warme stät liebet.

Von den Namen deß Basilgenpeterleins.
            Dieser Peterlein ist noch etwas frembd unnd wenig bekannt/ dann der Samen dieses Peterleins under einem frembden Namen/ bey den unerfahrnen Aertzten unnd Kalendermachern gebrauchet wirdt/ nemlich vor den wolriechenden AMOMUM, von welchem wir hiernach sagen werden. Wie nun die gemeldten Aertzt/ diesen wolreichenden Samen fälschlich AMOMUM getaufft haben/ also haben sie an dessen statt ein gifftigen stinckenden Samen/ welcher von dem falschen Peterlein unnd stinckenden Gleißkraut gesamlet wirdt/ gesetzt unnd denselben mit dem Namen SISON fälschlich getaufft/ welcher Name diesem unserm Basilgenpeterlein eygentlich gebüret/ dann es das rechte unnd warhafftige SISON der Alten ist/ unnd ob sie schon solches kürtzlich beschrieben/ unnd sonderlich die Gestalt deß Krauts nicht angezeiget/ so haben sie doch die Gestalt deß wolriechenden Sämleins so artig beschrieben/ also daß man in keinen zweiffel setzen darff/ daß dieser Basilgenpeterlein nicht sollte das SISON der Alten seyn: Dann DIOSCORIDES LIB.3CA.54. beschreibet dieses also: SISON ist ein klein Sämlein in der Landtschafft Syrien wachsend/ dem Peterlein oder Garteneppich ähnlich/ lang/ schwartz/ eines zangern unnd scharpffen Geschmacks. Auß welcher deß DIOSCORIDIS Beschreibung leichtlich abzunemmen ist/ daß dieser Samen das recht SISON der Alten/ unnd dieser Name keinem andern Kraut oder Samen gebüret/ dann eben dem Basilgenpeterlein/ den etlich auch Syrischen Peterlein nennen/ dieweil er auß der Landtschafft Syrien zu uns gebracht wirdt. Weil dann die Beschreibung DIOSCORIDIS mit diesem Peterlein nicht allein durchauß zuschlegt/ sondern auch die Wirckungen unnd Eygenschafft die er demselben SISON zuschreibet/ an diesem unserm Basilgenpeterlein auch befunden werden/ so müssen wir es das wahre SISON bleiben lassen/ unnd den gifftigen stinckenden Samen deß Gleissen wieder außmustern/ unnd verfluchen/ unnd jhren Meistern und Tauffpatten denselben selbst zu gebrauchen heimschicken.
            Der Basilgen Peterlein wird Lateinisch/ SISON, SINON, SINONUM, SENON, SILION, unnd von PLIN.LIB.2.CAP.30, in Diaeta HYDROPICORUM SENONIUM genanndt. Die Kreutler nennens APIUM SYRIACUM, und PETROSELINUM SYRIACUM. Teutsch/ Basilgenpfeffer/ pfefferpeterlein und Syrischen Peterlein/ dieweil er wie Pfeffer in der Speiß gebraucht wird/ dann auch von den Alten gebraucht worden ist/ wie hernach angezeigt werden soll.

Von der Natur/ Krafft/ Wirckung und Eygenschafft deß Basilgenpeterleins.
            Es hat der Basilgenpeterlein eine krafft unnd eygenschafft zu trucknen/ zu wärmen unnd zu zertheilen/ subtiel unnd dünn zu machen/ unnd ist aber warm unnd trucken im dritten Grad. Der Samen allein wird in der Speiß unnd Artzeney gebraucht.

Jnnerlicher Gebrauch deß Basilgenpeterleins.
            Basilgenpeterleinsamen (spricht DIOSCORIDES) ist gut getruncken wieder die Gebrechen deß Miltzes/ wieder die Harnwinde/ unnd die verhaltene Monatblumen der Weiber. Die Jnwohner der Landtschafft Syrien/ gebrauchen den gemelden Samen vor ein Condiment/ unnd essen den mit gesotten Kürbsen unnd Essig.
            Nun ist das gewiß daß unser Basilgenpeterlein alles das jenig kräfftiglich verricht/ was DIOSCORIDES dem SINONI zuschreibet. Unnd ist auch ein herrlich und gut Condiment/ die Speiß damit abzuwürtzen unnd wohlgeschmackt zu machen/ es werde gleich zu Fischen oder Fleisch gebraucht. PLIN.LIBRO2.CAP.30. lobt das Brod darinn dieser Samen gebacken ist/ und lehret daß es in Gebrechen der Leber unnd der Wassersüchtigen nutz unnd gut seye/ welches ich selbst erfahren/ unnd nicht allein solch Brod in gemelden Kranckheyten gebrauchet/ sondern auch in dem Krimmen unnd allen anderen Gebrechen/ so von verhaltenen Blästen herkommen. Gemeld Brod mit disem Samen gebacken/ preiset AETIUS TETR.3.SER.11.C.9. wider die Auffblähung deß Miltzs.
            Basilgenpeterleinsamen zu Pulver gestossen/ unnd eins quintl. Schwer mit Wein vermischt/ und warm getruncken/ hilft wider das Krimmen unnd schmertzen der Därm/ zertheilet die Bläst/ treibt den Harn/ dient wider den Kaltseych/ vertreibt die Mutterkrimmen/ und alle jnnerliche schmertzen/ von kält unnd windigen Blästen verursacht.

Eusserlicher gebrauch deß Basilgenpeterleins.
            Basilgenpeterleinsamen ein Handvoll mit einem Pfund Baumölen unnd einem halben Becherlein voll Weins gesotten/ biß der Wein verzehrt ist/ darnach durch ein Tuch gesiegen/ und wie ein Clistier auff einmahl warm zu sich genommen/ und ein stund oder zwo behalten/ ist ein gewisse hülff wider das Krimmen und Därmgegicht. Es muß aber ein mal oder drey also gebraucht werden.
            Ein Filtz in gemeldem Oele genetzt unnd warm uber den Bauch gelegt/ miltert und legt das Krimmen gewaltig. Gleicher gestalt uber die auffblehung deß Miltzes und deß Magens gelegt/ zertheilet es die Bläst/ unnd legt das Wehethumb gemelder Glieder.

Basilgenpeterleinwein.
SISONITES, SEU SISONITES, oder VINUM EX SISONE CONFECTUM.

            Es hat der Alten Aertzt so viel mir bewust/ keiner den Basilgenpeterleinwein beschrieben/ AETIUS aber an dem obgemelten ort lobt denselben Wein wider die auffblehung deß Miltzes. Wann nun einer denselbigen gern brauchen wolt/ so mag er den bereyten wie den Kümmel oder Peterleinwein. Der dient aber nit allein zu der auffblehung deß Miltzes/ sondern er mag auch mit grossem nutz zu allen obenerzehlten kranckheiten wol und heylsamlich gebraucht werden.