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STROHBLUME
Helichrysum - Compositae


VON DEN SONNEN UND GOLDTBLUMEN

    Der Sonnen-Goldblumen sind zwey Geschlechte.
    I. Das erste Geschlecht/ welches das wahre HELIOCHRYSUM DIOSCORIDIS ist/ hat eine kleine holtzechtige Wurtzel/ mit vielen Zaseln/ daraus wachsen gerade weißgrüne Stengel/ einer Elen lang/ die sind mit starcken tieff zerschnittenen Blättlein bekleidet/ je ein Gesetz Gleichs weit über dem andern/ den Blättern der Stabwurtz etlicher massen ähnlich. Am Oberntheil bringet es schöne/ goldgeele/ knöpffechtige Blumen/ Cronenweiß zusammen gedrungen/ gleich wie dei Blumen des Rheinfarns/ welche ihre gläntzende schöne Goldfarbe lange Zeit behalten. Es wächst bey uns in Teutschland nicht von sich selbst/ sondern wird allein in den Lustgärten gezielet. In der Provintz Franckreich und Languedock wächst es viel/ in rauhen/ dürren/ sandechtigen ungebaueten Egerten.
    II. Das ander Geschlecht/ ist mit der Wurtzel dem ersten gleich/ mit den Blättern aber und gekräuselten Blumen kleiner/ die Blätter wachsen gleich von der Wurtzel heraus/ und nicht also Gesetz-weiß an den Stengeln übereinander/ die sind anzusehen wie die kleinen Straußfedern/ wiewol es auch den Stengeln etliche Blättlein gewinnet/ die sind aber eintzig und deren wenig. Dieses Geschlecht wächst von sich selbst in ITALIA, und wird allein bey uns in den Gärten gezielet.

Von den Namen der Sonnen Goldblumen.
    Die Sonnen Goldblumen/ sonderllich das erste Geschlecht ist das wahre HELIOCHRYSUM DIOSCORIDIS, dann die DESCRIPTION wie es DIOSCURIDES LIB. 4. CAP. 47. beschreibet/ trifft durchaus mit diesem Gewächs überein/ und irren diejenigen nicht wenig/ die unsere Rheinblumen oder Jüngling vor das recht HELIECHRYSUM halten/ wie alle verständige und in dieser Kunst erfahrne leichtlich das Urtheil fällen können/ so sie unser HELICHRYSUM mit der DESCRIPTION DIOSCURIDIS CONFERIREN werden. Lateinisch/ ELICHRYSUM, HELIOCHRYSUM, HELICHRYSUM, und von ALEXANDRO BENEDICTO, HOLOCHRYSUM. Von den Kräutlern/ ELICRISIUM, und AMARANTHUS GALENI. Teutsch/ Sonnen Goldblum/ und Provintz Goldblum.
    II. Das zweyte Geschlecht/ ob es wol von DIOSCURIDE nicht ist beschrieben worden/ so ist es doch ein wahres Geschlecht des HELICHRYSI, und kan in keinen weg von demselbigen abgesöndert werden. Es wird zum Unterscheid des vorigen von den Kräutlern/ ELICHRYSUM, oder HELIOCHRYSUM ITALICUM genannt. Teutsch/ Italiänisch Goldblum.

Von der Natur/ Krafft/ Würckung und Eigenschafft der Sonnen Goldblumen.
    Alle beyde Geschlecht der Sonnen Goldblumen/ haben eine Krafft und Eigenschafft abzulösen/ dünn zu machen und zu trucknen/ mit einer Astriction und Bittere.

Innerlicher Gebrauch der Sonnen Goldblumen.
    Sonnen Goldblumen samt den Blätteren sind gut mit Wein getruncken/ wider die Schlangenbiß/ Hüfftwehethum/ Harnwinde und wider die Brüche/ treibet fort die Monatblumen der Weiber/ und verzehret das gerunnen Blut in der Blasen/ und dem Bauch/ mit Weinmeth getruncken.
Sonnen Goldblumen zu Pulver gestossen/ und eines halben Quintleins schwär nüchtern mit gewässertem Wein getruncken/ stopffen und wehren den Flüssen so vom Haubt herab fallen.
    Des gemeldten Pulvers eines Quintleins schwär mit Wein zertrieben/ und warm getruncken/ vertreibet den schmertzen der Lenden/ des Rückens und der Mutter.

Eusserlicher Gebrauch der Sonnen Goldblumen.
    Sonnen Goldblumen mit ihren Blättern zu einem subtilen Pulver gestossen/ mit Honig temperiert wie ein Sälblein und angestrichen/ heilet den Brand vom Feur.
    Das gemeldte Kraut und Blumen zerstossen/ vertreibet alle Hartigkeit und Geschwulst/ wie ein Pflaster übergeleget.
    Die gemeldten Blumen zwischen die Kleider geleget/ bewahren und behüten die/ daß sie von den Würmern oder Schaben nicht beschädiget werden.