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VON DEM STEINFENCHEL

    Steinfenchel hat eine ziemliche dicke Wurtzel/ den kleinen gelben Rüben fast gleich/ die ist oben auch schier wie die Hertzwurtz/ deren auch der Geschmack nicht ungleich ist/ mit einer geringen/ kleinen schärpffe. Es hat ein kleinen Stengel mit Nebenästlein/ ist nicht viel uber Spannen hoch/ die Bletter vergleichen sich dem Haarstrang oder Sewfenchel/ seynd doch viel kürtzer/ dem Marsilischen Zirmet oder Sesel gleich. Die Nebenästlein seynd etwas gedrehet/ unnd die Bletter weit aussgespreitet. Oben am ende gewinnet es kleine weisse Blümlein auff Cronen wie der Dill/ seyndt aber kleiner/ wann die abfallen/ folget ein Samen hernach wie der Anissamen/ ist aber nicht so gross/ der ist am Geschmack lieblich mit einer kleinen scherpff gleich dem Fenchel. Es wächst dieses Kreutlein an steinechtigen Orten/ in dem hohen Gebirg und zwischen den Felsen. Das habe ich zum aller erstenmal funden in Hochburgundt bey dem Berghauss Mufacon/ unnd dann zwischen Dola unnd Bizantz/ an den Felsen under den Buchssbäumen Hecken/ da die Sonne wol hinkommen mag.

Von dem Namen dess Steinfenchels
    Was dieser unser Steinfenchel bey den Alten gewesen/ oder ob sie denselbigen auch beschrieben haben/ ist es noch zur zeit unbewust. Wir haben dieses Gewächs dieweil es in Bergen und Felsen wächst/ FOENICULUM PETRAEUM, FOENICULUM SAXAGILEM, und FOENICULUM MONTANUM genennet/ dieweil es dem Fenchel mit den Blettern oder Kraut/ und auch mit der Krafft und Wirckung etlicher massen gleich ist. Zu Teutsch Steinfenchel oder Bergfenchel.

Von der Natur/ Krafft/ Wirckung/ und Eygenschafft dess Bergfenchels
    Es hat der Bergfenchel eine wärmende Krafft unnd Eygenschafft/ gleich wie der Fenchel/ ist warm im zweyten und trucken im ersten Grad/ der mag nützlich zu vielen Kranckheiten wie der Fenchel/ und sonderlich aber zu dem Stein/ und den Harn zu treiben gebraucht werden/ unnd mag dieses Gewächss ohne Schaden im Leibe gebraucht werden.