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(STACHELMOHN)
(Argemone - papaveraceae)


VON DEN ARGEMONE RÖSSLEIN

    DIOSCORIDES beschreibt zwey Geschlecht der Argemone Rösslein/ GALENUS aber gedenckt nur einsen/ daher etliche vermeinen/ dass das ander Capitel dess DIOSCORIDIS, darinnen er das ander Argemone Rösslein beschreibt/ uberflüssig seye/ sintemal in den alten Exemplaren DIOSCORIDIS nur eines einzigen Argemone Rösslein gedacht werde. Dieweil wir aber drey Geschlecht dieser Kräuter haben/ die uns heutiges Tages bekannt seynd/ unnd die zwey erstten sonderlich fein mit der Beschreibung DIOSCORIDIS uberein stimmen/ so wöllen wir uns mit der obgemelten Meynung wenig bekümmern/ sondern zu der Beschreibung unserer Argemone Rösslein tretten.
    l. Das erst Geschlecht der Argemone Rösslein/ ist dem wilden Magsamen gantz ähnlich/ und hat Bletter wie die Anemone Rösslein/ zerkerfft mit braunroten Blumen/ ein jede mit vier Blätlein umb den Apffel besetzt/ nach den Blumen folgen kleine Köpfflein oder Häuptlein wie an den Klapperrosen/ die seynd ein wenig lenger/ und oben etwas breyter. Die Wurtzel seynd rund und lang/ eines kleines Fingerleins dick/ welche ein rothlechten Safft von sich geben/ der ist am Geschmack scharpff und zanger. Diss Kraut wächst an den Rechen der Weingärten und Fruchtfelder/ insonderheit im Wormser und Altzeymer Gauw.
    ll. Das zweyt Geschlecht ist dem ersten mit Stengel/ Bletter und Blumen durchauss gleich/ allein werden die Häuptlein oder Köpfflein/ nach dem die Blumen abgefallen/ lenger als die am nechstgemelten Geschlecht/ darinnen ist ein rothlechter Samen/ klein wie Magsamen. Die Wurtzel ist eines Fingers lang/ mit ziemlichen Zaseln behenckt/ gibt einen geelen Safft/ der ist am Geschmack zanger und scharpff. Dieses Gewächs wächst gleichfalls wie das erst/ auf den Rechen der Fruchtfeldern/ neben den Strassen.
    lll. Das dritt Geschlecht hat ein glatte/ krumme Wurtzel/ eines kleinen Fingers dick/ mit vielen harten Nebenwürtzlein behenckt/ der Stengel ist rund/ von unden biss obenauss mit kleinen zerschnittenen Blätlein besetzt/ die vergleichen sich dem Krottendill oder der Chamillenblumen/ oben am Stengel wachsen herfür schöne zinober rote Rösslein/ etwas auff goldfarb geneigt/ mit vier Blettern der Klapperrosen fast an der Gestalt ähnlich/ und ist sehr ein schön lustig Gewächs anzusehen/ wächst in Fruchtfeldern/ wird doch selten gefunden/ und ist nicht so gemein wie die andern zwey ersten Geschlecht.

Von dem Namen der Argemone Rösslein
    Es haben viel gelehrte Leuth unser Korn- oder Klapperrose/ vor das ARGEMONE der Alten gehalten/ aber sie haben darinn höchlich geirret/ wie das ein jeder/ der nur ein wenig in der Erkantnuss der Kräuter erfahren ist/ so unser beschriebene Argemone Rösslein mit der Klapperrosen Beschreibung gegen einander helt/ leichtlich abnemmen kann/ wie weiter darvon im Capitel von der Klapperrosen/ angezeigt wird.
    l. Das erst Geschlecht/ wie wir das beschreiben/ wird auch von dem Hochgelehrten ANDREA LACUNA vor das erst geschlecht der Argemone Rösslein DIOSCORIDIS gehalten/ und heisset Lateinisch ARGEMONE, ARGEMONIA, ARGEMONIUM, CONCORDIA, CONCORDIALIS, HERBA LIBURNICA und PERGALIUM. Hochteutsch Argemone Rösslein.
    ll. Das zweyt Geschlecht heisset bey dem DIOSCORIDE Lateinisch/ ARGEMONE ALTERA, ARSELA, ARGEMONIA ALTERA, SARCOCOLLA HERBA, und ARGEMONIUM ALTERUM.
    lll. Das dritt Geschlecht hat der weltberümbt HIERONYMUS TRAGUS, vor ein Geschlecht der Anemone Rösslein gehalten/ dieweil es aber mit den Windrösslein gar keine Gemeinschafft nicht hat/ haben wirs zu den Argemone Rösslein/ denen es beyde der Gestalt/ und auch der Krafft und Tugend halben verwand/ setzen wöllen. Diese drey Geschlecht der Argemone Rösslein/ seynd den gemeinen Aertzten und Apoteckern/ wie andere mehr Kreuter/ unbekant/ derwegen wir auch jhre Namen nicht anzeigen können/ müssen uns mit den Namen der Alten die die aller gewissesten seynd/ begnügen lassen.

Von der Krafft/ Wirckung und Eygenschafft der Argemone Rösslein
    Die Argemone Rösslein seynd warmer und truckner Natur/ haben ein Krafft zu abstergiren und digeriren. Sie seynd von den Alten merentheils zu eusserlichen Leibs Gebresten gebraucht worden.

Eusserlicher Gebrauch der Argemone Rösslein
    Die Bletter der Argemone Rösslein/ vertreiben die Geschwer der Augen ARGEMATA genant/ und die weissen Flecken derselben.
    Die Bletter gestossen/ unnd wie ein Pflaster ubergelegt/ miltern und sänfftigen die hitzige Geschwulst und Entzündung.
    Von diesem Kraut ARGEMONE schreibt der Kreutler CRATEUAS, dass es mit Schmaltz vermischt und ubergelegt/ die Kröp vertreibe. Und darzu wann es gedörrt/ rein gestossen/ durch ein Sieblein geschlagen/ mit Berg oder Ritersaltz/ und lebendigem Schwebel vermischt wird/ dass es als dann die schwartz Muselsucht vertreibe: Darzu man das im Bade/ trucken/ sonder einige Feuchtigkeit/ anstreichen muss. Es ist auch gemelt Kraut gut wider den Grind.

Jnnerlicher Gebrauch dess zweyten Geschlechts der Argemone Rösslein
    Es schreibet DIOSCORIDES, dass das zweyt Geschlecht der Argemone Rösslein/ mit Wasser getruncken/ soll die Rotruhr vertreiben. Es dienet auch wider die Biss der vergifften Thier/ mit Wein getruncken.

Eusserlicher Gebrauch dess zweyten Geschlechts der Argemone Rösslein
    Die Bletter zerstossen/ und uber die gehauwenen Wunden gelegt/ heylet dieselben/ und hefftet sie. Es dienet auch wider die hitzige Geschwulst der Augen/ und alle andere Entzündung/ gestossen und wie ein Pflaster ubergelegt: Gleicherweiss gebraucht/ dient es auch wider das zerstossen ist.