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SKABIOSE
Scabiosa - Dipsacaceae


VON DEN APOSTEMEN ODER SCABIOSEN-KRAEUTERN.

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 Der Scabiosen oder Apostemenkräuter haben wir 21. unterschiedliche Geschlecht/ die alle ein Natur und Würckung haben.
    I. Das erste Geschlecht/ nemlich die groß Scabiosen mit den braunen Blumen/ hat eine lange/ schlechte/ dicke Wurtzel/ mit wenig Nebenwürtzlein/ von Farben weiß/ und eines lieblichen Geschmacks/ gleich den Pastenachen. Die Blätter so im Anfang von der Wurtzel herfürkommen/ sind breit/ lang und spitz ohne Kerffen/ fast den Blättern der gemeinen Ochsenzungen ähnlich/ welche hernachmals vergehen/ und folgen andere hernach mit grossen tieffen Kerffen und Schnitten zertheilet/ wie die Blätter des grossen Gartenbaldrians/ sind doch steiffer/ harter und rauher. Die stengel so von der Wurtzel herfür wachsen/ sind rund/ mit Strämen/ von Farben grau/ zwoer Ellen hoch mit vielen Nebenästlein. Die Blätter an denselben sind kleiner dann die untersten bey den Wurtzeln/ und noch mehrer und kleiner gespalten. Auf den Stengeln und Nebenzweiglein erzeigen sich im Brachmonat/ runde/ zugespitzte/ schüpechtige Knöpfflein/ wie in den Kornblumen/ darauß wachsen hernach schöne Presilgenbraune Blumen/ etwas dicker mit Blättlein gefüllet/ dann die Kornblumen/ wann dieselben vergehen/ folget ein kleiner/ schwartzer Saamen. Dieses Kraut wächst in ungebauenem starckem Erdreich/ hin und wieder in dem Wormsergau und Alzteyergau/ an den hohen Rechen der Hölen/ neben den Strassen/ auff den Enden der Aecker/ und an etlichen Orten auf den Bergen.
    II. Das zweyte Geschlecht hat eine weisse Wurtzel Fingers dick/ mit etlichen Nebenwürtzlein/ die Blätter sind breit/ lang/ und nicht so sehr tieff zerspalten/ weich und wollechtig/ der Stengel ist rund und haarechtig/ saftiger als der stengel des nächstgemldten/ wird auch fast zweyer Ellen hoch/ daran wachsen wenig Blätter/ sind klein mit zweyen oder dreyen Schnittlein zertheilet. Am obernsten Theil der Stengel gewinnet es schöne/ runde/ scheubelechtige/ breite Blumen/ gleich einem breiten Hütlein/ die sind von vielen kleinen Blümelein zusammen gesetzt/ gleich den Bienenhäußlein/ die sind von Farben Purpurblau. Dieses Kraut wächst an graßechtigen Hübeln und Bergen/ und ist grösser und vollkommenlicher als das Ackerscabiosenkraut.
    III. Das dritte Geschlecht Bergscabiosen genannt/ hat eine weißlechtige Wurtzel/ keinen Fingers dick und auch bißweilen dicker/ mit wenig Nebenwürtzlein. Die Blätter sind undenher so von der Wurtzel herfürwachsen/ etlicher massen den Blättern des Eisenkrauts ähnlich/ doch nicht so tieff zerkerfft/ von farben weißlechtig und ein wenig haarechtig/ auch schmäler dann der Scabiosenblätter. Die Stengel/ deren es gemeiniglich zween oder drey hat/ werden anderthalb Ellen hoch und auch höher/ die sich oben in etliche Nebenästlein außtheilen/ die Blätter darum sind den Blättern der gemeinen Scabiosen gleich/ weniger und doch tieffer zerkerfft. Die Blumen die erscheinen im Heumonat/ die kommen aus schüpechtigen Knöpflein den Knöpflein der Flockenblumen gleich/ die sind von Farben Purpurbraun/ an der Gestalt der gemeinen Scabiosenblumen ähnlich/ die blühen biß in den September. Wann die Blumen vergehen/ so folget ein brauner Saamen/ in kleinen Hülßlein verschlossen/ der ist dem Saamen des Hartzklees etlicher massen ähnlich. Es wächset dieses Geschlecht nicht von sich selbst in unserm Teutschland/ sondern wird allein in den Lustgärten gezielet und gepflantzet. In der Provintz Franckreich und in Languedock/ findet man es in ziemlicher Menge von sich selbst wachsend.
    IV. Das vierdte und allergröste Geschlecht hat ein zähe harte Wurtzel/ fast Fingers dick/ mit vielen Zaseln und nebenwürtzlein. Die untersten Blätter so von der Wurtzel heraus wachsen/ sind groß und lang/ den Blättern der geelen Ochsenzungen ähnlich/ die andern Blätter so an den dem langen Stengel stehen/ haben eine Gleichheit mit der gemeinen Scabiosen/ sind aber noch eins so groß und tieff zerschnitten/ den Blättern der grossen Aurin ähnlich/ derowegen es auch etliche vor ein Geschlecht des grossen Aurins ansehen. Am obersten Theil des Stengels gewinnet es gemeiniglich drey Blumen/ die sind schön graublau/ die wächsen herfür aus rauhen/ stachelechtigen Häubtlein/ den Häubtlein der Kartendistel ähnlich/ sind noch so groß als der Scabiosenblumen. Die Stengel wachsen fast dreyer Ellen lang in die Höhe. Der Geschmack des gantzen Gewächs vergleichet sich mit der gemeinen Scabiosen. Es wächst nicht von sich selbst in Teutschland/ wird allein in den Gärten gezielet/ und ist in den Lustgärten in Niederland gemein.
    V. Das fünffte Geschlecht ist die groß Spanische Scabiosen/ hat eine weisse/ dicke Wurtzel/ gleich der gemeinen Scabiosenwurtzel/ die Blätter sind auch derselbigen ähnlich/ aber doch grösser/ dicker/ safftiger/ weicher/ und mit einer zarten weissen Wolle überzogen: Der Stengel ist rund/ mit Gewerben und Gleichen unterscheiden/ einer Ellen hoch/ aus den Gleichen wachsen die Blätter und Nebenstengel/ je zwey und zwey gegen einander über/ auf den Stengeln erscheinen am obern Theil schöne weisse Blumen/ ein jede von vielen kleinen Blümlein aus ihren Häußlein zusammen gesetzt/ wie die andern Scabiosenblumen. Wann die abfallen/ siehet man in einem jeden Häußlein ein schwartzlechtiges Sternlein/ darinn wächst folgends der Saamen/ der ist dick und rauh. Der Geschmack dieses Gewächs ist bitter/ und auf ein Trückne geneiget. Dieses Kraut wird allein in den Gärten gezielet/ von Spanischem Saamen/ dann es selten bey uns zu Zeitigung des Saamens kommt/ von wegen der späten Blüt/ sintemal die Kälte und Reiffen ihm zu bald kommen. In Hispanien ist es gemein/ da es hin und wieder in den Feldern wächset.
    VI. Das sechste Geschlecht ist das groß Ackerscabiosen/ die ist mit den Wurtzeln/ Blätter und Blumen dem grossen zweyten Scabiosen ähnlich/ ausgenommen/ daß die Blätter am Stengel grösser und vollkommenlicher sind/ sonst ist es mit den schönen Purpurblauen Blumen dem andern gleich: Es wächst überflüßig in den Fruchtfeldern/ zwischen Keferthal und Ladenburg/ und sonst an vielen Orten in leimechtigen gebauenen Feldern.
    VII. Das siebende Geschlecht ist die Scabiosen mit breiten Blättern/ hat ein lange schwartzlechtige Wurtzel/ eines kleinen Fingers dick/ mit vielen Nebenwürtzlein/ gleich der Garaffelwurtzel/ von welcher drey/ und bißweilen vier runder gleichechtiger Stengel Ellen hoch wachsen/ die sind etwas haarechtig und innwendig hol. Von jenem Gewerblein oder Gleich/ wachsen zwey Blätter gegen einander über heraus/ sie sind lang und breit/ nicht iin tieffe Schnitte zertheilet wie die andern Scabiosenkräuter/ sonder gantz/ und am Rand herum gekerfft/ von Farben Liechtgrün. Am obern Theil der Stengel und Nebenästlein/ bringt es seine schöne rohte Blumen/ die sind der Gestalt halben der gemeinen Scabiosenblumen gleich/ wann dieselbigen abfallen/ folget ein rauher eckechtiger und langer Saamen hernach. Dieses Kraut wächst im Vehsch-Gebirg in dunckeln Orten/ und in den Wälden. VIII. Das acht Geschlecht/ hat eine Wurtzel wie das gemeine Scabiosenkraut/ die Blätter sind breit/ vest und Aderechtig/ gleich den Blätteren der Kartendistel/ außgenommen/ daß sie kürtzer sind/ der Stengel ist rund/ einer Ellen lang/ hat am Oberntheil seine Nebenästlein/ darauff schöne rothe Blumen wachsen/ der Form und Gestalt halben den gemeinen Scabiosenblumen ähnlich. Es wird dieses Geschlecht bey uns in den Gärten gezielet/ sonderlich aber in den Niderlanden/ wiewol es auch in dem Churfürstl. Lustgarten zu Heydelberg gepflantzet wird/ deßgleichen in Herren Philipsen Steffani Sprengers/ der Churfürstl. Pfaltz Hofapotheckers lustigen Kräutergarten/ welcher mir es erstlich mitgetheilet abzureissen.
    IX. X. XI. XII. Das neundte Geschlecht/ deßgleichen das zehende/ das eilfft und zwölffte Scabiosenkraut/ sind die kleinen Apostemenkräuter/ die haben holtzechtige harte Wurtzeln7 deren unterste Blätter ein Theil wenig zerkerfft/ die anderen viel und mit tieffen Schnitten/ am Oberntheil aber sind die Blätter alle mit einander sehr tieff/ zinnlechtig und rein zerschnitten/ also daß sie keine Gleichheit mehr mit den Blättern der andern Scabiosenkräuter haben. Die Stengelein sind rund und dünn/ die Blümlein liechtblau/ den gemeinen Scabiosen-Blumen ähnlich/ außgenommen/ daß sie viel kleiner sind/ den Unterscheid der Blätter hat der gütige Leser besser auß der Conterfaytung hierbey zu sehen/ dann man sie beschreiben möcht. Alle gemeldte vier Gewächs haben den Gesschmack/ wie alle andere Scabiosenkräuter. Das neundte/ zehende und eilffte Geschlecht wachsen gegen dem Gebirg am Rheinstrom in grosser Menge/ auf den graßechtigen dürren Hübeln/ und auf den Bergen selbst an sonnreichen Orten und graßechtigen Plätzen. Das zwölffte Geschlecht wächst auff den bergechtigen Matten/ und die in den Thälern zwischen dem Gebirg ligen/ sonderlich aber findet man dessen viel an dem Mäynstrom/ deßgleichen am Necker-Strom/ zwischen Moßpach und Neckergemünde.
    XIII. Das dreizehende Geschlecht hat eine harte/ holtzechtige Wurtzel mit ziemlichen Zaseln behenckt/ daraus wachsen fünff oder sechs haarechtiger/ runder Stenglein/ auf anderhalben Schuh lang/ mit langen kleinen haarechtigen klein zerkerfften Blättern/ von unten an biß oben auß bekleidet/ den Blättern des blauen Mäußöhrleins ähnlich/ außgenommen/ daß sie grösser sind/ die Blumen sind gedrungen wie runde Kölblein/ von Farben Himmelblau. Der Geschmack vergleichet sich mit den anderen Scabiosenkräutern. Es wächset an sandechtigen Graßgründen/ deßgleichen den Rechen der Aecker/ und neben den Strassen hin und wieder/ zwischen Benßheim und dem Rhein/ deßgleichen zwischen der Churfürstl. Vestung Pellican/ und St. Barbaren Grad.
    XIV. Das vierzehende Geschlecht/ hat eine lange gerade Wurtzel/ mit wenig Nebenwürtzlein/ die Blätter sind breiter als des nächstgemeldten/ mit wenigern und grössern Kerffen/ von unten an biß oben aus/ allein daß sie die Stengelein hinauff/ je länger und kleiner werden/ die Stengel werden Schuhs hoch/ und auch bißweilen Ellen hoch/ darauff wachsen schöne/ runde/ Purpurblaue Blumen/ wie runde Kügelein. Der Geschmack ist wie anderer Scabiosenkräuter. Es wächst in graßechtigen Gründen/ deßgleichen auch in den Bergen gegen Auffgang der Sonnen gelegen/ aber das in kühlen Gründen wachst/ wird schöner und grösser/ dann das auff den Bergen.
    XV. Das fünffzehende Geschlecht/ ist die allerkleineste Bergscabiosen/ hat eine lange/ dünne/ holtzechtige/ zaselechtige Wurtzel/ die Blätter sind schmal und langlechtig/ wie die Blätter der kleinen Scabiosen mit etlichen Schnitten zertheilet/ und fornen gegen der Spitzen ein wenig zerkerfft/ die Stengelein werden nicht Spannen lang/ die gewinnen oben schüpechtige Knöpfflein/ darauß wachsen schöne leichtbraune Blümelein. es wächst auff den Bergen in kalcksteinechtigem Erdreich.
    XVI. Das sechszehende Geschlecht/ hat eine Wurtzel wie das gemeine Pastemenkraut/ die Blätter sind lang/ und gegen dem End bauchechtig/ gar nicht zerschnitten oder zerkerfft/ den Blättern der rohten falschen Behen ähnlich/ der Stengel ist rund/ Ellen hoch/ mit vielen Nebenzweiglein/ die Blumen vergleichen sich mit den grossen Hispanischen Scabiosenblumen/ deßgleichen auch der Saamen. Es ist dieses Kraut auch ein außländisch Gewächs/ wird allein in Teutschland in den Gärten gezielet/ das haben wir erstmals bey dem Edlen und weitberühmten Herren JOHANN BOYSOTO, zu Brüssel in seinem schönen Lustgarten gesehen/ der es wie andere frembde Gewächs vom Saamen aufgezeuget hat/ und hernachmals den Saamen auch dem Durchleuchtigsten Hochgebornen Fürsten und Herren/ Herren CASIMIRO, Pfaltzgrafen/ rc. mit andern mehren fremden Saamen mitgetheilet.
    XVII. Das siebenzehende Geschlecht ist mit Wurtzeln und den Blättern der Berscabiosen nicht ungleich/ außgenommen/ daß die Blätter tieffer zerschnitten und zerspalten sind/ der Stengel wird anderthalb Ellen hoch/ hat feine Nebenzweiglein/ darauff Blumen wachsen/ den Scabiosen ähnlich/ aus welchem wiederum kleine Blümlein gerings herum heraus wachsen auf besonderen langen Stielen/ wie junge Blümelein/ die wird mit sonderem Fleiß zum Lust in den Gärten gepflantzet/ der Geschmack ist der andern Scabiosen gleich.
    XVIII. Das achtzehende Scabiosen Geschlecht/ hat ein krumme/ hortzechtige Wurtzel/ die Blätter sind breit/ tieff und sehr schmal zerschnitten/ fast dem grossen Biesemkraut ähnlich/ die Stengel werden anderthalb Ellen hoch und auch höher/ die Blumen sind rund und scheubelech/ wie die Blumen der ackerscabiosen/ von farben weiß und lustig anzusehen/ blühet im augstmonat. Dieses Geschlecht ist nit gemein/ wächst auch nit allenthalben/ die habe ich erstmals funden im Ober-Elsaß/ nicht weit von hohen Königsberg/ darnach auch an etlichen Rechen bey Schlettstatt.
    XIX. Das neunzehende Geschlecht der Scabiosen/ hat eine schwartze harte Wurtzel/ die in der Erden hin und her kreucht/ sich wiederum erjünget/ und neue Stöcklein herfür bringet/ die Blätter ligen mit ihren Aestlein auf der Erden/ sind dick/ safftig und feist/ gleich wie die Maßliebenblätter/ von Farben sattgrün/ sind nicht außgespitzt/ sondern vornen breit/ schier wie ein langes Hertz formieret/ zwischen denen wachsen dünne/ runde/ blosse Stengel ohne Blätter herfür/ auff welcher jeden eine runde Purpurblaue schöne Blume wächst/ den Blumen der blauen Maßlieben ähnlich/ außgenommen/ daß sie grösser sind/ und nicht so gar gerollt. Dieses Geschlecht wächset in steinechtigen und dürren graßechtigen Hübeln und Bergen. Das gantze Gewächs ist am Geschmack bitter/ mit einer Schärffe und Trückne.
    XX. Noch haben wir zwey Geschlecht der gemeinen Scabiosenkräuter/ nemlich die wir im täglichen gemeinen Gebrauch haben/ welche das zwantzigste und ein und zwantzigste Geschlecht sind/ die wir allwegen meinen/ so wir der Scabiosenkräuter ohn ein Zusatz gedencken. Des einen Blätter so unten auf dem Grund ligen nächst der Wurtzel/ sind lang/ rauh und zerkerfft/ doch je höher sie den Stengel hinauff wachsen/ je subtiler und tieffer sie zerschnitten und zerkerfft werden/ der Stengel ist rund/ rauh und haarechtig/ spreitet sich oben aus in etliche nebenzweiglein/ deren jedes eine runde zusammen gedrungene Blume von vielen Hülßlein bringet/ aller Gestalt gleich wie die Blumen am weissen Andorn anzusehen/ dieser Blumen werden etlich schön blau oder braunroht/ und auch etwan Schneeweiß/ solches Geschlecht wird von den Kräutlern für das Weiblein gehalten.
    XXI. Das ein und zwantzigste Geschlecht/ ist dem jetztgemeldten mit Wurtzel/ Stengel und Blumen gleich/ außgenommen/ daß die Untersten zum theil gantz/ und auch zum theil weniger zerschnitten sind/ das wird von den Kräutlern für das Männlein gehalten.

Von den Namen der Scabiosenkräuter.
    Wiewol die gemeinen Scabiosenkräuter/ bey allen Aertzten/ Apotheckern/ und auch dem gemeinen Mann wol bekannt/ hat man doch keinen Namen oder eintzige Beschreibung noch biß daher bey den alten Lehrern finden können/ die sich mit diesem Kraut haben wollen vergleichen/ wiewol sich etlich höchlich bemühet/ und es mit den Haaren zu dem STOEBE der Alten wollen ziehen/ die andern haben ein CIRSIUM daraus wollen machen/ aber ihre Mühe und Arbeit ist umsonst und vergebens gewesen. Dieweil dann auch uns noch nie keine Beschreibung der Alten ist zur Hand kommen/ die mit diesem Kraut zuschlagen wil/ wollen wir uns mit dem gemeinen Namen behelffen/ sintemal die Kräfft und Tugenden dieses Krauts uns bekannt sind. Lateinisch/ PSORA, SCABIOSA, und HERBA APOSTEMATICA. Hochteutsch/ Scabiosen/ Scabiosenkraut/ Apostemenkraut/ Pastemenkraut/ Pestemenkraut und Grindkraut.
    I. Das erste Geschlecht mit der grossen braunen Blumen/ wird SCABIOSA MAJOR FLORE PURPUREO von den Kräutlern genannt. Teutsch/ groß braun Scabiosen.
    II. Das zweyte Geschlecht/ wird von den Kräutlern SCABIOSA MAFOR FLORE EX CAERULEO PURPUREO genannt. Teutsch/ groß Purpurblau Scabiosen.
    III. Das dritte Geschlecht wird genannt von den Kräutlern SCABIOSA MONTANA PEREGRINA, und SCABIOSA NARBONENSIS. Hochteutsch/ Bergscabiosen und Scabiosen aus Languedock/ oder Provintz-Scabiosen.
    IV. Das vierdte Geschlecht/ heisset bey den Kräutlern SCAVIOSA MAXIMA und SCABIOSA ALPINA. Hochteutsch/ Alpscabiosen.
    V. Das fünfft Geschlecht/ wird von den Kräutlern SCABIOSA MAJOR HISPANICA genannt. Hochteutsch/ Spanische Scabiosen.
    VI. Das sechst Geschlecht/ heisset bey den Kräutlern SCABIOSA SEGETALIS, oder SCABIOSA ARVENSIS. Teutsch/ Ackerscabiosen.
    VII. Das siebend Geschlecht/ wird von den Kräutlern SCABIOSA LATIFOLIA, SCABIOSA RUBRA AUSTRIACA, und SCABIOSA LATIFOLIA AUSTRIACA genannt.  Hochteutsch/ breite rohte Scabiosen/ und Oesterreichische Scabiosen.
    VIII. Das achte Geschlecht/ wird von den Simplicisten SCABIOSA LATIFOLIA PEREGRINA genennet/ und Teutsch/ fremd breit oder roht Scabiosen.
    IX. X. XI. XII. XIII. Das neundte/ zehende/ eilffte/ zwölffte und dreyzehende Geschlecht der Scabiosenkräuter/ werden SCABIOSAE MINORES von den Kräutlern genannt.  Hochteutsch/ klein Scabiosen.
    XIV. Das vierzehende Geschlecht/ wird von den Kräutlern SCABIOSA OVINA genannt/ Hochteutsch/ Schaafsscabiosen.
    XV. Das fünffzehende Geschlecht/ wird SCABIOSA MONTANA MINIMA, von den Kräutlern genannt. Hochteutsch/ klein Bergscabiosen.
    XVI. Das sechszehende Geschlecht/ hat noch keinen besondern Namen/ Ich habs SCABIOSAM PEREGRINAM FOLIIS NON DISSECTIS genannt.
    XVII. Das siebenzehende Geschlecht/ wird von den Kräutlern SCABIOSA PROLIFERA genannt.
    XVIII. Das achtzehende Geschlecht/ wird von den Kräutlern SCABIOSA MAJOR ALBA genannt/ und Teutsch/ groß weiß Scabiosen.
    XIX. Das neunzehende Geschlecht/ haben wir SCABIOSAM CORDATAM genannt/ dieweil die Blätter wie ein langes Hertz vornenher formiert sind/ zu Teutsch/ Hertzscabiosen und Hertzblat.
    XX. XXI. Das zwantzigst und ein und zwantzigste Geschlecht der scabiosen/ die werden von den Kräutlern das Männlein und Weiblein genannt. Lateinisch/ SCABIOSA MAS, und SCABIOSA FOEMINA. Das sind beyde Scabiosen/ die wir täglich gebrauchen/ und ohn allen Zusatz Scabiosen nennen.

Von der Natur/ Krafft/ Würckung und Eigenschafft der Scabiosen.
    Alle Geschlecht der Scabiosenkräuter/ sind warmer und truckener Natur und Eigenschafft/ biß in den zweyten Grad/ aber die zwo gemeinen Scabiosen/ nemlich das Weiblein und das Männlein/ die man heutiges Tages in allen apothecken brauchet/ soll allwegen verstanden werden/ so der Scabiosen ohn ferneren Zusatz gedacht wird/ welche dann von allen MEDICIS zu vielen Gebrechen innerlich und äusserlich höchlich gelobet und gepriesen wird. Es haben die EMPIRICI etliche Bachanten Verßlein von der Scabiosen/ darinnen ihre fürnemste Krafft und würckung beschrieben sind/ die soll wie fürgeben Pabst URBANUS gemacht haben. Die lauten also:

URBANUS PER SE NESCIT PRETIUM SCABIOSA,
NAM PURGAT PECTUS, QUOD COMPRIMIT AGRA SENECTUS.
pURGAT PULMONEM, LATERIS SIMUL & REGIONEM,
RUMPIT APOSTEMA, & LENIT VIRTUTE PROBATA,
EMPLASTRUMQUE FORIS NECAT ANTHRACEM TRIBUS HORIS.
Das ist/ zu Teutsch:
Pabst Urban saget für sich/
Er wisse nicht wie wunderbarlich
Daß er möchte Scabiosen preisen/
Ja ihr Lob und Tugend beweisen.
Die Brust machet sie weit und rein/
Reinigt die Lungen und Seiten fein/
Bricht innerliche Apostemen gemein.
Pflastersweiß auff d'Zinnblatter gelegt/
In dreyen Stunden sie auffbricht.
    Es ist beyde das Kraut und die Wurtzel im Gebrauch/ das Kraut samlet man ein/ wann es in voller Blühet ist/ und die Wurtzel im Frühling/ so bald die Blätter herfür stossen/ zu welcher Zeit sie voller gekochtes Saffts/ und am allerkräftigsten ist.

Innerlicher Gebrauch der Scabiosen.
    Man brauchet heutiges Tages die Scabiosen fürnemlich zu der Brust und Lungen/ dieselbigen zu reinigen/ zu sänftigen und zu mildern/ den zähen Schleim und Koder abzulösen/ kalte Geschwär und innerliche Apostemen/ sonst PLEURITIDES genannt/ zu zertheilen und zu erweichen/ in solchen Gebrechen bereitet man fast nützliche Träncke darvon/ mit andern guten Stücken/ als rein geschabnem Süßholtz/ Meerträublein von den Kernen gereiniget/ schwartzen und rohten Brustbeerlein/ SEBESTEN und JUJUBAE genannt/ Marsilierfeigen/ gewäschen und in etliche Stück zerschnitten/ Damascener Pflaumen/ oder Ungerische süsse Quetschgen/ Roßhub/ Mertzviolen/ oder dergleichen Stück der Brust und lungen dienstlich/ mit Zucker oder Honig süß gemacht/ und darvon Morgens und Abends jedesmal auf die 4. Untzen warm getruncken/ das benimmt den hefftigsten und unruhigen Husten/ maachet weit um die Brust/ und einen leichten Athem/ zertheilet allen innerlichen zähen Schleim und Lungenkoder/ und was sich in der Brust und Lungen anhencket/ erweichet die apostemen der Lungen/ Burst und Seiten/ und reiniget den Wust und Eiter darvon/ und machet leichtlich außwerffen.
    Oder/ mache vor die Apostemen und Brust-Geschwär nachfolgenden heilsamen Tranck: Nimm Scabiosenkraut/ anderthalb Handvoll/ zwölff gute frische gewaschene Korbfeigen in etliche Stück zerschnitten/ Zibeben von Kernen gereiniget/ rein geschaben und geschnitten Süßholtz/ Fenchelsaamen/ jedes 2. Loth/ Anißsaamen/ schwartze und rothe Brustbeerlein/ Florentinische Veyelwurtz/ jedes 1. Loth. Alle gemeldte Stück soll man klein zerschneiden/ darzu thun 4. Untzen guten Zucker/ solches vermischen und in eine Kante thun/ darüber schütten ein Maß frisch Brunnenwasser/ den Ranfft der Kanten mit einem Rockenteig sauber verlutieren/ die Kante in ein Kessel mit siedendem heissen Wasser setzen/ und zum wenigsten vier Stunden in stäter Hitz sieden lassen/ darnach soll man dem Krancken alle Morgen und Abend/ jedesmal auf die 4. Untzen warm zu trincken geben/ der erweicht die Apostemen und Brustgeschwär/ und führet sie durch den Husten aus.
    Oder/ mache zu den gemeldten Gebrechen nachfolgenden bewährten Tranck: Nimm Scabiosenkraut/ anderthalb Handvoll/ Roßhub/ 1. Handvoll/ 10. Damascener Pflaumen/ Mertzviolen/ 1. Handvoll/ der kleinen Roseinlein/ zwey Loth/ der rohten und schwartzen Brustbeerlein/ jeder an der Zahl 20. rein geschaben und geschnitten Süßholtz/ 1. Loth/ Zuckerpenid/ 3. Untzen/ verschläumtes Honigs/ 1. Untz. Alle gemeldte Stück müssen sauber gewäschen und zerschnitten seyn/ die thut man darnach in eine bequeme Kante/ und schüttet ein Maß oder 64. Untzen frisch Brunnenwasser darüber/ verlutiert die Kante/ und lassets 4. Stunden in einem Kessel mit Wasser sieden/ darnach brauchet man den Tranck wie den vorigen. Oder/ nachfolgenden Tranck der offtermals ist probiert worden: Nimm Scabiosenkraut/ Teufelsabbißkraut/ jedes 1. Handvoll/ 12. gewäschener und geschnittener Korbfeigen/ Fenchelsaamen/ rein geschaben und zerschnittenes Süßholtz/ jedes 2. Loth/ Scabiosenwurtzel/ Abbißwurtzel/ Anißsaamen/ schwartze und rohte Brustbeerlein/ Corinthträublein/ Veyelwurtzel/ jedes 1. Loth/ Fönigecksaamen/ ein Quintlein. Alle gemeldte Stück müssen klein geschnitten seyn/ und die Saamen ein wenig zerquetscht/ darnach so vermischs mit den andern Stücken/ und thue ferner darzu/ Penidzucker/ Canidzucker/ jedes 2. Untzen/ Thue alle gemeldte Stück in ein bequemes Geschirr oder Kante/ schütte darzu anderthalb Maß frisch Brunnenwasser/ verlutier den Ranfft mit einem Rockenteig/ stelle die darnach in ein Kessel mit siedendem Wasser/ und lasse die fünff oder sechs Stund darinn sieden/ darnach wann der Tranck vor sich selbst kalt worden ist/ so gebrauch des Morgens und Abends/ jedesmal 4. oder 5. Untzen warm davon: Dieser Tranck zeitiget und weichet alle innerliche Apostemen/ führet sie durch den Husten aus/ reiniget die Brust und Lungen/ benimmet das Seitenstechen und dergleichen Brustgeschwär.
    Geläutert Scabiosensafft mit Honig temperiert/ und jederweilen 1. Löffel voll davon eingenommen/ reinigt die Brust und Lunge von dem zähen dicken Schleim/ und machet den leichtlich außwerffen. Das thut auch die Wurtzel gepülvert/ so man die mit drey Theil honigs zu einer Lattwergen vermischet/ und jederweilen einer halben Castanien groß darvon einnimmt.
    Das Apostemenkraut in Meth oder Honigwasser den dritten Theil eingesotten/ durch ein sauber Tuch abgesigen/ und davon Morgens und Abends/ jedesmal 1. Untz oder 4. warm getruncken/ hat gleiche Würckung.
    Wider den kalten Husten: Nimm Apostemenkraut/ 2. Handvoll/ Roßhub/ 1. Handvoll/ Ysop/ 5. Handvoll/ frische Korbfeigen gewäschen und in vier Theil zerschnitten/ 6. Loth/ Süßholtz/ klein Rosinlein/ süsse Ungerische Quetschgen/ jedes 2. Loth/ Zibeben oder Bamascenische Träublein/ schwartze und rohte Brustbeerlein/ jedes anderthalb Loth/ Zerschneide die Kräuter/ das Süßholtz und die Pflaumen/ thue solche mit allen obgemeldten Stücken vermischt in ein Kesselein/ schütte darüber ein Maß frisch Brunnenwasser/ und ein halb Maß Weins/ laß mit einander den dritten Theil bey einem linden Kohlfeuerlein einsieden/ darnach laß durch ein sauber Tuch lauffen/ thu darzu Penidzucker/ frischen Jungfrauen Honig/ jedes 3. Untzen/ setze es wieder in ein Kesselein über ein lindes Kohlfeuerlein/ laß wiederum ein Wall oder zehen sieden/ darnach verschäums/ und seihe es zum andernmal durch. Von diesem Tranck trinck alle Morgen und Abend/ jedesmal 4. Untzen warm/ er hilfft wunderbarlich vor den Husten/ und führet allen Schleim und Unrath durch den Husten aus.
    Scabiosenkrautsafft im Honig vermischt/ und des Tages und Nachts zum öfftermal 1. Löffel darvon eingenommen/ kommt denen zu Hülff die Eiter auswerffen/ das thut auch das Pulver von der Wurtzel zu einer Lattwergen mit Honig temperiert/ und jederweilen einer halben Castanien groß eingenommen.
    So einem die Lunge faulet/ so nimm Pastemenkrautwurtzel/ 2. Loth/ Ehrenpreiß/ aufgetrucknet Schlehenblüht/ jedes 1. Handvoll. Zerschneide das Kraut und die Wurtzel/ vermische es durch einander/ thue sie in eine Kante oder ein ander bequem Geschirr/ schütte darüber guten weissen Wein und frisch Brunnenwasser/ jedes 23. Untzen/ guten scharffen Weineßig/ 2. Untzen/ und verschäumt Honig/ 3. Untzen/ verlutier den Ranfft der Kanten wol/ daß nichts ausriechen mag/ setze darnach die Kante in einen Kessel mit siedendem Wasser/ lasse darinnen drey Stunden mit einem stäten Feuer sieden/ und wann es kalt worden ist/ so seihe es durch ein Tuch/ und trincke des Tages viermal allwegen 3. Untzen warm davon.
    Oder/ nimm Scabiosenwurtzel/ 2. Loth/ Buchspick/ spitzen Sanickel/ Schlehenblüht/ Ehrenpreiß/ jedes 1. Loth/ stosse diese Stück zu einem subtilen Pulver/ und thue darzu 6. Loth gepülverten tabulierten Rosenzucker/ vermische es durch einander/ und behalts zum Gebrauch/ darvon nimm morgens und Abends ein halb Loth/ und isse es mit einem schnittlein Brods in süssem Wein geweichet/ du solt es auch in allen deinen Speisen gebrauchen.
    Scabiosenkraut frisch gestossen/ den Safft darvon außgepresset/ und 3. Untzen desselben warm getruncken/ treibt die Würm aus dem Leib und tödtet sie. Diese Artzney dienet auch wider alle innerliche Geschwär/ und sonderlich wider die apostemen der Brust und Lungen: wider die gifftige Biß der Schlangen und Scorpionen.
    Wider die Pestilentz: Nimm 3. Untzen geläuterten Scabiosensafft/ gute Nägleinblumen oder Ringelblumen/ oder aber Geißrautenblumeneßig/ 1. Loth/ des besten Andromachischen Theriacks/ 1. Quintlein/ temperier diese Ding durch einander/ und gibs dem Krancken warm zu trincken/ lasse ihn zum wenigsten drey Stund wol darauff schwitzen/ das treibet das Geschwär heraus/ und führet alle pestilentzische Vergifftung durch den Schweiß hinweg.
    Oder/ nimm Scabiosenwurtzel/ 3. Loth/ Meisterwurtzel/ weissen Diptam/ Baldrianwurtzel/ Entzian/ jedes 2. Loth. Diese stück stosse zu einem reinen Pulver/ schlags durch ein Sieblein/ und behalts in einem ledern Säcklein zum Gebrauch. Von diesem Pulver brauch des Morgens ein drittheil eines Quintleins/ mit einem Schnittlein Brots in weissen Wein geweichet/ oder aber trincks ein mit einem Löffel voll Weins/ das behütet den Menschen denselben Tag vor aller Pestilentzischen Vergifftung. So aber einen die Pestilentz angestossen hätte/ der nehme des gemeldten Pulvers 1. quintlein/ guten Andromachischen Theriack/ 1. Quintein/ gedistilliert Scabiosenwasser/ 4. Loth/ guten Nägleinblumeneßig/ 2. Loth. Alle diese Stück temperier druch einander zu einem Träncklein/ und gibs dem inficirten Menschen warm zu trincken/ lasse ihne darnach drey Stunden darauf schwitzen/ so treibet dieser Tranck alle pestilentzische Vergifftung durch den Schweiß aus/ und entlediget den Menschen/ so man die Artzney innerhalb 12. Stunden/ nach dem es einen angestossen/ gebrauchet.
    Scabiosenkrautwurtzel/ oder den Safft davon/ in alle weg gebrauchet/ es sey vor sich allein/ oder aber in Speiß oder Tranck auff allwege/ ist es eine gewisse Artzney/ die Carbunckeln oder Zinnblattern zu vertreiben und zu heilen/ gleicher Gestalt gebrauchet/ dienet es auch wider das sorgliche Halßgeschwär ANGINAM, davon manchmal der Mensch ersticken muß.
    Scabiosenkraut und Wurtzel ein gut Theil mit einander in weissen Wein den dritten Theil eingesotten/ und dann von dem durchgesiegenen Tranck alle Morgen und Abend/ auf die 4. Untzen warm getruncken/ ist ein treffenlicher und edler Tranck die alten Schäden/ und sonderlich die Fisteln der Brust damit zu heilen.
    Wider die Fisteln/ alte flüßige Schäden/ und dne Krebs/ ist folgender Wundtranck ein überaus köstliche Artzney/ dieselbigen zu heilen: Nimm Scabiosenkraut/ 2. Handvoll/ Ehrenpreiß/ Odermenig/ Teufelsabbiß/ Garaffelkraut/ Bruchsanickel/ jedes eine Handvoll/ Braunlattich/ Künigundkraut/ Buchmangolt oder Buchspick/ groß Nesselfahrn/ jedes ein halbe Handvoll/ Scabiosenwurtzel/ 3. Loth/ Garafelwurtzel zwey Loth/ Schwalbenwurtzel/ 1. Loth. Alle gemeldte Stück schneid klein/ thue sie in ein bequem Geschirr oder Kante/ und noch ferner darzu ein Viertheil Zucker/ guten weissen Wein/ ein halb Maß und 1. Maß Wassers/ verlutier den Ranfft der Kanten wol mit einem Rockenteig/ stell sie darnach in ein Kessel mit siedendem Wasser/ und lasse sie darinn auf 5. oder 6. Stunden sieden/ folgends thue sie heraus/ und lasse also verlutirt kalt werden/ damit nichts außrieche/ alsdann seihe den Tranck darvon ab/ durch ein sauber Tuch/ behalte den an einem kühlen Ort/ und gib den schadhafften alle Morgen und Abend jedesmal 4. oder 5. Untzen davon zu trincken.
    Ein ander Tranck zu allen flüßigen Schäden der Schenckel/ so ein enger und kurtzer Athem darbey ist: Nimm der grossen Scabiosenwurtzel mit braunen Blumen/ 2. Handvoll/ der gemeldten Scabiosenblumen mit ihren Knöpffen/ weissen Andorn/ Brandlattich/ jedes 1. Handvoll/ Judenkirschen/ 4. Loth/ rohten Myrrhen/ 1. Loth. Zerschneide die Wurtzel und Kräuter klein/ den Myrrhen und Judenkirschen stoß ein wenig in einem Mörser/ vermischs durch einander/ thue sie darnach in eine Kante/ und thue darzu 4. Untzen guten Zucker/ Scabiosenwasser von der gemeldte grossen Scabiosen/ von Kraut und Wurtzel gedistillirt/ und guten firnen weissen Wein/ jedes 32. Untzen/ gedistillirt Andornwasser/ 16. Untzen. Verlutier die Kante beheb zu/ laß obgemeldter massen 5. Stund in einem Kessel mit Wasser sieden/ darnach seihe es durch zu dem Gebrauch/ und gib dem schadhafftigen alle Morgen und abend/ jedesmal 3. oder 4. Untzen davon warm zu trincken/ wann dieser Tranck außgetruncken/ so seude wiederum ein frischen.
    Scabiosenkraut und Wurtzel ist fürtreffenlich gut/ das unsauber Geblüt zu reinigen/ und dienet für Krätz/ Grind und alle Unreinigung der Haut/ als die schwartz und weisse Muselsucht/ Flechten/ Frantzosenkranckheit/ und die Flechten die von den Frantzosen herkommen/ derowegen die groß Scabiosen/ wie auch die gemeinen/ in allen erzehlten Kranckheiten sollen zu allen innerlichen Artzneyen vermischt werden.
    Scabiosenwurtzel von der grossen Scabiosen/ mit den braunen knöpffechtigen Blumen/ im Frühling so bald die Blätter herfür kommen/ gegraben/ gesäubert/ gewäschen/ und darnach auffgetrucknet/ sind ein herrliche und über die maß kräfftige/ erfahrne Artzney/ wider die abscheuliche Kranckheit der Frantzosen und die Frantzosenflechten/ die diese Wurtzel von Grund heraus heilet/ so man die bereitet wie die SALSA PARILLA, und den Tranck davon bereitet viertzig Tage nacheinander zum schwitzen gebrauchet/ neben gebührlicher Purgierung/ und daß man den gemeinen Tranck darvon zu der Speiß und Durst die gemeldte Zeit trincket/ und sonst alle andere Getränck vermeidet. Wo aber einer den gemeinen Speißtranck nicht trincken möchte/ der mag ihme ein Wein von den gemeldten Wurtzeln/ wie man andere Kräuter- oder wurtzelwein pfleget zu machen/ bereiten lassen/ und denselbigen zur Speiß und Löschung des Dursts trincken. Den starcken Tranck aber zum schwitzen/ muß er die viertzig Tag über/ alle Morgen und Abend auff 5. oder 6. Untzen warm trincken/ und nach Vermögen der Kräffte darauff schwitzen.

Eusserlicher Gebrauch der Scabiosen.
    Es haben die Scabiosenkräuter eine sonderliche reinigende und ablösende Kraft/ derowegen es von erfahrnen Wundärtzten/ für den Grind/ Räude/ Schäbigkeit und alle Verunreinigung der Haut/ nützlich/ äusserlich gebraucht wird/ fürnemlich aber zu dem bösen/ schädlichen und unheilbaren Haubtgrind/ den man den Erbgrind nennet/ darvon bereitet man köstliche heilsame Salben/ nimm darzu Scabiosensafft/ Menwenwurtzelsafft/ Mastixöl und Loröl. Diese seudet man mit einander/ thut ferner darzu/ Terpentin und Silberglett/ getödtet Quecksilber/ Stabwurtzsafft/ Affodillwurtzelsafft/ und ein wenig gepülvert Christwurtzel/ dieses alles temperiert man durch einander zu einer Salben/ und schmieret den Grind darmit.
    Diese nachfolgende Salb vom Scabiosensafft/ habe ich allwegen in Heilung des Haubtgrinds bewährt erfunden/ und wird also gemachet: Nimm Scabiosensafft/ Taubenkropffsafft/ Menwenwurtzelsafft/ jedes 4. Untzen/ alt Baumöl/ 16. Untzen/ scharffen Weineßig/ 8. Untzen. Lasse diese gemeldte Stück mit einander gemählich über einer linden Gluth sieden/ biß die Säffte und der Eßig verzehret sind/ darnach seihe das Oel durch ein Tuch/ zerlaß darinn 6. Loth Wachs und weich Pech/ 2. Loth/ und streue nachfolgende Stück zu einem subtilen Pulver gestossen darein/ als da sind weiß Nießwurtzel/ Christwurtzel/ lebendigen Schwefel/ schwartzen Bergschweffel/ Atrament genannt/ lebendigen Kalck/ Operment/ Silberglett/ weissen Vitriol/ Alaun/ Galläpffel/ Caminruß/ Kesselbraun/ jedes 1. Loth/ Spanischgrün/ ein halb Loth/ thue darzu ein halb Loth Quecksilber. Vermisch diese Stück fleißig zu einer Salben/ und gebrauch sie kechlich zu dem Eerbgrind/ dann sie heilet denselben vom Grund heraus/ so man die ein Tag oder zehen nacheinander brauchet/ und den Grind des Tages zweymal damit schmieret/ und je über den vierdten Tag/ das Haubt einmal mit Harn oder Weineßig sauber wäschet und zwaget.
    Scabiosenkraut frisch gehackt und gestossen/ darnach den Safft davon durch ein Tuch außgedruckt/ und das Haubt des Tages etlichmal darmit angestrichen/ vertreibet die Schüppen desselbigen.
    Scabiosenkraut gestossen und wie ein Pflaster übergeleget/ vertreibet die blauen Mähler von unterlauffenem Blut unter den Augen/ durch stossen/ fallen/ oder werffen verursachet.
    Schabiosenkrautsafft/ mit Goldschmiedborras und ein wenig Campffers zu einem Sälblein temperiert/ vertreibet die Flecken in den Augen/ darmit angestrichen. Die gemeldte Artzeney vertreibet auch die Risamen des Angesichts und allerhandd Flecken/ deßgleichen die Flechten/ Buckelen des Angesichts und Wartzen/ gleicher Gestalt gebrauchet.
    Scabiosenkrautwurtzel an den Halß gehenckt/ verhütet daß die Purpeln der Kinder die Augen nicht verderben/ darvon sie sonst blind werden.
Apostemenkrautsafft warm in die eiternde Ohren getrauffet/ säubert sie von dem Eiter/ und heilet die Versehrung derselben.
    Schabiosenkraut in Wasser gesotten zu einem Muß/ vertreibet die Geschwulst des Angesichts/ warm wie ein Pflaster übergelegt/ und so offt es erkaltet/ wieder warm übergelegt.
    Scabiosenkraut in Laugen gelegt/ und das Haubt darmit gezwagen/ reiniget dasselbige/ und vertreibet die Milwen im Haar.
    Scabiosenwurtzel gestossen/ und auf die Schmertzhafftige Zähn gelegt/ vertreibet das Wehethum.
    Scabiosenkraut frisch gestossen/ und wie ein Pflaster um den Halß und die Keelen warm gelegt/ zertheilet das sorglich Halßgeschwär ANGINAM, das thut auch der außgepreßte Safft/ den Halß warm damit gegurgelt.
    Scabiosenkrautsafft heilet die gifftigen Biß und Stich der Schlangen und Scorpionen/ darinn mit Tüchlein geleget/ oder das grüne Kraut gestossen/ und wie ein Pflaster übergelegt.
    Scabiosenkrautsafft wird auch äusserlich fast nützlich gebraucht/ wider die Räude/ Grind/ Schäbigkeit/und alle andere Verunreinigung der Haut/ dieselbigdarmit angestrichen und gerieben/ oder aber Bäder darvon gemacht. Etliche machen gute Grindsalbe von dem Scabiosensafft/ dann es auf alle Manier und Weg wider allen Grind sehr dienstlich ist/ es werde innerlich und äusserlich gebrauchet/ und dienet sonderlich darzu das folgende Sälblein: Darzu nimmt man Scabiosensafft/ 8. Loth/ Loröl/ 6. Loth. Diese seudet man über einer linden Gluth mit einander/ biß sich der Safft verzehret/ darnach seihet man es durch ein Tuch/ und vermischt darmit rein gepülverten Schweffel und Silberglett/ jedes 1. Loth/ so gibts ein sehr kräftige Grindsalbe.
    Oder/ nimm Scabiosenkrautsafft/ und guten scharpffen Weineßig/ jedes gleichviel ein gut Theil/ seude diese beyde sänfftiglich über einem linden Feuerlein/ biß sie dick werden wie ein Oel/ und schmiere den Grind/ Räude und Flechten damit/ es heilet wunderbarlich.
    Scabiosenkraut/ 2. Theil/ mit einem Theil Wegerichkraut/ klein zerschnitten oder gestossen/ darnach in Weineßig und Rosenwasser gesotten/ und warm übergelegt wie ein Pflaster/ dienet wider alle hitzige Entzündungen und Geschwulst.
    Apostemenkraut frisch gestossen/ und wie ein Pflaster über die Zinn- oder Pestilentzblattern gelegt/ öffnet dieselbige in dreyen Stunden/ und ziehet alle Vergifftung gewaltig heraus. Etliche vermischen ein wenig Saltz damit. Wann das Geschwär oder die Blatter geöffnet ist/ so nimm 1. Handvoll frisch Apostemenkraut/ stosse es wol in einem Mörser mit 4. Loth Schweinenschmaltz/ thue darzu 1. Loth guten Theriack/ temperier diese Stück wol durch einander wie ein Pflaster/ und lege es darüber/ es heilet wunderbarlich in kurtzer Zeit. Oder/ nimm Terpentin mit Scabiosensafft einmal oder drey gewäschen/ 4. Loth/ Gerstenmeel/ 2. Loth/ zween frische Eyerdotter/ Saffran/ Fleischschleim SARCOCOLLA genannt/ Mastix/ Weyrauch/ jedes ein halbes Quintlein zu Pulver gestossen/ vermische es zu einer Salben/ die lege mit Fäselein in den Schaden/ und das gemeldte Pflaster von der Scabiosen darauff/ so wirst du wunderbarliche Würckung sehen. Die gemeldte Salb reiniget und heilet auch die Pestilentzbäulen. Darzu hilfft viel/ so man täglich 4. Loth Scabiosensafft trincket/ oder daß man nehme Scabiosenkraut und Prunellenkraut/ jedes gleichviel/ stosse das zu einem reinen Pulver/ und nehme täglichen eins Quintleins schwär mit Scabiosenwasser ein/ biß die Zinnblatter gar heil ist.
    Eine andere gute Artzney die Zinnblatter zu heilen/ wann sie getödtet ist: Erstlich Scabiosenkraut mit Saltz gestossen/ und wie ein Pflaster übergelegt/ tödtet ein jede Zinnblatter in kurtzer Zeit. Darnach/ nimm Scabiosenkraut/ Wallurtz/ jedes ein Handvoll/ zerschneide sie klein/ und stosse die wol mit genugsamen Schweinenschmaltz/ daß ein Pflaster daruas werde/ davon lege ein TAg viermal über auf ein Tuch gestrichen. Oder/ nimm frisch Scaiosenkraut/ 4. Handvoll/ zerschneids klein/ stosse es wol in einem Mörser mit genugsamen Schweinenschmaltz/ thue darzu 2. Loth Theriack/ und temperiers zu einem Pflaster/ das lege des Tages viermal über.
    Scabiosenkraut und wurtzel/ eine Nacht in Eßig und Baumöle geweichet/ darnach gestossen und ein wenig gepülverten Saffran darzu gethan/ und Pflastersweiß auf die harten Bäulen und Apostemen warm gelegt/ zertheilet und vertreibet sie gewißlich/ oder zeucht sie zusammen.
    Scabiosenkraut und Wurtzel in rohtem Wein gesotten/ und alte fliessende schäden und Geschwär damit gewäschen/ darnach leinene Tüchlein in Scabiosensafft genetzt und in die Schäden gelegt/ heilet dieselben. Deßgleichen thut auch die Wurtzel und Kraut/ mit einander zu Pulver gebrannt/ und das Pulver in die Schäden gestreuet.
    Scabiosenkraut frisch gestossen/ und über die Feigblattern oder Güldenadern geleget/ die zu viel bluten/ stillet den Blutfluß sehr bald.
    Scabiosenkraut mit Wullenkraut in Wasser gesotten/ und ein Lendenbad daraus gemancht/ darinn des Tags Morgens und Abends/ jedesmal auf anderthalbe Stund gebadet/ dienet auch wider den unmäßigen Fluß der Güldenadern/ und wider den Außgang des Affters.
    Scabiosenkraut in Wasser gesotten/ und den warmen Dampff darvon in den Afftern empfangen/ miltert den grossen Schmertzen der Feigblattern.
Scabiosenkraut und Wurtzel gedörret und zu Pulver gestossen/ dasselbige in die Fisteln gestreuet/ heilet dieselben/ so der Schadhafftige darneben alle Morgen und abend viertzig Tage lang nach einander/ jedesmal 1. Quintlein der gepülverten Wurtzeln/ mit 3. Untzen Scabiosenwasser zertrieben/ warm trincket.
    Scabiosenkrautsafft heilet wunderbarlich die Löcher/ Geschwär/ und andere böse Versehrungen der heimlichen Glieder/ der Männer und Weiber/ dieselben darmit gewäschen/ und leinine Tüchlein darinn genetzet und übergelegt/ den Safft auch mit einer Spritzen darein gethan/ so die Versehrung innerlich ist.
    Wider die Geschwulst der Hoden und er Manns-Ruhten: Nimm Scabiosenkraut und Taubenkropff/ seude die in Wasser den dritten Theil ein/ thue das Wasser von den Kräutern/ und bade die Gemächte warm darinn: Darnach nimm die gesottenen Kräuter/ thue darzu halb so viel Bonenmeel/ und wieder halb so viel gestossenen Pfefferkümmel/ und mache mit genugsamen Schweinenschmaltz/ ein Pflaster daraus/ das streiche auf ein Tuch/ und legs warm über die Klöß und die Ruhten/ es ist ein sonderlich Experiment.
    Wider die bösen/ schmertzhafftigen Blattern der Hoden und der Mannsruthen: Nimm Scabiosenkraut/ Menwenwurtzel und Gänßpappeln die frisch und grün sind/ jedes gleich viel/ zerschneide die/ und seude sie in Wein/ biß daß sie werden wie ein Muß/ stosse sie darnach in einem Mörser/ und temperiers mit genugsamen Schweinenschmaltz/ streich es auf ein Tuch/ und leg es über/ es heilet die Blattern wunderbarlich.
    Scabiosenkraut getrucknet oder gedörret/ und solches auf glüende Kohlen geleget/ und die Bäume und ander Gewächs damit beräuchet/ tödtet die Raupen.

Scabiosen gedistillirt Wasser.
SCABIOSAE AQUA STILLATITIA.

    Scabiosenwasser ist heutiges Tages von wegen seiner fürtrefflichen Nutzbarkeit/ nicht allein in wolgerüsten Apothecken/ sondern auch bey allen Haußvätern in gemeneim Gebrauch/ und soll man es aber auf nachfolgende Weiß bereiten: Nimm Scabiosenkraut wan s am allervollkommlichsten zeitig ist/ mit Kraut/ Blumen und Wurtzeln/ zerhacks fast klein/ und distillier es darnach sänfftiglich in BALNEO MARIAE ab. Darnach nimm zu einer jeden Maß des aufgetruckneten Krauts/ mit aller Substantz 4. Untzen groblecht zerstossen/ lasse solches in einem BALNEO MARIAE wol verlutirt vier und zwantig Stunden beitzen/ darnach ziehe es sänfftiglich ab zum andernmal/ und stells eine Zeitlang in die Sonn zu rectificieren/ und behalts wol vermacht zum Gebrauch.

Innerlicher Gebrauch des Scabiosen-Wassers.
    Scabiosenwasser ist fast dienlich wider den Husten/ Brustgeschwär/ Apostemen/ Seitenstechen/ und alle innerliche Geschwär/ und reiniget die Brust und Lungen von allem Schleim/ Koder und Eiter/ jedesmal 4. oder 5. Loth des Tages zweymal getruncken. Man mag auch solches mit bequemen Brust-syrupen vermischen. Scabiosenwasser vor sich selbst obgemeldter massen getruncken/ ist sehr nutz und heilsam vor alle äusserliche Verunreinigung der Haut/ als da sind Räude/ Krätz/ Grind/ dann es läutert und säubert das Geblüt von aller Unreinigkeit. Ist denen fast nutz/ die zu dem Aussatz geneigt sind/ die sollen das Scabiosenwasser ohn Unterlaß gebrauchen/ auch denen so mit den Frantzosen behafftet sind.
    Es wird auch nützlich gebraucht wider die Pestilentz/ davon kan man mit Theriack/ Methridat und dem gülden Eye fast köstliche Schweißträncklein bereiten.
    Scabiosenwasser ist auch denen sehr dienlich/ die grossen Schmertzen an den Feigblattern haben/ alle Morgen und Abend 1. Untz oder 3. getruncken/ und seinen Wein oder Tranck damit vermischet.
    Wider die Lungensucht ein nützliches Träncklein: Nimm Scabiosenwasser/ 3. Untzen/ Süßholtzsyrup/ 1. Untz/ und Venushaarsyrup/ 1. Loth. Vermische das/ und trincks auf einmal des Morgens nüchtern/ und auch so viel des Abends wann du zu Bett gehen wilt. Dieser Tranck dienet auch wider den Husten/ Brustgeschwär und Apostemen.
    Wider das Stechen der Seiten: Nimm Scabiosenwasser/ Röhrlenkrautwasser/ jedes 2. Loth. Vermische es durch einander/ und trincke das halb Morgens nüchtern/ und das ander halb/ wann du zu Bethe gehen wilt des Abends.
    Oder/ nimm Scabiosenwasser/ Ysopwasser und Prunellenwasser/ jedes 2. Loth. Vermische es darnach und trincks obgemeldter massen/ des Morgens und Abends.
    Wider das Seiten-Geschwär PLEURITIUM: Nimm Scabiosenwasser/ 16. Untzen/ BIbernellenwasser/ 8. Untzen/ gedörrt Klapperrosen/ 1. Handvoll/ Zuckerpenid/ 4. oder 5. Loth. Vermische diese Stück zusammen in ein beheb Käntlein/ verlutier den Ranfft wol/ stelle das Käntlein in eine Pfanne mit siedendem Wasser/ lasse ein viertel einer Stund sieden/ wann es darnach kalt worden ist/ so seihe es durch ein Tüchlein/ und gib dem Krancken des Tages dreymal/ je über vier Stund 3. Untzen davon warm zu trincken.
    Wider das Brustgeschwär: Nimm Scabiosenwasser/ Teufelsabbißwasser/ Maulbeerenwasser/ Modelgeerwasser/ jedes 8. Untzen/ Salbeyenwasser/ 4. Untzen/ Scabiosensyrup/ Venushaarsyrup/ Zuckercandit/ jedes 2. Untzen. Laß solche Stück mit einander in einem Käntlein in ein warm Wasser gesetzet/ zergehen/ und seihe es darnach durch/ davon trinck je über vier Stunden 3. Untzen warm gemacht.
    Wider innerliche Apostemen im Leib: Nimm der gemeinen Scabiosenwasser/ der grossen Scabiosenwasser mit den braunen Knöpfflein/ Borragenwasser/ Klapperrosenwasser/ jedes 8. Untzen/ Ysopblümleinzucker/ Süßholtzsyrup/ Violenzucker/ jedes 2. Untzen. Vermische die gemeldte Stück durch einander/ thue sie in ein Käntlein/ und lasse die in einem siedenden Wasser zergehen/ darnach seihe die MATERIAM durch ein Tüchlein/ trinck dreymal des Tages allwegen 3. Untzen warm darvon.
    Das unsauber Geblüt zu reinigen: Nimm Scabiosenkrautwasser/ 12. Untzen/ Taubenkropfwasser/ Hopffenwasser/ jedes 8. Untzen/ Burretschwasser/ Ochsenzungenwasser/ Gamänderleinwasser/ jedes 6. Untzen/ des Syrups von Thymseiden/ SYRUPI DE EPITHYMO, Taubenkropffsyrup/ Ochsenzungenzucker/ jedes vier Untzen. Diese Stück soll man vermischt in einem Käntlein in siedendem Wasser zergehen lassen/ folgends durchseihen/ und alle Morgen und Abend 4. Untzen davon trincken.
    Die Fistel/ oder sonst andere faule fliessende alte Schäden zu heilen: Nimm Scabiosenwasser/ 3. Untzen/ gepülvert Scabiosenwurtzel/ 1. Quintleins schwär. Vermisch dieses/ und trincks des Morgens nüchtern und warm drey Stunden vor dem Morgenessen/ und auch so viel drey Stunden vor dem Nachtessen/ beharre solches also viertzig Tag nach einander/ neben einer guten Diät/ so wirst du grosse Ding damit ausrichten.

Eusserlicher Gebrauch des Scabiosen-Wassers.
    Das Scabiosenwasser ist ein köstlich Wasser wider das sorgliche und gefährliche Halßgeschwär ANGINAM, den Halß offtermals warm darmit gegurgelt. Und ist solches ein besonders gut Experiment/ wann man nimmt Scabiosenwasser/ 12. Untzen/ und gebrannten Wein/ 2. Untzen/ vermischt es durch einander/ und gurgelt alle vier Stunden einmal warm damit.
    Scabiosenwasser heilet auch die Zitterschen/ und die beissende Blätterlein der Haut/ sonderlich an zarten Leuten und jungen Kindern/ dieselben offtermals damit angestrichen. Und würcket aber gemeldte Artzeney kräfftiger/ so man ein wenig Goldschmiedborres in dem gemeldten Wasser zertreibet.
    Scabiosenwasser gleichfals gebrauchet/ ist eine heilsame Artzney wider die Versehrung/ Schäden/ und Löcher der heimlichen Glieder/ Weibes und Mannspersonen/ wol damit gewäschen/ und mit zarten/ reinen/ leinen Tüchern übergelegt. So man diese Artzney kräfftiger haben will/ sol man ein wenig Alaun und Weyrauch zu einem reinen und zarten Pülverlein in dem Scabiosenwasser zertrieben/ die geschädigten Ort wol darmit wäschen/ in Tüchlein überlegen/ und auch darein gespritzt/ wann der Schaden innerlich ist. Scabiosensyrup. SCABIOSAE SYRUPUS.
    Es wird heutiges Tages ein köstlicher Syrup in allen wolgerüsten Apothecken/ in Welsch und Teutschlanden/ auf folgende Weiß gemacht: Nimm des ausgepreßten und geläuterten Saffts von dem scabiosenkraut/ 1. Pfund/ seude weiter ein gemeinen Tranck von Gersten/ Venushaar/ Marsilierträublein/ von den innern Kernen gereinigt: solcher durchgesigenen Brühe nimm 2. Pfund/ guten fein Zucker/ 2. Pfund/ seude es sittiglich über einem Kohlfeur zu einem Syrup/ und verwahr den in einer Porcellanbüchsen/ und hencke darein 3. Quintlein rohter geriebener Corallen/ in ein seiden Tüchlein gebunden.
    Dieser Syrup ist über die massen köstlich/ wider die Brustgeschwär und innerliche Apostemen/ er löset ab den Koder und zähen Schleim der Brust und Lungen/ reiniget dieselbigen Glieder/ und machet leichtlich auswerffen. Er reiniget das unrein Geblüt/ und dienet wider den Grind und alle Verunreinigung der Haut. Es wird auch fast nützlich eingenommen zu der Zeit regierender Pestilentz/ faules vergifftes Lufft und Sterbensläuffen/ den Menschen innerlich zu reinigen/ und vor aller Fäulnuß zu erhalten. Er wird etwan vor sich selbst/ und auch etwan mit bequemen gedistillierten Wassern vermischt/ zu jetzterzehlten Gebrechen gebrauchet.

Scabiosenblumen Conservenzucker.
SCABIOSAE FLORUM CONSERVA.

    Aus den schönen Blumen der Scabiosen/ machet man einen köstlichen Conservenzucker/ wie folget. Man nimmt der frischen Scabiosenblumen/ ein Theil/ schneidet die mit einem bequemen Messer auff einem Schneidbrett auf das allerkleineste/ darnach stösset man es wol mit 2. Theil guten fein Zucker/ in einem steinern Mörser mit einem höltzern Stösser/ wann die nun wol vermischt sind/ verwahrt mans in einer Porcellanbüchsen/ und behaltets zum Gebrauch über Jahr.
    Dieser Conservenzucker ist eine köstliche und heilsame Artzeney wider den Husten/ Brust- und Lungengeschwär/ und dienet wider alle Gebrechen/ wie oben von dem innerlichen Gebrauch der Scabiosen gemeldet ist/ und soll aber fürnemlich in den innerlichen Apostemen gebrauchet werden. Sonst dienet er auch wol in Sterbensläuffen/ zu einem Praeservatif/ so man des Morgens nüchtern einer halben Castanien groß darvon einnimmt. Es mögen auch junge Kinder diesen Zucker heilsamlich gebrauchen.

Scabiosensaltz.
SCABIOSAE SAL.

    Aus dem Scabiosenkraut machet man ein köstlich Saltz/ nimmt das Kraut mit Wurtzel/ Stengel und Bluemen/ lasset das gantz dürr werden/ brennet es darnach zu Aeschen/ und zeucht künstlich ein heilsam Saltz daraus/ wie wir solches oben im ersten Kapitel von dem Wermuth zu extrahiren gelehrt haben. Dieses Saltz wird nützlich gebrauchet in dem Keichen ASTHMATE, deßgleichen wider die Pestilentz/ Frantzosenkranckheit/ Muselsucht/ Aussatz/ Flechten/ und allerhand bösen Grind. Man brauchet einen halben Scrupel auff einmal mit Scabiosenwasser/ und wird auch nützlich mit andern Artzeneyen vermischet.