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MONDRAUTE
Botrychium lunaria


VON DER MONRAUTHEN

    Dieweil wir biß daher vielerley Geschlecht der Rauten beschrieben/ haben wir nicht unterlassen wollen/ hier auch die Monrauten den andern gleich nachzusetzen/ und auch zu beschreiben. Es hat dieses edle Kräutlein ein kleines/ weisses Würtzlein/ mit vielen kleinen Nebenwürtzlein oder Zaseln/ davon wächst nur ein eintziges rundes Stenglein/ welches kaum einer halben Spannen oder Zwerchhand hoch wird/ daran auch nur ein Blatt gesehen wird/ das ist auff beyden Seiten in sieben oder acht Kerffen zerspalten/ ein jedes Theil anzusehen wie grosse Rautenblätter/ oder wie zween halbe Möne gegen einander über. Am obern Theil des Stengels gewinnet es ein gedrungenen/ röhtelechtigen/ runden Saamen/ gleich dem Ambrosien- oder Taubenkraut. Es wird dieses Kräutlein im Heumonat in den hohen graßechtigen Wälden an Sonnreichen Orten gefunden/ sonderlich aber bey Heidelberg auf aller Heiligen Berg. In den Gärten wil es sich nicht halten/ wann es schon gepflantzet und seiner wol gepflogen wird.

Von den Namen der Monrauten.
    Wie dieses Kräutlein bey den alten Lehrern geheissen/ oder ob sie es auch beschrieben haben/ ist ungewiß/ dann keiner noch darvon etwas geschrieben/ so ist auch uns nie keine Description der Alten zukommen/ die sich mit diesem Kräutlein vergleichen wolte/ derowegen wir mit dem gemeinen Namen zu frieden seyn müssen/ dieweil seine Kräffte/ Tugend und Würckungen uns bekandt sind. Lateinisch/ SELENITIS, RUTA LUNARIA, LUNARIA MINOR, LUNARIA JECORARIA, RUTA SELENITIS, RUTA JECORARIA, LUNARIA, BOTRYITIS, LUNARIA RACEMOSA und TORA SALUTIFERA. Hochteutsch/ Leberraut Monraut und klein Monraut. Es sagen etliche/ es solle diß Kräutlein mit dem Monschein zu und abnehmen/ also/ so mancher Tag der Monat alt/ also viel sollen die Kräutlein unterschiedliche zerkerffte Blätter bringen. Man treibet viel Abentheur mit diesem Gewächs/ sonderlich aber die Alchimisten.

Von der Natur/ Krafft/ Würckung und Eigenschafft der Monrauten.
    Es ist die Monraute/ oder das klein Monkraut kalter und truckener Natur/ wie man aus dem Geschmack leichtlich abnehmen kan/ die Wunden zu hefften fast dienstlich.

Innerlicher Gebrauch der Monrauten.
    Monrauten heilet alle innerliche Brüch und Versehrungen. Das Kraut zu Pulver gestossen/ und eines Quintleins schwär mit rauhem Wein/ darinnen Wallwurtzel ist gesotten worden/ dienet wider allerhand innerliche und äusserliche Brüch/ viertzig Tag nacheinander getruncken/ doch daß man sie nicht viel bewege. Diese Artzney ist sonderlich gut den Knaben/ so an den Gemächten gebrochen sind.
    Es dienet auch gemeldter Tranck wider das Blutspeyen/ rohte Ruhr/ und andere Bauchflüß: Deßgleichen wider den unmäßigen Blutfluß der Weiber/ wider den weissen Mutterfluß das weiß Gesicht genannt/ und ist denen eine gute heilsame Artzney/ denen der natürliche Saamen ohne ihren Willen entfleusset.
    Die Monraute wird auch höchlich gepriesen in den Wundträncken/ dann sie eine treffenliche Krafft hat die Wunden zu heilen/ und wird sonderlich nachfolgender Wundtranck sehr gepriesen/ der die Wunden fürderlilch vom Grund heraus heilet: Nim Monrauten/ anderthalb Handvoll/ Prunellenkraut/ heydnisch Wundkraut/ Wintergrün/ Maßliebenkraut/ Benedictenkraut/ spitz Wundkraut oder Hasenöhrlein/ jedes 1. Handvoll/ der Rinden von Eglentierrosen/ geeler Weiderich/ rohte Bachmüntz/ Pfersingkraut mit den Flecken/ gülden Wiederthon/ wild Angelickkraut/ Natterwurtzkraut/ Schwenckvötzlein/ jedes eine halbe Handvoll/ Eschenbaumrinden/ anderthalb Loth/ Angelickwurtz/ 1. Loth. Alle diese gemeldte Stück soll man in 2. gleiche Theil zuvor klein geschnitten und wol durch einander gemischet abtheilen/ und ein Theil in eine bequeme Kante thun/ und noch ferner darzu ein Viertheil eines Pfundes guten fein Zucker/ darnach ein Maß Weins oder Bier darüber schütten/ die Kante wol verlutieren/ in einen Kessel mit siedendem Wasser stellen/ und in einem stäten Sud vier Stunden darinnen lassen sieden/ darnach durchseihen/ und darvon des Morgens und Abends/ jedesmal vier oder fünff Loth warm trincken.

Eusserlicher Gebrauch der Monrauten.
    Die Monraute ist ein fürtreffenliches und besonders Wundkraut/ zu den frischen Wunden und offnen Schäden/ also frisch gestossen und wie ein Pflaster übergeleget/ oder aber das Kraut zu Pulver gestossen/ und in die Wunden und Schäden eingestreuet/ dann es heilet/ säubert und hefftet dieselbigen wunderbarlich. Leinine Tüchlein oder Meissel in den frischen außgepreßten Safft getuncket/ und wie ein Wundöle eingeleget/ hat gleiche Würckung.
    Sonst kan man auch guten Wund-Balsam/ und heilsame Wund-Pflaster von diesem Kraut bereiten/ welches also gemacht wird: Nimm Jungfrauenwachs/ 1. Vierling oder 4. Untzen frischen ungesaltzenen Mäyenbutter/ St. Johanskrautöl/ Terpentin/ jedes 2. Untz. Zerlasse diese Stück durcheinander/ und rühr darnach 1. Untz Monrauten zu einem subtilen Pulver gestossen darein/ so hastu ein edel Wundpflaster zu allen frischen Wunden und offenen Schäden dienlich und heylsam.